Knarrblog: Virtual Skipper

Teamrace WM. Ich mal wieder... Der Jury ausgeliefert

Eigentlich steht das Team Extra Dry mit einem Fuß im Halbfinale der virtuellen Team Race Weltmeisterschaft. 28 Teams aus 12 Nationen waren gestartet. Nach dem Gruppensieg in der Vorrunde siegten wir im Viertelfinale gegen das deutschnorwegischmaltesische Team EST Ghiaccio 3:2. Eigentlich. Wenn, ja wenn, es mich nicht gäbe.

Zwei Proteste liegen gegen mich vor. Nicht virtuell, sondern sehr real auf dem Tisch einer überaus echten Jury. Nun heißt es zittern.

Dabei könnte ich mich ziemlich aufregen. Nach drei Stunden vor dem Rechner musste ich mich in der anschließenden Audio-Schlichtungsrunde mit den Gegnern via Headset schwer zusammenreißen. Das heißt dann: vor dem Aufkommen einer gewissen Ungeduld schnell den Finger von der Sender-Taste nehmen – die Teamspeak Software funktioniert wie ein Funkgerät nach dem “Over-Out” -Prinzip – So verpuffen unüberlegte Unmutsäußerungen ungehört im Universum.

Ein geschätzter Teamkollege, der nach Mitternacht etwas gereizter ist als ohnehin schon, verabschiedet sich wohlweißlich schon früher aus dem Funkverkehr. Denn der strittige Fall ist überhaupt nicht strittig.

Da komme ich mit meiner “Nessie” – jaja, das Ungeheuer von Loch Ness. So hieß mein zweiter Opti! – mit Wegerecht und etwas Überhöhe in Führung liegend zur Luvtonne. JuniorMalta unterwendet und knallt dabei mit seinem Mast gegen meinen. Er wäre gebrochen. Aber den Pixeln tut die Kollision nichts.

Nichtsdestotrotz muss sich Darren aus Malta in der Wende freihalten. Aber dieser blöde eingebaute Computer-Schiri vergibt eine Strafe an mich. Das ist ziemlich nervig an dieser Regatta-Simulations-Software, weil man Mister Umpire nicht anschreien kann. Obwohl, man kann schon. Es ist bekannt, dass fanatische Virtuell-Segler regelmäßig Spucke-Fäden von ihren Bildschirmen entfernen müssen. Aber das Schreien nutzt nix.

Ich bekomme also automatisch einen Regelverstoß nach Regel 16.1 zugesprochen. Das würde heißen, ich hätte meinen Kurs geändert, und dem Gegner keine Chance zum Ausweichen gegeben. Bullshit! Aber irgendwas muss der Rechner registriert haben. Vielleicht habe ich einem natürlichen Impuls folgend kurz geluvt, um auszuweichen. Das muss man sich beim VSK-Segeln abgewöhnen.

Vielleicht ist es aber auch nur ein Computerfehler. Das passiert hin und wieder. Deshalb kann man die ausgesprochene Strafe vom Gegner streichen lassen. Das komplizierte Verfahren ist unter anderem in der elfseitigen Segelanweisung erklärt. Man kann den Schirei im Rechner ignorieren und protestieren. Hat Malta auch. Und ich dann auch.

Real würde man einfach schreien “Eyyyy, PROTEST!!! und vielleicht noch ein paar ausgesuchte Flüche folgen lassen. Virtuell korrekt muss “P juniormalta” in das Chat-Fenster geschrieben werden. Das Problem: Dabei blockiert – bei mir jedenfalls – die Pfeiltasten-Steuerung und die Crew setzt die Segel nicht. Ich hacke also auf der Tastatur herum, verpasse den Spi-Set bei der Offset-Marke, verliere die Führung und bin genervt.

Auch die beiden Teamkollegen kommen nicht mehr ran. Der Lauf geht verloren, sollte aber von der Jury in einen Sieg umgewandelt werden. Wenn nicht…dann, dann, dann…nichts dann! Dann kann man eben nix machen. Wie im richtigen Leben. Das kann manchmal ungerecht sein.

Denn wir sind ziemlich gut gesegelt. Die Starts funktionierten auf einem ähnlich hohen Niveau wie das Fallenstellen und Ausbremsen der Gegner in den Zweilängenkreisen. Zu fünft wechseln wir jeweils die Steuerleute durch. Die übrigen zwei geben taktische Anweisungen per Teamspeak. Ein Abend voller Adrenalin.

Wie eng es werden kann, zeigt der Start im letzten Rennen. Sechs Boote eng zusammen, alle suchen die entscheidende Lücke und die gemeinste Block-Position. Ich mitten drin. Eine komplizierte Situation. Der Norweger bekommt einen Penalty, ich den Gegenprotest. Mal sehen, was daraus wird? Schwer zu sagen. Die Jury muss entscheiden.

Knarrblog VSK Teil 1
VSKfun Virtual Skipper Anleitung

Entscheidende Situation im vierten Rennen. Mastkontakt! Der Gegner (r) wendet und kollidiert dabei oben mit Nessies Mast. Pen 16.1 wird für Nessie angezeigt. Hmm...

Komplizierte Situation im 5. Rennen. 30 Sekunden vor dem Start wird es eng. Ich (im Vordergund) steuere in die Leeposition von dem Norweger. Er weicht nicht aus und erhält einen Penalty nach Regel 11 (Lee vor Luv). Der Fall liegt vor der Jury.

...Danach falle ich (Nessie) ab. Noch 15 Sekunden. Am Startschiff wird es eng...

...Ich beschleunige...und starte einen Bruchteil zu früh. Regel 29.1. Ich muss wieder hinter die Linie

Kollision im zweiten Rennen. 15 Sekunden vor dem Start versuche ich vor dem Norweger zu passieren. Er luvt hart und bekommt einen 16.1. Penalty zugesprochen. Der ist falsch. Ich drehe einen Strafkreis. Aber er auch. Glück gehabt.

Carsten Kemmling
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