Hanse 455: Großschotsystem zum “echten Segeln” ungeeignet

Maritime Chill Out Zone

Hanse Yachts stellt mit der Hanse 455 ein neues Modell mit einer besonders fragwürdigen Großschotführung vor. Erdmann Braschos hat sich das genauer angesehen.

Dichtgeholt wird das Groß direkt hinter dem Baumniederholer. Die Schot setzt nicht mal auf halber Länge des Baums an. Eine Lösung, die für das Bordleben ideal sein mag. Der „Outdoor-Lebensraum“ Plicht bleibt frei von störender Handware zum Trimm des Großsegels. Aber kann das wirklich so sein?

Es gibt keinen Travellerbalken, keine Schiene, über die zu steigen wäre, keine Blöcke, keine Travellerleinen und keine Schot. Das ist für Barfußsegler und alle, die mit dem Segeln weniger am Hut haben, angenehm.

Das neue 45 Fuß Volumenmodell aus Greifswald mit der Großschot hinter dem Baumniederholer © Hanse Yachts

Das neue 45 Fuß Volumenmodell aus Greifswald mit der Großschot hinter dem Baumniederholer © Hanse Yachts

Das klappt, wenn das Segel über, oder wie bei der neuen Hanse 455 vor dem Niedergang dichtgeholt wird. So ist es seit Jahren bei vielen Großserienbooten üblich. Leider mit gravierenden Folgen für den Segeltrimm.

Wo rohe Kräfte walten

Eine Schot, die auf der halben Länge des Großbaums ansetzt, muss etwa doppelt so kräftig ziehen, wie eine, die vorteilhaft am Ende des Baums angeschlagen ist. Das bereitet dem Material Probleme. Der Baum biegt, die Blöcke knirschen. Die Winsch, bei Serienbooten in der Regel serienmäßig aus Kostengründen zu klein dimensioniert, kommt bald an ihre Grenzen. Der Segeltrimm wird so mühsam, dass er unterbleibt. Es klappt kaum, schnell mal in einer Bö aufzumachen, damit das Boot nichtzu luvgierig wird.

Die Schot wird vom Baum über mehrere Blöcke zur Nock und von dort nach achtern in Fingerspitzenreichweite des Steuermanns zur Winsch geführt. Das nennt sich im Marketing Schicksprech „German Cupper System“. Die Großschotführung zum effizienten Segeltrimm wurde 1981 mal von Judel-Vrolijk für den Admiral’s Cupper „Düsselboot“ entwickelt. Der gravierende Unterschied: Bei Regattabooten zieht die Schot achtern am Baum und nicht in der Mitte oder gar vorderen Hälfte wie bei der Hanse 455.

Bei meiner 8 ½ t schweren Swede 55 ist das 40 qm Groß bei auffrischendem Wind passabel an der achtfach Easymatic Talje dichtzuholen, weil sie ganz hinten ansetzt. Keine Ahnung, wie sich die 60 qm Tuch der über 11 t schweren Hanse 455 mit einem Flaschenzug trimmen läßt, der nicht mal auf halber Großbaumlänge ansetzt. Fazit: Ein seglerisch schlechter Kompromiss zugunsten des Bordlebens.

Wo die Reise hin geht

Es gibt ein lesenswertes Interview mit Hanse Group Chef Dr. Jens Gerhard. Dort ist der Trend zur „maritimen Chill Out Zone“ anschaulich beschrieben: „Ausgestattet sind die Boote, um ein Chill-out an Bord erleben zu können.“

Weniger Beschläge, mehr Polster: Die Hanse 455 als Beispiel der maritimen Chill Out Zone © Hanse Yachts

Weniger Beschläge, mehr Polster: Die Hanse 455 als Beispiel der maritimen Chill Out Zone © Hanse Yachts

Gerhard weiter: „In den 70er oder 80er Jahren sind die Menschen aufs Wasser gegangen, um grenzenlose Freiheit zu genießen. Heute geht es um Entspannung und Entschleunigung, Ruhe und Familie.“

Interessant ist auch Gerhards Trend-Beschreibung: „Die Nutzung des Bootes vor Anker wird größere Bedeutung erhalten und damit die Möglichkeit, auf der Yacht zu leben. Das Nichtsegeln wird wichtiger.“

Im Wirtschaftsmagazin Brandeins gibt es einen lesenswerten Artikel über die Probleme und Konzepte des Outdoor-Ausstatters Globetrotter. Fazit: Wer eigene puristische Ansprüche mit denen seiner Klientel verwechselt, hat vermutlich keine Zukunft.

