Knarrblog: Schweden Törn Marstrand – Almösund – Furuh – rund Orust

Nettes Plätzchen

Nettes Plätzchen vor der Insel Furuh an der Nordwestspitze von Orust. © SegelReporter

Wie gut, dass dieses iPad funktioniert! Am letzten Abend vor der wie immer panikmäßigen Urlaubsabreise – man muss an sooo viele Sachen denken – bin ich auf die glorreiche Idee gekommen, mich erstmals mit der App-Navigation zu beschäftigen. Viele schwärmen davon und ein Plotter sollte diesmal nicht an Bord sein. Aber besonders in den Schären schien es schlau, zu wissen zwischen welchen Steinen man sich befindet.

Also gegoogelt, bei Freunden nachgefragt, Navionics als Tipp erhalten und wohl mit Glück das richtige Programm für 59,99 Euro runtergeladen. Der Bereich Dänemark und Grönland hört sich auf den ersten Blick wenig zielführend an. Aber es klappt. Das Teil zeigt verlässlich an, wo wir sind. Nur die Batterie hält eben knapp zwei Tage.

Ja, ja. Es heißt, Vorsicht bei der Genauigkeit. Immer die Seekarte parat haben. Bloß nicht darauf verlassen. Immer schön die Steine zählen. So’n Quatsch. Es funktioniert! Keine Ahnung, was wir ohne dieses Ding machen sollten. Engste Fahrwasser, massenweise Steine und selten deckt sich die optische Orientierung mit der auf der Karte. Nett, wenn es da einen Pfeil gibt, der aussagt: Sie befinden sich im Moment hier.

Insbesondere bei unserer Art des Segelns. Spät ins Bett, lange pennen, wenig planen, einfach der Nase nach und mal rantasten an Spots, die für die Nacht in Frage kommen. Eine wasserdichte Hülle macht vermutlich Sinn. Da war ich dann doch erstmal etwas geizig. So fliegt das Teil eben quer durchs Cockpit und es könnte schon mal jemand drauftreten.

Bei Regen könnten wir also nicht segeln. Aber das iPad ist nicht der einzige Grund, warum wir den regnerischen, stürmischen Tag in Almösund verbringen. Wir genießen es, nicht weiter zu müssen. Wenn auch der schmale 40 Fußer bei einem Regentag deutlich an seine Komfort-Grenzen kommt. Die flatternde Zeltpersenning über dem Großbaum macht das Cockpit nur notdürftig bewohnbar. Bald ist es mit nassen Sachen zugehängt.

Auf der anderen Seite zeigt “Maya” aber auch ihre positive Seite. Als wolle sie es sich nicht mit uns verderben. Segelspaß pur beim Vorwind-Trip von Almösund an der Ostseite von Orust vorbei. Mit Sonne und reichlich Wind von hinten kommt der Spi zum Einsatz.

Die Liebste weiß schon was kommt, als der Skipper unruhig im Vorschiff kramt. Da war doch was. Richtig, eine schöne blaue Blase. Und unter dem Anker in der Backskiste sollten die Schoten sein. Ein Viertelstunde Bastelspaß, dann wölbt sich das Tuch am schwedischen Himmel.

Die Crew ist nicht so richtig eingespielt bei jeweils nur zwei Trainingswochen pro Jahr im Segelurlaub. Aber “Maya” liegt so sicher auf dem Ruder, die Jungs haben scheinbar irgendwie auch begriffen, wie das mit dem Segeln funktioniert, und so gibt es selbst bei den Halsen an den Ecken des Fahrwassers kein Problem.

Haarig wird es, als der Wind plötzlich um eine Ecke dreht, der Spi weg muss und der Platz zum Abfallen fehlt. Aber die Crew meistert sogar den Drop im Cockpit auf spitzem Kurs. Papi ist zufrieden.

Jetzt noch ein hübsches Plätzchen für die Nacht finden. Einen Tipp aus dem Claußen Buch befolgen und tatsächlich öffnet sich Nordwestlich von der Orust Nordspitze eine Art Felsen-Festung ein geschütztes Revier mit zahlreichen Liegemöglichkeiten. Ganz für uns alleine.

“Kannst du eben noch die Heckanker-Leine durchsetzen, Schatz?” “Klar”…Platsch. Ein kurzer Tauchgang der Skipperin erheitert die Familie. Aber der Himmel ist längst aufgerissen, kein Wölkchen mehr zu sehen, die Sachen trocknen schnell. So muss es sein!

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Carsten Kemmling

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4 Kommentare zu „Knarrblog: Schweden Törn Marstrand – Almösund – Furuh – rund Orust“

  1. avatar sports sagt:

    karsten, es ist schwierig in den schären zu segeln….

    oder willst du die schönen einsamen buchten in
    zukunft mit all jenen teilen, die sich bisher nicht
    hintrauen, weil es so kompliziert ist, die steine voneinander
    zu unterscheiden?

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 10 Daumen runter 3

  2. avatar Addi sagt:

    Letzes Jahr um Pfingsten war ich in den Stockholmer Schären unterwegs und ich kann das mit der elektronischen Navigation in der Hand nur bestätigen
    Ich hatte kein iDings, sondern ein Garmin GPSMap 60CSX dabei. Eben, “nett, wenn es da einen Pfeil gibt”, der einem sagt, wo man ist. Steine und Tonnen auf der Paierkarte von der (ebenfalls nicht sonderlich geübten) Crew abhaken lassen, geht auch leichter, man kann hin und wieder einen Tip geben 🙂
    Das 60CSX hat den Nachteil, dass das Display so klein ist, dafür ist es transreflexiv (oder so ähnlich) und lässt sich bei Tageslicht super ablesen, je mehr die Sonne darauf scheint desto besser.
    So warte ich nun auf das Smartphone oder Tablet, das einen bei Tageslicht einwandfrei ablesbaren Bildschirm hat – auch mit Sonnenbrille, wie beim Garmin.

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  3. avatar Michael sagt:

    Die Schären mit Plotter sind definitif entspannter als ohne, das ist keine Frage. Ich habe beim Archipelago Raid aber auch hin und wieder Steine gesehen, die es dort laut Seekarte nicht gab. Obwohl ich die Steine (typisch deutsch) darauf hingewiesen habe, waren sie hinterher immer noch da…

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 9 Daumen runter 1

  4. avatar Andreas Ju sagt:

    Ich kenne. Den Tippgeber. Und auf unserm geliehenen Boot. HTten wir diesen ganzen Navtex- Krempel. Habe ich aber nicht verstanden. Dafuer mit iPad alles super- easy. Im wasserdichten case. Interessant auch die Tracks, gerade beim Kreuzen. Da offenbart sich dann jeder taktische Fehler. der Weg ist das Ziel, Time on the water is what counts. Schon klar. Aber nicht nur.

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