Knarrblog: Sturmfahrt nach Deutschland – Dänischen König getroffen

Royals stehen Spalier

Der Rücktörn von Faaborg nach Maasholm beschert ordentlich Druck in der Luft. Ein schöner Ritt, bei dem sogar die dänischen Royals Spalier stehen.

Sommertörn

Glitzernde See unter drohenden Wolken. © SegelReporter

Irgendwann müssen wir rüber. Zwei Tage in Faaborg sind genug. Der Wetterbericht hat sich verbessert. Es sind keine Ü30-Knoten mehr angesagt. Und blauer Himmel macht die Sache ohnehin weniger bedrohlich. Geschäftige Aktivität ist am Steg eingekehrt. Yachten werden seefest gemacht, Bordfahrräder in der Backskiste verstaut, sperrige Kinder-Kescher an der Reling verzurrt.

Einige Liegeplätze sind schon verwaist. Auch die Nachbarn haben in aller Herrgottsfrühe abgelegt. Die Gefieder der Windpfeile waren auf der Wetterkarte für den Morgen noch nicht ganz buschig ausgestaltet.

Zurück in den Hafen geweht

Aber so ganz einstimmig ist das Urteil über die Bedingungen nicht. Zumal zwei kleinere Yachten, die den Schlag rüber nach Als oder Deutschland wagen wollten, wieder zurückgekommen sind. Eine angsteinflößenden Schauerböe im oberen 20er Bereich hatte die Meilenplanung zunichte gemacht. Die kleinen Boote sind quasi zurück in den Hafen geweht worden.

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Am Sonntag will mein Süßer… © SegelReporter

Mit unserer Bente fühlen wir uns besser gewappnet. Das Schiffchen hat sich bisher Bestens im oberen Druckbereich angestellt. Ich habe schnell Vertrauen gewonnen. Das Motörchen ist nicht so wichtig. Besonders unter Segeln spüre ich Kontrolle auf engstem Raum.

Aber Rasmus tut gerade mal wieder so, als könne er kein Wässerchen trüben. Entspannung beim zweiten Frühstück? Dieses ganze Backen-Aufblasen und Wilder-Mann-Gehabe muss einen auf Dauer ja auch fertig machen. Er schickt zur Abwechslung tiefblauen Himmel aus dem Kleinen Belt herüber.

Rasmus hat fertig gefrühstückt

Halbwind zur Schlei rüber, das sollte passen. Aber kaum ist das erste Grünrot-Tor hinter dem Hafen passiert, hat der Kollege mit den dicken Backen fertig gefrühstückt. In der Enge luvwärtig der Insel Björnö zerren wir das zweite Reff rein. Kein richtig entspanntes Manöver, weil gleichzeitig Fähre aus Avernakö und Lyö den Platz im Fahrwasser beansprucht.

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An der Avernakö-Fähre vorbei quetschen. © SegelReporter

Doch das Reffen funktioniert einfach. Geschützt hinter der festen Plexiglas-Sprayhood ist die Segelfläche des rockenden Bootes vom Cockpit aus einfach zu verkleinern. Die wartungsfreien Umlenk-Augen am Mastfuß tun ihren Job. Es müssen keine Blöcke sein.

Dann düst es mächtig aus der Enge zwischen Lyö und Fünen. Und dahinter weht der Wind doch spitzer als erhofft. Aber mit guten 7,5 Knoten ackert sich die kleine Bente vorwärts. Sie liegt ausgewogen auf dem Ruder, macht keine Zicken und steckt die schräg aufschlagenden Wellen gut weg. Irgendwie lässt der Rumpf-Shape mit dem steilen Steven und dem hohen Freibord kaum Spritzwasser zum Lenker durch.

Naturschauspiel

Dann ist das tiefe Blau endgültig weggeweht. Graue Wolken jagen über uns hinweg, und in einigen stecken mächtig harte Böen. Aber man gewöhnt sich schnell an die Bewegungen. Wenn nicht gerade ein Hagelschauer die Optik einengt, ist diese Überfahrt Richtung Schlei ein genussvolles Naturschauspiel.

