Digger Hamburg: Schläft die Branche? Wo ist das Angebot für jüngere Tourensegler?

Shanty statt Punkrock

Entspanntes Hafenliegen auf der Varianta18. © Digger Hamburg

Entspanntes Hafenliegen auf der Varianta18. © Digger Hamburg

Stephan Boden alias Digger Hamburg war mit seiner Varianta 18 angetreten, in fünf Monaten das Baltikum zu bereisen. In Skagen hat er das Unternehmen abgebrochen. Das Wetter war zu schlecht. Aber er bekennt sich nach wie vor zu seinem Schiffchen und moniert in seinem Blog, dass es kaum Tourensegler-Angebote für den kleinen Geldbeutel gibt:

Ich bekomme seit Wochen viele Mails und Kommentare zur Varianta 18 und auch generell zu kleinen Booten. Es scheint einen Bedarf an kleinen, bewohnbaren Booten zu geben. Aber irgendwie merkt das wohl kaum jemand, der Boote baut.

"Digger" auf hoher See mit Parasail. © Digger Hamburg

“Digger” auf hoher See mit Parasail. © Digger Hamburg

Rückblende. Spätherbst 2011. Seit Jahren bin ich mal wieder auf der Hanseboot. Das Messegelände ist ja ausgebaut worden und so freute ich mich auf eine neu gestaltete Ausstellung. Die Freude war aber kurz hinter dem Eingang bereits zu Ende. Irgendwie alles wie immer. Schon die ersten paar Meter auf der Messe sehen gar nicht lecker aus.

Mein Eindruck: Messestände mit grauen Teppichböden. Raymarine stellt Raymarine Produkte aus – der Händler daneben stellt auch Raymarine Produkte aus. Und ein paar Gänge weiter stellt ein anderer Händler auch Raymarine Produkte aus.

Mit Lowrance, VDO und Co. ist das übrigens auch nicht anders. Gefühlte 20 Stände, an denen die gleichen Aussenbordmotoren hängen. Hier und da mal eine interessante Produktneuheit. Beim Holländer noch ein paar Leinenschnäppchen gemacht. Und überall hängen diese preiswerten Ferngläser rum, teilweise mit anderen Labels drauf.

“Neu” erkennt man nur am Schild

Neue Boote wurden auch ausgestellt. Man erkennt es an den Schildern, auf denen ‘Neu!’ steht. Und von welcher Werft das Schiff ist, sieht man auch auf den Schildern. Das ist für mich praktisch, denn ich erkenne an den meisten Booten bis auf das Logo keinen Unterschied. Und die Logos sind zum Glück gut zu erkennen, weil die Schiffe alle so riesig sind.

Fieses Wetter. "Digger"-Skipper Stephan hat sich nicht den besten Sommer für sein Kleinboot-Abenteuer ausgesucht. © Digger Hamburg

Fieses Wetter. “Digger”-Skipper Stephan hat sich nicht den besten Sommer für sein Kleinboot-Abenteuer ausgesucht. © Digger Hamburg

Ich habe mir fast gar kein Boot angesehen. Nicht nur, weil der Kaufpreis der meisten Boote allein schon Griechenland retten könnte. Nein, das ist es nicht. Man sagt: Boote haben Seelen. Ich frage mich, ob das bei den meisten Neuen auch so ist. Ich erkenne das nicht. Das, was da ausgestellt wird, ist für die meisten doch gar nicht erreichbar. Ausser über Charter. Und nicht jeder will 40 Fuss und Waschmaschine unter Deck haben.

Es ist denke ich kein Wunder, dass die gesamte Tourenseglerszene so dermaßen überaltert. Gemeinhin wird gesagt, das liegt daran, dass die jungen und nicht so alten Leute kein Geld haben. Hallo? Mal nach St. Peter Ording fahren und die Besitzer von Kites und Surfboards fragen, was die für ihr Equipment und ihre Autos und Mietwohnungen in der Schanze zahlen. Das sind nicht alles Bullifahrer mit gebrauchten Boards und Dreadlocks.

