Ausrüstung: Ode an den Eimer – “Technisch begabtester Segelfreund”

Eimer für alle

Yachtausrüster bieten ein breites Sortiment an Bootszubehör. Darunter allerhand Plunder, den kein klar denkender Mensch braucht. Höchste Zeit sich zur bevorstehenden Saison mal auf einen weithin unterschätzten Klassiker zu besinnen.

Pütz, Eimer

Die Pütz, der weithin unterschätzte Ausrüstungs-Klassiker. © Schorschi2/Wikipedia

Schon irre, was Segler angeblich alles brauchen. Eigentlich sollten Wasser, Wind, ein Boot und etwas Zeit genügen. Diese vier Voraussetzungen, besonders die Variablen Wind und Zeit machen die Ausübung unseres Sports eh schon kompliziert.

Beim Besuch der Bootsmessen oder einem Blick in die Kataloge der Bootsausrüster, auf Websiten und Ausrüstungstipps der Zeitschriften bin ich immer baff, was Seglern alles nahegelegt wird und sie anscheinend auch kaufen: Es werden Schilder mit unsäglichen  Sprüchen, Messing Schiffsglocken mit geflochtenem Hanfdödel, kardanische Dosen- und Flaschenhalter oder Kaffeebecherbremsen bei plötzlicher Krängung, letztere als „absoluter Problemlöser an Bord“ angeboten.

Es gibt Sonnenschirme zum Aufstecken auf die Winsch, Grillhalterungen für’s wassernahe Campen im Freizeitpark Deutschland. Der Seebär von heute scheint auf jeden Ernstfall vorbereitet, außer auf’s Segeln.

Seit es den sogenannten Knallbüdel gibt, also schon eine ganze Weile, werden Fender aller Art mit einer Leine an Bord befestigt. Ein Webleinsteg, wer den grad nicht kann macht zwei halbe Schläge, wer die auch nicht kann einige Wäscheleinenknoten übereinander. Das langte bis zur Erfindung des Fenderclips oder des Fend-Fix genannten „Einhand-Fenderhalters“ mit „stufenloser Höhenverstellung“. Geht’s noch?

Universeller Problemlöser

Leute, es braucht nur einen universell einsetzbaren Problemlöser an Bord. Er faßt etwa 7 Liter, hat oben gut 26, unten etwa 20 Zentimeter Durchmesser. Er ist meist schwarz, hat einen verzinkten Henkel und einen handlichen Strick oben dran. Er hält etwa ein halbes Seglerleben.

Damit läßt sich bei steigendem Wasserstand im Schiff, wenn alle sonstigen Problemlöser wie Pumpen ausgefallen sind, die Arche über Wasser halten. Jedenfalls solange mehr rausgepützt wird als rein kommt. Wenns nicht langt und alle aussteigen müssen, lassen sich das teure Smartphone, überlebenswichtige Papiere und ähnliche Wertsachen darin mitnehmen.

Mit dem praktschen Henkelmann läßt sich an einem unsicheren Liegeplatz die Kette für den Zweitanker an Deck tragen. In die Pütz fingere ich die Reste der geborstenen Ketchupflasche, die irgendeine Landratte vor dem Ablegen wie zuhause auf der Pantry stehen ließ.

Ablage für alles

Der Eimer rettet den vergeigten Öl- oder Spritfilterwechsel. Natürlich ist er bei Motorreparaturen (Erfahrungsbericht) dabei. Als Mülleimer  oder Ablage für alles, was heiß und fettig ist.

In der Pütz zerlegt, reinigt und fettet sich unterwegs das vernachlässigte Innenleben einer Winsch am besten, weil Sperrklinken und Federn dann nicht im Lenzer verschwinden. Man kann sie ähnlich wie geruchsintensive und empfindliche Gebereinheiten der Dieseltankanzeige in diesem ultimativen Allrounder mit nach Hause nehmen.

Im Eimer trägt der verzweifelte Segler an fernen Küsten die zerlegte Toilettenpumpe oder ein ähnlich Törn entscheidendes Teil zur nächsten Werkstatt.

