Digger’s Blog: Rudel&Frolic-freie Zone auf der Boatfit Messe in Bremen

Nase zeigen, quatschen, Schmalzbrote essen

Nach den großen, internationalen Bootsmessen beginnt nun die Zeit der regionalen Ausstellungen. Am Wochenende war Stephan Boden alias Digger Hamburg 3 Tage auf der Boatfit in Bremen.

Digger Hamburg und Polly auf der Boatfit

Digger Hamburg und Polly auf der Boatfit in Bremen. © Stephan Röpke

Nase zeigen, Vorträge halten, quatschen und rumlaufen. Schmalzbrote essen. Hier mal ein kleiner Bericht:

Letzten Freitag komme ich auf dem Hauptbahnhof in Bremen an. Gleich nach dem Verlassen des Gleises frage ich mich: wie komme ich zur Messe? Ganz einfach: man geht aus dem Bahnhof, über den Parkplatz und ist da. Holla – das ist perfekt. Passt in die derzeitige Diskussion: barrierefreier Messebesuch…

Minuten des Bewunderns

Basteln für die Kleinen.

Basteln für die Kleinen. © Stephan Röpke

Also rein, durch den Eingang, nen Kaffee holen und erst mal umsehen. Denkste. Bereits wenige Meter nach der Kaffeebar bleibe ich auf dem Stand der Bootswerft Grödersby kleben. Dort ist ein wunderschönes, fertiges Refitprojekt ausgestellt. Ich bin ja selbst Plastikbootfahrer aber finde Holzboote wundervoll. Ich gehe nach vielen Minuten des Bewunderns weiter und komme aber wieder nicht wirklich vom Fleck. Bleibe immer wieder kleben. Denn auch wenn es sich hier nur um 2 Hallen handelt, ist viel Interessantes auf wenig Platz ausgestellt. Schön hier. Polly hat bereits einige Essenreste gefunden und denkt genauso.

Bastian Hauck (r) und Stephan Boden

Bastian Hauck (r) und Stephan Boden berichten über ihrer Abenteuer mit Hunden an Bord. © Stephan Röpke

Nach einigen weiteren Klebestationen sehe ich auf einem Tisch einen Prospekt, auf der mein Boot abgebildet ist. Bastian Hauck hat hier mit der Bootswerft Schleswig und Ralf Peines Aero-Værft einen Stand, auf dem man einen Pinnenworkshop buchen konnte. 99 Euro zahlen und sich in 3 Tage eine Pinne selbst bauen. Der Stand ist voller interessierter Besucher, die in einer Traube neben der Werkbank stehen. Dahinter wird gerade ein Boot gebaut und überall riecht es nach Holz und es wird gehobelt, gehämmert und gesägt. Irgendwie wie auf ner Werft. Eine Rudel&Frolic-freie Zone hier.

Der Holländer mit den preiswerten Leinen ist auch wieder da. Der war schon in Hamburg und Düsseldorf und ich vermute, er ist gleich mehrfach geklont worden und überall zur gleichen Zeit. Ich kaufe eine Reffleine und eine Rolle Bändsel und schlendere in die 2te Halle.

Kein Protz, keine riesigen Eimer

Boatfit

Betrieb in den beiden Hallen der Boatfit. Im vergangenen Jahr kamen 11.000 Besucher. © Stephan Röpke

Auch hier herrscht irgendwie reges Treiben. Kleine Stände, kein Protz, keine riesen Eimer, keine Weltneuheiten, keine Empfangsdamen an weiss gedeckten Tresen und keine Ananas auf dem Cockpittisch – aber alles sehr familiär, informativ und interessant. Auf dem Rundgang fällt mir auch auf, dass alle paar Meter eine Bühne aufgebaut ist, auf der Vorträge gehalten werden. Und nahezu alle Sitze sind voller Zuschauer. An manchen Bühnen stehen die Leute auch mangels freier Plätze. Bootsbauer stellen ihre Refitprojekte vor, andere referieren zum Thema Epoxi, dort werden Sicherheitsausrüstungen erklärt und auf der anderen Seite erzählen Segler von ihren Erlebnissen.

Um 16 Uhr sind wir dran. Eigentlich sollten Hinnerk Weiler, Merle Ibach, Bastian Hauck und ich eine Talkrunde machen. Da Merle und Hinnerk leider krank sind, müssen wir zu zweit improvisieren. Also Fotos sammeln, Rechner an den Beamer, Hunde auf die Bühne und los geht’s. Es klappt gut, Hütte ist voll, danach wird im kleinen Kreis noch länger drüber geredet. Macht Spaß.

