Braschosblog: Gedanken zum Lehnstuhl-Segeln

Sackfaule Freizeitbeschäftigung

Lehnstuhlsegler? Gesehen auf einer J/80 in Dänemark. © Guido Kruse

Das sogenannte Sesselsegeln, international als „Armchair Sailing“ bekannt, die perfekt im obigen Foto visualisiert wird, ist eine feine Sache. Diese Sportart wird entweder in Ermangelung eines geeigneten Bootes oder brauchbar klimatischer Verhältnisse (in unseren Breitengraden meist im Winter, wobei dieser auch im Sommer stattfinden kann) bevorzugt von älteren Seglern daheim im Lehnstuhl bei einer Tasse Tee oder Kaffee ausgeübt.

Etwas diskret dazu auf den Beistelltisch geschobenes Gebäck ist angenehm. Ein weiterer Vorteil dieses Surrogats ist, dass es durchweg trocken und zu einem Bruchteil der Kosten praktiziert werden kann. Man braucht dazu nicht mal Vorschoter, die bekanntlich nichts als dick, dumm und wasserfest sind.

Auf die Erörterung des sportlichen, sprich verschiedene Muskelgruppen und den Körper insgesamt ertüchtigenden Aspekts dieser sackfaulen Freizeitbeschäftigung wird an dieser Stelle aus offensichtlichen Gründen verzichtet. Interessanter erscheint die Frage, welche Lektüre den versierten Segler eigentlich stundenlang im Lehnstuhl fesseln könnte, ihn ähnlich wie an der Pinne, am Rad, den Schotklemmen oder Winschen eines Schiffes ringsum alles vergessen lässt.

Die vorzügliche Bibliothek des Wiesbadener Segelbuchsammlers Volker Christmann wäre natürlich die erste Wahl. Leider hat Christmann neulich seine vermutlich weltweit bestsortierte Segelliteratur-Sammlung nach Flensburg an Oliver Berking verkauft. Ausgerechnet jetzt, wo Christmann im fortgeschrittenen Alter mit der Lektüre seiner Bestände hätte beginnen können.

Der Stuhl in Volkers Leseecke achtern hinter dem Salon zum Garten hin mit dem zur Ablage unhandlich großer, schwerer oder schon brüchiger Bücher benutzen Tisch – ich glaube es war mal ein Billardtisch – war Welten bequemer als der witterungsbeständige Sessel aus weißem Weichplastik, wie man ihn von der Terrasse von Segelclubs kennt, und der eine neue Verwendung auf der Backbordseite der J 80 gefunden hat.

Stapelbar und günstig

Keine Ahnung ob es sich dabei um einen Wink der Mannschaft dieses Bootes an den Eigner und Rudergänger handelt, oder eine schlicht und ergreifend zweckmäßige Maßnahme, den Aufenthalt auf der hohen Kante für den Steuermann ein wenig angenehmer zu machen. Die einfachen Lösungen sind bekanntlich oft die besten. Der Stuhl ist stapelbar und mit 8,95 Euro auch als preiswerte Waffe bei strittigen Wegerechtsfragen einsetzbar.

Keine Idee, wie flott sich der Stuhl auf die neue Luvseite mitnehmen lässt und wo bei frischem Wind in Momenten, wo alles flott gehen muss, dann die Pinnenverlängerung bleibt. Ich erinnere von der Terrasse auf Autobahnraststätten oder Segelclubs, dass man zum Umsetzen dieses Sessels beide Hände braucht.

Denkbar wäre auch eine permanente Lösung mit einem Stuhl an back- und steuerbord mit gekürzten Hinterbeinen zur Vermeidung nachteiliger Bremseffekte in Lee. Alternativ bieten sich entsprechende Gutschriften beim Rennwert an. Hier wäre der 1888 gegründete deutsche Segler Verband  zu konsultieren.

Vorläufer Monas

Der Sessel auf dem offenen Kielboot erinnert an die Helmut Stöberl Konstruktion „Monas“ von 1975. Der pfiffige Bayer hatte seinem Boot einen bauchmuskelschonenden Ausreitsitz für den langen Ritt auf der hohen Kante mitgegeben. Das war zwar ein durchaus praktisches, aber leider uncooles Feature. Der Eigner einer Monas musste mit der allseits belächelten Ausreithilfe für den Spott nicht sorgen.

Die Spitznamen für den Ausreitsitz greifen tief in die Bilge der Fäkalsprache und werden rücksichtshalber hier nicht wiedergegeben. Da ist der von der Clubhaus Terrasse ausgeliehene Weichplastiksessel Welten besser. Wenn die Kommentare zu blöd werden, lässt sich der Prototyp nachts wieder vom Boot heben und diskret auf die Terrasse stellen.

