Fundstück: Die Segelyacht “Tiara” und ihr Lufttender

Das Boot zum Hubschrauber

Segelyacht mit Hubschrauber als Beiboot

Keine lästigen Rotphasen an der Ampel, keine Staus. Mit dem Hubschrauber geht’s direkt an Bord © Alloy Yachts

Freitagnachmittag oder Samstagfrüh können Segler nicht schnell genug an Bord sein. Lange Rotphasen an der Ampel, Staus und ähnliche Lästigkeiten vermeidet man am besten mit …

… einem Direktflug zur punktgenauen Landung auf dem Achterdeck. So wollte es der Auftraggeber, als er sich vor einigen Jahren ein neues Boot, die 54 m Slup „Tiara“ entwerfen ließ. Kein Problem für den englischen Konstrukteur Ed Dubois, der schon das eine oder andere große Boot entworfen hatte. Auf dem langen Achterdeck ist ja Platz und wenn die Crew rechtzeitig zur Ankunft des Eigners die Achter- und Backstagen wegnimmt und den Großbaum ein wenig zur Seite schwenkt klappt das.

 2,5 t Hubschrauber

Natürlich ist so ein Achtsitzer wie der Eurocopter EC 130 mit seinen 2 ½ t kein Fliegengewicht. Dennoch schwimmt die beladen gut 500 t verdrängende Slup bei der Landung achtern kaum tiefer, als wenn bei einem üblichen Charterboot drei Kisten Bier auf der Badeplattform abgestellt werden. Heikler ist es, das 13 m Gefährt mit 11 Metern Rotorblättern schön weit achtern abzusetzen. Da sollte der Pilot sein Handwerk schon verstehen.

Fliegendes Beiboot einer Megayacht unter Segeln

Mit dem Heli schnell mal in einer schönen Bucht beim Boot vorbeischauen und auf dem Oberdeck einen Kaffee trinken © Alloy Yachts

Hubschrauber an Bord kennt man sonst nur von Motoryachten. Das Beispiel der 2004 aufgetakelten „Tiara“ mit dem farblich passenden Heli hat keine Schule gemacht. Man kann mit dem achtern an Deck abgestellten Lufttender nicht segeln. Hubschrauber vertragen weder Salzwasser, noch die korrosionsfördernde Seeluft. Deswegen werden sie auf sehr großen Motoryachten rasch eingepackt oder in einem Stauraum untergebracht. Das erforderliche Format haben jedoch selbst die sehr großen Segelyachten unserer Tage (vorerst) noch nicht. Ein Hingucker ist der Heli aber trotzdem und bei der Vercharterung des Boots hilft so eine Spielerei auch.

Die Mega-Segelyacht “Tiara” in Zahlen

Aluminiumslup Baujahr 2004, Länge 54,30 m, Wasserlinie 44,60 m, Breite 11 m, Kielschwerter mit 5,20 – 8 m Tiefgang, Verdrängung 468 t, Panamakanal-taugliche Brückendurchfahrtshöhe 62,50 m, Karbonmast und Rollbaum, 1.400 PS Diesel für 14,8 kn Höchstgeschwindigkeit, 12 kn Reisegeschwindigkeit, 5.900 sm Reichweite, 40.500 l Diesel, 10.000 l Frischwasser, Werft Alloy Yachts Neuseeland,  Konstruktion und Exterieur Design Dubois Naval Architects

Eurocopter EC 130 in Zahlen

Siebensitziger, einmotoriger Hubschrauber mit Turbinenantrieb, 850 – 950 PS, 12,64 m lang, 3,04 m breit, 3,61 m hoch, maximales Abfluggewicht 2,4 t, 287 km/h Spitze, Reisegeschwindigkeit 240 km/h, Dienstgipfelhöhe 5 km, Reichweite 640 km

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Erdmann Braschos

Sein Spezialgebiet umfasst Mega-Yachten, Klassiker, Daysailor und Schärenkreuzer. Mehr über Erdmann findest Du hier.

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2 Kommentare zu „Fundstück: Die Segelyacht “Tiara” und ihr Lufttender“

  1. avatar Heinrich sagt:

    Der winzig kleine Heli stört beim Segeln oder beim Hafenmanöver sicherlich auch gar nicht. Wenns im Artikel nicht erwähnt worden wäre, ich hätte den Heli auf dem Bild gar nicht gesehen….

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 8 Daumen runter 0

  2. avatar o nass is sagt:

    Da gibt es doch noch Raum für Verbesserungen. Positives Heck, etwas grösseres Landdeck, Baum etwas kürzer, Heli eine Nummer kleiner und mit faltbaren Rotorblättern, vernünftige Lashings und dazu ein ‘Ganzkörperkondom’ in Form einer vernünftigen Persenning für das Fluggerät. Ich ruf’ Ed gleich mal an.

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