Abenteuer-Expedition: Arved Fuchs auf den Spuren der Lofotfischer

Im Trüben fischen

“future now”-Kurzporträt: Arved Fuchs und seine Einstellung zur Nachhaltigkeit

Arved Fuchs ist auf seinem Haikutter „Dagmar Aaen“ nach 1.300 sm auf den Lofoten angekommen, um das Arbeitsleben der legendären Kabeljaufischer zu erforschen.

„Abenteuer kann man überall erleben. Du brauchst nur die Augen zu öffnen.“ Hört sich an wie eine Binsenweisheit, bringt aber die Essenz von Arved Fuchs aktueller Expedition auf den Punkt: Man muss nicht in die härtesten Regionen unseres Planeten reisen, um Spannendes zu erleben. Die zweithärtesten reichen auch…

Arved Fuchs, Dagmar Aaen, Lofotfischer

“Dagmar Aaen” – ein fürs Packeis umgebauter Haikutter, jetzt ausnahmsweise wieder als Fangkutter unterwegs © Fuchs

Ca. 200 km unterhalb des Polarkreises liegt die norwegische Inselgruppe der Lofoten. Steile Felswände, die plötzlich aus dem Dunst der Nordsee ragen, bekannt für dichten Nebel, gefürchtet wegen Orkanen und gewaltigen Gezeitenströmen. Im Sommer sind die Lofoten (die im Norwegischen übrigens niemals im Plural sondern als eine Insel bezeichnet werden) beliebter Anziehungspunkt aller Skandinavien-Fans – im Winter stehen sie über Monate hinweg im Mittelpunkt Norwegischer Fischer.

Im Winter?

Ausgerechnet wenn die Polarnacht ihrem Namen alle Ehre macht, wenn eisige Stürme ein Leben im Freien ziemlich ungemütlich erscheinen lassen, genau dann zieht es die Lofotfischer raus aufs Meer. Der Grund dafür war und ist schon in unser aller Munde gewesen und wird auch gerne als „das schwimmende Gold des Nordens“ bezeichnet: Der Kabeljau.

Arved Fuchs, Dagmar Aaen, Lofotfischer

traditioneller norwegischer Lofotkutter © fuchs

Riesige Schwärme des seit Jahrhunderten beliebten Speisefischs ziehen Winter für Winter aus der Barentsee zu den Lofoten, wenn ihre Zeit zum Laichen im Januar gekommen ist.

Für die norwegischen Fischer war und ist das Grund genug, traditionell am 1. Weihnachtsfeiertag Frau, Kind, Kegel vorm Kamin zurück zu lassen und in die Boote zu steigen, um teils bei verheerenden Bedingungen entlang der Fjorde rüber zum Westfjord der Lofoten zu schippern, dem „fruchtbarsten Acker“ der mit 7° Wassertemperatur gar nicht so eisigen Nordsee (Golfstrom).

Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts wurden dort in einer Saison durchschnittlich 64.000 Tonnen Kabeljau gefangen; damals waren die Fischer noch oft in Ruderbooten mit Segelunterstützung in den gefährlichen Gewässern unterwegs.

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Die “Dagmar Aaen” unterwegs im Nordmeer © Fuchs

Die heutige Fangmenge wird dagegen nur selten konkret beziffert: Sie schwankt zwischen Fangquote wegen Überfischung und oftmals nicht ausreichend kontrollierter, tatsächlicher Fangmenge.

Lofotfischer waren und sind die härtesten

Genau hier setzt nun der 59 jährige Arved Fuchs mit seiner aktuellen Expedition an. Auf seinem 24 m langen, speziell fürs Packeis umgebauten und verstärkten historischen Haikutter Dagmar Aaen – eben auch ein Fischereifahrzeug – folgte er unter Segeln den alten Fischerrouten entlang der Norwegischen Küste bis hinauf zu den Lofoten im rauen Nordatlantik. Derzeit liegt er in dem kleinen Fischerdorf Henningsvær, mit ein paar Hundert Einwohnern.

Arved Fuchs will dort vor allem über die harten Bedingungen der traditionellen Lofotfischerei berichten, aber auch in einer TV-Dokumentation „heute und gestern“ gegenüber stellen und vergleichen. Ein Fotografen- und Filmteam begleitet den Abenteurer und seine dreiköpfige Crew während der gesamten, ca. sechswöchigen Expedition. Als wissenschaftlicher Partner fungiert das Fraunhofer-Institut, das während der Reise Untersuchungen an Fischen vornehmen will.

Netter Nebeneffekt: Im elfjährigen Zyklus der Sonnenaktivität werden für den Winter 2012/13 die stärksten Nordlichterscheinungen seit Langem erwartet.

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Abenteurer par excellence: Arved Fuchs auf der Dagmar Aaen © Fuchs

Abenteuersegler und segelnder Abenteurer

Arved Fuchs ist derzeit wohl der bekannteste deutsche Abenteurer mit hoher Affinität zum Segeln und Botschafter der UN-Dekade „Biologische Vielfalt“.

Er war in 1989 der erste Mensch, der Nord- und Südpol innerhalb eines Jahres zu Fuß erreichte; ihm gelang die erste komplette Durchquerung des antarktischen Kontinents. Fuchs schaffte es allein mit einem Kajak, das er größtenteils hinter sich herzog, zum magnetischen Nordpol; auf dem umgebauten Haikutter „Dagmar Aaen“ gelang ihm die komplette Umrundung des Nordpols, also die erste Weltumrundung auf der arktischen Route.

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Die Route der Expedition “Lofotfischer”

In 2000 wiederholte er mit drei Begleitern die Shackleton Expedition in der Antarktis (auf der derzeit unter Original-Bedingungen Paul Larsen unterwegs ist).

Auf die TV-Dokumentation über die Lofotfischer dürfen wir alle gespannt sein. Sobald entsprechende Trailer-Vids online sind, werden SR-Leser informiert. Logisch!

 

 

 

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Michael Kunst

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