Kleine Holzboote stehen im Blickpunkt

Kleine Holzboote stehen im Blickpunkt. © Stephan Röpke

Dann ist der erste Tag vorbei. Bei Von der Linden gibt’s ne Standparty – Schmalzbrote und lecker Bierchen. Mir fällt auf, wie klein die Branche ist. Auch in Düsseldorf gab’s bei Von der Linden eine Standparty mit Schmalzbroten und Bier. Und es sind die gleichen Gesichter zu sehen, nur weniger davon. Ralf Peine sagte in Düsseldorf auf einer Standparty mal: „Ich stand gerade an der Essensausgabe mit den gleichen Leuten wie gestern in der gleichen Reihenfolge.“ Und das passt irgendwie auch hier. Schön ist es hier.

Nautischer Flohmarkt brechend voll

Der Samstag ist wieder gut besucht. Klar, Wochenende. Ab und zu startet ein alter Dieselmotor in der Halle, es riecht wieder nach Holz, viele Kids bauen sich gegenüber kleine Segelboote und ich komme kaum dazu, mal rumzulaufen. Dann wieder Vorträge, danach Ausstellerparty. Wieder die gleichen Gesichter, keine Schmalzbrote aber sehr viel Spaß.

Vorträge auf der Boatfit.

Vorträge sind ein wichtiger Teil der Boatfit. © Stephan Röpke

Am Sonntag ist nautischer Flohmarkt in einer Nebenhalle. Dort ist es ab 10 Uhr bereits brechend voll. Ich kaufe nichts, denn ein Bronzekompass passt nicht zu meinem Bootskonzept und der Sextant ist nicht iPad-Kompatibel. Aber schöne Sachen hier.

Eine Currywurst, 2 Vorträge, viele nette Gespräche später ertönt eine Ansage und die Messe ist auch schon wieder vorbei. Es sind zwar nur 2 Hallen, aber ich habe nicht alles davon gesehen. Nicht weil ich blind bin, sondern weil es irre viel zu entdecken und zu stöbern gibt. Ausserdem kommt man hier viel ins Gespräch. Alles irgendwie direkter und nahe dran. Irgendwie so wie das Segeln mit 18 Fuss. Und was mir aufgefallen ist: es laufen nicht nur alte Leute rum.

Schön wars. Hat mir viel Spaß gemacht. Wer denkt, solche kleinen Messen sind uninteressant, der soll mal hingehen. Nächste Chance: die Magdeboot vom 8.-10. März. Darauf freue ich mich schon, und auf die Boatfit 2014 auch.

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Digger Hamburg

Kleiner segeln - größer leben. Filmemacher und Autor Stephan Boden verbringt jeden Sommer auf dem Wasser. Früher auf seiner VA18 "Digger" jetzt auf der Bente24, die er selbst initiiert hat. "Auf See habe ich Zeit, das schärft den Blick für Details." Zu seinem Blog geht es hier
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4 Kommentare zu „Digger’s Blog: Rudel&Frolic-freie Zone auf der Boatfit Messe in Bremen“

  1. Lieber Stephan, das ist sehr schön beschrieben. Diese Messe ist wirklich sehr voll – von Menschen, von Information, von Gesprächen und angenehmen Zeiten. Und mir ist auch aufgefallen, dass viele jüngere Leute und frischgebackene Eigner mit großem Wissensdurst auf der Boatfit waren – Zeichen für ddie Zukunft. da gehen wir gerne hin.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 6 Daumen runter 2

    • avatar eku sagt:

      Son Schiied aber auch! Da warst du nun schon mal hier in Bremen und ich bin diesmal nicht auf dieser Messe gewesen. Hätte zu gerne deinem Frolik mal guten Tag gesagt! (und ihn ausgehorcht …)
      Ansonsten stimmt das schon – deutlich anders als die “großen” – und damit auch wirklich entspannter. Nicht die ganzen Minderwertigkeitsgefühle.

      Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 0

    • avatar Digger sagt:

      Moin Helge,

      vergiss auch im nächsten Jahr die Schmalzbrote nicht 🙂

      Ansonsten sehe ich das genau wie Du – solche Messen haben Zukunft. Und gerade für Jüngere und Neueinsteiger ist das eine gute Gelegenheit, sich wirklich ohne Stress und mit Zeit zu informieren.
      Auch hat man gemerkt, dass es da draussen nicht nur noch Boote über 40 Fuss gibt. Die meisten Eigner hatten vorne eine 2 stehen.

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