Es gibt in meinen Augen schlichtweg einfach fast kein Angebot für Jüngere, die Touren segeln wollen (und ich gehöre zu den Jüngeren – schlimm genug). Die ganze Branche wirkt auf mich wie ein Shanty Chor, der Frank Sinatra Lieder singt. Aber viele wollen Punkrock. Und Segeln und Punkrock gehen wunderbar zusammen. Shanty und Punkrock übrigens auch. Es merkt nur kaum jemand. Vielleicht im Regattabereich, aber über den schreibe ich hier nicht, weil ich ihn gar nicht kenne.

Irgendwie ist das meines Erachtens wie mit ARD und ZDF. Die wollen auch händeringend jüngere Zielgruppen erschliessen. Und was zeigen sie? Fernsehgarten und Volksmusikshows. Jedenfalls wenn ich mal ausserhalb der Sportsendungen und Nachrichten einschalte.

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Digger Hamburg

Kleiner segeln - größer leben. Filmemacher und Autor Stephan Boden verbringt jeden Sommer auf dem Wasser. Früher auf seiner VA18 "Digger" jetzt auf der Bente24, die er selbst initiiert hat. "Auf See habe ich Zeit, das schärft den Blick für Details." Zu seinem Blog geht es hier
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http://blueocean.berlin/magicmarine-team-werden/

32 Kommentare zu „Digger Hamburg: Schläft die Branche? Wo ist das Angebot für jüngere Tourensegler?“

  1. avatar Sven Gräpel sagt:

    Wunderbarer Bericht. Spricht mir aus der Seele.
    Schade, dass Digger nicht weitergekommen ist und in Skagen abbrechen musste.

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    • Sven, danke.
      Das mit dem Abbruch ist eigentlich gar nicht so schlecht. Tut mal ganz gut zu merken, dass man nicht alles planen kann. So’n kleiner Schlag in den Nacken von Mutter Natur holt einen ganz schön in die Realität zurück. Und ich ziehe meine Lehre draus: Nächstes Jahr gehts wieder los. Wohin entscheide nicht ich, sondern der Wind. Mal sehen, was dabei rauskommt.

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  2. avatar Alex sagt:

    Gut, ein Polo oder Fiat 500 ist dann doch noch billiger, aber hier kommt ein solches Boot:

    http://www.youtube.com/watch?v=itxc_yuVbMs&feature=share

    mehr davon: http://www.gigodesign.com/seascape/

    und ich hab den Prototype live gesehen: http://sportboot.wordpress.com/2012/08/16/wie-heisen-pitbulls-bei-seehunden/#more-825

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  3. avatar Wilfried sagt:

    nun mal nicht so pessimistisch. Es gibt sie die neuen Racer, aber eben nicht auf einer deutschen Messe. Da rennt das massenpublikum un die Charterer und schaut sich an was der Chartermarkt demnächst anbieten wird. Ich hasse auch diesen Vergleich mit Autos. Wer Autofan ist und dies als Hobby betreibt kauft auch keinen Golf Diesel. Das Mietwagenunternehmen (Vercharterer) siehe Bavaria und andere eben doch.
    Und wenn man in die Vergangenheit schaut gab es vieles was zum Glück kein Klassiker geworden ist.

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  4. avatar Gaudi sagt:

    Ein toller Bericht, der zumindest den meisten Binnenseglern aus der Seele gesprochen ist. Die kritischen Anmerkungen über die Bootstypen auf den Bootsmessen könnten 1:1 auf die Darstellung des Bootsmarktes in der Zeitschrift “Yacht” übertragen werden. Ich hoffe, SR bleibt dran an diesem Thema.

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  5. avatar Rainer sagt:

    Also wie die VA44 rausgekommen ist dachte ich – klass da kommt dann sicher bald was zwischen VA18 und VA44 das dann ein super Boot für mich ist. Leider – bis jetzt – denkste!
    Allerdings ob so eine VA28 oder VA31 eine Seele hätte? Wäre mir aber ziemlich egal wenn sie denn meine wäre!

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  6. avatar Hans von Sonntag sagt:

    Habe mir gerade gestern Dead Kennedys runter geladen. California Uber Alles, Viva Las Vegas, Kill The Poor…

    Leider ist aufm Boot gerade das Radio platt. Egal. Dann in Bälde. Und wenn ich gross bin, werde ich so cool sein auch bei Regatten Musik zu hören. Starten mit God Safe The Queen hat doch was.

