Digger Hamburg: Filmen an Bord Teil 3 – Bitte nicht wackeln

Haltung bewahren!

Profifilmer Stefan Boden schreibt zum Thema Filmen an Bord nach Teil 1 (Welche Kamera?) und Teil 2  (Zubehör) diesmal darüber, wie man verwackelte Aufnahmen verhindert.

Das mit der Hardware hätten wir ja geklärt. Nun kommen wir nun zu den wichtigeren Punkten.

Varianta 18 "Digger"

Relax. Die Varianta 18 “Digger” entspannt samt Skipper in der Box. © Digger Hamburg

Das wohl größte Problem bei vielen Videofilmern, vor allem an Bord, sind zittrige und wackelige Aufnahmen. Auch der beste optische Bildstabilisator hat seine Grenzen. Und elektronische erst recht – die machen eh immer alles falsch. Deshalb am besten gar nicht erst wackeln und zittern. Das zu verhindern, ist sogar ziemlich einfach.

Hauptgrund ist meistens die Haltung der Kamera. Die Klappdisplays verführen ja dazu, mit einer Hand die Kamera auf Augenhöhe zu halten und dann zu filmen. Böser Fehler! Die Hand als letztes Ende des Körpers gibt jeden Wackler noch stärker wieder. Daher die Kamera immer mit beiden Hände festhalten.

Wenn man einen Sucher hat – gute Kameras haben optische Sucher – dann wird es schon mal besser. In diesem Falle das Display zugeklappt lassen und die Kamera mit beiden Händen vor den Kopf halten. Das stabilisiert ungemein.

Kamera vor den Bauch pressen

Ein anderer Trick wirkt gleich doppelt gut: man dreht stabil und nicht immer aus der langweiligen Augenhöhe-Perspektive. Display aufklappen und nach oben drehen. Kamera fest in beide Hände nehmen und vor den Bauch pressen. Dabei leicht in die Knie gehen und locker bleiben. So kann man auch einen stabilen Schwenk drehen indem man einfach seine Hüfte dreht und die Kamera mitfährt. Das stabilisiert ungemein.

Natürlich hilft das bei langen Brennweiten alles nur begrenzt. Je mehr gezoomt wird, desto wackeliger wird die Aufnahme. Deshalb zoomen vermeiden. Lieber ein paar Schritte auf das Motiv zugehen.

Wenn das nicht geht, hilft es, die Kamera abzustellen. Denn die Welt ist voller wunderbarer Stative. Mit allem, was sich in den Hosentaschen befindet, kann dabei der Kamerawinkel eingestellt werden. Bändsel, Feuerzeug. Münzen eignen sich hervorragend. Oder wenn auf einer entfernten Schäre Robben gedreht werden sollen, die Kamera einfach mit beiden Händen auf den Baum oder die Sprayhood pressen. Das ist alles viel besser, als einhändig zu drehen.

Übrigens bieten viele Schnittprogramme mittlerweile Stabilisatoren als PlugIns an. Aber auch die wirken nur begrenzt. Und sie skalieren das Bild hoch, schneiden also viel Inhalt ab. Das Bild wird schnell „wabbelig“. Ich habe 2012 mal eine Sequenz geschnitten, in der meine Mitseglerin die ersten Bilder sehr zittrig gedreht hat. Man sieht im geschnittenen Film ganz gut, wie das Bild in den ersten Szenen wie ein Wackelpudding aussieht. Außerdem kommt die weiche Blende durch das berechne völlig durcheinander und springt.

Diggers Flauten-Momente vor Hals am Limfjord:

Richtig steady geht es jedoch auch wieder mit Hardware. Ich benutze seit 4 Jahren ein FigRig. Das heisst wirklich so, und wenn man das Teil anderen erklärt, wird immer viel gelacht. Es wurde nach dem Regisseur Mike Figgins benannt. Es ist ein Lenkrad, in dessen Mittelpunkt die Kamera befestigt wird.

