Abenteuer Rheinwoche Teil I

Selbstversuch: Mit der "True Love" von Herbert Dahm zum Blauen Band

Das Beweisfoto. Die "True Love"-Crew vor dem Kölner Dom mit Gast-Großschotmann und 470er Olympia-Campaigner Morten Bogacki (mit Käppie) Auch Christoph und Barbara haben Spaß... © C. Kemmling

...Die Konkurrenz lässt sich gerade einmal nicht blicken. Da bleibt Zeit für das Touri-Foto © C. Kemmling

Ein Anruf aus der Heimat. Der Düsseldorfer Yacht Club (DYC), mein alter Verein, hat eine Jongert geschenkt bekommen. Lust, sie bei der Rheinwoche zu steuern? Wie jetzt? Jongerts sehen so aus. Das sind Megayachten der Luxus-Abteilung. Die bekommt man nicht einfach geschenkt. Schon gar nicht die Junioren-Abteilung. Jongerts gehören auch nicht auf den Rhein.

Aber es gibt eine 25 Fuß Mini Jongert. Herbert Dahm, deutscher Eckpfeiler der Edelmarke Jongert, pflegte sie als Tender auf das Sonnendeck seiner 40 Meter langen Benetti Motoyacht zu hieven! Ein irres Schauspiel, wenn die IMS- Rennyacht per Kohlefaser-Kran ins dritte Obergestock bugsiert wurde und sie dort mit gesetztem Mast in einer Schale auf dem Deck thronte. Er nannte das Schiffchen „True Love“ und es war wohl so gemeint. Auch wenn er zwischenzeitlich als Motorbootvertreter seine Brötchen verdiente, ist der Mann ist ein passionierter Segler. Und diese Menschen wissen, dass man mit kleineren Booten zwar weniger Geld zeigen und Status symbolisieren aber deutlich mehr Spaß haben kann.

Ich bin einmal vor neun Jahren mit Herrn Dahm in Travemünmde auf der “True Love” gesegelt. Es ging um ein Porträt des charismatischen Düsseldorfers für die YACHT. Er ordnete mich wohl in die Kategorie Journalist ein und ließ höflich, vorsichtig durchblicken, dass er mit meiner Arbeit an der Großschot nicht so zufrieden sei. Denn das Schiffchen lag häufig auf der Backe. Über die Gründe konnte man geteilter Meinung sein. Ich hielt meine zurück. Und so kamen wir gut miteinander aus. Der Mann verdiente schließlich mit seinen damals über 70 Jahren am Steuer des 25 Fußers höchsten Respekt.

Der hat sich nach drei Tagen am Steuer dieses zickigen Schiffchens noch erhöht. Denn die “wahre Liebe” segelt nicht von alleine geradeaus. Man muss ordentlich an der Pinne zerren. Das Ruder gleicht der schmalen Finne eines Lasers. Bei starker Krängung wedelt es hilflos im Strudel der abgerissenen Strömung. Das ist suboptimal, wenn auf dem Rhein gerade das Timing der Passage eines schäumenden Erzfrachters ansteht. Oder wenn ich hinter einer 30er Schäre abfallen will, eine Böe ins Rigg haut….Man mag es sich nicht vorstellen. Allein dieses splitternde Geräusch, wenn sich der Kunststoff-Bug in die gepflegten Hölzer bohrt….nicht auszudenken.

So viel zur Vorgeschichte. Also 88. Rheinwoche mit der Jongert. Die größte, längste und älteste Flussregatta Europas. 120 Schiffe mit über 400 Seglern. Ausrichter sind in diesem Jahr der Kölner Yacht Club und der Club für Wassersport Porz. Fünf Etappen, fünf Rennen kein Streicher. Von Oberwinter nach Mondorf, Köln-Porz, Hitdorf, Düsseldorf und Krefeld. Gewertet wird nach Yardstick. Und es gibt ein Blaues Band für die absolut schnellste Yacht. Da sind alle ziemlich wild drauf. Dabei sind wir mit der Yardstickzahl 94 ohnehin auf dem Papier die schnellste Yacht. Sportlich ist also eher die Yardstickwertung interessant, auch wenn dieses Vergütungssystem nicht gerade zu den genauesten dieser Welt gehört. Aber das trifft bekanntlich auf alle Handikap-Wertungen zu.

DYC-Sportwart Wolfgang Bogacki hat ein schlagkräftiges Team zusammengestellt. Ex Lasersegler Clemens der auf dem Vorschiff, Big-Boat-Spezialist Christoph in der Pit-Position, die erfahrene Rhein- und Drachenseglerin Barbara an der Fock, 505er und Pogo-Segler Wolfgang an der Großschot. Wir treffen uns eine halbe Stunde vor dem Start in Obwerwinter. Die Sonne brennt, die Luft steht, so scheint es. Wir sortieren noch die verschiedenen Vorsegel, verkleben die Löcher in den fast zehn Jahre alten Tüchern, den vermutlich kleinsten 3DL Segeln, die je gebaut wurden, und wagen uns dann auf den Strom.

Eine hübsche Landsschaft. Ein exklusiver Blick auf den 321 Meter hohen Drachenfels mit der markanten Burg-Ruine. Aber die Orientierung in der Strömung hat Priorität. Kaum reißt einen der Rhein mit seinen bis zu fünf Knoten schnellen Fließgeschwindigkeit mit, erhöht sich der Druck im Segel um eben jene Knoten Fahrtwind. Da der Gradient-Wind auch aus der nordwestlichen Richtung weht, addiert er sich zum Fahrtwind. Es ist die optimale Windmaschine. Während auf den umliegenden Seen der Region mit Flaute gekämpft wird, sorgt der Rhein für absolute Segel-Action.

Mehr dazu im zweiten Teil…
Carsten Kemmling

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2 Kommentare zu „Abenteuer Rheinwoche Teil I“

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