Knarrblog: Höruphav bis Faarborg – Der Wind wird leider immer, immer mehr…

Wo lassen wir uns einwehen?

Der Tag geht schon nicht so richtig gut los, wenn auf dem Hafenklo das Papier fehlt und diese Feststellung nach dem Point of no Return erfolgt – auf Einzelheiten möchte ich jetzt hier nicht eingehen.

Sommertörn, Fjellebroen

Sonnenuntergang in Fjellebroen. © SegelReporter

Als dann noch der Kassenautomat in Höruphav nur 60 von den auf der Karte verbliebenen 78 Kronen ausspuckt mit dem Verweis, es sei nicht genug Geld im Automaten, man solle sich doch bitteschön an den Hafenmeister wenden, der sich aber während der 20 Stunden unseres Aufenthalts nicht einmal hat blicken lassen, ist ein gewisser Nerv-Faktor festzustellen. Zumal sich der Quittungszettel bei strömendem Regen in Nullkommanix geradezu auflöst.

Zwei Wochen Folkeboot

Doch die Laune hellt sich schnell auf. Ein alter Kumpel aus Jugendtagen grüßt aus seinem Folkeboot. Wie, ihr hier? Nach so vielen Jahren. Jörg und Birgit waren das Traumpaar der NRW Segelregatta-Szene und sie machen den Anschein, dass sie immer noch perfekt zusammen passen. Wenn sie zwei Wochen zusammen auf einem Folkeboot aushalten…

Sommertörn

Stabile Lage unter kleinem Genni. © SegelReporter

Sie haben das Schiff vom Baldeneysee nach Flensburg getrailert. Und Jörg gehört inzwischen zu den besten Folke-Seglern der Nation. In der zweiten Segel-Bundesliga tritt er immer mal wieder für den Segel-Club Bayer Uerdingen an, aber eigentlich hat seine Tochter das Steuer übernommen.

Nun hat auch Jörg das Malheur auf der Toilette erlebt. Und der Kassenautomat vereinnahmt auch einen Teil seines Geldes. Ein Geschäftsmodell in Höruphav? Zusammen kann man aber besser darüber lachen.

Ablegen im Gegenverkehr

Eigentlich wollten wir ja endlich einmal vor 12 Uhr ablegen. Aber es dauert eben seine Zeit, bis beim Steggespräch 20 Jahre aufgearbeitet sind. So wird es doch wieder erst 14 Uhr, und wir müssen im Gegenverkehr der ankommenden Yachten auslaufen.

Sommertörn

Split Screen mit Blick auf den “Navi-Tisch” und durch das Plexglas des Dodgers. © SegelReporter

Aber es wird ein schöner Ritt mit Backstagbrise um Als herum an den ganzen Ös wie Aerö, Lyö und Avernakö vorbei bis nach Faaborg. Ich mag lieber größere Häfen, wenn wir wieder einmal spät ankommen. Diese Unsicherheit ist mega nervig, ob noch freie Boxen gibt.

Da müsste mal jemand die vorhandenen Systeme umsetzen, die online zeigen, ob es noch freie Plätze gibt. Technisch kann es nicht so schwierig sein. Bei Parkhäusern funktioniert es doch auch.

So traue ich mich auch nicht in den Stadthafen von Faarborg. Bestimmt dicht. Aber von wegen. Der abendliche Bummel von der weiter entfernten Marina aus zum schönen Städtchen zeigt, dass es auch für unsere Bente noch genügend Plätze zur Auswahl gegeben hätte.

Pessimistische Aussichten

Der freundliche Däne von nebenan begrüßt uns mit pessimistischen Aussichten zum Wetter. Das wird die nächsten Tage nix mehr. Er stellt sich auf drei Tage Hafen ein. Wie jetzt? Windfinder sieht das gar nicht so dramatisch. Und eigentlich wollen wir uns endlich mit den Nachbarn treffen, die mit einem kleinen Schiffchen seit zwei Wochen rund Fünen segeln und inzwischen in Svendborg angekommen sind.

Per Schmetterling Richtung Osten. © SegelReporter

Per Schmetterling Richtung Osten. © SegelReporter

Der Treffpunkt soll Avernakö sein die langgezogene Insel im Zentrum der dänischen Südsee. Da rutschen wir bei Westwind doch locker hin. Aber ob die Freunde das mit ihrer Jaguar 22 schaffen? Der Wind wird tatsächlich immer stärker nachdem die erste ausgiebige Regenfront den Vormittag unter Deck deutlich verlängert hat.

