Der Kajakmaran-Mann: Für 2012 ist in Nordspanien Schluss!

"Nächstes Jahr holen wir uns das Finale"

Du bist 4.000 Kilometer von Zuhause entfernt und hast deine Handtasche verloren, gleich zu Beginn deines dreiwöchigen Urlaubs? Alles weg … Geld, Ausweise, Versicherungsnachweise. Dir wird abwechselnd kalt und heiß, du bist abrupt mittellos und das Wasser läuft dir in Rinnsaale nur so runter?

Bleib ruhig, setz dich hin und lächele, denn jetzt erst beginnt dein Urlaub wirklich. Dein ganz persönliches Abenteuer. Eine Geschichte, die du niemals wieder vergessen wirst!

Zugegeben, es ist nicht einfach, aber was ist im Leben schon einfach? Fakt ist nur, dass die Zeit unseres Lebens einem kurzen Funkenschlag in der Unendlichkeit des Universums gleicht. Also, was tust du? Kopf in den Sand? Damit wären 3 Wochen deines Lebens im Eimer. Zuzüglich aller traumatischen Nachwirkungen in der Zeit, die diese 3 Wochen der plötzlichen Sinnlosigkeit ohne Probleme auf anderthalb Jahre potenzieren können.

“Ohne laufenden Objektivwechsel käme ich nicht weiter”

Nicht jeden Tag scheint die Sonne. Manchmal braucht es etwas für den Objektivwechsel. © A.Gabriel

Nicht jeden Tag scheint die Sonne. Manchmal braucht es etwas für den Objektivwechsel. © A.Gabriel

Drehe den Spieß doch einfach um. Sieh dich als Fotokamera, dessen Objektiv urplötzlich den Geist aufgibt. Dein über die Jahre eingefahrener Blickwinkel ist auf einmal schrott? Du hast ihn doch so gehegt, gepflegt und staubfrei gehalten. Hopp hopp, Neues drauf!!! Mit deinem neuen Blickwinkel gehst du schnurstracks in die nächste Kneipe, erzählst dem Wirt dein Problem. Das Erste, was du bekommst, ist ein Bier. Lache und sprich zu dir selbst: “So…ne Basis hätten wir.”

Im Grunde ist es genau das, was ich mache. Jeden Tag, an dem ich unterwegs bin. Ich reagiere stündlich neu auf das, was mir widerfährt und das durch ein jenes verstaubtes Objektiv, durchaus als mittelschwere Katastrophe erscheinen wird. Sinnbildlich benutze ich tausende von diesen Objektiven, die meine Sichtweise täglich neu auf jeweilige Situationen einstellen.

Gewiss, es ist unsagbar anstrengend. So anstrengend, dass ich mich nicht einmal mehr daran erinnere, ob ich meine Psyche und meinen Körper jemals in meinem Leben so schonungslos auf die Probe gestellt habe. Doch was sich mir zeigt, ist fantastisch und genau dafür werde ich nicht aufgeben. Es sind so viele Tage, an denen ich bis zu den Knien in der Scheiße stehe, doch aufhören zu lachen?…kein Bier mehr bestellen? Niemals!

Das Abenteurer-Dasein prägt

Wehmut und Emotion, steckt in jedem meiner Momente © A.Gabriel

Wehmut und Emotion, steckt in jedem meiner Momente © A.Gabriel

Ein Abenteurer wollte ich immer gerne sein – ein verrückter Hund. Ja, wollte ich denn, verflixt noch mal, auch jemand sein, der zu sich selber findet? Nein. Und doch aber passiert es, unweigerlich und unaufhaltsam.

Du bist da draussen auf dem ruppigen Atlantik, pinkelst dir wieder einmal aus Versehen über deine Klamotten und denkst nach, über alles, was sich dir bietet. Vorurteile, Gedanken, Interpretation, Gesellschaft, Rechtfertigung, Selbstbewusstsein … Mut, Vertrauen, Nachsicht, Vorsicht, Übersicht, die Bedeutung von Wörtern wie Glück oder Zufall, Hoffnung oder Glaube.

Irgendwann … ja irgendwann, fängst du in Selbstgesprächen sogar an, sie zusammenzubauen, ihre Bedeutung füreinander logisch zu erklären … auszusortieren. Gleich einem Uhrwerk … ein Zahnrad in das Nächste …

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Andreas Gabriel

... ist Frohnatur, Geschichtenerzähler, Abenteurer und Maurer zugleich. Er brach von Tönning in NORDfriesland Ende April 2011 auf, um mit seinem Kajakmaran Europa zu umrunden. Über Kanäle, Rhein, Main, Donau, ins Schwarze Meer und dann über das Mittelmeer zurück. Alles ohne Geld. Andreas Gabriel erzählt wahre Geschichten, die er unterwegs erlebt, und seine Zuhörer freuen sich, dass er eigentlich ihren Traum lebt. Ihre Unterstützung kommt postwendend. Dass dieses spannende und intensive Reisen funktioniert, hat er schon in den ersten 2 Etappen bewiesen. In der dritten Etappe geht es von Laredo / Nordspanien nach Hause nach Tönning. Seine Webseite lautet www.der-mit-dem-wind-faehrt.de
Spenden
http://nouveda.com

Ein Kommentar „Der Kajakmaran-Mann: Für 2012 ist in Nordspanien Schluss!“

  1. avatar seven sagt:

    Ganz ehrlich? Vor ca. eineinhalb Jahren, nach dem ersten bericht, dachte ich :”Was für ein Spinner! Warum tut jemand so als wäre er er ein Obdachloser auf durchreise und versucht sich durchzuschnorren, wenn es doch so viele gibt die wirklich nichts haben und es mit Sicherheit nötiger hätten als er.”

    Aber schon beim zweiten bericht war ich fasziniert.Jemand der auf dem ersten blick aussieht wie ein Vagabund, die Menschen nicht nur trifft,sonder Sie auch mitnimmt….und ich meine das Körperlich und Geistig!
    Ich wurde bei jedem bericht sensibler für die Situation in der er sich ,stellvertretend für alle unfreiwillig rastlosen, befand.
    Neidisch bin ich auf die Begegnungen, die tollen Erfahrungen und Momente,die Augenblicke als Gast bei Fremden zu sein!
    Aber mit Ihm tauschen?……nein das könnte ich nicht! …woher die Kraft nehmen?…..wie es anstellen das man den glauben an das Gute nicht verliert wenn es seit tagen einem der Wind in Gesicht bläst und der Regen genauso wenig aufhören will wie das Hungergefühl.
    Mein größten Respekt !

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 18 Daumen runter 0

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