Zukunft Segeln: Denkanstöße – Wie man die Jugend beim Sport halten kann

Fun und "Thrill" für die Kids

Wegen der hohen Dropout-Quote bei Seglern im Alter zwischen 11 und 14 Jahren fordert Nevin Syre von Bic Sport Nordamerika mehr „adventure“ in der Segelausbildung. Beim Sailing Leadership Forum 2014 Anfang Februar in San Diego stellte er interessante Fakten und Lösungen vor, die auch hierzulande nicht schlecht ankommen könnten…

Vortrag Abenteuersegeln für den Nachwuchs © ussailing.org

Vortrag Abenteuersegeln für den Nachwuchs © ussailing.org

Im Alter zwischen 7 und 10 ist die Welt noch in Ordnung. Die Eltern melden die Kinder zum Segeln an und alles geht seinen Gang. Ab 11 Jahren aufwärts wird es dann problematisch, denn die Kids können sich ihre eigenen Hobbies aussuchen. „Dabei ist meist entscheidend, was mehr Fun und Thrill bietet,“ erklärt Nevin Syre in seinem Vortrag vor Trainern, Seglern und Sportlern.

Einen Grund für das schlechte Abschneiden des Segelsports sieht der „Lifetime-Segler“, wie er sich selber bezeichnet, vor allem in der Eingleisigkeit der Ausbildung. „Erst wird immer die Basis des Segelns vermittelt, dann kommen die Regeln, dann die Rennen“, beschreibt er den normalen Werdegang jugendlicher Segler.

Doch ist Regattasegeln einfach nicht alles und vor allem nicht für jeden geeignet. „Du musst herausfinden, wo ein Kind seine wahre Liebe für den Segelsport entdeckt“, sagt er poetisch. Und verweist auf die schier endlosen Möglichkeiten, dem Segelsport näher zu kommen.

Nur wenige erreichen die Spitze ... © ussailing.org

Nur wenige erreichen die Spitze … © ussailing.org

Beim Cruising, auf Kielbooten, Mehrrümpfern, beim Surfen, mit Geschwindigkeit und vor allem mit viel Abenteuer! Andere Sportarten würden es vormachen. Zum Beispiel der Wintersport. Dem kehren deutlich weniger Kinder den Rücken „In den Skischulen geht es nur um Spaß! Skifahren ist cool, da ist Action und Geschwindigkeit. Weniger als ein Prozent der Skisportler hat jemals an einem Rennen teilgenommen“, erklärt Nevin.

Auf der andereen Seite zitiert er den America’s Cup Steuermann John Holmberg. “Ich befürchte, dass Programme von Yacht Clubs immer nur 3-5 Prozent der Kinder ehren. Diese kommen mit einer Trophäe nach Hause. Wir ignorieren aber komplett die 95 Prozent, die lebenslange Begeisterung für den Segelsport hegen könnten. Schließt sie nicht aus, wenn sie nicht konkurrieren und Regatten fahren wollen!“

... aber bekommen die meiste Zuwendung © ussailing.org

… aber bekommen die meiste Zuwendung © ussailing.org

Nevins Tipp: Auch im Segelsport von Anfang an mehr auf Spaß und Fun setzen, zum Beispiel mit verstärktem Einsatz von coolen Brettern oder Boards wie etwa beim SUP, Kitesurfen oder Windsurfen. „Das Ausbildungsangebot muss breiter gestaltet werden, mit mehr Abenteuer. Kinder müssen sich mehr ausprobieren dürfen“, fordert er. Auch müssten seiner Meinung nach die besten Trainer gerade auf dem untersten Level eingesetzt werden … und nicht an der Spitze.

Interessant ist am Ende des Vortrags sein Stundenplan für das Adventure Programm „Reachers“: Mit Chowder Race (Freestyle getrimmten Booten), Expression Sessions und Waterfront Parties macht er Segeln in seinem Club zum wahren Abenteuer … und zu einer lebenslangen Leidenschaft!

Vielleicht ist das eine Diskussionsgrundlage für hiesige Vereine, die mit ähnlichen Dropout-Quoten und Problemen zu kämpfen haben?

