Maxi-Yacht: 58 Meter Edel-Renner mit neuen Linien von Designer Ed Dubois

Sockenweghauer

Gerade wird der Bau einer 58 m Slup mit Wavepiercer Bug und welligem Deckssprung nach Plänen von Ed Dubois vorbereitet. Er soll für die neue Formensprache großer Segelyachten stehen.

Dubois Yacht Design

Diese 58 m Slup wird ab Januar in Holland bei Royal Huisman gebaut. Fertigstellung ist 2017 © Dubois Yacht Design

Ed Dubois ist ein cleverer Mann. Er ist schnell und versteht worum es jeweils geht. Er kennt die Bedürfnisse und Erwartung seiner Kunden. Dubois weiß wann die Zeit für den nächsten Hingucker gekommen ist.

1976 hatte er sich mit dem Dreivierteltonner „Borsalino Trois“ bekannt gemacht. Dem Debüt folgte der Zweitonner „Police Car“, dem australischen Admirals Cup Sieger von ‘79, dann eine Flotte Fastnet Regatta Boote, für Sydney-Hobart, Southern Cross, den Sardinia Cup und ein paar Weltmeisterschaften.

Police Car Dubois

Der australische Zweitonner ‘Police Car’ machte Ed Dubois 1979 international bekannt © William Payne/Dubois Yacht Design

Nun sind Regattaboote gut fürs Ego. Sie machen aber viel Arbeit. Und es gibt viele Unbekannte in diesem Spiel: Variablen wie Bruch, den Eigner, die Mannschaft, Pech, die Segel, schnelle Konkurrenz, Strömungen, den Wind. Jeder aus der Szene kennt das.

Zehn Jahre später war es Zeit für was Neues, große Schlitten: „1985 lernte ich vom Auftraggeber der „Aquel II“ worum es bei den big boats wirklich geht“ erklärt Dubois. „Große Boote müssen so aussehen das es einen aus den Socken haut.“

Verkleidet wie ein Kühler Grill

Den Aufbau hatte er unten herum verkleidet wie den Kühler Grill eines Autos oder die Lüfterschlitze einer Klimaanlage. Das streckte die Sache schon mal optisch. Auch der gegen die Fahrtrichtung geneigte Targabügel war gewöhnungsbedürftig. Der Pott sah aus wie ein Mix aus Motor- und Segelyacht. Das hatte sich vorher so noch keiner getraut.

Natürlich steckten außer den Dubois Rippen einige praktische Ideen im Schiff. Aus dem angehobenen Deckssalon gab es durch die getönte Panoramaverglasung ringsum Blick aufs Wasser. Auch hatte Dubois über die Bewegungsabläufe im Schiff nachgedacht. „Und der Blickkontakt in den Kajüten nach draußen ist wichtig, sonst wird man seekrank“ erläutert Dubois.

So kennt man Dubois‘ große Segelyachten mit Rippen und hinten angehobener Salonverglasung. Die 37 m Slup ‘Damahwil‘ von 2010 © Dubois Yacht Design

So kennt man Dubois‘ große Segelyachten mit Rippen und hinten angehobener Salonverglasung. Die 37 m Slup ‘Damahwil‘ von 2010 © Dubois Yacht Design

Mittlerweile gibt es mehr als 50 große Segelyachten des Konstrukteurs aus Lymington. Meist mit Dubois Rippen oder unten pfiffig angehobenen Fensterrändern. Die 53 m Ketsch „Nirvana“ mit ganzen 2,7 m Tiefgang oder die 54 m lange „Tiara“ mit einer Landemöglichkeit für den Hubschrauber achtern. Echte Sockenweghauer, Showboats eben.

Leider kennt man die Rippen und geschwungene Rauchglas Fenster jetzt langsam mal. Sie haben sich etwas abgenutzt. Zeit für was neues, sonst zieht die Kundschaft, dieses scheue Wild, weiter. Wie cool es heutzutage geht, hat Dubois mit der 66 m Slup „Aglaia“ gezeigt. Da steht der Aufbau nüchtern wie ein Airport-Gate auf dem glatten Deck.

