Braschosblog: Lake 35 aus der Glas Werft am Starnberger See

Bayernkreuzer „Wer ko, der ko“

Segel- und Sonnenbadeboot in gängigen 10,50 m mit ganzen 1,40 m Tiefgang für schöne Stunden allein oder zu zweit. © Bootswerft Glas

Segel- und Sonnenbadeboot in gängigen 10,50 m mit ganzen 1,40 m Tiefgang für schöne Stunden allein oder zu zweit. © Bootswerft Glas

Wir Segler sind komische Leute. Wir suchen die Natur, die Auseinandersetzung mit Wind und Wellen. Man braucht dazu ein gescheites Boot, ein Revier und etwas Zeit. Mehr nicht. Ganz einfach, oder?

So simpel ist die Sache mit dem Segeln aber leider bloß am Anfang. Die Badesachen, die Jacke, ne Flasche Wasser und die Stulle genügen vielleicht noch bei den ersten Schlägen. Dann langt plötzlich der Eimer für die Notdurft genauso wenig wie die Spritzkappe zur trockenen Lagerung der allernötigsten Mitbringsel.

Manchmal reicht noch ein Jollenkreuzer-Unterschlupf mit voller Bückhöhe. Im Idealfall sollten dann Übernachtungsoption, Kühlbox und Kaffeekochstelle nicht fehlen. Warum nicht noch ein Radio mit CD-Player, iPod-Anschluss und gescheiten Boxen. Und ohne eine Badeleiter, oder die fesch wie vom Italiener gepolsterte Liegewiese zum Sonnenbaden achtern und spätabends den Sternen beim Leuchten zugucken (wer von den Seglern macht das eigentlich noch?) geht‘s eigentlich gar nicht.

Fesch mit Liegewiese wie bei den Italienern, die "Lake 35". © Bootswerft Glas

Fesch mit Liegewiese wie bei den Italienern, die “Lake 35”. © Bootswerft Glas

Versenkbare Klampen, ein gescheiter Mast, ein Panel für die digitale Anzeige essenzieller Daten wie Wassertiefe, Windanschnitt und Speed, ein diskret schnurrender Flauten- und Boot in die Box -schieber wären auch schön. Das ganze soll natürlich segeln und nicht wie festgenagelt in der Normalflaute bis angehauchten Thermik auf dem Starnberger See parken. Das Gefährt soll wie ein Boot und nicht wie ein Caravan aussehen. Dennoch darf es nicht zu lang sein. Und bitte moderaten Tiefgang, ja? Liegeplätze sind an süddeutschen Revieren mehr als eine harte Währung. Sie sind das KO-Kriterium.

Tja, so haben die ganzen, plötzlich zu unverzichtbar gewordenen Extrawünsche den Anfangs einfachen Entwurf eines „Daysailers“ für schöne Stunden auf dem Wasser in eine saukomplizierte Sache verwandelt.

Schönes Wochenende: Die Lake 35 lädt zu herrlich verbummelten Stunden auf dem Königssee, wie der Starnberger See von Einheimischen genannt wird ein. Ganz gleich, ob es Wind hat, oder er vielleicht doch noch vorbei schaut. © Bootswerft Glas

Schönes Wochenende: Die Lake 35 lädt zu herrlich verbummelten Stunden auf dem Königssee, wie der Starnberger See von Einheimischen genannt wird ein. Ganz gleich, ob es Wind hat, oder er vielleicht doch noch vorbei schaut. © Bootswerft Glas

Die Antwort von Klaus Röder von Carpe Diem Yacht Design und der Bootswerft Glas ist die „Lake 35“. Das Boot ist eine sehenswerte bayrische Antwort auf das von Hansegründer Michael Schmidt formulierte „Muddikriterium“, wonach Segelboote nur dann eine Chance haben, wenn die Frau ab und zu mitkommt. Zwei Exemplare segeln bereits.

