Braschosblog: “Superstar” Daysailor von Luca Brenta

Starboot reloaded

Oben schön clean, innen jede Menge Hightech und unter Deck mit neun Hydraulikfunktionen saukompliziert.

Langer Großbaum, eckiger Rumpf, fertig ist der "Superstar" von Luca Brenta. © Luca Brenta Yacht Design

Beim sogenannten „Superstar“ handelt es sich ausnahmsweise nicht um ein Starboot mit neuer, marginal runderer Bodenplatte der im Prinzip knickspantigen Sharpiebauweise. Auch nicht um eine nochmals optimierte, auf den Bruchteil von Millimetern an das legale Limit herangefräste Form des mittlerweile hundert Jahre alten Kielbootklassikers mit marginal verschobener Lateralfläche.

Solche Verbessererungen hat der Schwede Pelle Petterson schon Anfang der 60er Jahre (mit Bleistift und 1:1 Schablonen) gemacht, 1964 mit diesen Fisimatenten bei der Olympiade in Japan Bronze geholt und den Feinschliff später als sogenannten „Eurostar“ unter anderem mit der halbkreisförmigen Modelleisenbahn als Baumniederholer angeboten.

Generös besegelter Anachronismus

Hier geht es weder um den eidgenössischen Feinschliff aus Christof Wilkes Kompositbude am Thuner See für das Marazzi Sailing Team, auch nicht um Marc Pickels „P-Star“, wie ihn der Kieler Bootsbauer Rouven Rademacher mit nochmal gründlich angeguckter Kiel-, Skeg- und Ruderkonfiguration neu „erfunden“ hat.

Am Star, diesem generös besegeltem Anachronismus, dem waffenscheinpflichtig reizvollen Zweimannkielboot mit der schuhkartongroßen Plicht und dem sensenflach über Deck geschotetem Großbaum, diesem Spielzeug für Beschlags- und Trimmfetischisten ist vorerst nichts derart grundsätzliches mehr zu machen, was die großkotzige Bezeichnung „Superstar“ rechtfertigen würde. Wie auch, wenn praktisch jede Größe der Regattaszene mal im Star gehockt hat? Die markante Kiste ist bislang 8 ½ Tausend mal gebaut.

Da muß schon mal wirklich was neues kommen, wie der vorerst letzte Schrei von Luca Brenta und Lorenzo Argeno aus Mailand.

Das Starboot kann man nur mit einem gut im Fleisch stehenden Vorschoter besteigen und mit cleveren Schachzügen ab der Vorstartphase über die Regattabahn bringen, ihn auf hohem Niveau gegen internationale Konkurrenz segeln, ihn raumschots mit diesem kranken Mastfall und lose herumdengelndem Vorstag irgendwie komplett, also ohne gebrochenen Mast, wieder zum Club bringen und zum Abtropfen auf den Hänger stellen. Knapp 7 Meter lang ist er, 173 cm breit und 680 Kilo schwer. Ein Großteil des Gewichts steckt in der 120 cm tief gehenden Kielflosse.

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Erdmann Braschos

Sein Spezialgebiet umfasst Mega-Yachten, Klassiker, Daysailor und Schärenkreuzer. Mehr über Erdmann findest Du hier.
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6 Kommentare zu „Braschosblog: “Superstar” Daysailor von Luca Brenta“

  1. avatar Ole H. sagt:

    Köstlich. Nicht zum ersten Mal, daß ich vorm Bildschirm sitze, SR lese und laut lachen muss.
    Erdmann: You made my day!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 11 Daumen runter 2

    • avatar Chris sagt:

      kann dem nur beipflichten. freue mich jedes mal riesig über das lesevergnügen, wenn ein neuer artikel von erdmann erscheint.

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  2. avatar Alex sagt:

    Ha, klasse, solche Boote brauchen wir hier am Bodensee. Endlich segeln bei keinem Wind 🙂

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  3. avatar Segler sagt:

    Was kostet denn der Spaß 🙂 ?

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    • avatar Erdmann sagt:

      Nach beharrlichem Fragen zu weiteren seglerischen Essentials wie Tiefgängen, Segelfläche und Preis:

      a) Der Tiefgang des Neige-Liftkiels ist voll ausgefahren 2,50 m, angehoben 1,50 m.
      b) Das Groß hat 65 Quadratmeter, die Fock 17 qm . Das heißt der Superstar fährt ab drei Windstärken wie die Feuerwehr.
      c) Das Budget verraten die Mailänder nicht, weil der Superstar- Prototyp recht teuer geriet. O-Ton Lorenzo Argento: „Being a concept boat the price did rocket over the moon“.

      Die “Criscostar” ist ein Prepregboot mit Nomex Waben Ker, das Kielprofil Computer gefräst. Das ist nah dran an America’s Cup Bootsbautechnologie.

      Leider habe ich keine bessere Antwort als „rocket over the moon“ – also richtig teuer. Wenn sich ein paar liquide SR Leser zusammen tun mit einer Sammelbestellung von beispielsweise 3 Booten bleibt der Etat vermutlich auf halber Strecke zum Mond. Bei 5 Booten wird der Einstieg schon erdnah.

      Außerdem müssen die Superstar-Segler dann bei einer kleinen Flotte nicht immer allein vorne rumfahren (ist ja immer blöd), sondern haben ernst zu nehmende Freundfeinde.

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  4. avatar Marc sagt:

    “halbkreisförmigen Modelleisenbahn” ahahahaha ich lache mich weg. Ein ruhiger Bürobrückentag wird so doch wieder aufgeheitert. Danke dafür.

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