Was heute zählt, ist das Lebensgefühl. Wenn das stimmt, dann wäre die Hanse 455 mit ihrer zum echten Segeln ungeeigneten Großschot wohl richtig.

Die Hanse 455 in Zahlen

Länge über alles: 13,95 m; Länge Rumpf: 13,55 m; Länge Wasserlinie: 12,20 m; Tiefgang Standard: 2,25 m; Tiefgang kurz (optional): 1,82 m; Verdrängung ca.: 11.600 kg; Ballast ca.: 3.500 kg; Motor (Standard): Volvo D2-55 mit 39kW/53 PS; Frischwassertank: ca. 450 Liter; Dieseltank: ca. 220 Liter; Design: judel/vrolijk & co; Preis: 169.900,- € netto (202.181,- € inkl. 19 % MwSt.); Website

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Erdmann Braschos

Sein Spezialgebiet umfasst Mega-Yachten, Klassiker, Daysailor und Schärenkreuzer. Mehr über Erdmann findest Du hier.
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32 Kommentare zu „Hanse 455: Großschotsystem zum “echten Segeln” ungeeignet“

  1. avatar x-claim sagt:

    Ab Windstärken von mehr als 3 Bft. wird nur noch gechilled – die Boote sind ja in erster Linie “maritime Chill Out Zonen”. Ich finde eine ganz passende Beschreibung für diese Art von Boote. Also keine Angs, die Großschot braucht man nicht. Und für den ernstfall gibt es ja auch noch Winschen, irgendwie wird man die Großschot dort schon dicht holen können…t

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    • avatar Backe sagt:

      Das Ding ist aber, dass 11 Tonnen Boot bei vermutlich 80 oder 85 qm Segel (das Groß hat 60, lesen wir) bis 3 Bft. eh nicht bewegen. Also 0 – 3 Bft: chillen … ab 3 Bft.: Weiter chillen … In der Konsequenz täte es also auch eine Motorquatze.

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      • avatar Christoph sagt:

        Nein Nein, das siehst du falsch.
        Eine Motorquatze wäre gänzlich ungeeignet. Denn um eben jenes erwähnte Lebensgefühl zu kreieren sind die Segel entscheiden. Du musst sie hochziehen um das richtige Image der Freiheit und Naturverbundenheit zu generieren. Dann kannst du den Motor anmachen um vorwärts zu kommen.
        Der Mast und die Segel erfüllen also weniger eine Vortriebs Aufgebe sondern vielmehr sorgen sie für das richtige Gefühl beim Chillen.

        Viele Spaß auf der Motorkreuz.

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  2. avatar Alex sagt:

    Hier wird die gesamte Verschiebung deutlich, die von den Klassenfreunden einfach nicht gesehen werden möchte.

    Was früher der Fahrtensegler war, mit Anspruch auf Seegängigkeit, der will heute Kurzurlaub in einer Bucht.
    Wer sich früher in Klassen austobte, der möchte heute ein Boot mit etwas Wohnkomfort aber dennoch sportlich zu segeln.
    Die Klassenboot können mit diesen Ansprüchen einfach nicht mithalten und verlieren diese Konkurrenz.

    Am Ende bleibt, über den Kleinbooten, nur noch das Segeln nach Vergütung.

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    • avatar x-claim sagt:

      Hm – im Prinzip stimme ich dir zu, wobei es heute allzu viele aufs Meer zieht, die früher lieber im Wohnwagen saßen und ihrem wesentlichen Prinzip ja auch treu bleiben. Mich ärgern nur die überfüllten Buchten und Häfen im Sommer…

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  3. avatar Fastnetwinner sagt:

    Und das Schlimme ist: Der Hanse-Mann hat Recht. Im Hamburger Yachthafen gibt es 2000 Liegeplätze. 2/3 davon sind Segelboote. Wenn an einem schönen Tag mit Glück 100 Boote draußen umsegeln, dann heißt das im Umkehrschluss, dass noch über 1200 Segelboote bei schönstem Sonnenschein fest im Hafen liegen. Wozu braucht man dann noch eine Grossschot? Kosten nur Geld und ist eh im Weg. Ich glaube, das Grosschoten eh ein Marketing-Gag der Segelmacher- und Tauwerk-Industrie sind… 😉