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Heftige Regenböe voraus in Lee der Insel Als. © SegelReporter

Immer wieder durchbrechen Sonnenstrahlen den grauen Deckel und lassen das strahlende Weiß der tanzenden Schaumkämme aufleuchten. Kurz darauf, wenn sich die Wolken-Löcher langsam wieder schließen, verwandelt sich die See in  silbrige Flüssigkeit.

Da erscheint, wie aus dem Nichts, der König. Eben noch schien der schwarze Punkt eine Kardinaltonne zu sein, die wir in der Karte suchen, dann schiebt sich die „Dannebrog“ am Bug vorbei ins Lee der Insel Als.

Die gleichnamige riesige Dänen-Flagge weht stolz am Heck der weißen 78 Meter Yacht mit dem gelben Schornstein, wird aber im nächsten Moment eingeholt. Die dänische Art des Flaggen-Dippens? Ein ehrenvoller Gruß an die Bente-Besatzung?

Besuch der Royals

Schwer zu interpretieren, was sich auf dem majestätischen Dampfer abspielt. Im nächsten Moment nähert sich ein großer Hubschrauber. Will der landen? Wird Königin Margrethe abgesetzt, oder Prinzgemahl Henrik? Wollen Mary und Frederik mit dem Schiff mal wieder ihre Untertanen in Grönland besuchen?

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Die königliche Yacht “Dannebrog” kreuzt den Weg beim Abschied aus Dänemark. © SegelReporter

Was auch immer. Die Begegnung hat etwas Magisches. Es ist passend, dass die Royals bei unserer Abreise nach Deutschland Spalier stehen. Es war schön in Dänemark. Ich mag diese lockere Art der Menschen. Man meint immer, etwas von diesem Gemütlichen, dass sie hyggelig nennen, mitzunehmen. Sie sollen ja die glücklichsten Menschen der Welt sein. Es wird mit ihrer engen Verbundenheit zum Wasser zu tun haben.

Es ist ein schöner Ritt nach Maasholm am Eingang der Schlei. Aber es geht nicht ohne Aufregung. Auf der Hälfte der Strecke knackt und wackelt das Ruder. Kein schönes Gefühl. Eine nähere Begutachtung ergibt, dass sich die Schrauben der Decksverbindung lösen. Es ist nicht dramatisch, aber ich versuche, die Steuerbewegungen zu verringern.

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Bordfrau beim Reffmanöver. Die Böen sind so heftig, dass wir kurzzeitig das Groß wegnehmen. © SegelReporter

Gleichzeitig hacken Böen aus der Flensburger Bucht herüber, die uns sogar das Großsegel wegnehmen lassen. Ich mag das eigentlich überhaupt nicht. Ein Segelboot sieht irgendwie so gerupft aus ohne das Hauptsegel. Aber es macht Sinn auf dem spitzeren Kurs. Der Speed rutscht immer noch über die 7 Knoten und die angedeutete Leegierigkeit sorgt für Ausgewogenheit auf diesem Kurs mit leichtem Schrick.

Ein spannender Segeltag neigt sich dem Ende zu. Dieses Gefühl, etwas erlebt und geschafft zu haben breitet sich wohlig in der Magengegend aus. Das schnelle Fischbrötchen in Maasholm ist eine schöne Belohnung. Und danach schmecken auch noch die Tortellini vom Gaskocher besonders gut.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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Ein Kommentar „Knarrblog: Sturmfahrt nach Deutschland – Dänischen König getroffen“

  1. avatar LisaG sagt:

    Na das sind doch Erlebnisse beim Segeln, die man so schnell nicht vergisst. Mir ist allerdings beim Lesen schon ein wenig schlecht geworden. Das sind dann doch Bedingungen, wie sich sie nicht erleben möchte

    Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

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