Ich hatte dieses Teil zur Belustigung vieler auf dem Dreh der Strandsegel-EM mit. Nichts anders. Selbst laufend neben dem Starterfeld ist das ziemlich stabil. Softwareseitig habe ich das nichts mehr stabilisiert. Der gesamte Film ist komplett aus der Hand gedreht. Aber auch dieses Teil presse ich zur Stabilisierung gern mal an den Körper, wie man auf dem Bild sieht.

Teil 1 Welche Kamera?

Teil 2 Zubehör

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Digger Hamburg

Kleiner segeln - größer leben. Filmemacher und Autor Stephan Boden verbringt jeden Sommer auf dem Wasser. Früher auf seiner VA18 "Digger" jetzt auf der Bente24, die er selbst initiiert hat. "Auf See habe ich Zeit, das schärft den Blick für Details." Zu seinem Blog geht es hier
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10 Kommentare zu „Digger Hamburg: Filmen an Bord Teil 3 – Bitte nicht wackeln“

  1. avatar BBB sagt:

    Freue mich schon auf den Teil wo es um schnitte etc geht. Ist schon schwer aus einem Haufen gleichartigen Filmaufnahmen was gutes zu zaubern. Bin aufnahmefähig für Tipps. Gute Artikel !

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  2. avatar Ralph sagt:

    Mensch, Digger, am letzten WE hättste noch mal ‘n geilen Segelfilm machen können: Eissegel- IDM, 59 Starter aus 5 Nationen…
    Ja, so’n Mist, die (Film)-Profis sind immer woanders… 😉

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    • avatar digger.hamburg sagt:

      Hätte ich gern. War auch in Planung. Aber verschleppte Erkältung hat mich auch ohne Eis flachgelegt.

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  3. avatar Skiffy sagt:

    Ist das hier eigentlich noch ein Segelforum oder eher Film- und Fotoforum?

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 3 Daumen runter 22

    • avatar digger.hamburg sagt:

      Lieber Skiffy,

      das hier ist kein Forum. Das sind die Segelreporter. Auf dieser Seite wird rund um das Thema Segeln berichtet. Manchmal auch von anderen Wassersportarten wie Kiten, Surfen, Wellenreiten und sogar über Motorbratzen wurde schon berichtet. “Rund ums Thema” halt. Und dazu zählt man manches mal halt auch Themen, die den ein oder anderen Segler interessieren. In diesem Falle den Segler, der sich vielleicht über den ein oder anderen Praxistipp freut, mit dem er seine Törnfilme besser gestaltet. Vielleicht schafft es der ein oder andere ja auch dann mit seinem Film auf diese Seite. Und dann regt sich vielleicht der ein oder andere, wie im Falle des Stockmaritim Filmes über die RC Segler, nicht mehr so dolle auf. Obwohl: irgend einen regt immer irgendwas auf.
      In diesem Sinne: entspannten Abend wünscht der Autor dieses Artikels ;

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    • avatar SR-Fan sagt:

      Was für ein kurzsichtiges Feedback. Wenn man sich manche sogenannte “Segelfilme” hier ansieht, dann können Tipps zur Qualitätsoptimierung eigentlich nur helfen. Davon profitieren wir ja letztlich alle.

      VG

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  4. avatar Peter sagt:

    Kannst du Carsten auch mal Tips für seine Videos geben? Vielleicht noch einen Artikel über Ton?
    🙂

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  5. avatar hanseatic sagt:

    Für alle Daniel Düsentriebs: Hier gibt’s eine Bauanleitung für ein DIY-Fig-rig incl. Teileliste. Die fertigen Dinger sind ja nicht gerade günstig und der Winter ist ja dummerweise noch lang… 🙁
    http://benmorrow.info/hacks/2012/8/24/build-a-fig-rig-video-stabilization-wheel

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    • avatar digger.hamburg sagt:

      Joa.. Kann man machen, hat aber Nachteile.

      1. Die eckige Form
      2. Es wird ziemlich leicht sein. Gewicht schafft Stabilität.

      Aber für den Hausgebrauch sicher ne gute Sache.

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