Rolex Baltic Week mit “Trivia”

Schweinerennen und laute Worte

Der erste Start. Wir liegen etwas zurück in Lee von "Anitra" (l) und "Sphinx". Ich schaue im Hintergund zweifelnd auf die Uhr. Das wird nichts mehr. Der Anitra-Vorschiffsmann zeigt noch drei Längen zu Linie an© Rolex/Niko Kraus

Die Segel schlagen, der Wind setzt mal rechts ein, mal links. Mit einem Zwölfer fährt man nicht mal eben zu einer Böe, wenn man im Öl liegt. 30 Tonnen müssen in Bewegung kommen und möglichst auch bleiben. Ist der Speed erst einmal weg, wartet der Zwölfer-Segler darauf, dass der Wind zu ihm kommt. Er kann nicht mal eben zwei Wenden fahren. Er lässt sich bedienen. Gezwungenermaßen. Hilflos.

Zwölfer bei Flaute sind kein Spaß. Sie mögen noch so hübsch von außen aussehen. Ohne Druck dümpeln sie auf dem Wasser wie Treibgut. Selbst die kleinen Sechser schieben vorbei. Sie sind fünf Minuten später gestartet. Okay, unser Start ist nicht richtig gut. Eher schlecht. Das Timing geht in die Hose. Der Wind ist plötzlich weg. Die Kiste steht. Wir kämpfen uns wieder ran. Der Wind dreht um 180 Grad in der Innenförde. Schiffe segeln mit Spinnaker aufeinander zu. Ein echtes Schweinerennen. Eines Rolex Cups unwürdig. Topfschlagen.

Aber ziemlich spannend. Immer wieder schiebt es die fünf Zwölfer zusammen und zieht es auseinander. Ziehharmonika-Effekt. Es gibt genug Optionen, diesen Lauf zu gewinnen. Aber es soll nicht sein. Platz vier. Die langsame weil noch ältere “Thea” schiebt sich auf der Ziellinie sogar noch heran. Sie kommt von Lee, von hinten, luvt uns hoch. Schreierei, Fast-Kollision, die Dänen ziehen die Protestflagge. Frechheit!

Nach dem Rennen kommt der Skipper an Bord. Er will nicht protestieren. Zu gut sind die Beziehungen zu unserem Skipper. Aber der Däne beharrt auf sein Recht. Es ist ärgerlich. Und rätselhaft. Aber seine Schilderung der Dinge hört sich durchaus kompetent und überzeugt an. Des Rätsel Lösung liegt wohl im “richtigen Kurs”. Er meint am Wind gesegelt zu sein und behauptet, wir seien abgefallen. Wir glauben, er hat geluvt. Schwer zu beweisen bei 30 Grad Winddrehern im Minutentakt. Im Protestraum wäre es für beide Seiten knapp geworden, sagt Jury Chef Terence Brownrigg später, dem ich die Situation schildere. Aus Interesse, um das letzte Wort zu haben, und um besser schlafen zu können.

Nach Stunden langer Wartezeit läuft immerhin das zweite Rennen des Tages erfrischend. Überraschend. Denn die Wettfahrtleitung hat mit dem ersten Rennen viel Kredit verspielt. Als es im Funk tönt: “Wir sind hier unten, es ist super Wind”, ist das kaum zu glauben. Aber es stimmt. Eine stabile Ost-Strömung sorgt für ein hübsches Rennen.

Endlich spürt man diese Kraft im Langkieler. Das Schiff legt sich auf die Seite. Es rauscht, beschleunigt. Schöner Start in Luv, “Anitra” abgeklemmt, mit ihr nach rechts gegangen. Aber die Gefahr droht von “Vanity”. Die Dänen sind nach schlechtem Start in die linke Ecke gesegelt. 20 Grad Linksdreher, und Profi-Taktiker Stig Westergard kommt aus der Ecke auf Platz eins an der Luvmarke an. Es wird ihr zweiter Tagessieg. Wir sichern Platz zwei.

Carsten Kemmling
Spenden
http://nouveda.com

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *