Extremsegeln: Rossi/Tosi rasen per Strand-Katamaran über den Atlantik

Trans-Atlantik im Vollwaschgang

Andrea Rossi und Luca Tosi, zwei Mini-Class-Segler aus der italienischen Schweiz, segeln mit einem 20 Fuß Sportkat auf dem Atlantik, um den Rekord auf unter 11,5 Tage zu drücken.

Schlafsack-Steuerstand beim Strandkat-Rekord-Törn

Gemütlicher Schlafsack-Steuerstand beim Strandkat-Rekord-Törn über den Atlantik. © jrata.ch

Unsere Nachbarn, die Schweizer, glauben wir ja eher als ruhige Vertreter der Spezies Mensch zu kennen. Im Sommer wandern oder klettern sie gemeinhin durch ihre wundervolle Bergwelt, im Winter laufen sie Ski und ergötzen sich in urigen Berghütten an köstlich duftenden Käse-Fondues. Gelegentlich streiten sie allerdings auch gerne ein wenig. Wenn es um ihr heiliges Bankgeheimnis oder gar eine uralte, häßliche und bodenlose Kanne geht, verstehen sie keinerlei Spass.

Hin und wieder bekommt der eine oder andere Schweizer – trotz gesunder Bergluft – auch mal einen kräftigen Husten. Nicht den, der die Lungenfunktion beeinträchtigt, nein – eher den, der in den Kopf geht. Und da helfen dann auch die bekannten Hustenbonbons nicht mehr.

Strandkat-Atlantk-Rekord

Abschied zum Törn über den Atlantik. Der Strandkat-Rekord von 11,5 Tagen soll fallen. © jrata.ch

Ein solcher Kopf-Husten ereilte die beiden Tessiner Class-Mini-Segler Andrea Rossi und Luca Tosi als sie 2009, nach erfolgreich absolvierter MiniTransat. Sie saßen am Strand von Bahia und dachten über ihre Zukunft nach.

Üblicherweise streben Class-Mini-Segler ja nach einigen Jahren in größere Klassen um ihre Segelträume zu verwirklichen. Nicht so diese zwei. Ein ungewöhnlicher Rekord hatte die Aufmerksamkeit der beiden gelegentlichen Kat-Segler (Archipelago-Raid=Schweden-Finland und zurück) erregt. Den wollten sie brechen.

Von Dakar im Senegal nach Point-à Pitre auf Guadeloupe. Quer über den Atlantik (ca. 2.400 Meilen) in einem offenen Sportkatamaran von gerade einmal 20 Fuß Länge. Rekordhalter: Die Franzosen Yves Moreau und Benoit Lequin. ISAF-anerkannte Zeit: 11 Tage, 11 Stunden, 25 Minuten und 42 Sekunden. Aufgestellt 2007.

Ein italienischer Versuch endete 2011 mit Schiffbruch kurz vor dem Ziel. Die beiden Segler wurden gerettet, der Kat mit dem vielsagenden Namen ”Blondina Nera“ suchte sich seinen Weg allein und strandete später an der Küste Barbados’.

Die Schweizer kauften, statt des noch nahezu intakten Havaristen, dann doch lieber die bereits erfolgreiche Variante der Franzosen und trainierten fleissig auf heimischen Seen und im Mittelmeer. Und seit fünf Tagen brettern sie nun mit einem durchschnittlichen Speed von derzeit 10,5 Knoten der Karibik entgegen. Sie liegen 102 Meilen vor der Referenzzeit. Die Schweizer…….

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16 Kommentare zu „Extremsegeln: Rossi/Tosi rasen per Strand-Katamaran über den Atlantik“

  1. avatar Alex sagt:

    Ist eigentlich schon einmal jemand barfuß durch die Sahara gelaufen?
    Wär auch noch eine Möglichkeit für einen Rekord.

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    • avatar dubblebubble sagt:

      Moses?

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      • avatar Alex sagt:

        Zu der Zeit hatte man meines Wissens schon Sandalen und die Wanderten von Ägypten nach Israel. Außerdem wollte die Truppe einfach nur nach Hause. 😉

        Die waren demnach nicht auf einer Rekordjagt im Sandmeer unterwegs.

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  2. avatar AC 90 sagt:

    Mit nem Strandkat übern Teich, arme Irre.

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    • avatar Stefan sagt:

      …naja, mit nem Strandkat hat die Kiste nicht viel gemein.

      …da erweise ich meine Hochachtung eher den (Schweizer) Jungs der 80er, die in einem gewöhnlichen Hobie 18 diese (Tor)Tour unternommen haben.

      -> 1986 Laurent Bourgnon & Fred Giraldi

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    • avatar Stefan sagt:

      …hier eine Übersicht über alle “Transatlantik per Strandkat”

      http://www.sail.ie/misc/cats_atlantic.htm

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  3. avatar Ketzer sagt:

    Und auf der anderen Seite dann erstmal jeder ‘nen Liter Rizinusöl, um die Verdauung wieder in Gang zu kriegen und ‘ne Familienpackung Penaten-Creme gegen die Salzwasserfurunkel. Nix für mich, aber wer’s braucht soll’s tun.

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  4. avatar Nord sagt:

    Total sinnbefreit, aber gerade das finde ich ja so genial am Segeln 😀

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  5. avatar enzo sagt:

    Ist doch eine geile Sache!!
    Gruss aus der Schweiz;-)

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  6. avatar Andreas Borrink sagt:

    Völlig schwachsinnig. Wer einmal über den Atlantik gesegelt ist, weiß, dass sowas nur mit viel Glück gut gehen kann. Hoffentlich lösen diese Pappbasen keine Rettungsaktion aus, bei der vernünftige Leute ihr Leben riskieren müssen.

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  7. avatar cat sailor sagt:

    Kaum vorstellbar für mich (bin viele Jahre F18 gesegelt). Nur ein kleiner durch Übermüdung und eine blöde Welle herbeigeführter Steuerfehler in der Nacht reich und das wars…!!!

    Ich finde die Jungs sollten etwas sorgsamer mit ihrem Leben umgehen.

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    • avatar Lasse sagt:

      Wieso? Man kann den doch zu zweit sicher wieder aufrichten, wenn man Kentern sollte.

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      • avatar cat sailor sagt:

        Einen voll beladenen Kat dieser Größe in dickem Ölzeug, schwerer See und Dunkelheit wieder aufzurichten klappt nach meinem Dafürhalten nur in der Theorie. In hohen Wellen und stürmischen Wind ist es schon so schwierig genug bspw. einen F18 wieder aufzurichten.

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  8. avatar jorgo sagt:

    Ich sprach mit Gérard Navarin. Er ist 1999 (glaube ich)zusammen mit Hans Bouscholte über den Atlantik gesegelt mit einem 20 Fuß Kat. Er sagte sinngemäß: “Ich würde das nie in meinem Leben jemals wieder machen!” Sie hatten danach ca. 2 Wochen lang u.a. mit Verbrennungen im Krankenhaus gelegen, wenn ich es recht verstanden habe. Z.B. Sonnenbrand unter den Fingernägeln….. .

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  9. avatar Silberbeil sagt:

    Eine komfortable Kreuzfahrt verglichen mit:

    http://medien.wdr.de/radio/zeitzeichen/WDR5_Zeitzeichen_20121228_0920.mp3

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  10. avatar Jan sagt:

    … und schon vorbei. ruder gebrochen

    RECORD ATTEMPT – failed due to helm breaking

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