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https://northsails.com/sailing/3di-nordac

11 Kommentare zu „Zukunft Segeln: Denkanstöße – Wie man die Jugend beim Sport halten kann“

  1. avatar Backe sagt:

    Wo bleiben die alle? Genau diese Frage hat sich mir schon so oft gestellt, wenn ich in Schilksee beim Goldenen Opti 500 Seifenkisten aus dem Hafen wriggen sehe, so dicht an dicht, dass man von einem Steg zum anderen queren kann …
    Mir ist dazu bisher auch nur eine Erklärung eingefallen: Wenn sie alt genug sind, um ihre Entscheidungen selber zu treffen, haben sie keinen Bock mehr auf die ganze Segel-Scheiße (nörgeligen Trainern oder schreienden Eltern … Vorfahrtsregel-Blabla … stundenlange Protestverhandlungen mit irgendwelchen Rentner-Jury-Oberlehrern, wenn die anderen schon die Grillwürstchen verschlingen …)
    Möglicherweise hätte ich selber, wenn ich in so einer Maschine gewesen wäre, die Segelei auch als 13-Jähriger an den Nagel gehängt. Zum Glück haben wir in meinem Club an der Mosel mit den Optis und später 420ern und Topper-Jollen meistens coole Fluss-Aufwärts-Zelttouren, Wasserschlachten oder Kenterorgien gefeiert. Meine erste ernsthafte Regatta habe ich erst mit 17 gefahren – im Contender … Da war ich längst sicher, dass ich das selber machen wollte, und nicht meine Eltern!

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    • avatar Backe sagt:

      P.S.: Großartig, dass SR das Thema aufgreift!
      Ich kann nur hoffen, dass an dieser Stelle möglichst Viele möglichst kreative Ideen einbringen, und so hoffentlich ein guter Anstoß für die Vereine geliefert wird.

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  2. avatar Sven 14Footer sagt:

    Ja, Spaß muss den Kindern und vor allem den Jugendlichen vermittelt werden. Ich finde es auch störend, dass egal wer ins Segeln einsteigt (Kinder, Jugendliche oder Erwachsene), es meistens gleich heißt mach erstmal einen Schein. Jedenfalls in den klassischen Vereinen ist es so. Die Segelschulen und Urlaubsresorts auf Malle usw. haben da evtl. einen anderen Ansatz und auch einen gewissen Erfolg.
    Lasst den Jugendlichen und auch den (jungen) Erwachsenen Ihren Spaß und lass uns Konzepte finden, dass auch Scheinlose segeln können. Vielleicht mit einem Scheininhaber als Skipper. Vielleicht aber auch auf den vielen gut geschützten Revieren ganz ohne aber mit Support eines Erfahrenen in einem Boot in der Nähe.

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  3. avatar philipp sagt:

    habt ihr schon mal die selbsternannten kinder-segeltrainer in diversen clubs gesehen?
    Von außen für die Eltern sieht alles ganz top aus aber für die Kinder is es dann wenn man genauer nach fragt gar nicht so toll…

    Durft ich selber am eigenen Leib auf diversen Opti-Wochen erleben… Schlechte Betreuung auf der Optiwoche war fast ein Grund von mir dem segeln den Rücken zu kehren…

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  4. avatar hinterherfahrer sagt:

    Hallo,

    ich bin seit sechs Jahren zusammen mit einigen Kollegen aus dem Verein für die Jugendarbeit zuständig und es uns gelungen, die Zahl der Jugendlichen von ca. 5 auf heute 30 Aktive zu bringen (bei ca. 150 Mitglieder). Was aber sicher im Zusammenhang mit dem oben Gesagten interessant ist, dass der bei weitem größte Teil der Gruppe zwischen 11 und 16 ist. Ich bin selbst als Kind nicht Regatta gesegelt und bin daher vielleicht etwas unkonventionell (ahnungslos) an die Sache herangegangen, Die Grundideen bei uns sind:
    – Alle Gruppen trainieren zur gleichen Zeit gemeinsam
    – Es gibt keinerlei verpflichtendes Trainingsprogramm, wer Lust hat, kann an speziellen Einheiten teilnehmen, wer keine Lust hat segelt einfach unter Aufsicht und macht alles was nicht gefährlich ist
    – Regatten fährt nur wer Lust hat, es gibt keine Verpflichtung (nur Motivation 🙂 )
    – Kein Experimente beim Material, wir haben Optis, Teenys und 420er im Angebot, tolles Material kostet nur viel Geld und viel Zeit für die Wartung und viel Erklärungen bei der Nutzung, außerdem gibt es weniger Regatten im nahen Umkreis
    – Minimalistische Theorie, wir versuchen die Kinder so schnell wie möglich aufs Wasser zu bringen, Scheine werden bei uns freiwillig angeboten, es haben aber fast alle (freiwillig) Scheine gemacht
    – Was die angesprochene Abbrecherquote angeht, bin ich inzwischen überzeugt, dass oft ein entscheidender Faktor das fehlende Zwei-Personen Angebot für Segler ist, die nicht allein auf dem Opti sein wollen. Wir verwenden dazu Teenys, da wir sie hatten, es können aber auch RS, Walker Bay , Cadet oder sonst was sein, Hauptsache zu zweit und ein Spinnacker wie die Großen! Fast alle Kinder wollten ab einem gewissen Punkt Teeny segeln
    – Und last but not least: Die jährliche Segelfreizeit an einem anderen Revier mit Camping, Nichts hat diese Gruppe so zusammengeschweißt wie das.