Die „Lake 35“ kostet einschließlich Mehrwertsteuer rund 261 Tausend Euro. Wer ko, der ko, sagt man in Bayern. Wer nicht ko, schaut es sich vielleicht trotzdem gern an. Wie einleitend bemerkt geht die Sache mit dem Segeln natürlich viel einfacher, und auch günstiger. Dazu müsste man bloß ein paar der plötzlich unentbehrlich gewordenen Extras weglassen. Fragt sich bloß, welche. Weglassen von Dingen, an die man sich gewöhnt hat, oder an die man sich flott gewöhnen kann, ist schwer.

 

Die „Lake 35“ ist 10,50 m lang, 2,44 m breit und geht 1,40 m tief. Verdrängung 2,8 t, Ballast 1,1 t. Rumpf aus formverleimtem Mahagoni. Kräutler 4 kW Elektromotor, backstagsloses Segeln dank gepfeilter Salinge. Das Boot ist eine Weiterentwicklung der 2008 vorgestellten „Lake 31“.
Und langsam ist sie auch nicht. Bei der Geheimrat-Kustermann-Gedächtnis-Regatta am Starnberger See gewann die “Lake 35” über alles und nach Yardstick im Feld von 37 Schiffen. 

Ergebnisse 

Daysailer mit all den netten Sachen wie hell verfugtem Teakdeck, versenkter Bartels Rollanlage, digitaler Anzeige und gescheitem Baumniederholer. © Bootswerft Glas

Daysailer mit all den netten Sachen wie hell verfugtem Teakdeck, versenkter Bartels Rollanlage, digitaler Anzeige und gescheitem Baumniederholer. © Bootswerft Glas

Das Steuerrad an der Großschotkonsole geriet recht groß. © Bootswerft Glas

Das Steuerrad an der Großschotkonsole geriet recht groß. © Bootswerft Glas

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Erdmann Braschos

Sein Spezialgebiet umfasst Mega-Yachten, Klassiker, Daysailor und Schärenkreuzer. Mehr über Erdmann findest Du hier.
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14 Kommentare zu „Braschosblog: Lake 35 aus der Glas Werft am Starnberger See“

  1. avatar SR-Fan sagt:

    Guten Morgen Herr Braschos,

    kann es sein, dass Ihr Testschlag auf den 28.08. fiel? Bin dem Boot dort zufällig auch da über den Kurs gesegelt 😉
    Leider hat auch dieser Entwurf von CarpeDiem ein (für meinen Geschmack) zu aggressives Yachtheck und dieses Wagenrad im Cockpit – tut mir leid – das geht gar nicht 😉

    Es gibt ja bestimmt viele Einbaumöglichkeiten für ein Steuerrad – aber ein 35 Fuß, Daysailer für den See gehört nicht dazu. Mit stolz geschwellter Brust und erhobenem Hauptes, am Steuerstand stehend, in die typische Starnberger-See-Flaute zu dümpeln, das wirkt wahrscheinlich nicht nur für mich irgendwie affig.
    (Kleiner Hinweis: Am Starnberger See grüßt man sich unter Holzboot-Seglern 😉

    Wobei man Herrn Glas ja zu Gute halten muss, dass er seine Kundschaft eigentlich schon sehr genau kennt. Vielleicht möchte er damit ja bei den bisherigen Motorboot- und Sportwagenfahrer punkten – die müssen sich dann wenigstens nicht umgewöhnen.

    VG

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    • avatar Uschi sagt:

      Also eins mal vorne weg…Im Vergleich zur Lake ( basiert auf dem Riss des 45er von Glas) ist sowohl der 30er als auch der 40er ein veraltetes Boot…Alleine die Segeleigenschaften sind Meilen weit von einander entfernt…lieber mit breiter Brust auf dem Freibord in Luv am Rad sitzen als zusammen gekauert in Lee zu sitzen um irgendwas zu sehen…

      Von daher kann ich den Kommentar von SR-Fan gar nicht ernst nehmen!