    Schöner Artikel und alles was drin steht ist wahr. Du hast nur die alten Racer vergessen. Die haben alle eine Seele, egal wie viel Plastik und fehlende Schönheit.

    Hans

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  7. avatar Uwe sagt:

    An den kleinen Schiffen ist nichts zu verdienen, daher bedienen die Werften lieber die zahlungskräftige Kundschaft.

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  8. avatar Alex sagt:

    @Uwe, unter dem Strich kommt es zwar auf dasselbe heraus, es ist aber dennoch etwas anders.

    Die Endwicklungskosten für 25 oder 27 Fuß sind fast gleich hoch wie die für 35, 40 oder 45 Fuß. Daher ist der prozentuale Anteil der Entwicklungskosten zum Verkaufspreis bei kleinen Booten weit höher als bei den Großen. Hingegen die Kosten für das Laminieren liegen nicht sonderlich weit auseinander. Wenn dann ein attraktiverer Marktpreis kommen soll ist tatsächlich nichts mehr verdient. Daher werden Kleinkreuzer von großen Werften meist nur zur Neukundengewinnung gebaut. (unterstelle ich denen) Zumindest so lange, wie sie große Pötte verkaufen können. Wenn die am Markt nicht mehr gehen, erinnern die sich bestimmt an uns und kommen zum Flatieren 😉

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    • avatar HKG sagt:

      Je größer das Boot aus der Serienwerft desto prozentual höher die Marge – einfache Regel! Fragt mal die Händler warum keiner Bock hat die VA18 zu verkaufen (Nettomarge ~ 0)

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      • avatar Alex sagt:

        Die Marge für den Händler ist Prozentual zum EK meist gleich hoch bis fallend bei teureren Schiffen. Dort steigt aber natürlich die tatsächlich verdiente Summe.
        Das wird der Händler aber nicht sagen und weshalb soll jemand was für Aufschlag=0 verkaufen und den gesamten Aufwand mit Risiko tragen?

        Ich bin auch kein Bhagwan-Jünger und gehe nur für einen kostendeckenden Lohn zur Arbeit. Da soll auch was hängen bleiben. Z.B. um ein Boot zu kaufen.

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        • avatar HKG sagt:

          Nein das ist nicht richtig Grosserienwerften haben bei größeren Schiffen prozentual höhere Margen das geht dann auch an die Händler weiter! Die VA18 ist eine Katastrophe für den Händler bringt überhaupt nichts! Mal davon abgesehen ist es fast genauso schwer einen 50″ Hobel zu verkaufen wie eine VA18 da in der Regel der finanzielle Kraftakt bei beiden Schiffen für den Käufer gleich ist und somit auch die Ansprüche. Aber manchmal verkauft man auch Dinge zu Null-Margen oder subventioniert sie sogar, man siehe VC17! Warum? Weil man die Hoffnung hat das irgendjemand bei AWN, SVB und Konsorten noch einen Satz Billigölzeug kauft mit nahezu 500 – 1000% Marge! Also bleibt die VA18 ein Marketing Tool für Hanse um Marktanteile von Bavaria und Béneteau zu holen. Wie? ganz klar weil kaum ein anderes Schiff in den letzten Jahre so präsent in der breiten Masse diskutiert wurde wie die VA18! Man macht sich halt gerne beliebt, siehe VW Up!

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    • avatar Uwe sagt:

      Alex schrieb:

      “@Uwe, unter dem Strich kommt es zwar auf dasselbe heraus, es ist aber dennoch etwas anders.”

      Nonsense hoch drei !

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      • avatar Alex sagt:

        Es wird eben nicht „lieber die Zahlungskräftige Kundschaft bedient“.

        Die Werften bauen Boote an denen sie auch etwas verdienen (Die Gewinnerzielungsabsicht ist unter anderem auch steuerrechtlich für Unternehmen vorgeschrieben). Da diese Boote in der Regel teurer sind, ist die Kundschaft zwangsläufig auch Zahlungskräftiger.

