Andreas Gabriel im Ruhrgebiet. Polizei verbietet das Segeln. “Die Typen waren cool”

"Man spricht viel mit sich selbst"

SR-Leser Heinz trifft Andreas Gabriel mit seinem Kajakmaran

Andreas Gabriel arbeitet sich auf seinem Kajak-Katamaran unaufhörlich weiter im Land vor. Er versucht mit seinem skurrilen Selbstbau auf einer Route über Deutschlands Flüsse (SR Film) das Schwarze Meer zu erreichen und Europa zu umrunden.

Sein Plan, das Unternehmen bargeldlos umzusetzen scheint bisher zu funktionieren. Er berichtet: „Die Menschen sind sehr hilfsbereit.“ Hier seine letzte Meldung:

„Heute morgen Olfen bei Münster verlassen. Mit zehn Eiern, zwei Würstchen, zig Brötchen (zwei belegt). Dann in Oberhausen eingefahren. Mit 20 Euro, 10 Liter Sprit, Zündkerzen, drei Litern Getränke. Dusche und Liegeplatz sind frei. Ich schlafe auf einer Charteryacht!! Ein krasser Tag!!“

Telefonpäuschen. Gabriel hält per Handy Kontakt mit "Mission Control" in Tönning. © Heinz

Aber er hat schon einige haarige Momente erlebt. Zum Beispiel bei den ersten Schleusen-Manövern. „Starker, achterlicher Wind auf eine Schleuseneinfahrt. Durch meine Masten nimmt das Boot unwahrscheinlich Speed auf. In der Schleuseneinfahrt beschleunigt es dann noch mal…wat machste um die erste Leiter zu erwischen?

…Außenborder umdrehen und Gas?….und wenn er absäuft?…Leiter verpasst? Ins nächste Boot reinbrezeln? Blöde Situationen sind das. Habe mir ein Bremstechnik mit dem Paddel  ausbaldovert…geht am besten.“

Mit dem kleinen Lappen auf 6,2 Knoten. © AG

Extreme Bedingungen hatte Gabriel auf der Weser: „Rauf mit auflaufendem Wasser nach Elsfleth…ein guter Plan. Blöd dabei: 4 Windstärken in Böen 5 von vorne. Wind gegen Strom…

Da steht ne Mörderwelle. Ist in der Regel außerhalb des Fahrwassers weniger…blöd nur, dass man da kaum aus dem Fahrwasser herauskommt:-) Also: volle Lotte rein in die Wellen…hat das Boot super geschafft. Aber an keinem Tag bisher, war ich so durchgefroren und nass!!!!“

Das Fazit von Gabriel bisher:

Biwak nach für die Nacht. © Heinz

„Die ersten anderthalb Wochen waren Wind und Wetter auf meiner Seite. Die Kanalfahrerei ist sehr trist und einsam, ein Gruß zu den Kapitänen oft die einzige Abwechselung. Man spricht viel mit sich selbst, dem Boot, dem Außenborder und allem was einem heilig ist:-)

Habe sehr viel Benzin sparen können auf den ersten Flussmeilen. Muss noch lernen die wenigen Möglichkeiten, in denen man Menschen trifft, mehr zu nutzen für mein Weiterkommen. Gottseidank hat sich bisher immer das Richtige zum richtigen Zeitpunkt ergeben.

Eingeparkt. © Heinz

Es wurde für mich eingekauft, getankt und immer wieder gibt es eine kleine Monete auf die Hand, die postwendend in meine Kanister fließt. Habe mir sogar schon dreimal den Luxus gönnen können in einer Marina festzumachen um dort ausgiebig zu duschen und etwas Zivilisation zu genießen.

Ein neuer Außenborderdeckel ist wieder drauf und mit Netz gesichert. Ihm schenke ich jetzt dauerhaft mehr Aufmerksamkeit. Vorgestern hörte sich meine Turbine etwas komisch an…ich vergaß es aber…er lief ja! Gestern Morgen in strömendem Regen zusammengepackt…sprang der Quirl dann tatsächlich nicht mehr an.

Nachtlager auf einer schwimmender Werkstatt des Wasser und Schiffahrt Amtes. © Heinz

Schraubi-Schraubi…Benzinfilter neu und ab ging die Post in einen ersten harten, nassen “Gegendenwindtag”. Habe an Klamotten alles an, was ich zu bieten habe.

Meinen Camcorder hat es bitterlich erwischt. Er befand sich in einem wasserdichten Profigestell, satt eingepackt und fest montiert auf dem Mittelsteg um Segelaufnahmen in Fahrt machen zu können. Durch die Vibration des Außenborders, hat sich das Material gegeneinander kaputtgerieben.

Weitwinkelobjektiv komplett herausgebrochen. Schrott!!! Ab Abzweiger Mittellandkanal hat mich die Wasserschutz hier auf dem Dortmund-Ems Kanal bereits zweimal in die Box gerufen:-) Habe versprochen die Segel bis zum Rhein unten zu lassen.

Andreas Gabriel nach zwei Wochen "auf See". © AG

Die Typen waren cool, alles prima. Habe sogar den Weska 2000 geschenkt bekommen. Eine Bibel der Binnenschifffahrt. Bin innerlich noch nicht voll drin in meinem System, aber gut drauf und das entwickelt sich jetzt langsam.

Habe ein wenig Schiss vor dem Rhein (wie vor einigen Dingen mehr bereits, die mir komisch vorkamen:-)….aber: Day by Day…ich schlage mich da schon durch.“

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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