“Mirabaud LX” bekommt bald ein Flügelsegel

18 Footer auf Drogen

"Mirabaud LX" beim High-Speed-Ritt über den Genfer See. © Jundt/Mirabaud

Der Schweizer Ingenieur Thomas Jundt plant den nächsten Schritt, um seinen aufgemotzten 18 Footer zu beschleunigen. Nachdem er ihm den Rumpf wegrationalisiert und einen Flügel unter Wasser installiert hat, kommt jetzt die Tragfläche über Wasser.

Das Projekt prangt auf allen internationalen Internetseiten, was damit zu tun hat, dass Jundt mit dem potenten Sponsor Mirabaud Zugriff auf professionelle Pressearbeit hat. Aber die dramatische Innovation ist der 18 Footer auf Drogen nun nicht gerade.

Die Vision von der nächsten Entwicklungsstufe. "Mirabaud LX" mit Tragflächen-Segel. © Mirabaud

Das neue geplante Tragflächen-Profil. © Mirabaud

Der Maximalspeed der „Mirabaud LX“ beträgt 25,8 Knoten. Und bei der Weymouth Speed Week erreichte die Konstruktion einen Durchschnitt von 23, 24 Knoten auf 500 Metern. Das liegt unter der Hälfte des Weltrekords. Selbst die Flügelmotten haben schon die 30 Knoten Grenze geknackt. Und konventionelle 18 Footer erreichen bei Starkwind ebenfalls einen ähnlichen Speed.

Insofern kann es Jundt nicht um den absoluten Rekord gehen. Dafür ist seine Konstruktion dann doch vergleichsweise schwer. Alleine deshalb, weil sie von einer Dreimanncrew bewegt wird. „Mirabaud LX“ benötigt einen großen Flügel, um sich aus dem Wasser zu liften.

Der erzeugt aber bei höheren Geschwindigkeiten einen zu großen Widerstand, um in den absoluten Highspeed-Bereich vorzudringen. Das Gleiche gilt für den Windwiderstand Dreimanncrew.

Deshalb ist die Zielrichtung der Mirabaud schwer zu erkennen. Mit dem Konzept sind absolute Rekorde kaum zu erreichen. Aber darum geht es wohl nicht. Jundt hat die Rekorde auf den großen Seen im Auge. Er will bei den prestigereichen Langstrecken seine Duftmarken setzen.

Die Extrem-Konstruktion wird von einem konventionellen 18 Footer Rigg angetrieben. Das bringt viel Auftrieb zum Abheben, hat im Hich-Speed-Modus aber einen großen Windwiderstand. © Jundt/Mirabaud

Auch die sind allerdings schwer zu erreichen. Denn diese Regatten sind von langen Flautenzonen geprägt. Die „Mirabaud LX“ benötigt aber acht Knoten Wind, um sich aus dem Wasser auf die Flügel zu wuchten.

Diesen Wert könnte das geplante Tragflächen-Segel nach unten setzen. Der Auftrieb eines Foils ist größer als ein konventionelles Profil. Und im Top Speed Bereich wird der Widerstand geringer.

Vermutlich will der Ingenieur Jundt sich weiterhin an der Front der Entwicklung im Segelsport bewegen. Erst waren die Unterwasser Tragflächen hip, nun sind es die Profile über Wasser. Unter den Segelingenieuren herrscht Pionierstimmung, seit klar ist, dass die Flügel-Segel-Technik vom America’s Cup adaptiert wird.

„Ich bin in diesem Herbst nach Newport (Rhode Island, USA) gereist, um vor Ort den Little America’s Cup mitzuverfolgen und mir einen Eindruck über die neuesten Entwicklungen im Bereich der Flügelmasten zu verschaffen“, erzählt er in der Pressemitteilung.

„Seit Jahren beobachte ich eine stetige Verbesserung bei den Flügelmasten, doch die neuesten Entwicklungen, vor allem hinsichtlich einer vereinfachten Bedienung und daraus resultierenden Performance, sind schlicht einzigartig. Ich war sofort davon überzeugt, dass dies genau das ist, was wir für die Mirabaud LX brauchen“.

Anfangs machte „Mirabaud LX“ nur als „Boot ohne Rumpf“ Schlagzeilen. Inzwischen besitzt sie wieder einen angedeuteten Schwimmkörper. Man kann gespannt sein, wie der Tüftler aus der Schweiz seine Konstruktion weiter entwickelt. Wenn Alinghi nicht mehr an der vordersten Entwicklungsfront steht, dann hat Thomas Jundt das Erbe übernommen.

Das Video zeigt die Anfänge der “Mirabaud”. Jundt erkannte die Notwendigkeit der Gewicht-Reduktion. Er setzte sie radikal um, indem er den Rumpf durch eine Rahmenkonstruktion ersetzte

avatar

Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
Spenden
http://nouveda.com

Ein Kommentar „“Mirabaud LX” bekommt bald ein Flügelsegel“

  1. avatar Christian sagt:

    sicher, den aboluten Speedrekord wird Thomas nie brechen. Aber es ist immer zu bedenken, dass die Foiler-Motten auch lange Jahre gebraucht haben, um auf über 30 kn zu kommen. Und Thomas ist ein Einzelkämpfer, es gibt keine Weiterentwicklung durch eine ganze Szene wie bei den Motten. In jedem Fall Hut ab vor durchgeknallten Leuten wie ihm! Sie machen den Segelsport so faszinierend.

    Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *