Braschosblog: Warum Ed Kastelein die legendäre “Ingomar” baut

Schöne Schoner

Der "Noelani" Rohbau wird im türkischen Bodrum für die deutschen Wirtschaftsbosse Zetsche und Großmann vom holländischen Transportschiff gehoben. © Handtke

Der Schiffbauvirus kann noch gefährlicher sein, als der Segelvirus. Ein anschauliches Beispiel dafür ist der Holländer Ed Kastelein, der als Jugendlicher mit einem 12 qm Sharpie Kontakt mit der Materie aufnahm und sich dann eine Weile mit Gebrauchtbooten wie einem uncoolen und sauschweren Colin Archer, dem 30 m Schoner „Borkumriff II“ (schon besser), der hübschen Yawl „Aile Blanche“, dem Maxi „Ondine“ (noch besser) und der „Thendara“  beschäftigte.

Neubau günstiger als Restauration

Dann konzentrierte er sich auf Neubauten wie die 1992 aufgetakelte „Zaca a te Moana“ einer 38 m Interpretation eines Grand Banks Schoners nach Plänen von Olivier van Meer. Eigentlich wollte Kastelein die ehemalige Erroll Flynn Yacht „Zaca“ herrichten, ließ als Freund des Überblicks aber die Finger davon.

Einen Klassiker mit schönen Linien neu zu bauen ist günstiger und geht um Welten flotter, als ein altes Schiff zu restaurieren. Kastelein verzettelt sich nicht. Er sieht gerne Ergebnisse. Eine langwierige Baustelle kostet nur Zeit und Geld. Ein fertiges Schiff dagegen fährt – clever im Luxuscharter eingesetzt – seine Kosten wieder herein. Und wird es zur rechten Zeit verkauft, bleibt sogar was hängen.

2002 folgte „Eleonora“ die Replik des legendären Herreshoffschen Rennschoners „Westward“, der auf europäischen Regattabahnen äußerst unbeliebt war, jedenfalls bei der Konkurrenz. Im März 2008 ließ er einen Neubau des legendären Dreimastschoners „Atlantic“ bei der van der Graaf Werft südlich von Rotterdam vom Stapel.

Skandalöse Werft-Schließung

Was weniger bekannt ist: dieser vorgezogene Stapellauf gehört zu den skandalösen Geschichten des holländischen Schiffbaues. Denn gleichzeitig hatte die Werft eine Replik des berühmten Fahrtenschoners „Panda“ von 1938 vom Reißbrett des schottischen Konstrukteurs Alfred Mylne geschweißt.

Die Arbeit am Schiff wurde gegenüber der bevorzugten Fertigstellung der „Atlantic“ Replik des Landsmanns Kastelein aber so hinhaltend und mangelhaft ausgeführt, dass sich die Van der Graaf lasonderneming B.V. mit dem vorzeitigen Stapellauf und der Schließung des als eine Art GmbH firmierenden Schweißfachbetriebes den absehbaren Forderungen zu entziehen versuchte.

„Based on our knowledge and experience we are interested to offer you several options to continuing our business in the future at our new location, so don’t hesitate to contact us“ heißt es auf der neuen Webseite von Graafship.

Solche vermeintlich bauernschlaue Tricks wie die kalkulierte Schließung einer GmbH und Fortsetzung des Geschäfts unter anderem Namen sind eigentlich eher in anderen Branchen wie beispielsweise dem Baugewerbe üblich.

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Erdmann Braschos

Sein Spezialgebiet umfasst Mega-Yachten, Klassiker, Daysailor und Schärenkreuzer. Mehr über Erdmann findest Du hier.
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2 Kommentare zu „Braschosblog: Warum Ed Kastelein die legendäre “Ingomar” baut“

  1. avatar Heini sagt:

    Mal wieder ein interessanter Blick hinter die Kulissen.
    Dass Kastelein so schlampig ist und es wieder nur um die Kohle geht …… 🙁

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  2. avatar Jojakim sagt:

    Repliken sind ehrlicher als sogenannte Klassiker, bei denen nur ein verrosteter Kiel als Grundlage zur Restauration diente.

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