Ed Dubois

Öfter mal was neues: der englische Konstrukteur Ed Dubois in seinem Büro in Lymington © Dubois Yacht Design

Sockenweghauer von der Traumschiff-Fabrik

Warum dieser Exkurs? Dubios und die holländische Traumschiff-Fabrik Royal Huisman  arbeiten gerade an einem aktuellen Sockenweghauer. Dubois sieht das Design einer neuen 58 m Slup als Auftakt seiner Formensprache für große Segelboote.

Weil heute jedes moderne Boot mit einem senkrechten Steven in das Hafenbecken von Porto Cervo, den Port Hercules von Monaco oder den Port Vauban von Antibes messert, fängt die 58 m Slup schon mal mit einem Wellenschneider Bug an.

Böööh, so’n oben rundgelutschen Wellenschneider Bug mit hinten angebrachten Vorstag hatte doch schon Manfred Curry auf seiner 20er Rennjolle „Aero“. Stimmt, ist aber verdammt lang her. Und die Jolle ist etwas kleiner als der 58 m Schlitten.

Echter Hingucker-Bug

Dubois Yacht Design

Die 400 t werden von 740 qm am Wind und einem zeitgemäßen fat head Großsegel bewegt © Dubois Yacht Design

Auch verschenkt das Design etwas Vorsegelbasis (J-Maß). Aber Dubois hat den Schlitten einfach ein paar Meter länger gemacht. Jetzt passt  auch eine gescheite Fock vor den Mast. Außerdem ist der Designer-Steven optisch ganz klar ein echter Hingucker.

Speziell ist der wellige Deckssprung: vom abgesenkten Bug geht es über das angehobene Vorschiff miffschiffs nach unten, achtern wieder nach oben, bevor die Linie über das Heck wieder runter gezogen ist. Wellig spannungsreiche Seitenansichten gibt es bei Autos und manchmal auch bei Motoryachten.

Und weil im sonnigen Süden eh immer rückwärts angelegt wird, gibt es achtern ne breite Treppe. Für den Landgang und damit das Publikum im Hafen auch hinten was zu Staunen hat.

Käppi-artiger Aufbau für den Deckssalon, dahinter die schattig-geschützte Plicht , daneben die Steuerstände © Dubois Yacht Design/Royal Huisman, Hans Westerink

Käppi-artiger Aufbau für den Deckssalon, dahinter die schattig-geschützte Plicht , daneben die Steuerstände © Dubois Yacht Design/Royal Huisman, Hans Westerink

 

 58 Meter von Dubois

Länge 58 m, Wasserlinie 51 m, Breite 9,5 m, Hubkiel 5,3/8,1 m, Verdrängung 397 t, Rumpfgeschwindigkeit 16 kn, Groß 853 qm, Fock 687 qm, Code 0 1.097 qm, Stagsegel 289 qm, freie Segelhöhe 71 m.

Im September wurde mit der Prüfung des Entwurfs anhand eines Modells im Schlepptank des Wolfson Unit in Southampton begonnen. Sinn des kostspielig großen sechs Meter Modells ist die Vermeidung von Unschärfen bei den Meßreihen. Derzeit werden die Erkenntnisse mit einer letzten Korrektur der Linien in die Konstruktion übernommen.

Zugleich wurden die Anhänge des langen Hubkiels mit entsprechend gestrecktem Profil und der Doppelruderanlage einer separaten Computational Fluid Dynamics (CFD) Analyse unterzogen.

Mit dem Bau wird im Januar 15 bei der Royal Huisman Werft begonnen. Das Boot soll im Frühjahr 2017 fertig sein. Wie üblich wird der Name des Eigners nicht bekannt gegeben. Es soll sich um einen versierten Hochsee-Regattasegler handeln. Das Büro von Ed Dubois befindet sich in Lymington, entwirft auch Motoryachten und betreibt neben der Yachtkonstruktion eine Makler- und Charterabteilung.

