Knarrblog: Drachen-Flautenwochenende mit hohem Dummschnack-Anteil

Wie war das mit den Hupen?

Drachen-Baustelle bei der Herbst-Verbandsregatta auf der Alster. © Peter Kähl

Man müsste wirklich einmal aufzeichnen, was an Bord eines mit Männern voll besetzten Bootes geredet wird, wenn sie gemeinsam auf Wind warten. Drei Stunden treiben wir auf der Alster und warten auf das fünfte Rennen beim zweiten Teil der Herbst-Verbandsregatten im Drachen.

Wenn man in Führung liegt, wartet es sich entspannter als wenn ein wichtiger Streicher für ein besseres Ergebnis nötig wäre. Das könnte ein Grund für die hohe Geschwindigkeit beim Absinken des Gesprächsniveaus sein. Aber irgendwie kommt man auch sonst sehr schnell unten an.

Ich bin überzeugt, dass sich unsere Crew wie auch viele andere schon beim Besteigen des Bootes vorgenehmen, diesmal das Feuilleton der FAZ zu thematisieren, die jüngsten Verfehlungen der Kanzlerin oder den Papstbesuch. Und man könnte meinen, dass gerade der gediegene Drachen ein Hort für edle Gedanken und hochgeistigen Gedankenaustausch ist.

Aber nein, das Phänomen des intellektuell absinkenden Bordgesprächs ist wieder nicht zu verleugnen. Mit zunehmender Flaute und nachlassender Wettkampfspannung driftet das schwere Schiff so unkontrollierbar ab wie das Gesprächsniveau.

Anfangs versuchen wir uns noch um die deutsche Sprache verdient zu machen. Das Geschlecht des Wortes Persenning ist strittig. Der Großteil der Crew hält es für sächlich. Dabei hört sich `das Persenning´ nun wirklich bescheuert an.

An Land würde über solche schwerwiegenden Probleme selten ein Wort verloren, aber auf einem Schiff kann man solchen Gedankenspielen nicht entfliehen. Und es hat in diesem Fall ja auch sein Gutes. Die Mitsegler würden schließlich ein Leben lang mit Überzeugung von `das Persenning´ sprechen und als Meinungsführer Einfluss auf andere Menschen nehmen. Das würden den deutschen Wortschatz infiltrieren und ruckzuck wäre die arme Persenning eine Sache. Alle sind sich einig: Gut, dass wir darüber gesprochen haben.

Aber dieser sprachliche Exkurs verzögert den unvermeidlichen Übergang zum Thema Frauen nur kurz. Es ist nicht mehr zu rekonstruieren, wie der Themenwechsel diesmal erfolgt und wer ihn betrieben hat. Aber plötzlich geht es um Sinn und Unsinn von gemachten Hupen.

Die Erörterung wird kurz unterbrochen, als sich das Wasser kräuselt. Überlegungen zu Holepunkt-Positionen, Kreuzstrategie und Spimanöver-Abläufen haben für einen Moment Priorität. Aber mit dem zusammenbrechenden Windsystem tritt diese Art der Kommunikation wieder in den Hintergrund: Wie war das noch mit den Hupen?

Es besteht die Möglichkeit, dass Unterhaltungen nach diesem Schema nur auf Booten, auf denen ich sitze, nach ähnlichem Muster verlaufen. Dann müsste man sich wohl ernsthaft Gedanken machen. Aber Recherchen haben ergeben, dass auch anderswo Segel-Kumpels herauslassen, was raus gehört. Im körperlichen und sprachlichen Sinne.

Sie sind nicht stolz darauf. Es passiert einfach und mag eine Art Reflex oder Ritual im Männerbund sein, das sich anderswo am Stammtisch äußert. Wie auch immer, am Ende eines solchen Wochenendes mit hohem Dummgeschnack-Anteil ist ein Team auf intellektueller Ebene deutlich enger zusammengewachsen.

Es fällt kaum auf, dass kein Rennen gesegelt wurde. Auch wenn es dramaturgisch gewöhnungsbedürftig ist, für eine nicht erbrachte Leistung einen Preis zu erhalten.
Aber diesmal reichten bei der zweiteiligen Regatta die Anstrengungen des vergangenen Wochenendes.

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Carsten Kemmling

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8 Kommentare zu „Knarrblog: Drachen-Flautenwochenende mit hohem Dummschnack-Anteil“

  1. avatar Mann sagt:

    …nimmt erfahrungsgemäß steigender Crewanzahl und steigendem Abstand zur Küste noch zu!
    4 Tage Offshore Regatta mit 8 MANN Besatzung bei Leichtwind können da schon leicht verstörende Folgen haben- wie muss es da auf ner Atlantiküberquerung zugehen???

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  2. avatar Mm sagt:

    Ja ja- bei den Frauen wird bestimmt nicht geratscht!

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  3. avatar seven sagt:

    Sehr schöner Artikel!! Und für mich ,dem mänlichen Geschlecht angehörig, sehr gut nachvollziehbar!
    ..aber wie war das denn jetzt mit den Hupen??????

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  4. avatar JDM sagt:

    War voll Vorfreude, endlich Mäuschen unter Männern sein zu dürfen, bin aber maximal verwirrt: Gemachte Hupen? In Österreich ist eine Hupe das Ding im Auto, das man bedient, wenn der Vordermann nervt. Inwiefern hängt das mit den Frauen zusammen? Und wer macht überhaupt Hupen, Sinn hin, Unsinn her?

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  5. avatar T.K. sagt:

    HUPEN?

    Damit das mal klar ist auf ein Schiff gehört kein Silikon!

    Niemals!

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  6. avatar Captain Jack sagt:

    Leute, Leute geht’s noch tiefer? Hebt mal bitte irgendwer wieder das Niveau?

    @ JDM: “gemachte Hupen” sind gepimpte Brüste … um mich prachlich nicht zu weit vom Autor zu entfernen … 🙂

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  7. avatar Christian sagt:

    PC-Sprech an: Die Verschiebung des Diskursfeldes hin zur Erörtung eines imaginierten Sinnes von “Hupen” verweist auf die Regression genderspezifischer Wahrnehmungen im Rahmen eines Neuen Maskulinismus, dessen Protagonisten nicht von ungefähr dem Leistungsprinzip sich verpflichtet fühlen und die ihren infantilen Machtphantasien vorzugsweise beim Segelsport nachgehen, der sich damit als präferierter Sprechort des weißen männlichen Subjektes inszeniert. PC-Sprech aus.

    Jetzt mal im Ernst: Hab ihr ernsthaft den “Sinn” von gemachten Hupen diskutiert? Die sind doch sowas von total out. Selbst Liliana hat sie sich wieder verkleinern lassen, nachdem der unsägliche Loddar ihr die Vergrößerung spendiert hatte.

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  8. avatar JDM sagt:

    Oh!!

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