Virtual Skipper

Computersüchtig, verhaltensauffällig...

Mein Team: Extra Dry. Die niederländischen Farben im Vorsegel sind für unseren IJsselmeersegler Harmen. Das Boot ist einer RC44 nachempfunden.

Die Weltmeisterschaft im Team Race hat begonnen. 28 Teams, 12 Nationen. Unser Start war ansprechend. Zwei 3:0 Siege gegen Franzosen und Italiener. Kein Wunder. Schließlich sind wir Vize-Weltmeister mit dem famosen Extra Dry Team.

Ich bin Computersegler. Schon gut, schon gut….ich kenne die Reaktion aus dem Segel-Freundeskreis. Es hebt sich die eine oder andere Augenbraue. Computersüchtig? Nichts Besseres zu tun? Verhaltensauffällig?

Vielleicht ist da was Wahres dran. Man bemerkt doch selber erst spät, wenn es mit einem bergab geht. Ist es tatsächlich so weit?

Die RC44 unter Spinnaker. Sie wird mit den Pfeiltasten der Tatsatur gesteuert

Virtual Skipper (VSK) heißt das Spiel, das ich im Übrigen ungern „Spiel“ nenne. Lieber Taktik-Simulation. Hört sich erwachsener an.

Ich sitze also schon mal abends mit hochrotem Kopf am Rechner und steuere mit den Pfeiltasten ein virtuelles Boot über virtuelles Wasser um virtuelle Tonnen vorbei an virtuellen Gegnern.

Manchmal rede ich auch mit den Typen auf den anderen Booten. Besser, ich schreie den Bildschirm an. Das hören die Gott sei Dank nicht. Man kann nur im Chat beim Schreiben schreien. Zum Beispiel, indem man große Buchstaben benutzt. Oder böse Wörter. Aber das mache ich natürlich nicht.

Team-Race-Start. Die grünen Extra Drys in kontrollierender Position.

Bei meiner Frau habe ich mir Verständnis für die VSK-Beschäftigung mit dem Hinweis auf „Recherche-Arbeit“ erkämpft. Tatsächlich kam der Erstkontakt mit der VSK Software durch die Arbeit für eine YACHT-Geschichte zustande.

Wenn man auf den Ruf „Schatz, kannst du bitte die Spülmaschine ausräumen“ reagiert mit „nö, ich muss noch ein Computer Spiel spielen“, dann wird aus dem „Schatz“ ganz schnell ein heftiges Augenrollen „mein lieber Mann, so geht das nicht, wir müssen dringend reden…“. Das lässt sich umgehen mit „nö, muss noch recherchieren. Echt wichtig“.

So weit zum Verständnis. Von wegen Spaß, Spielerei, es ist bitterer Ernst. So wie die erbitterte Diskussion mit dem deutschen Nachwuchssegler über die Existenz der Regel 17 „der richtige Kurs“ zeigt. Der Fall liegt jetzt im virtuellen Mediations-Raum und wird danach wohl vor die sehr reale Jury kommen. Dort tummeln sich inzwischen auch echte International Judges, die im Sommer auf echtem Wasser im Einsatz sind.

Auch die Segler sind gemeinhin keine Cumputer-Fredis. Denen wäre das Spiel sowieso zu langsam. Es wird doch recht wenig geballert. Es geht um Strategie, Taktik und Regelkenntnis. Das ist oft mühsam, weil man bei großen Turnieren immer noch lange vor den Replays sitzt um die Schuldfrage zu klären. Der Computer Schiedsrichter vergibt zwar Strafen, aber die sind manchmal nicht richtig. Dann muss eine externe Jury entscheiden.

Unter anderem entdecken Match Racer die virtuelle Plattform als Übungsfeld. Mehr als sechs Segler sollen in den Top 100 der echten Weltrangliste vertreten sein. Prominentester ist der Franzose Erwan Israel. Der Profi-Segler segelt bei Sebastian Col an Bord und nächste Woche in Auckland mit Jochen Schümann. Er war schon dreimal virtueller Match Race Weltmeister.

mein yachtonline-Artikel: http://www.yacht.de/yo/yo_news/powerslave,id,7562,nodeid,33.html
mein YACHT-Artikel: http://www.yacht.de/pdf/virtualskipper_y0508.pdf

Team Race WM bei VSK-Fun: http://www.wtrc.vskfun.com
VSK Fun Tutorial: http://www.vskfun.com/VSKFunReloaded

Carsten Kemmling
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http://blueocean.berlin/magicmarine-team-werden/

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