Knarrblog Varianta: Unter Spi durch Brücken und Häfen. Langweer – Sloten

Alte Mühle vor alter Mühle

Das wichtigste Bild eines Holland Törns. Segeln vor der friesischen Windmühle. Nur dafür sind die Teile am Wegesrand aufgestellt. © SegelReporter.com

Ha, ablegen unter Spinnaker in Langweer. Es könnte funktionieren. Quirl aufgeklappt, Groß hoch, Blase hoch, Leinen los. Der Tag beginnt gut! Wir strahlen über beide Backen, über die wir die Bärtchen stehen lassen. Der Kemmlingsche Gesichtspelz wächst nicht besonders gut, das ist schon mal klar. Aber dieser Tage wollen wir es wissen. Wer stoppelt am besten? Bruder Wettkampf eben. Ich liege etwas zurück, aber die Sonne ist endlich da. Vielleicht geht da noch was?

Wie auch immer, neben dieser internen Konkurrenz, müssen wir uns täglich der gemeinsamen externen Herausforderung stellen: Dem Anspruch, möglichst ohne Motorkraft vorwärts zu kommen.

Bescheuert eigentlich. Es mag an unserem Regatta-Hintergrund liegen. Aber wir freuen uns immer wieder einen Ast ab, wenn der verdammte Quirl am Heck ruhig bleibt.

Damit heben wir uns von den Bratzen ab, die in den Kanälen um uns sind. Es gibt um diese Zeit offenbar keine Segler in Holland. Überall Motorboote mit Geranien an der Reling und Satellitenschüssel.

Nette Menschen meistens. Ältere Herrschaften die fröhlich von ihrem dreistöckigen PS-Monster herunter grüßen und uns fotografieren. Sie sehen uns als hübsches Holland-Beiwerk. Segel auf dem Foto sind doch immer wieder niedlich.

Die anstrengende Goldkettchen-Abteilung unter dem Bratzen-Klientel ist in Friesland weniger anzutreffen. Ihr dürfte die Schleichfahrt in den Kanälen eher zuwider sein.

Also auslaufen unter Spi. Vor dem Hafen prangt zwar das Schild „Segeln verboten“, aber die Marina ist so leer, dass uns die nette Hafenmeisterin den Spaß nicht vermiesen sollte.

Eigentlich sollte sie für uns singen. Das macht sie eigentlich immer, wie unser Revierkenner erzählt. Aber wohl eben nicht in der Vorsaison, wenn nur eine Varianta-Crew und vier Rentner-Paare zu Gast sind. Kai ist trotzdem begeistert von ihrem Scharm.

Wir spielen ausgiebig das Spinnaker-Spiel. Mit Volldampf rasen wir auf die Brücken zu, und hoffen, dass der Wärter rechtzeitig den Autoverkehr anhält und die Fahrbahn hochklappt. Aber selten berechnet er unsere Rauschefahrt exakt genug. Wohlmöglich gefallen ihm auch nicht die so auffällig zur Schau gestellten germanischen Farben im Spi nicht, die ja eigentlich nicht genau der Adenauer-Farb-Abfolge entsprechen.

Egal. So gefallen wir uns mit imaginären Leetonnenmanövern kurz vor der Brücke. Spi weg im letzten Moment, Aufschießer und hoch an den Wind in die Warteschleife.

Ein hübscher Spaß. Eigentlich könnte man sich auch sanft ohne größere Besegelung durch die Landschaft treiben lassen. Mit der alten Mühle vorbei an alten Mühlen, Kühen und Schafen, ein gutes Buch lesen, die Sonne genießen, die Seele baumeln lassen. Aber dafür steckt diese verdammte Rennsegelei wohl zu tief im Körper.

Es ist ein grandioser Tag. Das trübe Friesland-Wasser schäumt vor dem orangen Bug. Der seidige uralt Spi tut trotz ätzendem Beulen-Profil hervorragend seinen Dienst. Und das Ziel in Sloten ist eine Reise wert.

Varianta Törn Teil drei

Varianta Törn Teil zwei

Varianta Törn Teil eins

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Carsten Kemmling

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