Laser Masters: Oldie Revival mit der Kühlschranktüre

Ein Traum in rosa

Brille nötig. Beim Rumpfcheck schmerzt sonst das Rosa in den Augen

Kapstadt, Südafrika, 1996. Es weht mit sieben, das Revier zwischen Atlantik und Pazifik brodelt, die Luft ist heiß, das Wasser eiskalt, der Körper am Limit. Es geht um das Finale der Weltmeisterschaft im Laser, um die Olympiaqualifikation, um große Gefühle.  Frust über die verpasste Savannah-Quali,  Stolz über den siebten Gesamt-Platz und die Finalränge drei und vier bei Über-Hack.

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Schoten dicht und scheißegal! Der alte Laser-Spruch ist schnell wieder verinnerlicht.

Großer Brombachsee, Mittelfranken, 2009. Es weht mit sechs,  die 6,5 km lange  3 km breite Talsperre schäumt,  Knochen schmerzen,  Muskeln zittern. Es geht um die Deutsche Meisterschaft der alten Laser-Männer, um Spaß mit Freunden, um das Schwelgen in der Vergangenheit.

13 Jahre hat es gedauert, bis ich mich wieder auf die kleine Glitsche-Jolle gewagt habe. Damals im Alter von 31 Jahren waren die eigenen Gräten noch so hochgetunt, dass sie das Sportgerät auch bei Extrembedingungen auf Kurs halten konnten.

Diese Erkenntnis hielt  lange davon ab, das Schiff erneut für ein Wettrennen zu besteigen. Es war klar, wie viel Arbeit und Zeit es kostet, das nötige körperliche Niveau zu erreichen. Windnase, Taktik-Verständnis, Erfahrung helfen nicht, um einen Laser ausreichend zu beschleunigen. Mit Bauchansatz und schlappen Beinen ist gegen gestählte Jungspunde nichts zu machen. Und das ist ja eigentlich auch gut so.  Sport sollte so sein.

Nun gibt es bei den Lasern eine Oldie-Klasse. Ab 35 Jahren gehört man offiziell zum alten Eisen. Weil dieses Selbst-Eingeständnis nicht immer leicht fällt, nennt sich die Gruppe der Jung-Oldies von 35 bis 45 Jahren Apprentice – Lehrlinge. Das hört sich deutlich netter an als bei den Fußballern „alte Herren“. Danach ist man dann bis 55 ein gediegener „Master“ bevor man vor man zu den „Grand Mastern“ gehört. Die Gruppe der „Great Grand Master“ ist älter als 65 Jahre.

Noch ganz dicht? Yep, die alte „Flying Violetta“ – so heißt sie wirklich – ist knochentrocken!

Dieses Konzept ist außerordentlich erfolgreich. Bei den  Masters Weltmeisterschaften der vergangenen zwei Jahre waren die rund 300 Startplätze jeweils eine Woche nach dem Öffnen des Meldeverfahrens ausverkauft. Weil der Andrang so groß ist, wurden inzwischen Qualifikationen eingeführt.

Dennoch hat meine Bekenntnis zum Master-Dasein bis zum Alter von 44 Jahren gedauert. Der Einstieg kam ungeplant. Ein Match Race in Polen fiel aus. Kumpels drängten: „Rate mal, was ich auf dem Autodach habe – nen Laser“. Wohl wissend, das Bild vom  alten Freiheitsdrang beschworen zu haben.

Herrlich war das damals. Laser auf den Kombi und los, irgendwohin zu einem Rennen in Europa, pennen im Auto. „Dann komm doch mit zum Brombachsee“. Zur Deutschen Meister Masterschaft.

Oh Gott, ein Flautenrevier im Süden Deutschlands. Die Erinnerung ist noch präsent. Ein Laser bei Flaute nervt. Der Neo juckt, das Boot schleicht. Andererseits ist der Organisations-Aufwand gering. Es gibt noch einen Laser im Familien-Besitz. Aber der hat 23 Jahre auf dem Buckel und weil er der Frau gehört ist die Farbe gewöhnungsbedürftig. Rosa! Kann man sich damit blicken lassen?

So weit die Vorgeschichte. Selten bin ich so unvorbereitet zu einer Regatta gereist. Dienstag in die Klassenvereinigung eingetreten, Mittwoch die Nachmeldung abgeschickt, Donnerstag abend nach der Arbeit Richtung Nürnberg auf die Autobahn, um 2 Uhr nachts angekommen und die Matratze im Kombi bezogen, Freitag morgens erster Start, Freitag abend nach den Plätzen 1/1/3 auf Platz eins gegen 70 Konkurrenten aus 8 Nationen, Samstag mit 1/3 ordentlich nachgelegt, Sonntag Glück gehabt, dass bei Flaute nicht mehr gesegelt wird.

Am Ende steht der Deutsche Meistertitel zwei Punkte vor dem ehemaligen Finn Dinghy und inzwischen Laser-Masters-Weltmeister Wolfgang Gerz und Andreas Willim meinem ex FD- Steuermann, und immer-noch-Kumpel.

Erstaunlich, dass der Ausflug in die alte Klasse auf Anhieb so gut funktionierte. Schön zu wissen, dass die unendlichen Trainingsstunden aus der Vergangenheit offenbar immer noch irgendwo in den alten Knochen gespeichert sind. Aber es wäre wohl anders ausgegangen, wenn es in Mittelfranken nicht ganz so stark geweht hätte. Die vier Kilo über dem Optimalgewicht hätten sich störender bemerkbar gemacht.

Wie auch immer, es war ein netter Ausflug in die Vergangenheit. Trotz eines deutlich gebeugten Ganges, vieler blauer Flecken, tagelang anhaltendem Muskelkater bleibt das schöne Gefühl, noch nicht ganz zum alten Eisen zu gehören.

Erschienen im Düsseldorfer Yacht Club Journal 1/10
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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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