Einhand-Rundum Video: Coville in der Flaute

Flügellahm

Der ehrgeizige Franzose scheint auch bei seinem fünften Rekordversuch nicht vom Glück gesegnet. Ein Video von Bord zeigt den Nervenkrieg in der Flaute

Die gute Nachricht: Nach einer endlos erscheinenden Zeit in der Flaute des St.-Helena-Hochs ist Thomas Coville auf seinem Trimaran „Sodebo“ derzeit wieder mit 12 kn Speed unterwegs. Die schlechte Nachricht: Der virtuelle Rückstand auf den Einhand-Weltumseglungsrekord von Francis Joyon beträgt derzeit satte 870 sm.

Spiegelglatt ist die See – frustrierend, auch wenn die Sonnenuntergänge vom Feinsten sind © coville

Spiegelglatt ist die See – frustrierend, auch wenn die Sonnenuntergänge vom Feinsten sind © coville

Noch vor einer Woche zeigte Coville in einem Bordvideo, unter welch extrem harten Bedingungen er seinen 105-Fuß-Trimaran bei Sturmstärke durch den Atlantik jagt. Im (fast schon brutalen) Gegensatz dazu die Aufnahmen während der Flaute: Die Segel schlagen, das Meer ist spiegelglatt, der Tonfall des Skippers zeugt von extremer Anspannung.

Coville berichtet in knappen Sätzen vom Frust, wenn sich sein „Vogel“ flügellahm auf den Ozean setzt und das Monstrum mit lächerlichen 2-3 Knoten Geschwindigkeit dem Rekord hinterher treibt.

„Joyon hat mehr Glück gehabt“, erzählt Coville weiter. Damals sei der Flautengürtel zweigeteilt gewesen, mit Wind auf der Schnittlinie. Und genau dieselbe habe Joyon getroffen.

Die im  Wind spürbare Dünung zeigt, dass ein paar Hundert Meilen entfernt der richtige Wind weht. Was wiederum für jeden Skipper auf See mehr als nervenaufreibend ist und erst recht für Rekordsegler, die über alles, was unter 20 kn Speed bleibt, die Nase rümpfen.

Thomas Coville – wie lange wird er die Nerven behalten? © Curutchet

Thomas Coville – wie lange wird er die Nerven behalten? © Curutchet

„Höhepunkt“ des Bordvideos: Als sich ein schwacher Windstrich nähert und Covilles „Sodebo“ auf 5-6 kn Geschwindigkeit anschiebt. „Der Vogel fliegt wieder,“ sagt da Coville etwas melancholisch.

870 Seemeilen – wie lange der Perfektionist Thomas Coville wohl noch mit diesem wohl schwer einholbaren Rückstand bei seinem Rekordversuch bleibt? „Das Abenteuer beginnt erst“ schreibt sein PR-Texter auf der Website. Bald sei er auf der „Autobahn des Südens“…

870 sm Rückstand – das tut weh! © geovoile

870 sm Rückstand – das tut weh! © geovoile

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Michael Kunst

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12 Kommentare zu „Einhand-Rundum Video: Coville in der Flaute“

  1. avatar SR-Fan sagt:

    Hm, vielleicht fehlt mir ja der rechte Biss, aber wenn ich von Anfang hinterhersegle, dann habe ich mich ja offensichtlich bei der Wettervorhersage verkalkuliert. Wäre es da nicht einfacher nach 3 Tagen zurückzusegeln und einen neuen Anlauf in 2 Wochen zu nehmen?

    Die reiten sich jetzt immer weiter rein und das Ganze wird immer mehr zum Glücksspiel.

    VG

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    • avatar SR-Fan sagt:

      Ach, ich liebe sie ja, diese Dislikes 😉 Aber so richtig konstruktiv sind sie irgendwie auch nicht. Bekomme ich die schon, wenn man meinen Nick liest oder sind die argumentativ unterfüttert?

      Wenn ich davon ausgehe, dass ich gegen einen virtuellen Gegner antrete und ich kann die Voraussetzungen dafür nur am Anfang kontrollieren. Dann muss ich zwangsläufig – mindestens in dieser Prognose-Zeit – vor dem Gegner liegen. Sonst ist entweder das neue Boot langsamer (eher unwahrscheinlich) oder ich habe “langsameres Wetter” als der Gegner. D.h. ich muss das nach der Prognose-Zeit wieder reinholen – und das ist dann ja wohl reines Glücksspiel, denn ich muss dann nehmen was kommt?!

      Wenn jemand anderer Meinung ist – gerne her damit. Würde mich interessieren, wo mein Denkfehler ist.

      VG

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      • avatar Hanseatic sagt:

        SR-Fan: Nicht gleich einschnappen! Wir vergessen immer, dass 1.) Coville mit seinen Sponsoren Verträge unterschrieben hat deren Inhalt wir nicht kennen (Tage in den Medien, clicks auf den Firmen-websites etc.) und so ein Mann 2.) ein Leistungssportler ist der alles dafür tut um einen Sieg davon zu tragen. Und so einer gibt nur sehr, sehr ungern auf. Wenigstens hat er den Dreizack dieses mal nicht zerlegt. Da kann ein weiterer Versuch bei besserem Wetterfenster dann schnell gestartet werden. Maserati fährt doch ganz gut mit so einer “Geduldstaktik”. Coville kommt wieder – da kann man wohl ziemlich sicher sein. Das Projekt ist mit Sicherheit noch nicht abgeschlossen. D’accord?

