Knarrblog: Saisoneröffnung

Zwergkaninchen, diebische Freude und Segelduelle

Daumen hoch. Die SEGELreporter freuen sich auf dem Steg des Hamburger Segel Clubs über ein schönen Segel-Saisonautakt. Von links: Urs Wihlfahrt, Sven Bode, Carsten Kemmling

Endlich! Es ist vollbracht. Ich habe die ersten Segelstunden auf dem Wasser vollbracht und kann nur sagen: es war ein Genuss. Schöner Wind, etwas Sonne, glitzerndes Wasser, nette Leute. Zusammen mit einem Schuss Adrenalin und einer Prise Frühlings-Stimmung wird daraus ein schwer zu überbietender Glücks-Cocktail.

Es ging über Ostern um den vom Hamburger Segel Club (HSC) ausgetragenen Alster Act 17, ein internationales Grade 3 Match Race, zu dem maximal acht Segler aus fünf Nationen eingeladen wurden. Nach einer längeren Rennpause im Match Race sind wir Gott sei Dank noch nicht zu sehr in der Weltrangliste abgerutscht, um eine Berücksichtigung bei der Veranstaltung zu finden.

Da ein Wettkampf zu Ostern nun nicht gerade sehr familienverträglich ist, gestaltete sich die Crewsuche im Vorfeld etwas schwierig. Ein Teil der potenziellen Stammcrew scheiterte vor dem Familienrat mit dem Ansinnen, Ostersonntag um 8:00 Uhr das traute Heim zu verlassen und der Eier-Sucherei fernzubleiben.

Unsereins hat sich die Segelfreizeit geschickt mit einem sehr zögerlichen Nicken auf den lang gehegten kindlichen Hasen-Zuwachs-Wunsch erkauft. Der Osterhase kündigte die Lieferung zweier Zwergkaninchen an. Da wurde die Abwesenheit des Hausherren kaum noch bemerkt.

Team Monnin. Eben noch zu siebt beim Grade 1 Congressional Cup in Long Beach, nun zu Ostern beim Grade 3 auf der Alster

Urs und Sven haben mit eigenen Tricks und Taktiken die Saisoneröffnung ermöglicht. Sie sollen an dieser Stelle aber nicht verraten werden, weil sich die Effektivität der Maßnahmen verschlechtern könnte, wenn die beteiligten Parteien hier mitlesen. Auf echte Ratschläge zur Verlängerung der absoluten Segelzeit im unglücklichen Fall, dass eine Familie im Spiel ist, kann deshalb nicht weiter eingegangen werden.

Wie auch immer. Wir haben gesegelt! Alternierend mit zwei Dreimann-Booten vom Typ Streamline und zwei Laser SB3 Schiffen. Am Donnerstag war einer der HSC-Streamlines der Mast gebrochen. So charterte der Verein zwei Laser vom Laser-Center Ziegelmayer.

Wir kamen schwer in Gang. Einem Sieg zum Auftakt folgten zwei Niederlagen. Mit einem Erfolg gegen die an Nummer zwei gesetzten Dänen um den aufstrebenden Jungstar Nicolai Sehested schien wieder alles im Lot. Aber später stellte sich heraus, dass der Sieg wenig bemerkenswert war. Die Dänen sind noch nicht in Form. Mit nur einem Sieg wurden sie vorletzte.

So kam es zum entscheidenden Lauf gegen den Schweizer Marcel Walser. Der würde zu einer Vorentscheidung über das Erreichen des Halbfinales führen. Es wurde ein Spaß. Denn beim Start bemerkte ich, dass er sich früh zur falschen Seite der Startlinie orientierte. Mit der zugelosten gelben Flagge am Heck wollte er rechts statt links eintauchen. Ach, wie oft ist mir das schon passiert…

Favoriten-Sieger. Marc Monnin, Eric Monnin, Simon Brügger aus der Schweiz

Er durfte nur nicht zu früh darauf kommen. Wir hielten wir uns deshalb lange auch auf der falschen Seite auf. Erst kurz vor dem Eintauchen wechselten wir rechtzeitig die Seite. Herrlich, wenn ein Plan funktioniert. Es passiert selten genug. Ein Pfiff des Schiedsrichters. Penalty für die Schweiz.

Eigentlich gemein. Wäre es nicht fairer gewesen, den Gegner rechtzeitig über seinen Irrtum zu informieren? Hmm, vielleicht stimmt es, was viele sagen. Match Racen verdirbt den Charakter. Man versucht ständig, dem Gegner Gruben zu graben. Manchmal fällt man selbst hinein.