Die Pütz begleitet den schwindelfreien und technisch begabtesten Segelfreund als Behälter für die Ersatzglühbirne oder Werkzeug in den Mast.

Wecker für Langschläfer

Die Schlagpütz nötigt langschlafende Luschen, im Arbeitsleben als „Minderleister“ gefürchtet, beim Törn aus der Koje. Wenn die Schiffsglocke mit Hanfdödel so erfolglos blieben wie mahnende Weckrufe langt die Drohung, der Eimer stehe mit dreckigem Hafen- oder frischem Salzwasser gefüllt als ultima ratio bereit.

Den Eimer kriegt der malade Segelfreund gereicht, dessen Apathie und grüne Gesichtsfarbe maßlose Übelkeit ankündigen.

Die Pütz fördert rasch eine handliche Menge Wasser in die Pantry, wenn unten was anbrennt. Mit ihr läßt sich ein Schiff nach unnötig langem Landaufenthalt putzen, das Ankergeschirr abspülen, der frisch gefangene Fisch küchenfertig machen.

Im Eimer gelangt das Bier oder der Weißwein abends, wenn die Batterie weich oder der Kühlschrank aus anderen Gründen stickig ist, in richtig temperierte Wasserschichten.

Für menschliche Bedürfnisse

Mit der Pütz läßt sich dem lästigen Ehrgeizling aus dem Club ein angemessenes Handicap verpassen. Der Eimer ist halt der „absolute Problemlöser“.

Mit etwas Seewasser gefüllt eignet sich die Pütz für elementare menschliche Bedürfnisse. Zugegeben, die Abdrücke der Ohren zur Aufnahme des Henkels am Allerwertesten sind nicht schön. Viele Seglerinnen oder Bordlebens-Abschnitts-Gefährtinnen zieren sich da leider prinzipiell. Dabei ist die Sache einfach: Entweder – oder, oder?

Wer einen Hygienefimmel und Probleme mit dem breit gefächerten Anwendungsspektrum hat, leistet sich mehrere. Wer möchte beispielsweise mit der gleichen Pütz, die gestern beim Ölwechsel assistierte, Stangeneis holen? Der Klassiker läßt sich übrigens platzsparend ineinander gesteckt verstauen.

Mit diesem „absoluten Problemlöser“ lassen sich Bierdosen-, Fender- und Sonnenschirmhalter, Kaffeebecherunterlager, der ganze Quatsch, den niemand zum Segeln braucht, in einem Gang von Bord tragen.

Schon doll, was so’n simpler Eimer alles kann. Gibt’s ab 12,99 €.

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Erdmann Braschos

Sein Spezialgebiet umfasst Mega-Yachten, Klassiker, Daysailor und Schärenkreuzer. Mehr über Erdmann findest Du hier.
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5 Kommentare zu „Ausrüstung: Ode an den Eimer – “Technisch begabtester Segelfreund”“

  1. avatar Ulrich Jäger sagt:

    Für fast alles beschriebene schon mal gebraucht, aber noch nie so auf den Punkt gebracht !
    Ein Hoch auf die Pütz !

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  2. avatar Sven-Hamburg sagt:

    Vergessen wurden die vielfältigen Möglichkeiten die Pütz als Spielzeug zu verwenden:
    – als Aquarium für alles, was der Nachwuchs mit dem Kescher aus dem Hafenbecken zerrt.
    – zum Nachschleppen und spielen mit der Schleppleine
    – für vielfältige Wasserschlachten
    – Aufbewahrungsort und Transportmittel für Sandspielzeug und große Sandkuchenform
    usw. der Phantasie des Nachwuchses sind keine Grenzen gesetzt

    – Ersatzankerball

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  3. avatar Oliver Schmidt-Rybandt sagt:

    Sehr schöne Ode an die Pütz! Habe zu dem Thema mal gehört, das Utensil sei für die drei “G”.
    Geschirr, Gesäß, Gesicht – passt auch gut, ist aber beileibe nicht alles, wie der Artikel zeigt.

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