Bootsbau: Wie die “Yunikon” entstand – edler Bodensee-Daysailor aus Hempels Feder

Designerstück mit Wumms

Die erste Seitenansicht von 2012 © Yachtkonstruktion Juliane Hempel

Die erste Seitenansicht von 2012 © Yachtkonstruktion Juliane Hempel

Neulich hob die Heinrich Werft mit der „Yunikon“ ein wahres Designerstück in den Bodensee. Die Chronologie seiner Entstehung – ein faszinierender Blick in den modernen Bootsbau.

2011 fragen die Schweizer Edith und Ralph Nater die Bootskonstrukteurin Juliane Hempel nach einem Daysailer für den Bodensee. Er soll beim üblichen Leichtwind segeln und aussehen wie eine Brenta oder Wally.

Der Schwarzweiß-Kreuzer am ersten Segeltag vor Meersburg © Peter Minder/Heinrich Werft

Der Schwarzweiß-Kreuzer am ersten Segeltag vor Meersburg © Peter Minder/Heinrich Werft

September 12 schlägt Juliane Hempel einen etwa 11 ½ m langen, 3 m breiten Hubkieler mit tief angeordnetem Ballast und reichlich Segelfläche vor. Zu zweit segelbar, mit Übernachtungsoption an Bord. Der Optik halber wird es Sitz- und Bück- statt Stehhöhe geben.

13. Oktober 12 ist bereits das Segellogo „He 12“ fertig. Den Bootsnamen hat der Eigner bereits einen Monat zuvor ausgedacht und in Form gebracht. In Anlehnung an das englische „Unicorn“ (Einhorn) soll das Boot wegen des ausfahrbaren Karbonrüssels helvetisiert „Yunikon“ heißen.

18. November 12 steht der Segelplan. 91 qm an einem 18 m Karbonmast. Segeltragezahl 6,3. Dazu ein 160 qm Gennaker am ausfahrbaren Rüssel. „Yunikon“ kriegt richtig Wumms.

2. Dezember 12 Feinabstimmung vor Baubeginn: Kiel und Mast werden zugunsten der Am-Wind-Eigenschaften und dosiertem Ruderdruck zentimeterweise verschoben. Das Kielprofil wird aus praktischen Gründen marginal dicker. Bei der Gelegenheit streckt Juliane Hempel den Aufbau um 11 Zentimeter.

13. Februar 13 sind die ausgesägten Mallen (Schablonen) zum Bau des Bootes aufgestellt. Die moderne, jollenartige Form der „Yunikon“ ist sichtbar. Der Eigner hat richtig Gas gegeben, die winterliche Messesaison zur Auswahl der Elektrik und Bordelektronik, von Rigg und Beschlägen genutzt.

25. Februar 13 werden die Mallen mit Laserhilfe millimetergenau zurechtgerückt, damit der Rumpf wie gezeichnet über den Schablonen entsteht.

23. Mai 13 wird die fertige Schale aus der Halle gezogen, gedreht und wenige Tage später auch innen mit Glasfasergelegen laminiert.

2. August 13 ist die Bodengruppe zur generellen Aussteifung des Rumpfes mit Laschen bereit zum Einlaminieren.

15. Oktober 13 montiert die Werft den Karbon-Gennakerbaum und begeistert den Eigner mit einem Rendering seines Projekts.

10. Dezember 13 Das Boot besteht aus mehreren, anspruchsvollen Gewerken, zum Beispiel der direkt vom 9 PS-Motor per Keilriemen angetriebenen Hydraulik zum Anheben des Kiels mit dem Gewicht eines PKW. Diese besteht ihren Probelauf, kann also wie geplant eingebaut werden.

26. Dezember 13 ist der flache Bootsboden des U-Spanters fertig. Yunikon kriegt keine Bilge. Das schwarz-weiße Interieur nimmt Formen an.

Wegen seiner vielseitigen Verarbeitung, Farbwahl und pföegeleichten Eigenschaften wird Estec statt Teak genommen © Ralph Nater

Wegen seiner vielseitigen Verarbeitung, Farbwahl und pflegeleichten Eigenschaften wird Estec statt Teak genommen © Ralph Nater

4. März 14 ist der Aufbau über einer aufwändig gefrästen Form laminiert und gespritzt. Juliane Hempel hat die Karbon-Hutze vorn etwas schlanker gehalten.

April 14 Das Deck wird mit Estec statt Teak belegt. Das Material lässt sich vielseitig verarbeiten, einfach instand halten und bietet mehr Rutschsicherheit bei Nässe.

24. April 14 wird der Kiel montiert und die Hydraulik mit 80 Zentimetern Hub für 2,60 m Tiefgang in der Segelstellung und 1,80 m für den Hafen eingestellt.

28. April 14 Ein spannender Moment für alle Beteiligten. Die Schwimmlage des Bootes wird überprüft. Stimmen Juliane Hempels Berechnungen? Haben die Bootsbauer das Gewicht gehalten?

8. Mai 14 steht das Boot am Ende des handwerklichen Endspurts der Fertigstellung aufgetakelt vor der Werft.

Seit Samstag, dem 10. Mai 14 segelt “Yunikon”. Das Eignerpaar, Juliane Hempel, die Boots- und Mastenbauer sowie der Segelmacher sind stolz. Am Nachmittag zerrt der 57 qm Gennaker das Boot mit 12 kn über den See.

Fazit: Der enthusiastische, sein Projekt strukturiert begleitende Eigner hatte eine Menge Spaß. Teuer war der Spaß natürlich: eine Sonderanfertigung mit Karbonmast, sehr guten Segeln, ausgesuchten Beschlägen und Detaillösungen aus dem Sondermaschinenbau kostet. Das Budget dieses Designerstücks vom Bodensee wird sich über viele Jahre mit ungebremstem Segelspaß rechnen.

 

“Yunikon” Daten

Konstruktion: Juliane Hempel , Radolfzell

Bau: Heinrich Werft, Kreuzlingen,

Länge 11,78 m
Wasserlinie 10,95 m
Breite 3,14 m
Tiefgang (Hubkiel) 2,60/1,80 m
Gewicht 3,45 t
Ballast 1,6 t
Ballastanteil 46 %
Kielbombe 1,2 t Blei
freie Segelhöhe 18,23 m
Groß 55,3 qm
leicht überlappende Fock 36 qm
Code Zero ca 57 qm
Gennaker 158 qm

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Erdmann Braschos

Sein Spezialgebiet umfasst Mega-Yachten, Klassiker, Daysailor und Schärenkreuzer. Mehr über Erdmann findest Du hier.

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Ein Kommentar „Bootsbau: Wie die “Yunikon” entstand – edler Bodensee-Daysailor aus Hempels Feder“

  1. avatar Firstler sagt:

    Super Bilderstory, vielen Dank dem Team!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 0

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