Dubois Website

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Erdmann Braschos

Sein Spezialgebiet umfasst Mega-Yachten, Klassiker, Daysailor und Schärenkreuzer. Mehr über Erdmann findest Du hier.
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9 Kommentare zu „Maxi-Yacht: 58 Meter Edel-Renner mit neuen Linien von Designer Ed Dubois“

  1. avatar Super-Spät-Segler sagt:

    Die ‘Damahwil’ hat doch nicht etwa, genau wie die ‘Valquest’, die Großschot auf halber Länge des Baumes angeschlagen?!

    Schluck, damit kann man doch nicht mal “echt” segeln!

    Oder war sie als Negativbeispiel gemeint? 😉

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    • avatar Stefan sagt:

      ….damit kann man genauso wenig segeln wie mit jedem 505er 😀

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  2. avatar Schnappi sagt:

    Oh man, das Ding ist einfach nur hässlich. Aber das ist ja Geschmacksache … Diese Doppelruderanlage ist auch ohne Sinn …

    ^^

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 1 Daumen runter 8

    • avatar stefan sagt:

      …warum sollte die Doppelruderanlage ohne Sinn sein?

      Bei einem Hubkiel ist es durchaus üblich ein Doppelruder zu verbauen, bei dem die Ruder etwa so lang sind wie der Kiel in seinem minimalen Tiefgang. Ein Einzelruder, das ja länger sein müsste als die Doppelruder, würde ja tiefer gegen als der Kiel. DAS würde dann allerdings keinen Sinn machen 😉

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      • avatar Wilfried sagt:

        Aber nur wenn man trockenfallen will. Auch mit 5,3 m tiefem Ruder sollte die Wirkung reichen. Bei dem Länge-/Breiten-Verhältnis ist ein Doppelruder wahrscheinlich sinnfrei und bremst auch mehr als das zusätzliche Wirkung entsteht.

        Aber es geht ja um das Besondere was die anderen nicht haben, also Mission erfüllt

        Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 0 Daumen runter 14

        • avatar Heini sagt:

          Meinst Du nicht, der Ed Dubois weiss ungefähr, was er da tut?

          Oder war der Wilfried mal der Ausbilder vom Ed und der Ed war kein guter Schüler?

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  3. avatar Erdmann sagt:

    Zwei Ruderblätter sind üblich bei breiten Hecks, wo bei Krängung die Ruderwirkung eines Blatts nachläßt. Oder bei Hubkielern zur Tiefgangsreduzierung. So war es bei diesem Boot hier zunächst gedacht. Der zusätzliche Wasserwiderstand sollte in Kauf genommen werden.

    Wie ich gerade von Dubois höre, bekommt das Boot abweichend von den gezeigten Renderings und Modellen ein Ruderblatt. Das ist Ergebnis der in den vergangenen Wochen durchgeführten Meßreihen, Simulationen und Optimierungen.

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    • avatar Hein Blöd sagt:

      …ich gehe davon aus, dass Schnappi und Wilfried die Messreihen, Simulationen und VPP’s auf ihrer selbst entwickelten Software durchgeführt haben und die Ergebnisse dann Ed zur Verfügung gestellt haben?

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  4. avatar Chris vom Südsee sagt:

    Also ich finde jetzt wirklich nicht, dass das Teil eine solchen Riesen-Neuheit ist:
    – Unter nem Wavepiercer-Bug stell ich mir eher den Steven der aktuellen Volvos vor.
    – Der T-Kiel sieht recht breit aus (klar, Lateralfläche, aber dann bitte auch die Länge der Bombe anpassen)
    – Die starre Welle ist ja alles andere als innovativ (wenn ich euch schon über Wasserwiderstand auslasst)
    Und zudem sieht das gesamte Design sehr nach Wally Esense 143ft. aus.
    Schönes Schiffchen, keine Frage! Aber n Sockenweghauer? Eher nicht.

    Aber so hat jeder seine Meinung. Über Geschmack lässt sich schließlich streiten.
    Bei Technik ist das schon etwas schwerer

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