Centomiglia 2012: Libera besiegt “Stravaganza”; Asso99 Erlebnis am Gardasee

Mit Vollgas über den Gardasee

Über 1000 Teilnehmer, mehrere Tausend Zuschauer, die größte Regatta auf dem Gardasee: es ist wieder Centomiglia! Zum 62. Mal wurde die legendäre Regatta auf dem oberitalienischen See vor einem beeindruckenden Bergpanorama ausgesegelt.

Die hamburger Asso 99 "stockmariTeam" bei der "Cento" am Gardasee. © Hans Genthe

Die hamburger Asso 99 “stockmariTeam” bei der “Cento” am Gardasee. © Hans Genthe

Wir sind mit unserem “stockmariTeam” mal wieder auf Reise gegangen. 1.400 km von Hamburg nach Norditalien. Wagen geladen, Trailer angehängt und auf nach Italien, mit unserer Asso99 auf dem Gardasee im Einheitsfeld “spielen”. Wir wissen nach einigen Auftritten bei der Cento: Die weite Anreise ist es jedes Mal wert.

Bogliaco, der Starthafen der “Cento” wird zum Regatta immer wieder von einer einzigartigen Atmosphäre erfüllt. Der kleine Ort mit dem typischen italienischen Charme ist noch belebter als sonst. Der Kurs ist lang. Aus der Mitte von Bogliaco geht es in den Nordteil des Sees zu einer Tonne vor Torbole. Danach zurück durch ein Tor vor Bogliaco in den Südteil zu einer Tonne vor Descenzano, dann in der Dämmerung und in der Nacht vor Bogliaco ins Ziel zu finden.

Spannend: Auf dem Weg in den Süden wechselt die Windrichtung von Nord nach Süd: Der Vento wird im Rahmen einer kurzen oder manchmal auch längeren Flaute von der Ora abgelöst. Im Südteil entscheidet sich in der Regel das Rennen, die thermischen Winde variieren je nach Uhzeit sehr stark – gut, wenn man eine lokale Wanderkarte dabei hat: Da sind tatsächlich die meisten Winde verzeichnet.

Erlebnis Centomiglia. Mit Volldampf per Asso99 über den Gardasee. © Hans Genthe

Erlebnis Centomiglia. Mit Volldampf per Asso99 über den Gardasee. © Hans Genthe

Das Ergebnis unseres Teams: 10. von 13. auf der Centomiglia 2012: Es zeigt sich wieder, wie hart One-Design-Segeln ist: Auf der Startkreuz beim Segelwechsel zu weit in den See gefahren, und weg sind die Italiener. Leider machen die nicht viele Fehler, und schnell sind sie auch. So hat “stockmaritime” das ASSO-Feld vor sich her gejagt. Immer wieder angegriffen, mal ein paar Boote gewonnen und aber durch die extremeren Schläge dann wieder verloren.

Trotzdem ein Riesenspaß, klasse Stimmung an Bord und die Regatta war mal wieder unglaublich spannend – und lehrreich.

Liberas gegen “Stravaganza”

Cento Attraktion "Stravaganza". Mit Flügeln und 90 Grad Neigekiel. © Hans Genthe

Cento Attraktion “Stravaganza”. Mit Flügeln und 90 Grad Neigekiel. © Hans Genthe

Besonders interessant war die Beobachtung der Rennfavoriten. Viele Jahre lang haben die extremen Libera Rennyachten haben mit bis zu 12 Mann im Trapez den Sieg unter sich ausgemacht. In diesem Jahr ist mit der “Stravaganza” aber ein Boot mit völlig anderem Konzept als Konkurrent angetreten. Ebenso lang wie die Liberas ist die Besonderheit der “Stravaganza”, dass sie einen Neigekiel besitzt, der sich um bis zu 90° nach Luv aus dem Wasser drehen lässt.

Ziemlich ungewohnter Anblick. Es wundert nicht, dass es einige Zeit gedauert hat, bis die Crew das Schiff im Griff hatte. Ihm gelang schon ein Sieg bei der Gorla Regatta am Wochenende zuvor. Bei der Cento sollte sich entscheiden, welches Konzept das schnellere ist.