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Erdmann Braschos

Sein Spezialgebiet umfasst Mega-Yachten, Klassiker, Daysailor und Schärenkreuzer. Mehr über Erdmann findest Du hier.
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11 Kommentare zu „Braschosblog: Gedanken zum Lehnstuhl-Segeln“

  1. avatar rainer sagt:

    Diese unglaublich verklausulierten und profanen Artikel nerven.
    Gibt es wirklich keine interessanten News in der Segelwelt die einer Recherche würdig wären?

    Nichts für ungut aber die Qualität der Artikel von SR hat seit Herrn Braschos deutlich abgenommen.

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  2. avatar klaus sagt:

    den mist kann man sich wirklich nicht durchlesen. Zuviel Langeweile? Lieber mal über unsere erfolgreichen jungen Segler schreiben. Von denen ist hier wenn sie nicht gerade im STG sind nichts zu lesen!

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  3. avatar Stefan sagt:

    ….und zudem sind diese Plastikstühle schon seit den 70er Jahren in der französischen Hochsee- und Einhandszene ein beliebtes Sitzelement. Allerdings mit vollständig gekürzten Beinen.

    …also wenn schon das Thema, dann bitte keine journalistischen Schnellschüsse.

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  4. avatar Heini sagt:

    Ich finde:
    Bisher waren fast alle von Braschos’ Artikeln eine echte Bereicherung, mit Einblicken und Insiderinformationen, die man sonst nie bekommen hätte.
    Aber es stimmt, manchmal scheinen ihm die Gäule durchzugehen und er wird ein bißchen zu blumig / lyrisch. Da wäre weniger mehr.

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    • avatar rainer sagt:

      Ich muss meine frühere Aussage relativieren.
      Vereinzelte Artikel sind durchaus lesenswert (z.B. Talisker, über die Wallys) doch Beispiele wie dieser Artikel und das “Bekenntnis gegenüber Motoryachteignern” sind meiner Ansicht nach nicht einmal einer Kolumne würdig.
      Durch die – meines Erachtens nach – nicht so lesenswerten als auch interessanten Artikel zieht sich aber ein übermäßiger Fomulierungswahn – da wären kürzere und klarere Sätze dem Inhalt zuträglicher.

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  5. avatar Wilfried sagt:

    man sollte sich vielleicht mal vor Ort mit dem Eigner unterhalten bevor man solch einen Artikel schreibt. Ich weiß nicht ob das auf dieses Boot zutrifft (halte es aber für möglich) das es hier schlicht und ergreifend darum geht einem behinderten Seglern die Teilnahme an unserem Sport zu ermöglichen. Ich habe solche Konstruktionen oder Hilfsmittel schon ab und an gesehen auch in Dänemark. Man muss nicht immer ein komplettes Spezialschiff bauen wie

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  6. avatar sinkmaster sagt:

    Der Blog lebt von seiner Vielfalt der Beiträge. Ich bin dankbar und freu mich jeden Tag 2x aufs Einschalten. Wenn es etwas gibt was ich nicht lesen will, drück ich links oben auf den Zurückpfeil. Niemals würde mir einfallen, solche unnötig abwertenden Kommentare abzugeben. Braschos, weiter machen!

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  7. avatar Wikileaks sagt:

    Um dem Ganzen mal einen etwas konstruktiveren Kurs zu geben:

    Ich schätze Erdmann’s Beiträge grundsätzlich sehr, aber hier ist er sicher etwas abgedriftet. Wir würden uns alle mehr über Beiträge zu diesen Events freuen:

    J80 WM:
    http://events.sailracer.org/eventsites/j80_results.asp?eventid=99949

    Melges 32 EM:
    http://www.melges32.com/?p=news&id=919

    Audi Sardinia Cup:
    http://www.yccs.it/index.php?option=com_content&view=article&id=311%3Aporto-cervo-dal-1106-al-1706&catid=18%3Aregate-2012&lang=en

    Alle drei Events fanden in den letzten drei Wochen statt, wurden aber leider von SR vernachlässigt…
    …zu Gunsten eines Plastikstuhls.

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  8. Na das klingt ja mal nach einer sehr interessanten Alternative 😉 Verrückt, auf welche Ideen die Leute heutzutage kommen.

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  9. avatar Hans sagt:

    Hier geht es ja ganz schön ab. 😀 Ich finde es gerade gut, dass die Artikel hier völlig verschieden sind. So weiß man nie, was einen hier erwartet. Dass es natürlich auch Gegner dieses Schreibstils gibt, lässt sich natürlich nicht vermeiden.

    Von mir aus aber Daumen hoch! Mach weiter so und ich komme immer wieder gerne vorbei.

    Viele Grüße
    Hans

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  10. avatar Yachtcharter sagt:

    super tolle Texte! Ihr habt echt tolle Ideen und es ist mal interessant die Erfahrungen anderer auf so nette Art lesen zu dürfen. Weiter so, ich werde von nun an des Öfteren mal euren Blog besuchen und mich von euren Artikeln überraschen lassen 🙂
    Liebe Grüße
    Sonja

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