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  4. avatar Schlaufuxx sagt:

    Das Schotsystem gibt es seit mindestens 2005 auf der Hanse 50. spitzenmässig um sich in einer kontrollierten Halse, bei 8kn Wind den tonnenschweren Baum abzuknicken.
    Immerhin hat Hanse über Nacht Ersatz geliefert.
    (Nachdem Meeno Schrader, der DWD und 3 lizensierte Charterskipper und Pantaenius bezeugen konnten, dass wir keine Patenthalse bei 30kn Druck gebastelt haben.)
    Dafür 3 Scheisshäuser mit Automatikdpülung, 8 vernünftige Kojen, LED und Zipp und Zapp zum konkurrenzlos günstigem Preis.
    Für mich würde ne Bianca28 tun, aber mit 8 Gästen plus Crew gibts halt nix besseres.
    (Schreibfehler könnt Ihr Ihr SIRI melden)

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    • avatar Backe sagt:

      Du meinst, mit 8 Gästen plus Crew gibt’s nix billigeres.
      Bessere Schiffe gibt es zuhauf.

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  5. avatar Night Egineer sagt:


    Ich kann mich an folgende Story entsinnen….: Auf der Messe bewunderte ich eines der größeren Produkte aus dem Hause Hanse… Unter Deck fielen als erster die rießigen Handlauffreien Fläche auf, dann beäugte ich etwas kritisch die doch recht schrafen Kannten des Ausbaus….
    Dem Verkäufer fiel mein skeptischer Blick auf (!!) und fragte nach was denn sei.
    Ich meinte: “Das gibt aber unschöne Blutflecken, wenn mal bei etwas well hier vorbeischramme…”
    Er meinte: “Wieso? Die schiffe würden eh nicht bei Welle richtig gesegelt…” und weiter “… Sie dürfen nie vergessen wer heute die Schiffe kauft. Die Holde Gattin nämlich und die stehe gemeinhin auf Luxoriösen Raum, Licht und Lufftigkeit. Da sei der Loft Style gerade richtig, und käme sehr gut an…”
    Wenn man sich diese Partyschiffe anschaut fallen mir meistens in den ersten 5 Minuten so viele Unzulänglichkeiten auf das einem schlecht werden könnte. Aber wer interessiert sich schon noch für Seetüchtigkeit, wenn die Dame des Hauses ohnehin ab 5 Knoten Wind Seekrank wird, und auslaufen kategorisch ablehnt…? Auf der anderen Seite, gibt es mittlerweile genug Männer, die nie richtig segeln gelernt haben. Da war der SKS Törn schon ein Horror Trip. 300sm in einer Woche!!! Wenn ich antworte, das bei mir 60sm (6kn in 10h) Tage eher die Regel denn die Aussnahme sind, werde ich ausgelacht.
    So ist das heute nun mal. Aber wenn ich dann erzähle, das ich von Stockholm nach Flensburg in 14 Tagen… Gibts das große “Wow… das wäre aber nichts für mich… Das wäre mir zu stressig”.

    Zur Aussage: “1200 Schiffe noch im Hafen”: Ja Got Sei Dank. Stell Dir vor die Wären alle auf der Elbe…. Kein Platz mehr zum Segeln. Und wenn man mit nem Schnellen Schiff unterwegs ist, wird man angeschnautzt.. Man solle es doch nicht so eilig haben…

    Zur Aussage: “…, 8 vernünftige Kojen…”: Die möchte ich sehen. Für kleinwüchsige Vorgartezwerge vielleicht (bitte nicht persönlich nehmen). Die heute Typischen 1.95×1,25 Doppelkojen sind doch mal gerade für ein Penälerpärchen große genug. Was macht jedoch ein 2m Mann-Seiten-Bauch Schläfer..?

    Aber es ist schon richtig. Wer sich nicht seiner Klientel anpasst velriert. Wenn die Leute aussterben, die noch wissen wie ein Seegängiges Schiff aussehen sollte, wen wundert es dann noch.

    Übrigens die Krönung hatte ich dieses Frühjahr: Großer Brombachsee in Franken. 8-12Kn Wind. Kaum Welle.
    Da fuhr irgend eine kleine Sunbeam (oder wars was öhnliches) mit 2 Fach gerefftem Groß und fast völlig weggedrehter Fock umher. Während die meisten anderen Boote den herrlichen Tag unter Voll-Zeug genossen.
    Was soll man da noch über die Großschot auf ner Hanse45 sagen?

