Plattbug: “Überraschungsei” Revolution 22 in der Welle

Die doppelte Bedeutung von Bug

Vor etwa 2 Jahren berichtete SR über das neue Plattnasenschiff “Revolution 22” der französischen AFEP Werft. Ein Video zeigt es in der Welle. Ist ein Scow Bug im Serienbau sinnvoll?

Gestern berichteten wir über den Stand der Dinge im Kleinkreuzerprojekt “Bente 24”. In der anschliessenden Diskussion schickte uns der SR-Leser “Super-Spät-Segler” ein aufschlussreiches Video der Revolution 22 in hackiger See. (Ab Minute 2:50). Ein Video, das nachdenken lässt. Vielen Dank dafür.

Gewinnertyp: Teamwork Evolution 747. © C. Breschi

Gewinnertyp: Teamwork Evolution 747. © C. Breschi

Bei den sehr erfolgreich segelnden Minis mit dem kugeligen Vorschiff geht es in erster Linie um Speed. Wohnraum, Komfort und einfaches Segeln stehen bei solchen Booten hinten an. Auch werden sie von Profis gesegelt, deren Fähigkeiten und Erfahrungen sicherlich über dem des Freizeitkapitäns liegen dürften. Jörg Riechers erklärte vor einiger Zeit auf SR, warum die guten Ergebnisse von “Teamwork Evolution” nicht allein dem Bug geschuldet sind.

Alltagstaugliche Revolution?

Fix und Flach: Helges E-Scow © melges.com

Fix und Flach: Melges E-Scow © melges.com

Die Boote segeln bei den Races überwiegend auf raumen Kursen in extremen Seegebieten. Und sie kosten mehr Geld, als jeder Fahrtensegler wohl bereit wäre zu zahlen. Mit dem Ost-, Nordsee oder IJsselmeer Alltag hat das wenig zu tun. Und die teure wie platzraubende Neigekiel-Technik ist auf Kleinkreuzern, auf denen man seinen Urlaub verbringen möchte, kaum denkbar. Für solche Boote ist sie aber ziemlich wichtig.

Im Video sieht man deutlich: bei bereits kleiner Hackwelle klatscht das Aluminium-Ei schon ziemlich heftig und bekommt ordentlich auf die Nase. Wo andere, spitze Rümpfe die See durchschneiden, tanzt die Revolution bereits wild umher und wird geradezu ausgehebelt. Das ist nicht nur dem Bug geschuldet, aber er scheint den Effekt noch zu verstärken.

Überraschungsei: Revolution 22 © AFEP

Überraschungsei: Revolution 22
© AFEP

Ist ein Scow also eine Revolution? Oder muss man eingestehen, dass diese Rumpfform im Serienbau als Fahrtenschiff dem englischen Begriff “Bug” (gesprochen: “bak”, Bedeutung: Programmfehler, Fehler) näher steht als der deutschen Bezeichnung dieses Begriffes?

Niemand weiß Genaues, jeder hat seine eigene Meinung. Wenn man in einem Formel 1 Wagen einen Kindersitz unterbringen muss, bricht das ganze Konzept auseinander. Vielleicht ist es mit Rennyachten ähnlich.

In jedem Falle dürfte diese Entwicklung noch lange für Gesprächsstoff sorgen.

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Digger Hamburg

Kleiner segeln - größer leben. Filmemacher und Autor Stephan Boden verbringt jeden Sommer auf dem Wasser. Früher auf seiner VA18 "Digger" jetzt auf der Bente24, die er selbst initiiert hat. "Auf See habe ich Zeit, das schärft den Blick für Details." Zu seinem Blog geht es hier
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19 Kommentare zu „Plattbug: “Überraschungsei” Revolution 22 in der Welle“

  1. avatar Ralph Villiger sagt:

    Ich finde diese Bilder nicht so schlüssig, wie es im Text vermerkt ist. Wie sieht es denn mit dem Speed aus? Wenn das Boot stampft aber trotzdem schneller ist, dann macht’s ja nichts (wenn man nicht gerade Kaffee kocht wie im Film). Der breite Bug sollte bei Amwindkursen ja die Wasserlinie verlängern. Auch gewinnt Giancarlo Pedote – zugegebenermassen ein Profi, aber seine Gegner sind das auch – schlicht auf jedem Kurs schneller als die Konkurrenz.