    Das was ich hier kurz beschrieben habe, ist natürlich nicht der Stein der Weisen und soll auch nicht als Kritik an anderen Systemen interpretiert werden, mein Beitrag sollte nur sein, dass man mit einfachen Mitteln auch etwas erreichen kann, wenn man akzeptiert, dass Segeln nur eine Beschäftigung unter vielen für Jugendliche ist.

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    • avatar sebwilcke sagt:

      Ich wage ja zu behaupten, das der letzte Punkt in der Auflistung tatsächlich der Stein der Weisen ist. So etwas wie Segelfreizeiten wandeln den Blick auf das Segeln von einem unverbindlichen-ein-paar-Stunden-Vergnügen zu einem echten, bleibenden Erlebnis das dann mit Segeln assoziiert ist.

      Wer das nicht mag wird auch kaum langfristig ein Segler bleiben.

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  5. avatar kristof sagt:

    Nun, ich denke, dass Spass haben und Regatten segeln sich nicht ausschließen müssen. In vielen Klassen gibt es Regattawochenenden, die durchaus den Charakter von Segelfreizeiten haben.

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    • avatar sebwilcke sagt:

      Nee, schließt sich nicht aus! Aber vielleicht langweilen Regatten manche Charaktere zu Tode?

      Welchen Sinn haben Regatten außer besser als die Anderen zu sein? Hat da jeder Bock drauf? Sicher, schnell Segeln macht Spaß! Aber immer nur um die Wette munter rum ums Dreieck??

      Segeln hat viel mehr zu bieten als nur Wettkämpfe! Und ich vermute das dies dem Großteil der z.B. Optikinder nach ein paar Jahren zum Halse raushängt. Mehr als drei Plätze auf dem Podium gibt es nicht. Und wenn man selbst nicht mit der absoluten Begabung gesegnet ist macht es irgendwann keinen Spaß mehr…

      Also: Dafür, das den Kindern und Jugendichen von Anfang an Tourensegeln als Option eröffnet wird. Nix mit Leistung, dafür mit Freiheit! Und wenn dann in den Vereinen samt DSV gejammert wird das die Jugend keine Leistung bringt sollte man sich fragen was man eigentlich will: Für den Verein gewonnene häßliche Zinnbecher oder bleibenden Nachwuchs?!

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  6. avatar Wig sagt:

    Ein wohl überfälliges Thema, jedoch sollten Extremisten, die beispielsweise jeden Wettbewerbssport generell infrage stellen,hier nicht das große Wort führen. Demnach wären dann ja Millionen von Wettbewerbssportlern spaßlose Psychophaten? Aber Änderungen bei der Seglerausbildung und Jüngstensegelei sind sicher überfällig, werden von den Vereinen aber auch heute keineswegs einheitlich gehandhabt. Auch manche Spaßbremse sollte auf den Prüfstand und durch lustige und trotzdem sportlich hinterlegte Übungen und Spiele aufgemotzt werden.Das Sammelsurium der Seglerideen hierzu sollte dann aber federführend dem DSV auf denTisch geknallt werden.

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  7. avatar Michael Reibl sagt:

    Schaut doch mal nach Holland. Dort packen die Kidds und Jugendlichen ihre Seesäcke, gehen in der Gruppe segeln, mit Jollen. Quasi Segelnde Pfadfinder.
    Die Holländer sehen das auch eher unter dem Aspekt, Freizeit und Fun mit der Familie.

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  8. avatar Betzel sagt:

    Hallo aus Lübeck,

    wir haben für uns eine Lösung gefunden.

    Nachdem unsere Tochter ( Opti-B-Ranglisten-Seglerin ) einmal einen Open-BIC getestet hat, ist sie mit Begeisterung dabei. Ja, es bedarf noch viel Lobby-Arbeit und es wäre schön, wenn mehr Bereitschaft vorhanden wäre, der Begeisterung der Kinder entsprechenden Raum zu bieten. Aber es tut sich was und ich kann nur dazu einladen, mal einen Open-BIC zu testen.
    Hier ein Link zur Information:
    http://www.open-bic.com/

    Vielleicht sieht man sich auf der nächsten LJÜM in Schilksee ? !

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