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  6. avatar seilor sagt:

    Wird das jetzt zum Hanse-Bashing hier? Zum Performance Segeln ist die Großschotführung sicher nicht ideal, aber wieviel von den paar Seglern die am Wochenende überhaupt ablegen wollen denn bis aufs letzte Zehntel trimmen … öfter zählt doch eher, dass Mutti mitkommt und die Kids sicher im Cockpit sitzen können.

    Und zum Vergleich, googelt mal nach “Großschot Bavaria 50 Cruiser”, da hat man sogar noch zwei getrennte Taljen in der Mitte vom Baum …

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  7. Hanse 455 Großschotsystem

    Mit etwas Erstaunen habe ich den Artikel von Erdmann Braschka gelesen.
    Technisch und sachlich ist alles korrekt, aber wie heißt es so schon: „Der Köder muss dem Fisch schmecken nicht dem Angler‘ Ich glaube schon das wir wissen wie es geht !
    Nicht wenig von uns, haben auf den zitieren Cupper mitgesegelt.
    Aber die Zeiten haben sich geändert, Kunde die so etwas noch wünschen, sind wenig (sehr wenig) geworden.
    Das sportliche Segeln ist in den Hintergrund getreten, für das was 90% der heutigen Segler wünschen, ist das Konzept der Hanse 455 genau richtig. Die Nutzung der Boote hat sich total gewandelt, heute wird mehr auf den Yachten „gelebt“ .
    Hier hinkt der vergleich mit eine Sweden 55 ja total (-: das ist ja wie S- Klasse und Porsche.
    Andre

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    • avatar x-claim sagt:

      Aber das ist doch genau das was hier überall steht – der Markt verändert die Boote in Richtung “schwimmende Wohnwagen”.
      Was verwundert dich – das es Segler gibt denen das nicht gefällt? Da hilft es einem wenig wenn man früher mal auf n’Cupper gesegelt ist, es selbst nicht gut findet, oder gar noch weiss wie es (Besser) geht.

      Wer den Markt bedienen will, der bediene den Markt, aber erwarte nicht das ich das auch noch gut finde!

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  8. avatar Night Engineer sagt:

    Wieso Hanse-Bashing…
    Ersetze Hanse gegen, Bavaria, Beneteua, Jeaneau, Hunter, Dufour… Es kommt aufs gleiche raus. Mal mehr mal weniger.

    Der Markt hat sich verändet. Früher waren die “Hardcore Segler” in der mehrheit. Danach haben sich die Werften gerichtet. Heute sind sie eine Minderheit und nach den heutigen Kunden richten sich die Werften Heute.

    Heute zählen halt Wohnkomfort und ein bestimmer Style mehr, als die praktikabilität.
    Eigentlich könnte man beides durchaus vereinen, ohne die Kosten ins unermessliche zu treiben. Es sollte möglich sein Boote zu bauen die sowohl praktisch und schick sind.
    Die Werften müßten nur mal zuhören und Ihre Produkte Generation für Generation verbessern. Aber genaus das passiert nicht, im Gegenteil, der größte unfug überlebt. Und welche Werft juckt es schon wenn die 10 “Wissenden” das produkt nicht kaufen, das Produckt sich aber an 300 unwissende verticken lässt? Gut, gut, die 300 “unwissenden” würde das Produkt auch kaufen wenn es durchdachter wäre. …

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    • avatar mifi sagt:

      Also, Benneteau mit seiner First kann man nun hier nicht nennen.

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      • avatar x-claim sagt:

        Evtl. bei First nicht, aber bei Benneteau Oceanis und Benneteau Sense schon, oder!

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        • avatar Backe sagt:

          Ich möchte hier auch meine heiß geliebte Dufour 40E auch ausdrücklich in Schutz nehmen, die vielleicht nicht ganz an die Leistungsdaten einer X-P heranreicht … Dafür aber nur etwas mehr als die Hälfte einer vergleichbaren X-Yacht kostet.
          Einige Werften bieten eben eine Cruising- und eine Performance-Linie an. Leistungsfähigere Rigs und Beschläge, tiefere Kiele und mehr Quadratmeter – aber trotzdem den vielzitierten Luxus unter Deck. Das ist doch längst kein Geheimnis mehr.
          A propos X-Yachts … die gehen (um die gutbetuchten Chill-out-Segler und Hallberg-Rassy-Kunden abzuholen) gerade den umgekehrten Weg und haben eine Cruising-Linie etabliert – und zwar inklusive Mittig am Baum angeschlagener Großschot auf dem Hüttendach…

          Ich kann die Aufregung nicht verstehen: Der Markt gibt Schiffe für jeden Geschmack her. Und wenn Hanse sein Segment bei den nichtsegelnden Seglern sucht … bitte, sollen sie.
          Für Dickschiffsegler, die wissen wozu ein Traveller oder eine Genua 3 gut sind, gibt es weiterhin eine ausreichend große Auswahl an guten und auch günstigen Schiffen.

