Classic Week in Flensburg

Segeln auf "Trivia". Das erste Mal Zwölfer

Super Start. Die Klassen-Kollegen sind zu früh dran, rauschen nach Lee, wir gehen bei Null am Startschiff über die Linie. © Tanja Weichenhain

Sven an der Spischot, die Konkurrenz im Nacken. © Tanja Weichenhain

Zwölfer sind mir während der Marine-Zeit ans Herz gewachsen. “Ostwind” und “Westwind” standen in einem Schuppen der Marineschule Flensburg-Mürwick. Und wer sich eine Auszeit vom überaus harten Alltag in der Sportfördergruppe nehmen konnte, kletterte für ein Leistungsschlaf-Nickerchen an Bord. Nun rauscht die ex “Ostwind” als “Sphinx” in der Flensburger Förde vorbei. Und ich stehe selber auf dem Klassenkollegen “Trivia”. So richtig war mir nie bewusst, dass man mit diesen auf Hochglanz polierten Oldtimern mehr als nur Sternfahrten unternehmen kann.

Aber Wilfried Beeck am Steuer seiner “Trivia” macht nicht den Eindruck, dass es sich bei den Robbe & Berking Classics in Flensburg um einen spaßigen Repräsentations-Törn handeln könnte. Der Hamburger Internet Unternehmer ist es gewohnt, mit seiner “Trivia” vorne zu segeln. Und das soll sich heute nicht ändern. Die Gegner auf Augenhöhe sind “Vanity” “Antira” “Sphinx”. Ich soll die Taktik machen, habe es aber schwer, überhaupt auf dem schmalen, überfüllten Boot einen Platz zu finden. 16 Menschen sind an Bord. Und es wird jede Hand gebraucht.

Es gibt keine selbstholenden Winschen, Grinder, Spektra-Tampen oder Kugellager-Blöcke. Hier ist echte Team-Arbeit an Schoten und Fallen gefragt. Sonst bewegt sich nichts. Insbesondere wenn sechser Böen über die Förde hacken. Holzmast, Holzbaum, Holz-Überall. Es knirscht und ächzt und wirkt für einen gestandenen Plastikboot-Segler nicht gerade vertrauenserweckend. Aber die entspannte, erstaunlich junge Crew macht auf dem Schlag zum Start nicht den Eindruck, dass es der Weg zur Schlachtbank sein könnte, dass man irgendwie ans Limit käme.

Der Respekt steigt, als das riesige Großsegel laut schlagend gen Himmel gewuchtet wird. Dann legt sich das Teil mächtig auf die Backe und ich rutsche achtern fast vom nassen Teakdeck. Die Normalboot-Erfahrung sagt, dass der Dampfer gleich aus dem Ruder läuft. Aber Wilfried am Steuer sieht nicht so aus, als würde etwas schief laufen. Tatsächlich beginnt das Schiff zu rennen. Es gräbt sich sein Wasserloch in die Förde, legt sich auf die lange, hübsche rund 21 Meter lange Linie und schäumt voran.

Die kleinen Boote der Classik Week stieben auseinander. Nicht ärgerlich, eher freudig. Ein Zwölfer auf der Backe ist ein exklusiver Anblick. Fotoapparate werden gezückt. “Trivia” unter Volldampf. Das ist wohl einer der besten Segel-Schnappschüsse, die an der deutschen Küste gemacht werden können. Die 1937 bei Camper&Nicholson gebaute Holzyacht mit Stahlkorsett ist einer der authentischsten Zwölfer, die es noch gibt.

Wilfried gelingt ein herrlicher Start am Startschiff. Die Konkurrenten sind zu früh dran, müssen die Linie nach Lee absegeln, und wir liegen in Luv. Auf der kurzen Kreuz des Up and Down Kurses gibt es kaum Platz zum überholen, wenn man Kampflinie segelt. Der Windschatten der großen Lappen ist enorm.

Die einzige Möglichkeit, dieses Rennen zu verlieren wäre ein Mann über Bord Manöver. Ich rutsche nach einer Halse aus, suche Halt an der nicht vorhandenen Reling, finde im letzten Moment einen losen Tampen, zappele hilflos an der Bordwand mit einem Bein im Wasser und werde von aufmerksamen Kameraden zurück an Bord gewuchtet. Super!

Das zweite Rennen ist sportlich spannender. Wieder ein ordentlicher Start am Schiff. Wir drängen die Konkurrenz nach links aus dem Kurs. Knapper erster Platz an der Luvtonne, aber die Dänen mit “Vanity” kleben an unserem Heck. Wir lassen sie in Luv drüber rutschen, um nach der Halse an der Leetonne die Innenposition zu bekommen. Es ist ein harter Luvkampf, wie zu besten America´s Cup Zeiten. Aber wir liegen an der Leetonne wieder vorne.

Das Spimanöver ist am Limit. Es erfolgt spät. Eine Schot macht sich selbständig, hängt irgendwo am Heck. Wir wenden, um nicht den Spi zu killen, die Dänen rauschen vorbei. Auch “Sphinx” hat aufgeholt. Sie steckt kurz ihren Bug voraus. Aber vor dem Wind holen wir sie wieder ein. 1 und 2 reichen für den Gesamtsieg. Der Skipper ist zufrieden. Ein guter Saison-Auftakt. Aber ernst wird es erst Anfang Juli bei der Rolex Baltic Week in Kiel.

Carsten Kemmling
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