Strandsegel WM: Sven Kraja mit dem Linienbus zur Titelverteidigung nach Nevada

Nächste Haltestelle Smith Creek

Vom 11.-19.7.2014 findet auf dem ausgetrockneten See “Smith Creek” in Nevada die Strandsegel Weltmeisterschaft statt. Titelverteidiger Sven Kraja fährt auch hin. Mit einem Linienbus.

10 Strandsegler kommen in die Dachbox @digger hamburg

10 Strandsegler kommen in die Dachbox
@digger hamburg

Baujahr 1989, 350 PS, 15 Liter V8 Diesel. 27 L/100 Km Verbrauch. Das sind die groben Daten des Kässbohrer Setra Linienbusses, der die längste Zeit seines Daseins den eher langweiligen Linienbetrieb auf der Nordseeinsel Norderney verrichtet hat. Jetzt legt der Bus im hohen Alter noch mal richtig los. Seit der Inselbewohner und Strandsegel-Fan Kai-Uwe Eilts das ausgediente Schätzchen besitzt, wurde aus dem Brummer ein echtes Funmobil.

“25 Scheine”

11.000 Kilometer, 7.000 Seemeilen @digger hamburg

11.000 Kilometer, 7.000 Seemeilen
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“Gekauft habe ich den Bus eher durch Zufall. Ich interessierte mich schon länger für Wohnmobile, dann stieß ich auf dieses Angebot” so Eilts. Es folgte eine sehr norddeutsche Verhandlung mit wenigen Worten. “Was kostet der Bus?” “25”. Das war Kai-Uwe Eilts zu viel Geld. Aber der Verkäufer klärte auf, dass 25 Einhunderter-Scheine nicht Tausender gemeint waren. Sofort griff der ehemalige Bootsbauer von Dübbel und Jesse zu.

Europameisterin Steinhusen, Weltmeister Kraja, Busbesitzer Eilts @digger hamburg

Europameisterin Steinhusen, Weltmeister Kraja, Busbesitzer Eilts
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Die Werft Dübbel und Jesse stand für qualitativ hochwertige Schiffe. Auf dem gleichen handwerklichen Niveau baute Eilts den ehemaligen Linienbus zu einem echten Funmobil aus. Heute würde es das altehrwürdige Gefährt sicher auch auf den Titel der “Elle-Dekoration” schaffen.

Geräumiges Schlafzimmer, stylishes Bad mit Dusche, große Küchenzeile und davor ein loungiger Sitzbereich – mit luftgefederten Bussitzen und Bar. Und das alles mit edlen Hölzern und schicken Materialien ausgebaut.

Mediencenter und Partytreff

Der Weltmeister: Sven Kraja  @digger hamburg

Der Weltmeister: Sven Kraja
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Bei Dübbel und Jesse lernte Kai-Uwe Eilts auch Sven Kraja kennen. Nach der Schließung der Werft 2002, die unter anderem Wilfried Erdmanns “Kathena Nui” baute, trennten sich die beruflichen Wege der zwei. Privat blieben sie Freunde.

Kraja zog von Norderney nach Schleswig und lernte vom Bootsbauer zum Segelmacher um. Heute ist er Inhaber der Segelmacherei Frog Sails, und seit Kindesbeinen passionierter Strandsegler. Bisheriger Höhepunkt seiner Strandsegel-Karriere: Der Weltmeistertitel 2012 in der Miniyachtklasse. Während Sven bei der WM draußen am Strand von Cherrueix (Frankreich) seine Runden drehte, stand im Fahrerlager der Bus von Kai-Uwe Eilts.

Mittlerweile ist das Gefährt auf den großen Meisterschaften mit seinem Strandsegler-Branding nicht mehr wegzudenken. So war es auch bei der EM in Sankt Peter Ording 2013 (SR berichtete) wieder der Eyecatcher und eine Art Basislager, Mediencentrum und Partytreff in einem.

11.000 Kilometer

Vom Linienbus zum Spaßmobil @digger hamburg

Vom Linienbus zum Spaßmobil
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Vom 11.-19.Juli verteidigt Kraja seinen WM-Titel bei den Fisly-Weltmeisterschaften in Smith Creek, Nevada, USA. Und weil der Bus, wie bereits geschrieben, nicht mehr von den Veranstaltungen wegzudenken ist, fährt er natürlich in die USA. Zu Pfingsten werden 10 Strandsegler auf die große Dachbox geladen, dann geht das 15m lange Gefährt auf eine Fähre von Bremerhaven nach Baltimore. Kosten für den privat finanzierten Transport: 14.000 Euro.

