Braschosblog: Kai Wohlenberg sammelt Klassiker-Yachten

Sammler und Jäger

Wie der Flensburger Kai Wohlenberg seine Begeisterung für klassisch schöne Boote mit einer sehenswerten Flotte auslebt.

Boot-Sammler Kai Wohlenberg

Wenn es sein muß, geht der Flensburger Boot-Sammler Kai Wohlenberg auch im Regen auf Klassiker-Jagd. © Bootsschuppen

Die Frage, wie viel Platz das Thema Nr. 1 im Leben einnehmen  darf, zumal es von Arbeit und Familie meist gut ausgefüllt ist, zählt zu den leidlich diskutierten Dauerbrennern jedes Seglerhaushalts. Von der Materie in Beschlag genommene Jungs sind da bekanntlich etwas anderer Auffassung als ihre weniger affizierten Lebensgefährtinnen.

Nach landläufiger Auffassung geht ein Boot gerade noch, wenn es es aus pflegeleichtem Kunststoff ist. Ab und zu ne Pütz Wasser mit schmutzlösenden Essenzen, ein Griff zum Schrubber, etwas flott aufgetragene Politur, alljährlich aufgefrischtes Antifouling und der gelegentliche Besuch beim Bootsausrüster für ein kleines Beschlagsupdate. Da kann es daheim in der Kajüte eigentlich keinen Mecker geben, oder?

Einen richtigen Hau

In diesem Kontext und gerade jetzt – in der Flaute zwischen Weihnachten und Neujahr – wo der Segelkalender startklar für 2013 am Nagel hängt oder der Bootshaken etwas Zuwendung bekommt (Ziehklinge, 80er bis 120er Papier und ein paar Lagen Lack) mache ich auf den Flensburger Kai Wohlenberg aufmerksam. Erstens, weil der Wohlenberg ein sympathischer Kerl ist, zweitens eine herrliche Sammlung hinreißend schöner klassischer Boote hat und drittens einen richtigen Hau.

Eine Auswahl von Wohlenberg Klassikern

Eine Auswahl von Klassikern in Wohlenbergs Schuppen. © Bootsschuppen

Obwohl man bekanntlich immer nur ein Boot segeln und pflegen kann, hat der 50-jährige nicht zwei oder drei sondern mehrere. Wie viele es genau sind, ist schwer zu sagen, weil bei Wohlenberg ständig ein schönes Exemplar dazu kommt. Außerdem gibt es phantasievoll verschachtelte Eigentumsverhältnisse, welche die Bürde des Betriebs geschickt auf mehrere Schultern verteilt.

Man kennt das von Beteiligungsgesellschaften aus der Schifffahrt, von Banken oder Holdings. Nur hat es bei Wohlenberg keine steuerlichen Gründe, weil er zwar viel wohlgeformtes Holz, aber nicht besonders viel Schotter hat.

Außerdem geht es ihm weniger ums Haben und Segeln als ums Verwahren und Angucken. Das versteht jeder, der seine Kollektion in der Nähe des ehemaligen Flensburger Güterbahnhofs sieht, wo Wohlenberg das Grundstück seines Großvaters sinnvoll nutzt. Wenn irgendwo ein kostbarer 15er Schärenkreuzer, die Schale eines 22ers, oder ein kompletter 30er, ein 5,5er, ein 6er, ein Knarrboot, ein klassisches International One Design, ein Nordischer Kreuzer oder ein charmant geklinkertes Motorboot zu haben ist, ist Kai Wohlenberg schon unterwegs.

Lastenfahrrad statt Auto

Autos sind in der Anschaffung und im Unterhalt teuer, weshalb Wohlenberg sich keins leistet und übliche Besorgungen mit einem Lastenfahrrad erledigt. Die Ladefläche vor der Lenkstange hat den Vorteil, dass sich da problemlos ein Bordklo, ein Kasten Bier oder eine zerlegte Winsch durch Flensburg kurven lässt und er die kostbare Fracht immer im Blick behält. Wär ja schade, wenn ihm in einem Schlagloch etwas fürs Boot von der Pritsche fällt.