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          • avatar Backe sagt:

            P.S.: Die Performance-Linie von Hanse heißt Dehler :.)

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  9. avatar wooling sagt:

    Sorry, aber ich finde diesen Bericht völligen Blödsinn. Es scheint, als habe Erdmann die Yacht nicht mal gesegelt. Ich kann als Hanse Eigner aber bestätigen, dass sie sehr gut segelt. Das Problem habe ich nicht.

    Wenn ich einen Racer, eine Open40 oder 60 segeln will, nehme ich logischer Weise keine Hanse/Bavaria/Beneteau. Wenn ich Auto fahre wähle ich eine Limousine. Wenn ich Rennen fahren will, steige ich in eine Monocoque und auf Slicks. Ich käme aber nie auf die Idee, beides gleich zu setzen und mich zu wundern, dass die Limo weniger Grip hat als der Rennwagen.

    Eine etwas differenzierte Betrachtung ist immer hilfreich.

    Ich stehe total auf meine Hanse und solange ich jeder Bavaria und Beneteau wegsegele, ist alles fein.

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    • avatar Firstler sagt:

      Das glaubst Du jetzt nicht im ernst, dass Du jeder Beneteau (First) mit Deinem Wohnwagen wegsegelst oder?

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  10. avatar Tom sagt:

    Die Ansichten vom Autor Herrn Braschos kann ich auch nicht teilen. Dieses Großschotsystem ist doch bei fast allen Großserienwerften mittlerweile seit Jahren so verbaut. Ich selbst habe bereits meine dritte Hanse und das System funktioniert tadellos und ich segel wirklich viel! Sicherlich vermisse ich hin und wieder einen Traveller und ein paar mehr Strippen zum ziehen, wenn mal was schnelles in der Nähe ist und es in den Fingern juckt. Dafür ist es aber auch wesentlich entspannter wenn ich Kommando gebe und Mutti und die beiden Kleinen sich nur um sich selbst kümmern müssen und ich dabei eine enge Fahrrinne mit einer Hand aufkreuze. Während die wunderschöne Schäre die stark überlappende Fock, die Backstagen und den Traveller bedienen darf. Und spätestens wenn wir zusammen im Päckchen liegen wird der Wohnwagen dann doch gerne als Maritime Chill Out Zone von den Nachbarn mitgenutzt.
    Die Frage die sich mir stellt ist, wie definieren wir “echten Segeln”. Da gibt es scheinbar doch recht unterschiedliche Auslegungen bez. Interpretationen davon. Eine Schäre mit einer modernen Großserien Yacht zu vergleich ist aus meiner Sicht allerdings Schwachsinn. Außerdem frage ich mich ob die Autorenmeinung wirklich eine „Expertenmeinung“ darstellt, denn sollte ein „Experte“ nicht den Markt und die Bedürfnisse kennen? Der momentane Erfolg gibt Hanse wohl Recht, den Nerv der Zeit zu treffen! Auch wenn es nicht allen gefällt.
    Wer übrigens mal ernsthaft vergleicht, der sieht, dass Hanse wieder zu besseren Segeleigenschaften hinsteuert, denn Segelfläche und Masthöhe haben sich im Vergleich zum Vorgängermodell erhöht – das sollte auch dem „Experten“ aufgefallen sein!

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    • avatar Erdmann sagt:

      Hallo Tom,

      wenn Sie sich bitte die Mühe machen würden, den Artikel genau zu lesen. Es ging hier nicht darum, eine moderne Hanse mit meinem Boot zu vergleichen.

      Thema des Artikels ist die Großschotführung bei modernen Großserienerzeugnissen am Beispiel der Hanse 455.

      Diese finde ich wie beschrieben zum Segeln unpraktisch, weil die heute übliche Schotführung auf halber Großbaumlänge die Kräfte zugunsten des Hafenkomforts verdoppelt. Hinzu kommt noch die Reibung durch mehrere Blöcke. Das ist keine Ansichssache, wie sie meinen, eher schlichte Physik.