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    • avatar digger.hamburg sagt:

      Moin Ralph. Das Problem ist das unterschiedliche Gewicht. Die Mini Transats haben eine Verdrängung von 700-800 Kilo. Plus Cabting Keel, plus Skipper. Und sie sind meistens in Revieren mit langen Wellen unterwegs, nicht auf Ostsee und Nordsee. Bei Serienkleinkreuzern wird das Gewicht wesentlich höher und dürfte über 1 Tonne liegen. Bei dere Revolution sogar 1,6 Tonnen. Und dann stampfen sich die Boote auf hohen Kursen schnell fest. Ich finde das im Video ab Minute 2:50 schon ganz schön amtlich.

      So erschliesst sich mir das jedenfalls. Und so kamen auch die Berechnungen bei Bente raus, der wir liebend gerne einen Scow verpasst hätten. Aber was weiss ich? Ein Test bei 6 Bft. auf dem Kleinen Belt würde Aufschluß geben.

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      • avatar Ralph Villiger sagt:

        nun, gemäss 1:59 scheint da ja betreffend Kiel ohnehin höchstens ein Schwert vorhanden zu sein. Das hat bestimmt einen Einfluss. Weiter dürfte ein Plattbug ja vor allem Sinn machen, um die Wasserlinie zu verlängern, und dies ist dann ein typisches Klassenproblem. Solange man keine Regatten segelt, ist der Vorteil nicht dermassen wichtig. In einer fixen Klasse wie den Minis verzichtet man aber gerne einmal auf etwas Komfort für Speed. Aber eben, ein 1:1 Vergleich würde halt schon mehr Aufschluss geben als Argumente dafür und dagegen.

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      • avatar Piet sagt:

        Das hack problem bei der revolution lieht meiner meinung nach an den zu runden bug.
        Wenn man sich den scow anschaut ist der boder weit und breit nach vorne gezogen und dann scharf abgerundet.

        Auch wenn mann von oben drauf schaut sieht die revolution vorne spitzer aus als der transat plattbug

        Ich glaube die franzosen haben wohl etwas murks gamcht bei der form.

        Wie sah den der bente plattbug in der simulation aus?
        Eher wie die revolution oder transat?

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        • avatar digger.hamburg sagt:

          Wir wollten ihn so wie bei den Transats machen. Wegen des Freibords und der wesentlich höheren Verdrängung wäre so eine Kugel wie bei der Revolution rausgekommen.

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  2. Also lieber Digger,
    Deine Argumentation scheint wohl eher die Verfolgung des Bauchgefühls. Natürlich ist es für gute Segelleistungen notwendig, das Gewicht gering zu halten und – ja auch in meinen Augen – ist die Revolution 22 alles andere als hübsch. Aber das sieht bei den Raison-Minis schon anders aus. Und wenn man Gewicht zur Bootslänge in Relation setzt dann ist Euer angestrebtes Gewicht von +/- 1200kg bei 1m mehr Länge kaum mehr als das Gewicht des Minis. Und wir dürfen auch nicht vergessen, dass ein Mini auch mit +/-300kg Zuladung (100kg Skipper + 200l Wasser + Ausrüstung/Essen/…) funktioniert.
    Und bezüglich der Wellen – ja, es gibt auf dem Transat sowie vielen anderen Mini-Regatten meist längere Wellen. Aber … es werden auch Regatten in Küstnnähe gesegelt, wo manchmal eine schlimmere Hackseee steht als auf dem Greifswalder Bodden.

    Bleiben eigentlich nur die Argumente Selbstaufrichten und Optik. Ersteres dürfte unproblematisch sein, da ja auch viele Boote (Kats/Tris) die Meere befahren, ohne sich selbst aufzurichten und das Aufrichten auch der anderen Schiffe die mithelfende Welle braucht (siehe Bericht von Ian Lipinski nach einem Überschlag mit seinem Pogo-2, der minutenlang kieloben blieb).
    Bleibt … die Optik … und hier macht ihr nichts anderes, als dem Mainstream hinterher zu laufen anstatt neue Wege zu gehen. Kann man machen aber … dann solltet Ihr es auch so nennen.