Den Kleintransporter für Bootstransporte leiht er von seinem Freund Oliver Berking. Der hat außer einer Silbermanufaktur und assoziierter Werft eine große Familie. Wenn Wohlenberg gerade wieder ein Boot holt, müssen Berkings Kinder dann mal eben zu Fuß zur Schule. Denn solche Transporte dulden keinen Aufschub. Wenn Wohlenberg mit dem Gespann in Dänemark oder Schweden vorfährt, ist es für das Objekt zwei Minuten vor Zwölf. Da liegt die sprichwörtliche Kettensäge meist schon bereit.

Langsam wird es eng in seinem Bootsschuppen, weshalb Berking einen der geretteten 15er, die „Ramona“ von Anno 1948, ohne Bleiballast als maritime Deko und Inspiration in der Halle aufhängen ließ. Dort schwebt das Boot schön wie ein Halbmodell vor der Wand.

Die Beziehung zu Oliver Berking

Die Freundschaft zwischen dem Erben der traditionsreichen Silbermanufaktur und dem gelernten Parkettverleger Wohlenberg begann irgendwo am Wasser mit der Erkundigung Berkings: „Sag mal, bist Du zufällig Kai Wohlenberg“? Worauf Wohlenberg flapsig entgegnete, „Nö, wie kommst’n darauf?“

Solche Antworten gehen meistens schief, manchmal aber auch gut. So begegneten sich die beiden als Segler und Buddies von Anfang an auf Augenhöhe. Der joviale Handwerker machte den langjährigen Folkebootsegler Berking zunächst mit dem 5,5er bekannt. Sie segelten gemeinsam Regatten und aus Oliver Berking wurde „Meterklassen Olli“, ein Markenfuchs, der seit Jahren 5,5er, 6er, 8er und 12er zum Regattasegeln an die Flensburger Förde holt.

Bald stieg Berking in einen Sechser um, hatte eine Weile einen schönen A&R-Achter und war Miteigner des ehemaligen Marinezwölfers „Sphinx“. Berking hatte das Schiff gemeinsam mit Segelfreunden im Herbst 2005 ersteigert. Die Instandsetzung dieses Schiffes ist Wohlenbergs Gesellenstück. 2006 bis 8 kümmerte er sich als Projektleiter und Berkings rechte Hand in einer temporären Werft um die Sanierung des morschen Zwölfers.

Da lag die Gründung eines richtigen Betriebes zur Bootslagerung, den Neubau klassischer Boote und für Reparaturen nahe, die Werft Robbe&Berking Classics. Wohlenberg half bei der Planung und Einrichtung der Werft, zog sich dann aber zurück. „Sphinx war eine tolle Sache“ erinnert er. „Die Leitung eines 15 Mann Betriebes wurde mir aber zu viel. Ständig da irgendwelche Stundenzettel ausfüllen und organisieren, das ist nicht mein Ding. Ich merkte, dass es mir damit nicht gut geht“ erinnert sich Wohlenberg. Über ein Schulungsangebot von Berking freute er sich zwar, nahm es aber dennoch nicht an.

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Erdmann Braschos

Sein Spezialgebiet umfasst Mega-Yachten, Klassiker, Daysailor und Schärenkreuzer. Mehr über Erdmann findest Du hier.

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3 Kommentare zu „Braschosblog: Kai Wohlenberg sammelt Klassiker-Yachten“

  1. avatar Klaus sagt:

    Ein erfrischender Bericht zum neuen Jahr. Danke Erdmann Braschos!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 5 Daumen runter 0

  2. avatar Axel sagt:

    ..schöner Artikel, danke für die schwedische Website…..

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  3. avatar Johann-G. Hamann sagt:

    Eine echt schön fröhliche Seglergeschichte ,die super gut rüberkommt.
    Das alles am sonst so tristen Flensburger Bahnhof. da geht ja eigentlich noch mehr ab!
    weiter so ,

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