      Die bewährte Lösung, ein Großsegel reaktionsschnell und dosiert trimmen zu können, schafft der Großserienbootsbau seit Jahren sukzessive ab. Die Großschot ist immer weiter nach vorn gewandert. Auch bei anderen, bei Bavaria oder Beneteau. Bei der aktuellen Hanse 455 ist die Großschotführung jetzt zwischen Baumniederholer und der halben Großbaumlänge angekommen.

      Darum geht es in meinem Artikel. Lassen Sie uns also bitte beim Thema bleiben.

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  11. avatar Müller sagt:

    Also, normalerweise zieht der moderne Freizeitsegler das Groß doch garnicht aus dem Mast, Genuadingsbums reicht doch….

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  12. avatar Balticsea-Wulf sagt:

    Ich denke auch, dass der Autor ein Boot selber gesegelt haben sollte, das würde jede echte Experte tun, bevor er Kritik übt. Objektive Berichte sehen anders aus. Also ist es wohl eher ein Kommentar, eine Einzelmeinung….

    Erstaunlicherweise gibt es scheinbar 1000ende Segler, die jedes Jahr entscheiden, ein komfortabkes Boot zu kaufen, auf dem sich die ganze Familie wohlfühlt… Das sind natürlich alles Idioten…

    Jetzt mal im Ernst: Hanse Segelboote sind gute, stabile und moderne Schiffe, die ein Preis-Leistungsverhältnis bieten, dass den Kreis der möglichen Eigner erweitern und mehr Leute zu unserem tollen Sport bringen. Äh liches gilt auch ür andere Werften. X ist ja auch auf dem Weg Richtung Komfort… Das Werften wie HR noch immer Boote bauen, wie vor 30 Jahren zeigt, dass es auch dafür eine Klientel gibt.

    Und genau dass ist doch auch richtig so: die Nachfrage bestimmt das Angebot. Schön, dass wir nicht alle in den gleichen Booten sitzen müssen!

    German sheeting lässt sich übrigens prima segeln und der Autor sollte es vielleicht mal probieren!

    Handbreit!

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    • avatar Hurghamann sagt:

      [ ] ich habe die Einlassung von Erdmann 5 kommentare weiter oben Gelesen
      [ ] ich habe sie nicht gelesen.

      Er hat weisgott niemanden als Idioten bezeichnet. Er merkt lediglich an das mit diesen Grossschotführungen die Segelei nicht mehr als der von Ihnen beschriebene Sport taugt sondern lediglich zur Freizeitbeschäftigung mit Wassercaravan.
      Jeder wie er es mag.
      Ich bin auch eher bei der 60 Meilen/Tag Fraktion. Damit gehöre ich wenn man die Verkaufzahlen betrachtet wohl zu einer Minderheit.-

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  13. avatar Saltkrokan sagt:

    Hallo zusammen,

    ich kann sowohl TOM als auch Balticsea-Wulf nur zustimmen.

    Hier schwingt sich jemand auf “richtiges Segeln” zu definieren und erhebt Allgemeingültigkeit. Das ist weder als Journalist noch als Experte sonderlich professionell. Auch der Hinweis auf die Physik ist eine KO-Phrase, die mehr als schwach ist – natürlich stimmt das in der Theorie – aber da die Baunummer 1 der Hanse 455 noch nicht fertig ist, kann der Autor dies für die Praxis nur vermuten.

    judel/vrolijk ist ein international anerkanntes und sehr erfolgreiches Konstruktionsbüro, denen ich (meine Meinung!)unterstelle, dass sie wissen, was sie tun! Auch die Leute bei Hanse haben schon das ein- oder andere Boot gebaut, übrigens auch die Bavarias und Beneteaus, Jeaneaus und Dufours dieser Welt.

    Ich persönlich glaube nicht, dass man nur auf einem 30 Jahre alten Boot richtig segeln kann – es gibt (OH SCHRECK!) technischen Fortschritt auch auf Segelbooten!