      Besten Gruß und wenn ich das nächste Mal nen 30er oder 40er am See stehen lasse Grüße ich freundlich und grinse noch dazu…

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  2. avatar Capitan Futuro sagt:

    Ich glaube, einer, der sich dieses Boot kauft, kümmert sich nicht darum, ob die Arbeiterklasse (in seiner Definition: alle, die sich ein solches Boot nicht leisten können oder wollen) das Steuerrad affig finden oder nicht.

    Aber schön ist es.

    Und ich würde mir auch eine Pinne wünschen. 😉

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    • avatar SR-Fan sagt:

      Naja, für das Geld (respekt. weniger) bekommst Du aber auch nen schönen(!) Schärenkreuzer (wahlweise 30 oder 40) – mit ner Pinne. Denn die wussten damals ja noch, was sich gehört 😉

      Allerdings fehlt da dann die Spielwiese wo sich die Tochter(?!) mit Blick achteraus vom Anblick der hart erarbeiteten, mit bayerischem Bier und dazugehörender Glücksseligkeit getunten, adonisgleichen – aber leider 30 Jahre “erfahreneren” Figur am Steuer erholen kann.

      VG

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      • avatar Uschi sagt:

        Einfach mal bei der Bootswerft Glas anrufen und ein Probesegeln vereinbaren und ich bin mir sicher der Schärenkreuzer wird in einem anderen Licht gesehen…

        Und die Restauration eines Schärenkreuzers kostet nicht wirklich weniger

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        • avatar Schärenkreuzer sagt:

          … die Restaurierung eines Schärenkreuzers kostet vielleicht am Starnberger See genauso viel…

          … dort kostet ALLES astronomisch viel, ganz besonders auch Boote und Handwerksstunden,
          ob der Gegenwert stimmt, mag jeder selbst zu beurteilen. Es dürfte -selbst wenn man nur in Deutschland sucht- diverse Holzbootsbauer geben, die einem so ein Schiff für die Hälfte bauen…

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        • avatar SR-Fan sagt:

          @Uschi:

          wenn Du meinst?
          http://www.40qmschaerenkreuzer.de/40markt.htm
          Und die sind nicht alle “renovierungsbedürftig” 😉

          VG

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  3. avatar Ketzer sagt:

    Wenn sich auf dieser lächerlichen Spielwiese da hinten viele Babes tummeln, kann man vermutlich auch über das prollige Steuerrad hinwegsehen…

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  4. avatar Schärenkreuzer sagt:

    Das Schiffchen ist wirklich perfekt für den Starnberger See, bzw. das dortige Publikum gemacht…:
    – teuer und “exklusiv”, für manche ja wichtig
    (- “affig” war in der Gegend noch nie ein Ausschluss-Kriterium…)
    – von hinten ein bisschen zuviel Ludenschleuder mit Liegewiese und Riesenrad… gut für Mobos
    – wenns sogar noch segeln kann, um so besser, aber mal ehrlich: wer Holzboot segeln will, findet leicht was Richtiges! – da aber Segeln bei den Windverhältnissen mehr oder weniger schöne Utopie ist, ist die Liegewiese und der E-Motor veilleicht wirklich nur konsequent …

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  5. avatar Heini sagt:

    Wird die “Uschi” irgendwie von Bootswerft Glas gesponsort?

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    • avatar Tobias sagt:

      ich kann Uschi verstehen…in Süddeutschland kommt man eben des öfteren in den Genuss die Boote der Bootswerft Glas live zu sehen oder gar zu segeln.

      Geschmack ist bekanntlich unterschiedlich, ob nun Rad oder Pinne oder Liegewiese am Heck. Aber ich kann mir gut vorstellen, dass die Segeleigenschaften dieses Bootes nicht darunter leiden.

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  6. avatar Timo sagt:

    alte bekanntes einfach nur neu verpackt… wem es gefällt……

    http://www.blackpepper.fr/ alles schon mal dagewesen, nur hübscher wie ich finde!

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