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    • avatar digger.hamburg sagt:

      Lieber Frank,

      die Antworten zu Deinem Kommentar habe ich eigentlich in dem gestrigen Artikel gegeben. Und die kommen weniger von mir als von Leuten, die ihr Handwerk schon lange verstehen.

      Und zu Kats und Tris: https://www.youtube.com/watch?v=bMoHhilUSoU

      Natürlich gibt es immer mehrere Sichtweisen. An Deinem Kommentar finde ich eines nur sehr schade. Und zwar Deinen letzten Abschnitt. Der wird unseren Überlegungen nicht gerecht. Denn wir laufen niemandem hinterher. Und wir wollten das alle sehr gerne. Aber die Zweifel überwiegen. Und letzten Endes geht es nicht um einen Transat Gewinner, sondern eine Fahrtenyacht, die man ins Gleiten bekommt.

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      • Ja, Du hast geschrieben, dass wegen des zusätzlichen Freibords die Optik doch sehr gelitten hätte und … dass sich das Gerät sicher schwerer wieder aufgerichtet hätte als ein sehr schmales Design bzw. eines mit einem spitzen Bug und dass das Konzept unbedingt einen Cantingkiel braucht (das verstehe ich allerdings nicht).

        Aber mal ehrlich – wirfst Du den vielen Touren-Trifahrern wirklich Unverantwortlichkeit vor, wenn sie mit ihren nichtselbstaufrichtenden Kisten unterwegs sind (siehe Video) ? Wenn das Quoring wissen würde … Immerhin können die Kisten (wie auch Minis) nicht untergehen, wenn sie nicht gerade abbrennen.

        Wenn es Euer Ziel ist, eine gleitende Fahrtenyacht zu entwerfen – so etwas gibt es ja schon (genug). Spannend wird es, wenn Ihr dem Schiff so viel Stabilität verleiht, dass das Gerät auch schon bei 70..80..90 Grad TWA (weit) über ihre Rumpfgeschw. hinaus kommt. Aber dann – und insbesondere auch um die Kreuzeigenschaften zu verbessern – landet ihr bei fülligeren Bugsektionen (siehe auch neuere Serien-Minis wie Ofcet650 oder Pogo-3 oder dem Mare-IMOCA oder …) Das ist zwar noch nicht ganz Scow aber … ein Schritt in diese Richtung.

        Schiffe, die (nur) gut kreuzen und gut downwind (auch in Gleitfahrt) kommen, gibt es dagegen schon auf dem Markt, sind in der Regel recht leicht, besitzen eine sehr schmale Wasserlinie und brauchen viel Gewicht auf der Kante (Melges & Co) und/oder im sehr tiefen Kiel (Esse) und mögen auch keine Fahrtenausrüstung

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        • avatar digger.hamburg sagt:

          Na, da siehst Du ja, welch sportliche Aufgabe wir uns gestellt haben.

          P.S. Ein Canting Keel wirkt durch die Gewichtsverlagerung wie eine Person, die sich aufs Schwert stellt. Das macht durchaus Sinn. Und ich werfe niemanden etwas vor, schon gar keinen Triseglern. Wenn ich genug Kohle hätte, wäre ein Dragonfly 25, der ja kommen wird , sicherlich eines meiner Traumboote.

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          • avatar Alex sagt:

            Dann stell dich mal auf ein Schwert wenn du capeside down liegst

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          • avatar digger.hamburg sagt:

            Na Alex, schiesste Dich gerade wieder auf mich ein? Viel Spaß!

            Du musst auch nicht mehr lange warten, bis wir Bente veröffentlichen und Du richtig loslegen kannst.

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          • avatar Alex sagt:

            Was rüttelst du an der Käfigtüre? Ist dir langweilig?

            Deine Aussage mit dem Kiel ist einfach falsch!
            Liegt das Boot auf dem Dach (was ja das Problem ist), hilft der gekantete Kiel beim Aufrichten. In dieser Situation wird aber kaum jemand auf ein Schwert steigen.
            Hingegen liegt das Boot auf der Seite, dann steht man natürlich auf ein Schwert.

            Frank liegt m.A. mit der Esse und Melges etwas falsch, was Kantengewicht oder Tiefgang angeht. Da hat der Markt sehr gute Boote.

            Aber man weiß ja, dass du mit Kritik ein latentes Problem hast.