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        • avatar SR-Fan sagt:

          Ach, ich bin da ganz entspannt. Wer will sich denn mit seiner Aussage so anbiedern, dass er keine Dislikes bekommt 😉
          Nur fand ich in diesem Fall die Logik (aus meinem Blickwinkel) so bestechend, dass ich gerne andere Sichtweisen kennengelernt hätte. Das klappt nur mit Dislikes alleine nicht 😉

          Grundsätzlich kann ich verstehen, dass er endlich los wollte. Bloß segelte er ja schon auf der Nordhalbkugel hinterher und die weiteren Prognosen waren da schon nicht so prickelnd. D.h. man hätte schon früher die Reißleine ziehen können, da hätte ich von einem “Profi” (und vor allem auch dem Team dahinter) eher eine kühlere Risikokalkulation erwartet.
          Maserati kommt (bisher) irgendwie nicht in die Situation – die warten zu Not monatelang auf das richtige Fenster und dann passt das offenbar auch. Spricht für ein sehr gutes Wetterrouting (und gute Finanzkraft).
          Die Sponsorenverträge kennen wir natürlich nicht. Von der Aufmerksamkeit her helfen denen evtl. auch zwei Starts – wer weiß das schon. Allerdings kann es natürlich sein, dass der Start in einem gewissen Zeitfenster fixiert wurde oder die Finanzplanung keine längere Wartezeit zuließ.
          Aber er kommt wieder. Mit intaktem Boot und den gewonnen Erfahrungen sind die Chancen so groß wie nie. D’accord!

          VG

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          • avatar sailer66 sagt:

            Hallo SR-Fan und Hanseatic
            Da es von Thomas Coville aktuell der zweite Versuch war, denke ich, dass kein weiterer folgen wird, da (nach meiner Meinung) der Sponsor ihm wohl keinen weiteren Versuch finanzieren wird…
            Den ersten Versuch (glaube es war im Nov. 2013) hatte er schon nach sehr kurzer Zeit abgebrochen, weil wohl die Wetter-Fenster nicht ganz passten. Der jetzige Versuch hat den Anschein, dass es sehr überstürzt los gehen musste. Denke daher, dass der Sponsor Druck gemacht hat. Da ich bei beiden Versuchen von zu Hause aus über Virtual Regatta dabei war und bin und selber vor Südafrika seit Tagen rum dümpele – die Alternative über Südamerika (Thomas hatte sie gewählt) ist aktuell ebenfalls sehr “bescheiden” zu fahren – war die jetzige Aufgabe des Versuchs von der taktischen Seite her für mich nachzuvollziehen und richtig. Warum Boot und Material im Südpolarmeer riskieren, wenn man nichts mehr gewinnen kann.
            Hätte er den ersten Versuch durchgezogen, wäre er wohl erfolgreich gewesen. Auch wenn es nördlich des Äquators damals nicht ganz optimal war, so war es im Süd-Atlantik und Südpolarmeer viel „einfacher“ als aktuell. Bei zwei virtuellen Regatten gegen Ende letzten Jahres von Süd-Amerika nach Kapstadt und anschließend weiter nach Australien waren im Vergleich zu heute, sehr gute Windverhältnisse. Aber später ist man immer Klüger…
            Thomas hat wohl gepokert und am Ende leider verloren.
            Wer selber das Rennen entspannt von Sessel aus mit fahren möchte, kann ja mal auf Virtual Regatta sein Glück versuchen – das Rennen läuft da noch und man kann immer noch “einsteigen”…
            Persönlich hat Thomas meinen größten Respekt für seine Entscheidung abzubrechen und seiner Leistung als Segler, mit einer solchen Rennmaschine alleine zu starten.

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  2. avatar Robert sagt:

    Hat er wirklich kein größeres Amwindvorsegel (vulgo “Code 0”) als diesen kleinen Lappen?

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  3. avatar Segelass sagt:

    Bei so wenig den Code Zero durch den Schwell zerreisen?! Keine Gute idee…

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  4. avatar Olli sagt:

    Der Code zieht nicht, wenn er nicht voll steht. Bei Restschwell sind High Aspect Segel besser, auch wenn sie kleiner sind.

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  5. avatar Stefanz sagt:

    Jetzt hat er umgedreht. Was ein Pechvogel.

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  6. avatar CDR sagt:

    Ich habe eh nicht verstanden, warum er bei dem geringen Rückstand die westliche Variante gewählt hat und damit das Risiko des längeren Weges. Bei dem zugegebenermaßen sehr ungenauen WIndforecast auf der hp von sodebo, war der Streckenwind im Westen nicht besser als im Osten. Also warum zusätzlich so einen großen Querabstand riskieren? Aber vom Sofa aus sieht man eh alles besser :-))

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    • avatar SR-Fan sagt:

      Naja, die Streckenwahl über Südamerika ist ja klassisch. Gabs da nicht mal den Spruch: “Wenn Du unsicher bist, dann immer nach Westen …?

      VG

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