        Das Ergebnis ist sicher das Gleiche, es kommen nur wenig neue Kleinkreuzer auf den Markt.
        Es ist aber nicht einfach mit einem platten Klischee zu erklären.

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        • avatar Uwe sagt:

          Alex,

          es ist ein Faktum, dass die Werften lieber die zahlungskräftigeren Kunden bedienen, da sie an den kleinen Booten fast oder gar nichts verdienen.

          Ähnliches sagte mir übrigens auch ein inzwischen im Ruhestand befindlicher Mercedes-Verkäufer, der von gar nicht von den kleineren Mercedes-Modellen hält, da er an den grösseren Modellen bei gleichem Arbeitsaufwand ein Vielfaches verdiente.

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  9. avatar jorgo sagt:

    Und noch was: die Messekosten sind extrem hoch! Soviele kleine Boote kann man kaum verkaufen um dann wenigstens am Ende bei Null zu landen …. also:
    Wir brauchen alternative Präsentations-Möglichkeiten … aber wie?
    Mit der VA 18 war das doch schon mal ein Ansatz …. oder wie bist Du drauf gekommen??

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  10. avatar hanseatic sagt:

    Erinnert sich noch jemand an die BULL 7000 aus den 90ern? Die hätte wohl auch prima hierher gepaßt. Habe gerade gelesen, dass die moulds vor ein paar Jahren bei Parker/UK (die hatten sie seinerzeit gekauft – haben inzwischen aber den Betrieb eingestellt) in der Mottenkiste gelandet sind. Ready for revival ! 😉

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  11. avatar jojakim (jacke) balzer sagt:

    hey digger,
    guter beitrag über diese neuen, seelenlosen danone-becher!
    aber: die guten zeiten liegen noch bei gebrauchten booten vor uns:
    gute schiffe werden von den älteren herrschaften “wegen aufgabe des segelsports” auf den markt geworfen.
    zugreifen und un die alten werte investieren!
    jacke

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  12. avatar Andreas Ju. sagt:

    Superklasse Bericht! Wir sind gerade in einer ähnlichen Situation. Haben eine sportliche, geniale Sun 2000. Riesiges Cockpit, Rüssel, Schwenkkiel, Plug & Sail. Und haben damit auch tolle Touren gemacht zu dritt. Nun sind wir vier, und das Ding ist einfach zu klein. Suchen also was Größeres, so 32 Fuß. Bezahlbar soll es sein ( 100.000.

    Gibt es denn so gar nichts dazwischen?

    P.S.: Wollen unsere Jeanneau verkaufen. Erster Besichtigungstermin war mit der Frage der Polsterdicke eigentlich schon erledigt Die Super-Segel interessierten hingegen ihn nicht die Bohne. Beim Probesegeln fand er angeknallte Schoten auf Halbwind auch richtig. Lieber Interessent: Wäre nicht ein Schrebergarten auch ganz schön?

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    • avatar sven sagt:

      Was willst du den für die Sun haben ?

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      • avatar Andreas Ju sagt:

        Schau mal bei scanboat.com unter jeanneau sun 2000. Da isse drin mit Trailer fuer 15.400. Und ie wuerde ich bedenkenlos auch an gute Freunde so verkaufen. Ist ja auch so einenArt Familienmitglied.

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    • avatar Jan-X sagt:

      Sortiert nach absteigender “Sportlichkeit” (eigenes Bauchgefühl), m.E. alle für <100k gebraucht zu haben:
      Archambault Grand Surprise (m.E. eher für Binnenreviere geeignet, dafür aber sogar noch trailerbar), Sun Fast 3200, Elan 310, JPK 9.60 (schwer zu finden, dafür aber Fastnet-Sieger), J 92, X-99, Olsen 31, BB10 (kein Rüsselboot, eher der "Kaltblüter", bringt dich ohne Wimpernzucken auch nach Nord-Schottland, die anderen eher weniger…). Besondere Empfehlung: Omega 10m. Ein schönes, simples Crossover-Design.