Danach zeigt die gleißende Sonne das liebliche Gesicht der dänischen Inselwelt. Aber die weißen Schaumkämme glänzen immer bedrohlicher. Unter Vollzeug verlassen wir noch den Hafen genau vor dem Wind. Aber dann muss auch schnell das zweite Reff rein, um die Kontrolle zu behalten.

Spaß-Ritt mit schäumendem Bug

Yachten mit schmalem Tuch oder unter Motor kommen entgegen. Die Crews dürften neidisch sein, da wir den schnellen Spaß-Ritt mit schäumendem Bug genießen. Einer ruft herüber – wenn ich es richtig verstanden habe – wir sollten doch noch den Gennaker setzen. Ironisch gemeint, oder neidisch? Vielleicht war es auch nur ein Kommentar zu unserem Segeluntersatz mit dem auffälligen Bug, der in allen Häfen Aufmerksamkeit beim Stegvolk erzeugt.

Sommertörn

Rauschefahrt vorbei an Avernakø. © SegelReporter

Als wir nach einer Kuhwende – Bente zeigt, wie sie auf dem Teller drehen kann – hinter der Insel Björnö anluven Richtung Avernakö, puschen wir sie erstmals bei Wind und Welle gegen an. Dabei kommt die Kleine an ihre Grenze, aber sie stemmt sich erstaunlich kontrolliert mit der Fock und Doppelreff den Elementen entgegen. Es ist ein gutes Gefühl, auch solche Bedingungen meistern zu können.

Den Freunden geht es anders. Per What’s App erfahren wir, dass sie es nicht gegen an schaffen. Ihr nächster Ausweichhafen sei Fjellebroen im Süden von Fünen. Wir drehen das Schiff wieder um 180 Grad und ab geht’s zu dem Häfchen, von dessen Existenz ich vorher noch nicht gehört habe.

Ächzen und Wassereinbruch

Fröhliche Gesichter am Steg. Die Freunde haben ein mächtiges Seestück hinter sich gebracht. Und ihr altes Schiffchen hat die Strapazen überstanden, wenn auch unter vernehmlichem Ächzen und leichtem Wassereinbruch.

Sommertörn

Verhör! Wenn die Sonne ausbleibt, scheint ein Scheinwerfer dezent ins Cockpit. © SegelReporter

Sie haben uns einen Platz freigehalten und nach einiger Mühe beim Hantieren mit Außenborder und Pinne treffe ich bei böigem Seitenwind auch die Lücke zwischen den beiden Pollern. Der relativ hochbordige, leichte Rumpf ist sehr windanfällig. Gut, dass man den Motor am Heck drehen kann zur Unterstützung der Rotation. Wenn nur nicht dieses klapprige Haltegestell wäre. Es macht keinen sicheren Eindruck.

Der Tag neigt sich mit einem hübschen Sonnenuntergang dem Ende zu. Der Wind legt sich, und zu den Klängen aus dem Clubheim, wo der Hafenmeister seinen 70. Geburtstag feiert, tauschen wir bei ein paar Bierchen das jüngste Seemannsgarn aus.

Als das natürliche Licht verlischt, kommt das Thema unweigerlich auf das Wetter zu sprechen. Sturm an den nächsten drei Tagen. Wo lassen wir uns einwehen? Morgen früh gibt es vielleicht ein Fenster, das eine Überfahrt nach Als ermöglicht. Aber Mommark als Hafen sieht klein und wenig einladend aus. Vielleicht doch wieder zurück nach Faarborg. Wir entscheiden am Morgen.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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11 Kommentare zu „Knarrblog: Höruphav bis Faarborg – Der Wind wird leider immer, immer mehr…“

  1. avatar Ulrich Jäger sagt:

    Lieber Carsten ,
    wo ist das Problem mit zwei Leuten während zwei Wochen auf einem Folkeboot ?
    Immerhin hält einen das Folkeboot bei Wind nicht vom Segeln ab ⛵️💨

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  2. avatar Toby sagt:

    Mommark ist zwar klein aber keineswegs wenig einladend. Der Hafen hat sich gemacht. Es gibt ein super Cafe/Restaurant, einen schönen Strand, Brötchen am Morgen und gute Sanitäreinrichtungen. Für 2 Tage bei Starkwind genau richtig. Also nix wie hin da!

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  3. avatar A. Beyer sagt:

    Meine Güte. Gestresst weil man keine Box bekommen könnte? Geht ins Päckchen.

    Freie Plätze per online Tool anzeigen? Am besten 2 Wochen verbuchen, was?

    Ich hoffe bloß, dass eure Sicht auf das Segeln in Dänemark ein bedauerlich Einzelfall ist…

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  4. avatar BB sagt:

    Auf den Hafenmeister in Höruphav lass ich nichts kommen. Supernetter Typ und immer im Einsatz!