Frösche auf Entengrütze @digger hamburg

Frösche auf Entengrütze @digger hamburg

Von der Ostküste fährt Eilts mit einem Kumpel die rund 4100 Kilometer quer durch die Staaten in die Wüste von Nevada. “Ich habe vor ein paar Tagen die USA-LKW-Karten für das Navi gekauft.”

In den USA sind die Wege etwas anders als auf Norderney. Auf der Route gibt es eine Teilstrecke, auf der man 1.600 Kilometer nicht ein einziges Mal abbiegen muss. “Ausserdem kann dort auch mal wieder den sechsten Gang benutzen.” Auf der Insel durfte er immer nur 50 km/h fahren.

Am Veranstaltungsort Smith Creek wird der Bus wie immer im Fahrerlager stehen. Nach der 9-tägigen Weltmeisterschaft bereisen Eilts, Kraja, Freundin Gitta und fünf weitere Strandsegler drei Wochen lang die Westküste der USA mit dem Bus. Ziele: Las Vegas, San Francisco, Los Angeles und alles, was am Wegesrand liegt.

Insgesamt werden am Ende der Tour rund 11.000 Kilometer auf dem Tachozähler mehr stehen. Die rund 7.000 Seemeilen vom Atlantiktrip nicht mitgerechnet. Nach Pfingsten kann man den Track der Fähre “Parsifal” auf Marinetraffic verfolgen.

Im Bus liegt ein prall gefüllter Ordner mit Dokumenten, Papieren, Formularen und Rechnungen. In Baltimore kümmert sich ein Agent um die Einreiseformalitäten. So eine Tour macht man nicht mal gerade spontan, sondern hat sich um vieles zu kümmern. Seit einem Jahr laufen die Vorbereitungen. Kai-Uwe auf die Frage, was das Schwierigste bei der Planung der Tour war: “Nüchtern zu bleiben.”

Frösche auf Entengrütze

Reifen werden zu Klicks geflext @digger hamburg

Reifen werden zu Slicks geflext
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Aber nicht nur die Tourplanung mit dem Bus ist aufwändig, auch die Vorbereitung des Weltmeisters auf die Titelverteidigung sind zeitraubend. Strandsegeln bedeutet Individualismus und Improvisation. Alles wird selbst gebaut. Kraja hat sich im Winter eine neue Miniyacht aus Kohlefaser selbst laminiert und verbringt seine freien Stunden mit dem Schweißen, bohren, Spureinstellungen und Segel entwerfen.

Die neue Miniyacht wurde passend zum Branding von Frog Sails farblich passend foliert. Motiv: Frösche auf grüner Entengrütze. Sogar die Reifen werden selbst modifiziert. “Es gibt keine Standardreifen zu kaufen. Man holt sich z.B. passende Downhill Fahrradreifen und flext in mühsamer Sauarbeit das Profil runter.” Ob die Slicks auf der Salzseewüste halten, weiss man vorher nicht. Überhaupt wissen die Europäer kaum, was in Nevada auf sie zukommt. Man spricht von starken thermischen Winden, Hitze und Windhosen.

Kai-Uwe Eilts hat eine Webseite rund um die Tour eingerichtet. Wir werden auf SR von dem Trip und der WM berichten.

[youtube https://www.youtube.com/watch?v=w47jBa462kc]
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Digger Hamburg

Kleiner segeln - größer leben. Filmemacher und Autor Stephan Boden verbringt jeden Sommer auf dem Wasser. Früher auf seiner VA18 "Digger" jetzt auf der Bente24, die er selbst initiiert hat. "Auf See habe ich Zeit, das schärft den Blick für Details." Zu seinem Blog geht es hier
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https://northsails.com/sailing/de/

Ein Kommentar „Strandsegel WM: Sven Kraja mit dem Linienbus zur Titelverteidigung nach Nevada“

  1. Hi Svenni
    Zufällig auf die Seite gekommen, melde dich mal.
    Viel Glück bei der WM.
    Gruß dein Papa

    Like or Dislike: Daumen hoch 3 Daumen runter 1

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