            Und noch einmal.
            Ich habe kein Problem mit dem Projekt Bente. Ich finde es ebenfalls spannend.
            Ich habe nur ein massives Problem, wenn du bezahlbar propagierst, nicht aber bereit bist zu sagen für wen es bezahlbar sein soll.

            Du als Autor und erfolgreicher Filmemacher, der auch Spots mit Leuten wie Jogi Löw abdreht, für dich wird ein Boot mit 100.000 sicher locker bezahlbar sein.
            Ich behaupte, nahezu alle verkauften Boote dieser Erde sind bezahlt und somit offensichtlich auch bezahlbar.
            Ich habe aber auch Freunde, die hätten sicher Schwierigkeiten, sich eine neu BIC zu kaufen, weil für sie fast nicht bezahlbar.

            Schon mit der SQ25 wurde das segelnde Folk mit einbezogen. Zwischendurch hatte man den Eindruck, da kommt ein Boot so um die 30-35K EUR raus. Da sind dann sicher einige Träume jäh geplatzt, als der tatsächliche Preis bekannt wurde.

            Also, bekenne doch einfach Farbe oder hast du Versagensangst? Wer keine Ziele definiert, kann sie ja auch nicht verfehlen.

            Wenn nicht, hör einfach auf an der Käfigtüre zu rütteln und wirf kein Popcorn.

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        • avatar Alex sagt:

          @Frank, ist so nicht ganz richtig.
          Die Seascape 27 ist schnell, simpel, sexy, neu, modular, bewohnbar, flexibel und mit 48.000 EUR ab Werft auch bezahlbar. Zumindest lassen es die hohen Verkaufszahlen vermuten, dass sie bezahlbar ist.
          Sie braucht auch keine Gewichtsmassen auf der Kante und ist mit dem Schwekkiel auch ausgesprochen Fahrtenseglerfreundlich.

          Leider hat sie kein 24-25 Fuß und ist mit „B“ nicht hochseetauglich.

          Was Digger anscheinend machen möchte, ist eine Seascape27 auf 24 Fuß schrumpfen und sie nach „A“ zulassen.

          Ist tatsächlich eine echte Revolution im Bootsmarkt.

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  3. avatar Alex sagt:

    Der Vorteil vom Scow Bug hat nicht wirklich viel mit der Wasserlinenlänge zu tun.

    Auf Grund des extremen Längen/Breitenverhältnis vertrimmt das Boot bei Lage lang nicht so auf die Nase.
    Aus der, daraus resultierenden symmetrischeren Schwimmlage, holt der Scraw Bug seine Vorteile.

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  4. avatar Firstler sagt:

    Ich finde auch nicht, dass man aus dem Video irgendeine Schlußfolgerung ziehen kann. Das Boot befindet sich in offenbar einem völlig chaotischem Wellensystem durch das vorausfahrende Boot. Zudem kneift sie anfangs offenbar Höhe bevor endlich abgefallen und Speed aufgenommen wird. Da würde ein Boot mit konventionellem Bug auch nicht viel besser aussehen.

    Überzeugend finde ich aber Diggers Argumente bezüglich Selbstaufrichten. Die hatte ich nicht auf dem Radar. Ich glaube ein Monohull, der sich nach einer Kenterung (was bei eine rasanten Spifahrt oder Gewitterböe auch bei Freizeitkapitänen schnell mal passieren kann) nicht mehr aufrichtet, ist im Freizeitbereich quasi unverkäuflich.

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    • avatar 20er sagt:

      Klar, deswegen kauft ja auch niemand Jollenkreuzer und Ähnliches…

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      • avatar digger.hamburg sagt:

        Ein Jollenkreuzer ist unbestritten ein tolles Schiff. Hat aber andere Anforderungen als Bente, auch an die Seetauglichkeit.

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  5. avatar Super-Spät-Segler sagt:

    Zum Thema Multihull kentern und wieder aufrichten, Das ging schon 1998 recht einfach:

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    • Stimmt – Bevor ich den Mini gekauft hatte, habe ich auch sehr lange überlegt, stattdessen einen Firebird oder – etwas moderner – einen Raider30 zu kaufen. Nicht so sehr wegen der Aufrichtmimik sondern eher wegen der tollen Segeleigenschaften. Aber … an welchen Ostseeregatten kann man damit teilnehmen ???

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