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  5. avatar Addi sagt:

    Faaborg mit kleinem Boot:
    2008 machten wir das so:
    In die Marina und gaaanz hinten rum:
    Da sind die Stege des Faaborg Sejlklub
    http://www.faaborg-sejlklub.dk/
    Damals wurden wir da mit der Sun Fast 20 vom Hafenmeister mit “we love small boats” hergewunken.
    http://littlewing-ostsee-2008.blogspot.de/2008/08/dienstag-29708-dnische-sdsee-helnaes.html

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  6. avatar Jürgen Dinsing sagt:

    Lieber Autor,
    1. wir waren jeweils in 2014 und 2015 auf Hin- und Rückweg nach Flensburg in Höruphav. Wie oben zu lesen war Paul (der Hafenmeister) immer da, immer super freundlich und alles hat immer geklappt. Es gab auch keine Karte sondern Marken, die man ihm aber zurückgeben konnte und sein Geld dafür erhielt. 2014 hat er im Clubraum im 1. OG ein TV aufgestellt und wir haben in sehr feundlicher und lustiger Atmosphäre mit deutschen, niederländischen, dänischen ,… Seglern Deutschland gegen Brasilien geschaut (man wird sich sicher an das Spiel erinnern). Auch das war super nett …
    Also das war alles Klasse!!!
    2. Mommark sieht auf der Karte kleiner aus als es ist. Wir haben auch da immer Platz bekommen und wurden auch immer super nett empfangen. Auch dort kann man den Hafenmeister Carsten nur loben … also hinsegeln …
    PS: Auch in diesem Jahr waren wir schon in der Gegend und weiter nördlich (bis Ballen auf Samsö und im Großen Belt) und haben eigentlich immer nur nette Hafenmeiseter und gute Häfen vorgefunden!
    Gruß nach Dänemark

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  7. avatar Wilfried sagt:

    Nicht immer diese Liegeplatzpanik. Ich bin in den letzten 35 Jahren immer in jeden Hafen auch noch Abends rein gekommen. Und die Ostsee ist in den letzten Jahren so viel leerer geworden. Auch dieses Jahr gab es selbst in Anholt kein Problem und das mitten im Juli.

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  8. avatar Stefan G aus W sagt:

    Zugegeben, akuter Klopapiermangel ist ein Problem, das selbst mit geübtem seglerischem Improvisationstalent schwer zu lösen ist. Nicht nur zu guter Seemannschaft, sondern irgendwie generell zur Lebenstüchtigkeit gehört aber schon der prüfende Griff aufwärts in den Rollenspender. Da gibt’ s ansonsten wenig Mitleid.

    Was mich aber regelrecht fuchtig macht, ist das Genörgel über Høruphav. Hafenmeister, ortsansässige Segler – alle super nett und hilfsbereit, liebevoll möblierter Hafen mit x Grills und Sitzplätzen und eine Aussicht, die uns immer wieder begeistert.

    Wenn nach 20 Stunden dort als Schlagzeile Mangel an Klopapier rauskommt, ist definitiv nicht nur journalistisch was schiefgelaufen, sondern vielleicht die Zeit für Urlaube im Automatenhotel gekommen.

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  9. avatar Kapitän Ahab sagt:

    Hohoho, mit einer kleinen Bente Angst zu haben keinen Platz im Hafen mehr zu bekommen …… Also wir haben in 20 Jahren 40 Fuß auf der Ostsee immer einen Liegplatz bekommen, egal ob großer, oder kleiner Ostsee-Hafen, auch wenn man manches mal sportlich, aber stets sicher für alle Beteiligten incl. Nachbarn gelegen hat und wir kommen auch selten vor 12 Uhr Mittags los….. Haben aber längsseitsliegend ( auch nicht auflandig ;-)) ) schon viele nette Segler kennengelernt.;-))

    Und ich finde den Hafenmeister in Höruphav ebenfalls vorbildlich, auch wenn leider mal eine Klorolle gefehlt haben mag. Vom ganz neuen Sanitärbereich schreibst Du leider nichts und auch sonst wurde in Höruphav sinnvoll investiert. Gib’ dem Hafen nochmal einen zweite Chance mit dem “Schlachtschiff Bente”. Wünsche Euch besseres Wetter, so wie Mast & Schotbruch

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  10. avatar A. Beyer sagt:

    “Segeln ist cool, faszinierend, vielseitig. SegelReporter berichtet, erklärt, steckt an.”

    Dafür wird im Artikel ganz schön viel gejammert…

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