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  13. avatar Jan-X sagt:

    Wer hat denn in diesem Land das Geld? Von Campino und Farin mal abgesehen: Doch eher die Shanty-Sänger als die Punkrocker, oder? Und bei einem hatte der alte Hanse-Chef recht: Mutti muss es mögen. Schau mal Mutti: Hat sogar Kaffee-Vollautomat und Waschmaschine…
    Es kommen aber noch 2,3 andere Sachen dazu:

    1. Urlaube verbringen wir doch anders als früher: nicht jedes Jahr im Frühling nach Malle und im Sommer Camping in Sahlenburg, wie seit 30 Jahren. Eher drei Tage Barcelona, zwei Wochen radeln, segeln, Wein verkosten am Gardasee und in zwei Jahren für drei Monate nach Down Under. Wer da seine Familie überzeugen will auch “nur” 30tausend Euro in ein halbwegs vernünftiges 10 Meter Familienboot zu stecken und fortan die nächsten 10 Jahre jeden Sommer drei Wochen zwischen Oslo und Bornholm zu verbringen: Viel Erfolg.

    2. Besitz wird weniger wichtig, weil das Erlebnis in den Vordergrund rückt: Früher MUSSTE man tatsächlich ein Boot haben um einen schönen Törn machen zu können. Charter-Business wie heute gab es so nicht, als mein alter Herr segeln gelernt hat. Heute ist das viel selbstverständlicher. Und: Neue Reviere sind dazugekommen, die man früher auf eigenem Kiel nie erreicht hätte.

    3. Besitz wird weniger wichtig, weil es gar nicht anders geht: Die Reallöhne für die Meisten sinken. Gleichzeitig konkurriert mehr um das , was bleibt: Gadgets wie Wii, iPad, 2m Plasma-TV, besagte Kurz-Urlaube, kein einfacher Polo sondern der Mini und ach ja: In der Schanze wohnen wär schon korrekt. Und von hinten ruft die Frau: Denk an die Kinder, die wollen irgendwann auch mal zur Uni!

    4. Besitz verzehrt sich selbst: Was eben nicht auf dem Preisschild steht, ist der Wertverlust. Clevere werden sagen: Genau das sag ich doch: Für mich ist der Kaufpreis nur der Preis zwischen Anschaffungskosten und Wiederverkaufserlös. Wer so denkt darf sich aber nicht wundern, dass es keine Schiffe mehr mit Seele gibt. Er hätte auch keines verdient.

    5. Gebrauchte Schiffe sind einfach zu gut. Vor allem, seitdem Osmose ausgemerzt wurde wie einst die Pocken. Und auch sportlich kann man mithalten: Bei der ORC-DM haben doch die X-332 abgeräumt. Ein Design von ’94. Und Rund Skagen 2012? Googelt selbst;) Wer also Geld in ein Schiff stecken will, muss nicht unbedingt einen Neupreis auf den Tisch legen.

    Alles in allem ein reichlich komplizierter Markt, um hier mit einem neuen “Familienboot” reinzugehen, wundert mich kaum, das wenig neues kommt. Aber damit mich keiner flasch versteht: das schale Gefühl nach den Messen kenn ich. Und es gefällt mir auch nicht.

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    • avatar Lars sagt:

      Super Analyse. Es gibt jede Menge gute gebrauchte Boote für das Budget einer V18 oder gar einer V24 – sowohl für denjenigen der spritzig segeln möchte als auch für den Fahrtensegler. Eigentlich müssten gar nix mehr gebaut werden. Schaut euch mal in den Häfen um. Wieviele Boote werden eigentlich noch wirklich gesegelt?

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      • avatar Digger sagt:

        Also, ich habe mich seinerzeit unter Gebrauchtbooten umgesehen. Bin nicht fündig geworden. Osmose ist kaum noch ein Problem, aber viele Boote sind bereits weichgesegelt. Boote, die nicht gesegelt wurden, sind meistens nicht mein Typ. Boote, die viel gesegelt wurden, sind oftmals ziemlich abgerockt.
        Nicht jeder möchte ein gebrauchtes Boot mit unbekannten Baustellen. Das war letzten Endes auch mein Grund, mir was Neues zu kaufen. Und mir das so zurechtzubauen, wie ich mir das vorstelle. Keine braunen Cordpolster übernehmen. Keine abgerockten Segeltücher, kein Mast, dem man irgendwie auch nicht ganz traut.
        Ich kenne auch einige Eigner, die haben sich preiswert ein gebrauchtes Schiff gekauft und stecken nun seit Jahren viel Geld rein, damit die Baustellen einigermassen ausgebessert werden.
        Das ist übrgens auch wie mit Autos und Häusern: Niemand MUSS ein neues kaufen, bzw. bauen. Der Gebrauchtmarkt gibt viel her. Dennoch kaufen sich viele lieber was neues, auch wenn das (Wertverlust) wirtschaftlich gesehen nicht gerade clever ist.

