Filmen an Bord: Teil 5 – Manuell drehen

Selbst ist der Mann!

Automatische Funktionen können zwar alles, machen aber nichts richtig. Warum manuelles Drehen besser ist.

Die heutigen Kameras sind technische Meisterwerke. Auf kleinstem Raum finden sich zahlreiche Funktionen, die dem Benutzer das Leben erleichtern. Autofokussysteme werden immer besser und schneller, Motivprogramme, Gegenlichtfunktionen sorgen für die richtige Belichtung und sogar Gesichter werden erkannt und automatisch scharf gestellt. Super! Super? Nein, von alleine ist nichts super.

Digger filmen

Manuell sieht besser aus. (c) diggerhamburg

Hell-dunkel-hell-dunkel

In diesen kleinen Cams sind Chips eingebaut. Deren Software regelt alles und macht alles richtig. Nur hat sie immer den gleichen Fehler: Sie ist nicht kreativ. Und sie hat keine Ahnung von Perspektiven, Motiven und Prioritäten. Ein Beispiel:

Man steht am Hafen, will filmen, aber dann wird hinten in der Ecke die riesige Motorbratze festmacht. Alles steht auf Automatik, Fokus, Blende etc. Man beginnt mit dem Dreh. In diesem Moment fährt rechts ins Bild ein Segelboot unter Segeln ein. Der Lichtanteil im Bild wird höher. Was macht die Kamera? Sie blendet ab. Das gleiche passiert, wenn auf einmal die Sonne herauskommt. Das Ergebnis: hell-dunkel-hell-dunkel. Die Blende pumpt, was das Zeug hält.

Noch schlimmer, wird es. wenn man den schönen Sonnenuntergang filmen will. Dann spinnen Automatiken richtig rum und zuhause wundert man sich, warum dieses schöne Motiv in der Realität so viel besser aussah. Dann geht jemand vor der Kamera vorbei. Eigentlich ist so ein bewegtes Vordergrundmotiv ganz schön.

Was macht die Kamera? Sie verändert den Fokus, weil sie denkt, es sei besser, dem Mann zu folgen. Schon wird unser Motiv unscharf. Bis sie die richtige Schärfe gefunden hat, ist der Kerl schon wieder aus dem Bild und nun ist alles unscharf. Und da das Motiv etwas weiter weg ist, pumpt nun der Fokus.

 Boot säuft ab

Digger filmen

Der Fokus muss nicht immer mittig sein. © diggerhamburg

Ein weiteres typisches Beispiel: wenn man ganz hinten am Horizont das Segelboot drehen will. Der Seegang im Vordergrund fordert den Autofokus ständig dazu auf, doch bitte weiter vorne scharf zu stellen. Schon “säuft” das Boot in der Unschärfe ab. Kameras sind mit solchen Situationen hoffnungslos überfordert.

Selbst in Situationen, die schnelles Handeln erfordern, ist manuelles Filmen oft besser. Man verliert zwar bei der ersten Einstellung etwas Zeit, aber die gewinnt man hinterher mit einem schön belichteten und scharfen Bild wieder zurück.

Viele Kameras verfügen zwar über manuelle Einstellungen, aber die sind tief in den Menüs versteckt. Und es ist mühsam, anhand von Tasten auf einem kleinen Display die Schärfe einzustellen. Daher haben einige Hersteller Tasten eingebaut, auf denen zum Beispiel „AE oder AF Lock“ steht. Das bedeutet, dass man mit einem simplen Tastendruck die Einstellungen sperrt und die Kamera daran nichts mehr verändern darf. Sowas hilft einem schon mal weiter.

Dazu werden die kleinen Mühlen heute immer lichtstärker, vor allem die Optiken. Und offenblendiges Drehen bedeutet viel Tiefenunschärfe. Damit kann man schön spielen, in dem man unscharfe Vordergrundmotive ins Bild rückt (alte Regel: „Vordergrund macht Bild gesund“). So etwas kann eine Automatik nur in seltenen Fällen umsetzen. Auch Schärfenverlagerungen kann man manuell viel schöner drehen. Automatiken mögen das oft nicht.

Deshalb komme ich wieder an den Anfang dieser Reihe zurück: Bei der Suche nach einem Camcorder drauf achten, dass er eine Fokussierung am Objektiv hat und über schnell zugängliche Blenden/Shutter-Wahlrädchen verfügt. Das macht vieles besser.

Podcast Antworten

Damit wäre die Hälfte der zehn Teile dieser Reihe abgeschlossen. Und das nehmen wir hier  zum Anlass, ein neues Format exklusiv für SR Club Mitglieder zu testen. Fragen zu den bisher behandelten Punkte dieser Reihe können hier in den Kommentaren gestellt werden, und ich antworte in den nächsten Tagen in einem für Mitglieder einsehbaren Audio Blog oder Podcast. 

Filmen an Bord
Teil 1   Welche Kamera?
Teil 2   Zubehör
Teil 3   Bitte nicht wackeln
Teil 4 – Umgang mit Zoom

So einen Sonnenuntergang bekommt man nur manuell perfekt inszeniert. (c) diggerhamburg

So einen Sonnenuntergang bekommt man nur manuell perfekt inszeniert.
© diggerhamburg

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Digger Hamburg

Kleiner segeln - größer leben. Filmemacher und Autor Stephan Boden verbringt jeden Sommer auf dem Wasser. Früher auf seiner VA18 "Digger" jetzt auf der Bente24, die er selbst initiiert hat. "Auf See habe ich Zeit, das schärft den Blick für Details." Zu seinem Blog geht es hier
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10 Kommentare zu „Filmen an Bord: Teil 5 – Manuell drehen“

  1. avatar Yachti sagt:

    Gute Beitragsserie… Weiter so!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 22 Daumen runter 7

  2. avatar Sven-Hamburg sagt:

    Gute Beitragsreihe. Wenn ich mir bei diesem Beitrag gewünscht hätte, mehr über das WIE zu erfahren. Hauptsächlich habe ich gelesen, dass ich manuell und nicht automatisch Einstellungen wählen soll.

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 3 Daumen runter 7

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