120.000 Euro Yacht auf Clubkosten gekauft – 15 Monate Knast.

Nix wie weg hier!

Ein Mann, ein Traum: Eine Weltumseglung muss es sein. Möglichst entspannt rundum, keine Rekordhetze sondern easy living. Dafür braucht man bekanntlich eine gewisse Schiffsgröße, sonst wird’s nass und ungemütlich. Aber: je größer und sicherer der Untersatz, desto kostspieliger. Und woher nehmen, wenn nicht stehlen?

Ein heute 60jähriger Segler aus Rosenheim hat bei dem obigen Gedankengang nicht Halt gemacht, sondern wollte seinen Traum leben, koste es, was es wolle. Buchstäblich!

Um exotischen Gefilden einen großen Schritt näher zu kommen, gründete er einen Segelclub am Mittelmeer, an der kroatischen Küste. Dort wollte er zunächst sein Glück mit Verchartern versuchen…

(Alp)Traumyacht

So weit, so gut. Bald fand er die Yacht seiner Träume, bei der ihn offenbar nichts misstrauisch machte, als er erfuhr, dass sie schon seit Jahren in Fachzeitschriften erfolglos angepriesen wurde. Irgendwo stand sogar, dass der derzeitige Eigentümer das gute Stück eventuell einem Club schenken wolle.

Doch als unser Protagonist mit dem Yachteigner verhandelte, verlangte dieser 120 Tsd Euro. Schließlich habe ihm der Zweimast-Seekreuzer enorme Liegeplatz- und Reparatur-Kosten verursacht… Immer noch kein Misstrauen beim Rosenheimer Segler!

Die beiden einigten sich darauf, dass die Kaufsumme in 5 Jahren zu bezahlen sei – „so was könne man locker mit Verchartern schaffen, man brauche eben nur einen Partner!“

Der war relativ schnell gefunden, wollte aber das 50jährige Objekt der Begierde erstmal von unten sehen und … winkte nach dem Kranen gleich ab! Außen hui, unten pfui!

Kreative Kostenverteilung

Mittlerweile ist dem 60jährigen  klar geworden, dass er den Kauf der Yacht niemals  alleine stemmen kann und greift zu einer „Notlösung“ – so mag es ihm zumindest vorgekommen sein. Er setzte den Verein, dessen Vorsitzender er war, als Käufer ein und garantierte so persönlich für die ordnungsgemäße Abwicklung. Nur: die Vereinsmitglieder wussten davon offensichtlich überhaupt nichts.

Es kam, wie es kommen musste: Das Verchartern klappte ein wenig, die Kosten waren aber so enorm, das die Pleite vorhersehbar wurde. Also aufgeben? Doch der Protagonist dieser Geschichte schipperte seinen Traum nach Griechenland, legte ihn in irgendeinen Hafen und schickte dem vorherigen Besitzer die Schlüssel. Aus der Traum?

Nicht für den Verkäufer. Der wollte logischerweise seine Jahresraten nicht in den Wind schreiben und schickte dem Verein saftige Mahnungen. Womit der wiederum zum ersten Mal Wind von der Sache bekam…

15 Monate hinter Gitter

Um es kurz zu machen: Das Amtsgericht Rosenheim verurteilte den 60jährigen, weil er ohne Wissen der Clubmitglieder auf Kosten des Vereins eine 120.000 Euro-Yacht gekauft hatte. Der Verein konnte die fällige Rate nicht aufbringen und musste Insolvenz anmelden.

Der Staatsanwalt forderte 22 Monate ohne Bewährung, u.a. weil keine Einsicht oder Reue gezeigt werde, die Verteidigung plädierte für eine milde Haftstrafe auf Bewährung. Die Richterin verurteilte den träumenden Segler schließlich zu 15 Monaten Gefängnis ohne Bewährung. Aus der Traum!

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Ein Kommentar „120.000 Euro Yacht auf Clubkosten gekauft – 15 Monate Knast.“

  1. avatar sinkmaster sagt:

    Hmmm, armer Kerl, 60 Jahre träumen und dann kommt die Chance. Ich hätts vielleicht auch so gemacht. Ich mein…irgendwann muss man mal rund um. Oder?

    Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 5

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