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    • avatar Digger sagt:

      Schau Dir mal an, wie viel Geld in Fernreisen, Tauchkurse etc gesteckt wird. Das sind nicht Kurzurlaube, dass kostet richtig. Kurzurlaube gern mal nach New York, Barcelona, London. Inklusive schickem Hotel. Dafür kannste Dir dann schon nen gebrauchten und gut erhaltenen Conger kaufen. HD Fernseher, Auto, Mietwohung, Bolia.com Sofa für 4.000 Euro und so weiter. Geld ist da. Keine Frage. Die einen sparen es, die anderen geben es aus. Bei Jungen wie bei alten Menschen.

      Und nicht jeder will ein gebrauchtes Boot kaufen. Ich habe mir einige angesehen, aber allein schon braune Velourpolster und Gelsenkirchener Barock haben mich abgeschreckt. Und weiss man, wie weich das Schiff ist? Wo seine Macken stecken? Ist irgendwie auch wie beim Autokauf. Nicht jeder will ein Gebrauchtes.

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  14. Moin,
    schöne Diskussion. Auf meiner Blogseite findet ihr noch mehr zu diesem Thema und zur Reise auf der Varianta 18.
    diggerhamburg.wordpress.com
    Viel Spass beim Lesen!

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    • avatar Kurzhaar-Peter sagt:

      Hallo Digger,
      tolle Leistung mit der VA18 auf der Ostsee. Habe letztes Jahr meine First 21.7 von Finnland nach Deutschland gesegelt. Stand zwar nicht vor der “Skagen”-Entscheidung wie Du, hatte aber unterwegs auch einige Male ein “Skagen”-Gefühl. Und mein Boot hatte definitiv eine Seele!!!
      Gruß Peter

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      • avatar Digger sagt:

        Ha ha, das mit der Seele glaub ich Dir.
        Ich hätte niemals gedacht, dass wir nach dem schlechten Sommer 2011 noch mal ein Jahr bekommen, das noch schlechter wird. Aber scheint so z sein, auch wenn wir nun Sommer haben.
        Ich denke, dass dieses Jshr und auch letztes einige, auch auf wesentlich größeren Schiffen, dieses ‘Skagen’ Gefühl hatten. Aber es hat auch was Gutes: Segeln ist auch irgendwie so schön, weil nicht planbar und der Natur unterlegen. Hat auch was.

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  15. avatar Hans Genthe sagt:

    Zum Glück gibt es so viele tolle Gebrauchtboote.
    Eine Auswahl:

    Molich X-meter
    http://www.stockmaritime.com/search.php?search_text=molich

    BB10
    http://www.stockmaritime.com/search.php?search_text=BB10

    Karavel
    http://www.stockmaritime.com/search.php?search_text=Karavel+bootstyp

    Ylva
    http://www.stockmaritime.com/search.php?search_text=ylva

    Wasa 30
    http://www.stockmaritime.com/search.php?search_text=Wasa+30

    Saphir
    http://www.stockmaritime.com/search.php?search_text=saphir

    Lotus
    http://www.stockmaritime.com/search.php?search_text=lotus+bootstyp

    Alles Boote ohne Formelzwänge, die echt schnell und sicher segeln – und vor allem Seele haben!!!
    Wenn man sich ansieht, wie schnell die bei Regatten wie Fyn Cup oder Fyn Runt sind, auch double handed, da ist in den letzte Jahrzehnten nicht so viel passiert im Yachtbau …
    Mit den Booten kann man noch unter Segeln anlegen, obwohl die schnell sind.

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