Die Liberas setzen auf wenig Technik und viel Crew. Nicht nur, dass das Crewgewicht der 12 Leute im Trapez dringend benötigt wird, sie haben auch alle gut zu tun. Allein drei Mann bedienen das Groß. Dagegen versucht das “Stravaganza”-Konzept Gewicht durch die extreme Kielvariante zu sparen und dadurch schneller zu sein. Aber auch der Neubau segelt noch mit einen neunköpfigen Crew.

Im Rennverlauf zeigte sich deutlich, dass weniger das Konzept als vielmehr das Boatshandling entscheidend war. Die Crew der Libera “Clan Grok” konnte ihre Yacht mehr am Limit bewegen als es der “Stravaganze” Crew gelang. Diese segelten Windbedingungen mit bis zu 5 Beaufort vorsichtiger als dies die Woche zuvor bei der schwachwindigen Gorla gescheh. Im Ziel machte sich das mit einem 40 minütigen Rückstand auf die siegreiche “Clan Grog” bemerkbar.

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7 Kommentare zu „Centomiglia 2012: Libera besiegt “Stravaganza”; Asso99 Erlebnis am Gardasee“

  1. avatar Ketzer sagt:

    Fällt mir gerade auf: Bei diesem Konzept reduziert sich ja das aufrichtende Moment, je weiter das Boot krängt. Nicht so richtig cool… Außer sie würden den Kiel dynamisch fahren, so dass er immer seitlich ausgestelt bleibt und maximales Moment erzeugt.

    Was den Widerstand angeht, wird das in dem Artikel wohl etwas übertrieben. Im Verhältnis zum Rumpf ist der Anteil der Finne und Bombe klein.

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    • avatar Christian sagt:

      eine gute Mannschaft bekommt es mit etwas Übung hin, ein Boot wie die Stravanza ohne Krängung zu segeln und somit den Widerstand des Rumpfes zu minimieren. Außerdem kommt bei der Stragavanza durch die schmale Breite kaum Formstabilität zum Tragen, da lohnt sich Krängung ohnehin nicht. Aufrecht segeln kann bspw. jedes halbwegs gescheite 49er-Team – mittels Schotarbeit und Segeltrimm. Es ist also nicht nötig, den Kiel permanent der Krängung anzupassen.

      Wenn der Widerstand nur um 2 Prozent verringert wird, wenn der Kiel nicht im Wasser ist, wäre das schon ein Riesenvorteil in hochkompetitiven Feldern. Stellt sich nur die Frage, wieviel das schwierigere Handling von diesem Vorteil wieder auffrisst…

      Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 6 Daumen runter 3

  2. avatar tiefenrausch sagt:

    Entschuldigung- jetzt mal ne dumme Frage: wenn der Kiel seitlich aus dem Wasser raus ist, wie kontrolliere ich die Abdrift? Gibt´s da noch ein Schwert/Finne?

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  3. avatar tuppesw sagt:

    “Die Crew der Libera “Clan Grok” konnte ihre Yacht mehr am Limit bewegen als es der “Stravaganze” Crew gelang. Diese segelten Windbedingungen mit bis zu 5 Beaufort vorsichtiger als dies die Woche zuvor bei der schwachwindigen Gorla gescheh. Im Ziel machte sich das mit einem 40 minütigen Rückstand auf die siegreiche “Clan Grog” bemerkbar.”

    Ist aber keine Schande! Auch die M2-Cats haben zwischen Navene und Malcesine großteils den Gennacker wieder geborgen.

    Ihren Vorsprung auf die CLAN DES TEAM, äh CLAN GROK hat die STRAVAGANZA regelmäßig auf der Stark-Wind-Kreuz nach Torbole aufgebaut und nach Süden hin gehalten (30 Min bei der Gorla und 7 Min bei der Cento). Erst im südlichen schwachwindigeren Teil ist die CLAN GROK an der STRAVAGANZA vorbei gezogen.

    Akkus leer oder Bombe mangels Wind nicht ausreichend gelüftet?

    Oder sonst was kaputt gegangen? Zumindest war wieder ein Service im Topp notwendig:
    http://www.gardahd.it/components/com_picsell/gallery/DSC_1305_2.jpg

    Die Wild Lady hätte beste Chancen gehabt!

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