Knarrblog: Finn Dinghy Historie – Vater Kemmlings WM 1961

Wo es begann

Beim “Driving home for Christmas” ist man ja ohnehin schon in rührseeliger Stimmung. Diesmal kam beim Weihnachtsfest mit den Eltern in Duisburg noch ein Video-Dokument dazu, das meinen inzwischen 86 Jahre alten Herrn in Aktion zeigt, aber auch eine historische Relevanz hat.

1961 fand die sechste Weltmeisterschaft der angesagten Finn Dinghy Klasse erstmals in Deutschland statt. In Travemünde ging die Weltelite an den Start und da wollte auch Vater Kemmling, damals 34, dabei sein.

Finn Dinghy, WM 1961

Karl Heinz Kemmling 1961 bei der Finn WM vor Travemünde.

Er gehört zu den Gründern des Duisburger Segel-Clubs, der 1955 an der frisch ausgebaggerten Sechs Seen Platte entstand. Kumpel Detlev Böttcher, der den Film drehte und ihn nun im Keller computerfähig machte, reiste mit an die Ostsee.

Wie cool das damals in der Nachkriegszeit gewesen sein muss. Was für ein Freiheitsgefühl. Einfach Finn samt Mast auf den VW-Käfer – Worte wie Dachlast-Maximum oder Überlängen-Überschreitung gab es wohl noch nicht – und einfach los zum Segel-Abenteuer. Wenige Jahre zuvor verschleppten die DSCer aus dem Ruhrgebiet ihre selbstgebauten Piraten noch per Waggon-Transport zu auswärtigen Regattarevieren.

Eine Zwischenstation wurde noch am Dümmersee eingelegt, und dann begann das WM-Erlebnis in Travemünde. Nun wird 1961 mit dem gelben Baumwollsegel nicht mehr viel zu holen gewesen sein, aber der Duisburger Spät-Einsteiger konnte ohnehin nicht gerade auf vordere Plätze schielen.

Sogar die alten Holz-Finns sollten bald verschwinden. Ab 1961 waren Kunststoffboote erlaubt, und der Amerikaner Fred Miller holte mit einem solchen viel bestaunten Rumpf erstmals eine Bronze-Medaille. Aber an der Spitze segelten in Abwesenheit von Paul Elvström überlegen der zweifache belgische Olympia-Medaillen-Gewinner Andre Nelis sowie der Däne Hans Fogh.

Kuhweide bester Deutscher

Bester Deutscher wurde im Feld der 109 Schiffe aus 17 Nationen, Willy Kuweide als 7. vor Herbert Reich (8.) und Bernhard Straubinger (9.). Der letzte IOC Präsident Jacques Rogge wird auf Rang 18 geführt.

Aber dieser Finn Gold Cup hatte auch eine politische Dimension. Denn im August wurde die Grenze zur DDR mit dem Mauerbau in Berlin und eben auch mit verschärften Grenzanlangen am Priwall bei Travemünde abgeriegelt. Die WM Teilnehmer aus der DDR (GO im Segel) mussten abreisen.

Vater Kemmling scheint allerdings ohnehin ein wenig abgelenkt gewesen zu sein. Erst stiegen die Herren der Schwedin Gunilla nach, die im Video auftaucht (6:58), dann sahen sie sich am Strand von Travemünde um.

Und diese Zeilen wären nie geschrieben worden, wenn ihre Masche – vor dem Strandkorb am fremden Zeh spielen – keinen Eindruck bei einer Urlauberin vom Lande gemacht hätte. Es bedurfte zwar noch einige Anstrengungen, aber dann überstand ihre junge Verbindung sogar eine folgenschwere Hochzeitsreise auf dem Attersee.

Der Dialog bei dem Ausfahrt mit dem roten Finn “Florian” soll sich so abgespielt haben. “Schatz, schau mal diese Wolken…” , “Ach was, keine Angst. Das zieht vorüber…” Kurz danach kommt die Wasserwacht zum Einsatz.

Das Vertrauen dürfte gelitten haben. Aber ganz so schlimm kann es nicht gewesen sein. 2013 war die Goldene Hochzeit.

 

 

 

avatar

Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
Spenden
https://yachtservice-sb.com

2 Kommentare zu „Knarrblog: Finn Dinghy Historie – Vater Kemmlings WM 1961“

  1. avatar Steffen Pöhlmann sagt:

    … jetzt wundert mich nichts mehr. Bei der Kinderstube.
    Nachträglich und unbekannterweise herzlichen Glückwunsch zur Goldenen Hochzeit – und zum offenbar gelungenen Nachwuchs.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 26 Daumen runter 1

  2. avatar Minnisemmel sagt:

    Und diese Zeilen wären auch nie geschrieben worden…..;-)

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 5 Daumen runter 0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *