Knarrblog: Die Kinder sollen segeln. Gut gemeinte Leser Tipps

Fußball ist doch "Tuntensport"...

Von Carsten Kemmling

Mein weinerlicher Artikel zum Thema Kindersegeln hat viele gut gemeinte Ratschläge von kompetenten Lesern eingebracht. Von „Verdammt, werde der Vaterrolle gerecht“ bis zur Einladung in ein einschlägiges Segelcamp („Wir kriegen sie alle hin“) waren wichtige Denkanstöße dabei.

Nun bin ich mir nicht sicher, ob wirklich die Kühlschranktüre nur mit einem entsprechenden Impuls auf der Ausreitbank zu öffnen sein sollte. Es könnte sein, dass die Sprösslinge verhungern. Besser würde wohl eine Kopplung mit der Computerstromversorgung funktionieren.

Aber das wäre wohl die Holzhammer-Methode. Wir sind ja tolerante Eltern. Wir wollen den Virus doch nur ganz vorsichtig übertragen. Unbemerkt sozusagen. Auf keinen Fall soll das Vater-Sohn Verhältnis leiden. Deshalb werde ich nicht dem Rat folgen, Fußball als „Tuntensport“ zu verunglimpfen.

Interessanter ist da schon der Hinweis, für die „coolen Jungs“ „viele coole Girls“ zu organisieren. Das dürfte definitiv klappen, wo sich doch die Pubertät ankündigt. Aber der Organisationsaufwand scheint mir doch recht hoch.

Der folgende Tipp von Tommy hat es auch in sich. Einfach die Konkurrenz schlecht reden. Den Kindern sagen, Pferde seien von Natur aus böse, Mannschaften wollen einen nur als Kanonenfutter
und Tennis gibt hässliche Schürfwunden. Die Pferd- und Tennis-Kelche sind allerdings schon vorbeigegangen. Das mit den Mannschaften eher nicht. Ich bräuchte eingängige Argumente gegen Fuß- oder Basketball und gegen Tischtennis oder Skateboards.

Ich habe noch Hoffnung, auch wenn die Opti-Faszination den Buben definitiv verborgen bleiben wird. Angesichts des eher unförmigen Bootes ergibt sie sich tatsächlich erst durch die Gruppe, wie Leserin Judith es richtig sieht. Aber diese Gruppen kann man sich nicht basteln. Entweder es sind interessante Kumpels im gleichen Alter am Club oder eben nicht.

Nun gibt es ja auch Stimmen, die sagen, dass man auf eine Opti-Zeit durchaus verzichten kann. Wohlgemerkt gehöre ich nicht dazu. Ich selbst war damals mit größtem Enthusiasmus dabei und habe die Kiste geliebt, obwohl – oder gerade weil – Vater als Trainer eng dabei war.

Aber heutzutage gibt es ja auch andere Wege. Die neueste Hoffnung setze ich auf den Plan, einen weiteren Laser anzuschaffen. Denn in diesem Sommer konnten die Jungs einen gewissen Spaß Effekt nicht verbergen, auch wenn sie die sportliche Fortbewegung per Windkraft eher mit spektakulären Kenterungen gleichsetzen.

Klar ist der Laser noch ein wenig groß. Aber es gibt eben ein hübsches pinkes Teil in der Familien-Flotte. Und dafür sind auch kleinere Riggs zu haben. Dabei mag die Beweglichkeit der Plastikschüssel eine größere Faszination ausüben als der kantige Opti. Vielleicht hat das den gewissen Coolness-Faktor, an dem die Kids alles messen.

Es scheint noch nicht alles verloren. Und wie zur Bestätigung kommt völlig überraschend die Ansage des Großen, er wolle sein Schul-Praktikum im nächsten Herbst beim ansässigen Segelmacher Clown Sails absolvieren.

Er ruft selber an, schreibt selber die Mail. Die Eltern staunen. Sind es nur die mangelnden Alternativen? Bereitschaftspolizei oder Zigarettenfabrik stand noch auf der Liste. Was geht da nun wieder in der Birne herum?

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Carsten Kemmling

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7 Kommentare zu „Knarrblog: Die Kinder sollen segeln. Gut gemeinte Leser Tipps“

  1. avatar Rainer sagt:

    Hier noch eine Anregung:

    Nicht nur der Vater sollte virtuell segeln, sondern auch die Söhne. Wer dann virtuell, also am PC, segelt und erfolgreich ist, der möchte das irgendwann auch in der Realität. Nebenbei hat das virtuelle Segeln ja auch etwas von Taktikunterricht 😉

    Gruß
    Rainer

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  2. avatar Marc Bäuml sagt:

    Laser kaufen oder anderes Spaßboot wie 29er, wobei man den Laser günstig bekommt und gut wieder verkaufen kann, wenn es mit dem Segeln der Kids wieder erwarten nichts wird.

    Sommer abwarten und Kids machen lassen. Bei uns in der Jugend haben alle Kinder Spaß am Wasser. Also einfach kentern lassen was das Zeug hält(macht auch Spaß und nimmt die Angst), irgendwann ist das Boot so weit abgetrieben, dass man zurücksegeln muss!! 😉
    Und früher oder später kommt so jeder zum segeln. Es muss ja nicht jeder zu Olypia oder Weltmeister werden, man kann auch einfach nur Spaß am (schnellen) segeln haben. Das kann auch entspannen.

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  3. avatar Minnisemmel sagt:

    Schnell segeln macht Spaß, ja, nur im Wettkampf schneller als die Anderen zu sein macht nun mal noch mehr Spaß!

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  4. avatar O.H. sagt:

    Gegen Skateboards gibts genug (schmerzhafte)Videos. Sind von ähnlicher Art wie die Videos von Sachen die so an Ralleystrecken passieren, weswegen ich mich da nie im Leben hinstellen werde, selbst wenn es nur ne Grade ist.

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  5. avatar Alex sagt:

    ich verfolge das schon eine ganze Weile und hab einen riesen Spass dran, als Vater von 4 mehr ider wenige segelnden Kindern. Weiter so, das erheitert mein Vatergemüt, ich habe ähnliches durchgemacht. Aber, dass Du neben mir der einzige in Deutschland zu sein scheinst, der so ein pinkes Ding hat, meiner heisst Pink Panter, finde ich köstlich! Als blöder Tip nun auch noch was von meiner Seite: Den Wassersegelspassverweigerern kann man über die blokart Schien bei bekommen. Schick mir die einfach mal vorbei!(erprobt) :-)))))

    Gruß Alex

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  6. avatar Philomena sagt:

    Super Post! Ich werde da nochmal versuchen mehr zu erfahren!

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  7. avatar Peter sagt:

    Hallo Carsten;

    ich habe ebenso dieses Problem, nur etwas härter. Mein ältester segelt nur nicht nicht, er ist ebenso Bayern-Fan. Ein kleiner Hoffnungsschimmer tut sich aber auf. Er ist nun gleichzeitig begeisterter Toten Hosen Anhänger. Und die glänzen ja mit einem bekannten Bayern München Song. Wollen mal sehen wie er diesen Konflikt lösen wird.
    Bei meinem mittleren Sohn ist die Hoffnung deutlich besser. Er segelt mit uns und im kommenden Sommer möchte ich mit ihm am sommerlichen Kiddi-Segelcamp teilnehmen. Das heißt hier in Finnland: 1 Woche auf einer abgelegenen Insel ohne alles, nur mit Optis, 15 anderen Kindern und dem Trainer.
    Bedeutet ich kann bei den beiden älteren üben, und beim jüngsten sollte es dann ohne Probleme klappen, oder? Gruß Peter

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