Das hätte der Strafkreis eigentlich für einen Sieg ausreichen müssen. Stattdessen gerät bei letzten Luvtonnenrundung in Führung liegend der große Laser-SB3-Gennaker ins Wasser und betätigt sich als Bremsfallschirm. Die gerechte Strafe? Vermutlich schon. Die diebische Freude über den gelungenen Start-Coup war zu groß.

Die Niederlage sollte eigentlich das Aus sein. Mit einem 4:3 Score waren die Topp-Vier schwer zu erreichen. Aber unglaublicher Weise wiesen nach der jeder-gegen-jeden-Serie fünf Teams die gleiche 4:3 Punktzal auf. Die Schweizer Monnin-Brüder lagen mit 6:0 vorne. Also waren nur noch drei Halbfinal-Plätze zu verteilen.

Die Zweiten. Mac Gurgel, Alexander Grote und Cornelius Heeschen, mein Teampartner im Virtual Skipper Team Extra Dry

Wie den Gleichstand auflösen? Der holländische Chief Umpire und Regel-Blog-Schreiber Jos Spijkerman versenkte sich tief in die abenteuerlichen Regelbuch-Auslegungen zur Auflösung aller möglichen Gleichstände. Es geht darum, wer wann gegen wen gewonnen hat. An einem Punkt werden Rennen willkürlich gestrichen. Man könnte auch würfeln. Aber am Ende stand ein nettes Ergebnis: Platz vier für Team Kemmling. Halbfinale.

Eric Monnin, der in der vergangenen Woche mit seiner Crew noch beim Congressional Cup in Long Beach im Einsatz war, durfte sich den Halbfinal-Gegner unter den drei Qualifikanten aussuchen. Nun ja, er wählte uns. Das ist natürlich ein wenig nervig. Schließlich hat das auch mit Wertschätzung des Gegners zu tun.

Na ja. Eigentlich klar, dass er den Schweizer Kollegen nicht raushauen möchte. Und Max Gurgel liegt in der Weltrangliste immerhin vor uns. Wie auch immer. Wir schlugen uns ordentlich im Halbfinale. Beide Starts gewonnen, klare Führung behauptet, aber zweimal kurz nach dem Spi-Set überlaufen worden. Genau dort, wo vor wenigen Wochen die Kinder noch Eishockey spielten.

Es sind diese Situationen, die ein solches Wochenende im Kopf überdauern. Der Spi geht hoch, verliert den Druck, die Böe rauscht in Lee vorbei, der Gegner auch, hektische Halse ohne Druck, um vielleicht noch zu retten, was nicht zu retten ist…vorbei! Zweimal das gleiche Muster.

Solche Gedanken haben bei mir eine Halbwertzeit von mehr als einer Woche. Immer wieder tauchen sie vor dem geistigen Auge auf. Gerne beim Einschlafen. Was hätte man anders machen können? Früher, schon an der Kreuz, den Verlauf der Böe scannen und dann sofort mit einer Halse reagieren müssen. Hätte das gereicht?

Vielleicht war die Böe gar nicht so stark. Vielleicht war das Setz-Manöver so schlecht. Vielleicht machte sich vor dem Wind einfach nur das vermutlich mehr als 40 Kilo höhere Crewgewicht bemerkbar. Wie auch immer. 0:2 verloren. Ein überzeugender Sieg im kleinen Finale bringt am Ende einen versöhnlichen Abschluss. Platz drei. Ein ordentlicher Auftakt.

Noch wichtiger: Es hat richtig viel Spaß gemacht. Heureka! Die Saison ist eröffnet. Endlich!

Final Result

Place Team Skipper / Crew Nat.
1 Team Monnin Eric Monnin
Simon Brügger
Marc Monnin
SUI
2 Team Gurgel Max Gurgel
Alexander Grote
Cornelius Heeschen
GER
3 Team Kemmling Carsten Kemmling
Urs Wihlfahrt
Sven Bode
GER
4 Team Walser Marcel Walser
Beat Müller
Fabio Müller
SUI
5 Team den Boer Jeroen den Boer
Martyn Punt
Joost Kroon
NED
6 Team Meyer Mitja Meyer
Robert Lau
Miklas Meyer
GER
7 Team Sehested Nicolai Sehested
Casper Hjaltelin
Jesper Blom
DEN
8 Team Nyberg Robert Nyberg
Matti Koskipää
Dennis Paetau
FIN
Carsten Kemmling
Spenden
https://northsails.com/sailing/de/

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *