Bootsbau: Friendship 36, charmanter Kielschwerter mit 80 Zentimeter Tiefgang

Boot zur Bucht mit Ballast im Bauch

Die neue Friendship 36 von Ted Fontaine ist ein ungewöhnlicher Daysailer mit charmanter Optik und geringem Tiefgang für viel Geld.

Friendship 36 von Ted Fontaine

Mit schönen Überhängen, Deckssprung, traditionellem Deckshaus ist die 11 Meter lange Friendship 36 der Charmeur unter den Daysailern © Ted Fontaine

Das gleiche Schiff nochmal, nur etwas größer, schneller und bequemer, das ist der häufigste Wunsch vieler Segler. Auch der amerikanische Eigner einer Friendship 40 wollte das gleiche Boot nochmal, allerdings mit weniger. Mit nur  80 cm Tiefgang statt 1,20 m . Er hat einen speziellen Liegeplatz in einer flachen Bucht von Long Island.

Ted Fontaine, langjähriger Mitarbeiter von Ted Hood, dem namhaften Regattasegler, Segelmacher, Bootskonstrukteur und Bootsbauer, löste die Aufgabe in bewährter Manier. Er zeichnete einen formstabil breiten Rumpf, aus dessen Kielstummel bei Bedarf ein tief ins Wasser greifendes Schwert geklappt wird. Das neue Boot wird etwas kürzer und bekommt mehr Ballast in den flachen Bauch gelegt.

Charmanter Kielschwerter

Wie sein Lehrer setzt Fontaine auf formstabil breite und schwere Kielschwerter. Außer der Steifigkeit bietet die Breite Volumen für eine komfortable Plicht zwischen dem geschwungenen Süll. Unter Deck gibt es Platz für das Nötigste.

Wie die Schwestern – es segeln über den 40 Füßer hinaus größere Friendship-Modelle – wird der Neubau mit Bugstrahlruder, Motorwinschen, entsprechender Batteriekapazität und Einbaumaschine komfortabel ausgestattet. Das Bugstrahlruder hilft beim Drehen des 11 m langen Bootes in engen Häfen. Der Propeller strömt keines der beiden Ruderblätter der Doppelruderanlage an.

Versuchung für Augenmenschen

Friendship 36 mit Klappschwert im Kielstummel

Dank großer Breite, einem Klappschwert im Kielstummel, reichlich Ballast und einer Doppelruderanlage soll das elf Meter lange Boot mit ganzen 82 cm Hafentiefgang außerordentlich flach geraten. © Ted Fontaine

Die Friendship 36 ist ein hübsches Dickschiff für Ältere. Mit dem geschwungenen Deckssprung über den ansehnlichen Überhängen und dem traditionellen Deckshaus eine Versuchung für Augenmenschen unter den Seglern. Sie bietet eine schöne Seitenansicht und beim Blick an Bord ein formschönes Oval bestehend aus Aufbau und Süll.

Mit so wenig Tiefgang empfiehlt sich der Daysailer mit Übernachtungsoption auch für Flachwasser Reviere unserer Gewässer. Gerade an unseren Seen sind kompakte Abmessungen und wenig Tiefgang oft ein K.O. Kriterien.

Ob bei einem 11 m Boot das sogenannte „Pushbutton Segelmanagement“ großer Yachten Sinn macht, sei aber dahin gestellt. Es könnte sich langsam mal herumgesprochen haben, dass in kleinen Stückzahlen gebaute und selten benutzte Boote Welten unzuverlässiger sind als beispielsweise Autos. Auch brauchen Motorwinschen Strom und müssen öfter, als dem Eigner lieb ist, angeguckt und repariert werden. Der Wartungsaufwand üblicher Winschen, Pumpen, von WC und Maschine mit dazugehörigem Propeller langt den meisten Eignern auf Dauer eigentlich.

Für ein breites Windspektrum

In der „Friendship 36“ steckt die Finesse einer langjährigen Variation amerikanischer, Hoodscher Yachtkonstruktion. Bereits der Schoner „America“ hatte einen formstabil breiten Rumpf mit deltaförmigen Spantformen und reichlich Ballast auf dem langen Kiel.

Der generös besegelte 36-Füßer deckt als formstabiles und entsprechend steifes Boot ungerefft ein breites Windspektrum ab. Jeder, der mal bei deftig viel auf einem übel zusammen geschobenen Meer unterwegs war, schätzt die Bordlebensqualität schwerer, behäbig einsetzender Dickschiffe. Da kann die Reise ruhig länger dauern als mit modernem Wackelkram.

 Daten:

Länge 11 m
Länge Wasserlinie 7,75 m
Breite 3,45 m
Tiefgang 0,81 – 1,95 m
Verdrängung 6,8 t
Ballast 3,2 t
Segelfläche 62 qm
Maschine 40 PS
Dieseltank 125 l
Frischwasser 208 l
Fäkalientank 57 l

Karbonmast und –baum, Bedienung sämtlicher Winschen, der Rollanlage, Großschot, von Achterstag und Baumniederholer auf Knopfdruck. Das Boot entsteht derzeit bei Rockport Marine als formverleimter Einzelbau und soll im Sommer fertig sein.
Preis segelfertig: 560.000 Euro

 Hintergrund:

Ted Hood setzt seit jeher, bei seinen erfolgreichen Cuppern, Cruiser-Racern und Fahrtenbooten namens „Robin“ auf formstabil breite, generös beballastete wie besegelte Kielschwerter. Auch Hoods 12er „Nefertiti“ war breit. Als Bill Koch in die Maxi Szene einstieg, schlug Hood ihm nach ausgiebigen Messreihen im Schlepptank eine 70 Tonnen Konstruktion mit Walfischbauch vor, die Hood zufolge schneller gewesen wäre als die letztlich gebaute „Matador“.

Lesetipp: Ted Hood: Through Hand and Eye. An Autobiography (ENG)

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Erdmann Braschos

Sein Spezialgebiet umfasst Mega-Yachten, Klassiker, Daysailor und Schärenkreuzer. Mehr über Erdmann findest Du hier.

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