    Ich gehöre auch zu der (scheinbar allwissenden) Gruppe der Meilenfresser mit Blauwassererfahrungen und Etmalen jenseits der 60 nm/d – wenn ich dabei eins gelernt habe ist es Demut und Toleranz! Wenn jemand auf seinem Boot Komfort will – fein! Wenn jemand mit der ganzen Familie keine Schwerwettertörns machen will – fein, das ist gute Seemannschaft! Sich zu beschweren, dass die Häfen voll sind, ist wirklich eine tolle Einstellung: Ich darf das, aber die anderen nicht… dazu verkneife ich mir jetzt wirklich jeden weiteren Kommentar.

    So, genug Dampf abgelassen – ich würde mir auf einer solchen Seite mehr Objektivität, Kommentare, die als solche gekennzeichnet sind und differenzierte Meinungen wünschen.

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    • avatar x-claim sagt:

      Natürlich gibt es technischen Fortschritt, und das ist auch gut so! Aber nicht alles was wie technischer Fortschritt aussieht, oder als solcher verkauft wird erweist sich mit der Zeit als solcher.

      Nimm doch das Beispiel die IOR Boote mit denen Deine J/V groß geworden sind und die sie mit geprägt haben. Wo endete das? In Booten die dank übergroßer Breite, Dellen und Einschnürungen besser Vergüteten, aber leider nicht so Seetüchtig waren wie sie hätten sein sollen.

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  14. avatar Matthias Wagener sagt:

    Prinzipiell verstehe ich die Kritik, auch die physikalische Rhetorik. Und nicht nur auf den sogenannten “segelnden Wohnwagen” der großen Werften wird das kritisierte Schotsystem genutzt. Wir bauen neu, ein Alu-Boot einer kleinen französischen Werft, entworfen von Seglern für den Zweck weltweiter Fahrt auch unter widrigen Bedingungen. Gleiches Sytem, gleiche Kritikpunkte: viel laufendes Gut, viele Umlenkpunkte, kein Traveller, Schot greift nicht an der Nock. In der Konsequenz recht hohe Kräfte und geringere Trimm-Möglichkeiten. Klar, die Ausführung ist durabler, als bei Großserienbooten. Und klar ist das ein Unterschied zu unserem heutigen, klassischen Schotsystem.
    Aber wir haben uns nach dem Probesegeln und den zufriedenen Stimmen der anderen Eigner dennoch für das neue System entschieden. Time will tell.

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    • avatar Christoph sagt:

      Ich denke das ist genau der Punkt.
      Das System funktioniert selbstverständlich um zu segeln. Man hat auch keine Großschot die einem bei der Patenthalse den Kopf abrasiert oder einen Traveler an dem man sich ständig die Schienbeine anrennt.
      Aber man erkauf das eben mit den erwähnten Nachteilen. Schwererer Großbaum, schwergängiges Schotsystem, hohe Trimmkräfte.
      Aber genau die Selben Kompromisse geht man ja an vielen Stellen des Entwurfs ein, z.B. wenn man sich zugunsten von wenig Tiefgang für einen kurzen Kiel entscheidet, wenn man den Hals des Vorsegels in 40cm höhe anschlägt damit sich das Segel nicht in der Reling verhakt. Wenn man im Achterschiff noch etwas mehr Volumen unterbringt um zwei Doppelkabienen unterbringen zu können. Wenn man elektrische Wasserpumpen, Heizung, Warmwasserboiler, Stromgenerator, 300l Wasser fürs Duschen, 20cm dicke Polster, 3 Toiletten, 2 Kühlschränke, Waschmaschinen und Mikrowellen durch die Hegend segelt.

      Am ende zählt das es eben auch noch in Großserie hergestellte und damit günstige perfomanze Alternativen, wie Dehler, Pogo, First, Sun Fast gibt, die eben für die ander denkende Klientel geeignet sind die sich keine Luffe, Furby oder X-Yacht leisten kann.

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  15. avatar Torpedo sagt:

    Diese Art von “Rezension“ über ein System, welches man selbst zugegebenermaßen nicht mal gesegelt ist gehört zu den weiteren Peinlichkeiten der selbst ernannten schreibenden Kritiker. Aber wahrscheinlich ist Erdmann die Hanse Group zu modern und erfolgreich.
    Ich möchte nichts anderes chartern! Das Boot kann praktisch einhand gesegelt werden, es ist schnell (und auch bei mehr als 20kn Wind gut handhabbar) und komfortabel. Das Preis Leistung Verhältnis fast schon unanständig. Aber wer dafür eine Swan erwartet liegt falsch.
    Erdmann sollte sie nächstes Jahr segeln und dann hier schreiben. Alles andere ist indiskutabel.

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