Der Kajakmaran-Mann: Andreas Gabriel mit Problemen vor Portugal

"Lerne ich denn nie dazu?"

Vom Sao Cabo Vincente geht es dann "nur" noch stramm gen Norden © Kartedaten 2012 Google

Vom Cabo Vincente geht es dann “nur” noch stramm gen Norden © Kartedaten 2012 Google

Sagen umwoben ist das Cabo Sao Vicente im Süden Portugals. Auf beeindruckende Art und Weise trennt es den geschützten West/Nordwest-Kurs vom harten Nord-Kurs. Auf einmal geht die Tür des Atlantiks auf und du wirst nachdenklich. Ein weltweit bekannter und markanter Ort der Seefahrer, der dich gehen lässt oder zermürben kann. Viele Kaps habe ich umfahren und festgestellt, dass ein jedes seine eigenen Spielregeln hat und sei es noch so klein. Dieses Kap hier ist eine der Königinnen, wenn es um Wellen und Windbeschleunigung geht.

FachgespräŠche Ÿüber das Wetter am Surfpoint Martinhal Sagres © A.Gabriel

FachgespräŠche Ÿüber das Wetter am Surfpoint Martinhal Sagres © A.Gabriel

Der Portugiese Andre ist 22 Jahre alt, ein “Local”, wie er sagt, auf den ich besser höre. Er ist jung, aber ist er deswegen ohne Wissen? Ohne Gefühl? Tag um Tag bin ich an seinem Strand und mir entgeht nicht, dass er jedes Gerät auf fast vollendete Art und Weise beherrscht, das mit dem Wasser in Verbindung zu bringen ist. “Das hier ist das Cabo Sao Vicente … das Ende der Welt und Gott ist niemals hier gewesen,” sagt er und grinst ein wenig dabei. Und doch höre ich die Tiefe und den nötigen Respekt in  seiner Stimme. Dieser Mann weiß, was er sagt und so warten Sabrina und ich nun schon seit anderthalb Wochen auf diesen einen Moment …

Mittwoch, der 08.08.2012 – 5Uhr20:  Das Vincente-Fenster geht auf

Ablandiger Wind aus Norden nagelt uns am Stand fest - es nervt. Wertvolle Zeit verrinnt © A.Gabriel

Ablandiger Wind aus Norden nagelt uns am Stand fest – es nervt. Wertvolle Zeit verrinnt © A.Gabriel

Bereits gestern Abend haben wir meine Karre an die Hochwasserlinie gezogen, um schneller starten zu können an diesem Morgen. Ein Fehler, wie sich später herrausstellen soll. Es ist noch dunkel und erst 5 Uhr als mich die Geräusche der Brandung aus dem Schlaf holen. Alles scheint gut zu sein, das Wasser hat das Boot noch nicht erreicht.

Sabrina träumt noch unter dem Halbdach des Surf-Points, während ich die ersten Sachen verstaue. Doch nur 4 Mal den Strand rauf und runter gelaufen, naht das Inferno. Ich renne… “Sabrina!!! … Wach auf! … Die Brandung ist dabei, die Ruderanlage zu zerschlagen!!!” Ich habe sie noch nie so schnell umschalten sehen von Tiefschlaf auf Vollaction. Krasse Nummer. 🙂  Noch halbblind überholt sie mich auf unserem Spurt den Strand hinunter zum Wasser. Mit letzter Kraft holen wir das Boot erstmal wieder hoch. Die obere Ruderhalterung ist wieder herrausgebrochen und das 20er Verbindungsrohr ist verbogen.

Unser schwarzer Humor ist trotz der schwierigen Situation nicht tot zu kriegen. Wir beömmeln uns darüber, wie sie es ohne Kontaktlinsen beim olympischen Strandsprint wohl geschafft haben mag, sich zwischen den ganzen Fun-Booten und Sonnenschirmen nicht die Beine gebrochen zu haben.

Weitere Vorbereitungen in sicherer Entfernung zur Brandung © A.Gabriel

Weitere Vorbereitungen in sicherer Entfernung zur Brandung © A.Gabriel

Während ich den Schaden behebe, kümmert sich Sabrina tapfer und schnell um alles, was noch erledigt werden muss, um den Strand endlich zu verlassen. Wir drehen die Schnauze der Karre in die Wellen, aber in der harten Brandung schlägt sie immer wieder quer. Die Wellen haben anscheinend nur auf uns gewartet. Das Wasser schlägt über uns zusammen und Sabrina ruft: “Was jetzt?… Was machen wir? Zurück?” Ich schreie laut: “Never give up!” Ohne groß Nachzudenken reiße ich den Außenborder an, springe auf und manövriere unsere Yacht an eine der Mooringbojen, 200 Meter vor der Brandung. Innerlich ärgere ich mich darüber, immer wieder den Arsch vom Boot an der Brandung zu haben. “Lerne ich denn nie dazu???”

avatar

Andreas Gabriel

... ist Frohnatur, Geschichtenerzähler, Abenteurer und Maurer zugleich. Er brach von Tönning in NORDfriesland Ende April 2011 auf, um mit seinem Kajakmaran Europa zu umrunden. Über Kanäle, Rhein, Main, Donau, ins Schwarze Meer und dann über das Mittelmeer zurück. Alles ohne Geld. Andreas Gabriel erzählt wahre Geschichten, die er unterwegs erlebt, und seine Zuhörer freuen sich, dass er eigentlich ihren Traum lebt. Ihre Unterstützung kommt postwendend. Dass dieses spannende und intensive Reisen funktioniert, hat er schon in den ersten 2 Etappen bewiesen. In der dritten Etappe geht es von Laredo / Nordspanien nach Hause nach Tönning. Seine Webseite lautet www.der-mit-dem-wind-faehrt.de
Spenden
https://yachtservice-sb.com

Ein Kommentar „Der Kajakmaran-Mann: Andreas Gabriel mit Problemen vor Portugal“

  1. avatar Reinhard aus MeckPom sagt:

    Nach all den Olympiastories tat das mal wieder richtig gut!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 6 Daumen runter 0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *