Abenteuer: Gegen den Wind zur Osterinsel – Pieske im Auftrag des Königs von Tonga

Törn seines Lebens

Pieske, Weltumsegler, Abenteurer, Rapa Nui

Pieske bei Trainingsfahrten vor Heiligenhafen © Peter Mantik/Pieske

Burghard Pieske (71) will es wieder wissen. 10.000 Seemeilen im Pazifik, ohne moderne Navigationshilfen, auch ohne Kompass. „Experiment Rapa Nui“: so segelten die Polynesier.

Eigentlich führt Burghard Pieske nur einen Befehl des Königs von Tonga aus, nicht mehr und nicht weniger. Er soll auf einem traditionellen polynesischen Auslegerschiff gemeinsam mit einer Crew aus Polynesiern durch den Pazifik segeln, um so auf alten Migrationsrouten ein „Re-Enactment“, also eine Neuinszenierung historischer Ereignisse durchzuführen. Zu den gleichen Bedingungen wie damals, unter den selben widrigen Umständen.

Pieske, Weltumsegler, Abenteurer, Rapa Nui

Kurzer NDR-Beitrag zum “Experiment Rapa Nui” (klicken) © ndr

Link zum NDR-Beitrag 

Denn das Seegebiet zwischen den 176 „Freundschaftsinseln“ (Tonga) und Rapa Nui (Osterinseln) gilt unter Seefahrern als ausgesprochen schwierig zu besegeln. Auf den alten Migrationsrouten der Polynesier weht der Wind meist gegenan, und die für die Astro-Navigations unabdingbaren sternenklaren Nächte sind eher die Ausnahme in dem oft von Wetterextremen heimgesuchten, riesigen Gebiet.

Pieske, Weltumsegler, Abenteurer, Rapa Nui

Pieske und “Nash” bei ersten Testfahrten © pieske

„Denen ging irgendwann das Geld aus“

In den Neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts renovierte Pieske gemeinsam mit Tongaern eines der großen „königlichen“ Auslegerschiffe, um damit die historische Polynesier-Route nachzusegeln. Doch „denen ging dann irgendwann das Geld aus“, berichtet der Lübecker heute.

An den „Befehl“ von damals fühlt sich der Wikinger (Pieske über Pieske) aber noch bis heute gebunden. „Diese Idee ließ mich einfach nicht mehr los. Unter ähnlichen Voraussetzungen wie die alten Polynesier durch den Pazifik zu segeln. Und somit zumindest im Ansatz nachzuvollziehen, was für fantastische Seefahrer diese Menschen doch damals waren!“

Also ging Pieske in seiner gewohnt hemdsärmeligen Art das „Experiment Rapa Nui“ auf eigene Faust an. Für ca. 150.000 Euro ließ er sich die Replika einer polynesischen Langfahrt-Proa bauen, allerdings mit durchweg modernen Baumaterialien.

Über den vergangenen Sommer segelte der 71-Jährige gemeinsam mit „Nash“, einem Freund, Bootsbauer und Navigator von den Marianeninseln zahlreiche Törns in der Ostsee, um die „Ana Varu“ auf Herz und Nieren für ihren großen Törn zu prüfen. Ehrensache, dass während dieser Zeit in Pieskes Heimathafen Heiligenhafen die Flagge der Tonga Inseln wehte.

Pieske, Weltumsegler, Abenteurer, Rapa Nui

Zwei Welten, zwei Freunde: Pieske und “Nash” © pieske

Erste Etappe: 1.200 Seemeilen

Ende des Jahres soll die zerlegte Proa in einem Container nach Taiwan verschifft werden, wo Anfang 2016 im Hafen Kaohsiung der Start zur 10.000 Seemeilen langen Reise erfolgt. Ohne Kompass, ohne Funk und GPS will Burghard Pieske dann die erste Etappe, 1.200 Seemeilen nonstop nach Guam wohl gemeinsam mit „Nash“ bewältigen. Es wird gemunkelt, dass Pieskes auf mehrere Jahre ausgelegtes Extrem-Abenteuer zur See ein krönender Abschluss seiner Karriere als Abenteurer sein könnte. Sicher ist jedoch, dass dieser Törn keine Spazierfahrt wird. Aber davon hat Pieske ja sowieso noch nie viel gehalten.

 

 

Burghard Pieske

Jahrgang 1944, Kapitän mit Patent „auf kleiner Fahrt“, Abenteurer par excellence, „Weltumsegler, Lehrer, Abenteurer und Wikinger“ (Pieske über sich auf seiner Website) – ein Mann, der die See als Schauplatz von Geschichte und Geschichten sieht.

Nach sechs Jahren als beamteter Lehrer „flieht“ Pieske aus dem bürgerlichen Leben in Deutschland und segelt zehn Jahre auf dem Katamaran Shangri La um die Welt. 1991/92 überquerte er mit dem Originalnachbau eines Wikingerschiffes, der „Wiking Saga“, den Nordatlantik von Dänemark über die Faröer, Island, Grönland, Neufundland bis nach New York.

Pieske, Weltumsegler, Abenteurer, Rapa Nui

Pieske vor seiner Proa während der boot Düsseldorf © pieske

Sein härtestes Abenteuer von über 5000 Seemeilen startete er 1989 einhand von Tonga in dem Nachbau des offenen, nur 7 Meter langen „Bounty“ – Beibootes nach Kupang/Indonesien.

Allein 7 Atlantiküberquerungen unter Segeln, die Durchquerung Panamas auf dem Piratenweg „Camino de Cruzes“ gehören zu seinen ungewöhnlichen Aktivitäten. Als sein Lebenswerk bezeichnet der Abenteurer jedoch sein Projekt Euro-Viking. Jeden Sommer ist Pieske mit sozial ausgegrenzten Jugendlichen auf den Flüssen Weißrusslands oder der Ukraine unterwegs, um mit seiner erlebnispädagogischen Expeditions-Therapie den Jugendlichen einen Weg aus der Arbeitslosigkeit aufzuzeigen. Nach dem Motto: Segeln statt saufen, Rudern statt raufen.

 

 

 

 

 

avatar

Michael Kunst

Näheres zu miku findest Du hier
Spenden

Ein Kommentar „Abenteuer: Gegen den Wind zur Osterinsel – Pieske im Auftrag des Königs von Tonga“

  1. avatar T.K. sagt:

    Der Kerl ist erst 71 und nicht schon 81! Aber auch in dem Alter hat er meinen Respekt!

    Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *