Der Kajakmaran-Mann: Das Finale Bilbao-Tönning ab 24.Mai 2013

Countdown läuft

Andreas Gabriel hatte im Oktober seinen Kajakmaran-Törn ohne Geld rund Europa vorerst unterbrochen. Ab Mai will er das Finale schaffen.

Andreas Gabriel

Andreas Gabriel mit Abenteurer Vollbart. © AG

An meinem Geburtstag noch vor Weihnachten 2012 sitze ich mit meinen Liebsten über den Geschenken. Kaum ein Wort, kaum eine Geste erinnert nicht daran, dass unser Zusammensein nur ein kurzer Moment ist. Alles, was ich dem wunderschönen Geschenkpapier entnehme, soll mich weiterbringen auf dem Weg, meine Karre endlich nach Hause zu holen.

Ma hat wieder warme Socken in ihrer Geburtstagstüte und zum hundertsten Mal bin ich ihr dankbar dafür, auch wenn wir darüber immer lachen müssen und unsere Späße machen. Sie hat einfach nur Recht damit. Ich werde sie immer gebrauchen können.

Das letzte Geschenk ist von meinem Kumpel Doc. Er grinst bis über beide Backen und ich befürchte, dass da etwas größeres auf mich wartet. Diesmal ist es eine Flasche, die ich zu öffnen habe. Ihr Boden ist bedeckt mit Sand und unter dem Korken lauert soetwas wie eine Papyrusrolle.

Erstaunliche Flaschenpost

Es wirkt sehr geheimnisvoll und keine Flaschenpost würde nach 30 Jahren Pazifik besser aussehen. Es ist eine Flugbestätigung. Doc hat mir soeben den Rückflug nach Bilbao gesichert, das ist der Hammer. Abflugtermin ist der 24.Mai 2013 von Hamburg. Ich hatte ihm bereits erzählt, dass es schon schlimm genug ist, 3 Geburtstage meines Sohnes verpasst zu haben. Diesmal wollte ich diesen erst abwarten.

Kajakmaran

Der einsame Kajakmaran bei Flaute. © AG

Erst nach längerem Hinsehen kriege ich spitz, dass ich nicht alleine fliege. Dieser verrückte Hund kommt doch tatsächlich für 4 Tage mit, nur um mir beim Aufbauen zu helfen. “Wow, Doc…ja, das ist gut. So machen wir es.” Die Freude, die er mir damit bereitet, ist nicht der Wert der Reise. Ganz ehrlich, es ist mir fast wurscht.

Was mich ernsthaft berührt ist, dass dieser Mann mir bissig zur Seite steht, egal was passiert. Das wertvollste dieser Geste ist jedoch, dass mein Freund für 4 Tage hautnah dabei ist und für einen kurzen Zeitraum fühlt, was ich fühle. Bringen wir es zu Ende, Doc!!!

Acht Monate Winterpause erschienen mir endlos und nun sind es nur noch 60 Tage, bis ich nun endlich wieder auf meinem Kajakmaran sitze und mir das Wasser um die Ohren fliegt. Ob der Motor den Winter überstanden hat, wird sich zeigen. Wenn nicht, dann wird uns auch diesmal wieder irgendetwas einfallen.

Laminatarbeiten sind nötig

Andreas Gabriel

Ein Punkt in der Wasserwüste. © AG

Am Steuerbordcockpit muß ich zuerst ein paar Laminatarbeiten vornehmen, das wird die letzten 1.500 bis 1.800 Seemeilen im jetzigen Zustand nicht mehr überleben. Bis auf ein paar Splinte, werde ich kaum Ersatzteile mitnehmen müssen. Das Material ist nach wie vor in gutem Zustand, wenn man vom fast durchgerosteten Werkzeug und dem ewigen Gestank im Bootsinneren absieht.

Solarpaneelkontakte werde ich einmal freilegen, nachlöten und wieder einsilikonieren. Danach gehts ab nach Tönning und zwar ohne Rücksicht auf Verluste. Das Einzige, was neben “Restbiskaya”, englischem Kanal und Nordsee noch auf meinem Zettel steht, ist London.

Da war ich noch nie und kann mir jetzt nicht vorstellen, an der Tower Bridge einfach vorbeizubretzeln, nur weil ich immer dieses dösige Heimweh habe. Die Engländer sind sehr segelverrückt, da werde ich auf jeden Fall mal einen Burnout vor die Flaniermeile legen und mich mit der ersten Sonne wieder vom Acker machen.

Mein Bart wird diesmal nicht mehr so lang sein, aber das ist nicht wichtig. Solange mich das Meer wiedererkennt und mir hilfreich zur Seite steht, ist alles im grünen Bereich.

Arsch vollbekommen

Andreas Gabriel

Das Schiff liegt in Spanien und soll zurück nach Tönning. © AG

6.500 Meilen habe ich jetzt im Rücken. Habe Wellenhöhen bis 10 Meter abgeritten und den Arsch voll bekommen, bis mir vor Wut die Tränen aus den Augen gelaufen sind. Ob ich deswegen ein dicker Macker bin? Ganz ehrlich…ich mache mir jeden Tag, den ich da raus muss, fast in die Hosen und denke, dass es genau das ist, was mich am Leben erhält.

Ein dummer Fehler und du bist weg vom Fenster, denn da draußen bist du alleine und niemand wird dich sehen. Der englische Kanal und die Nordsee haben Überraschungen parat, die einen Rups-Schnups, Kopf und Kragen kosten können. Bei meinem Start im Mai 2011, hatte ich das Bild meiner Ankunft an unserem Eidersperrwerk vor Tönning genau vor Augen. Jetzt ist es bald soweit…

…Gehen wir es an!!!

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Andreas Gabriel

... ist Frohnatur, Geschichtenerzähler, Abenteurer und Maurer zugleich. Er brach von Tönning in NORDfriesland Ende April 2011 auf, um mit seinem Kajakmaran Europa zu umrunden. Über Kanäle, Rhein, Main, Donau, ins Schwarze Meer und dann über das Mittelmeer zurück. Alles ohne Geld. Andreas Gabriel erzählt wahre Geschichten, die er unterwegs erlebt, und seine Zuhörer freuen sich, dass er eigentlich ihren Traum lebt. Ihre Unterstützung kommt postwendend. Dass dieses spannende und intensive Reisen funktioniert, hat er schon in den ersten 2 Etappen bewiesen. In der dritten Etappe geht es von Laredo / Nordspanien nach Hause nach Tönning. Seine Webseite lautet www.der-mit-dem-wind-faehrt.de
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http://blueocean.berlin/magicmarine-team-werden/

2 Kommentare zu „Der Kajakmaran-Mann: Das Finale Bilbao-Tönning ab 24.Mai 2013“

  1. avatar Ketzer sagt:

    Klasse, freu’ mich schon, das ist mal ehrliches Downsizing. 😉

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 18 Daumen runter 5

  2. avatar Digger sagt:

    Andreas, ich freu mich schon auf Deine Berichte und Deine Tour. Saugeiles Projekt, dass Du da machst.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 18 Daumen runter 0

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