Abenteuer: Im Ausleger-Einbaum vor Sansibar – ultimativer Nervenkitzel?

Ngalawa im Kaskazi

Das könnte rau werden: Die „Adventurists“ planen eine Regatta durch die Inselwelt Sansibars. Zweier- und Dreier-Teams segeln 500 km in traditionellen Fischerbooten, angetrieben von Passatwinden.

Das Leben ist ein einziges Abenteuer. Das wissen wir alle und Segler sowieso. Dass jedem vermeintlichen Wagnis, jeder Mutprobe und jedem Nervenkitzel immer noch „eins draufgesetzt“ werden muss… nun, das nennt man wohl Zeitgeist.

Abenteuer, Sansibar, Ngalawa

Winschen und Elvströmblöcke Fehlanzeige – das Groß wird aus der Hand gefahren © adventurists

In diesen „Abenteuer-Zeitgeist“ lassen sich durchaus populäre Rennen wie das „Race to Alaska“ oder die „Everglades Challenge“ einordnen: Ankommen ist Triumph genug, der Kampf mit der Natur, mit dem inneren Schweinehund und mit dem oft selbst gebauten und modifizierten Booten sollen dem jeweiligen Event einen Sinn geben.

In dieses Horn tuten nun auch die „Adventurists“. Die Gruppe junger Draufgänger organisiert bereits seit Jahren Abenteuer, die in keine Schublade passen und wohl gerade deshalb höchst beliebt sind. Sie schicken ihre Teilnehmer auf uralten russischen Motorrädern über den zugefrorenen Baikalsee, sie organisieren Rallyes auf Pferden in der Mongolei, veranstalten 3.500 Kilometer lange Motor-Rikscha-Rennen quer durch Indien und finden, dass es „nun an der Zeit sei, sich endlich der See zu widmen“.

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Man kann, muss aber nicht abends pausieren © adventurists

Auch dafür bleiben sie ihrer Sehnsucht nach exotischen Örtlichkeiten treu und wählten Sansibar zum Ausgangspunkt ihres „Adventure 9“: Eine 500 Kilometer lange Regatta durch die Inselwelt Tansanias – auf „Ngalawas“, den Ausleger-Einbäumen der örtlichen Fischer.

Das Rennen soll zwei Mal im kommenden Jahr stattfinden. Vom 29. Dezember 2015 bis 9. Januar 2016 und vom 4. bis 15. Juli 2016, also genau dann, wenn Kusi und Kaskazi, die örtlichen Passatwinde wehen (was alle versierten Fahrtensegler sowieso schon wissen dürften)

Nachvollziehbar,, dass die größte Herausforderung dieser Regatta im Beherrschen der filigranen, aber angeblich hochseetüchtigen „Ngalawa“-Boote liegt. Und übrigens gibt es für den Begriff „Seemannschaft“ noch keine Übersetzung in die Landessprache Swahili.

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Die Fischerboote kommen auch durchaus in den Glitsch © adventurists

 In der Ausleger-Nussschale auf dem Indischen Ozean

Wie schon der Film von der Pionier-Regatta im Juli 2015 zeigt, kommen die Boote sogar in den Glitsch, wenn die Welle hoch genug ist. Wichtigstes Utensil an Bord scheint ein Lenzeimer zu sein, das Lateinersegel wird kernig aus der Hand gefahren.

Auf jedem der gestellten „Ngalawa“-Boote sollten mindestens zwei Abenteurer segeln, empfohlen wird eine Crew-Größe von drei Seglern. Es müssen zwar verschiedene Checkpoints angefahren werden, grosso modo wird es aber jedem Team überlassen, wann und wo sie schlafen und auf welcher Route sie zum Ziel kommen. Ob eher über das offene Meer im Zwei-Meter-Seegang oder doch lieber unter Land, aber zwischen Riffen und Felsen…

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Abenteuer pur oder ausgemachter Blödsinn? © adventurists

Dreitausend Pfund soll der Spaß pro Team kosten, ohne An- und Rückreise, versteht sich. Dafür gibt es aber immerhin einen Trainingstag mit einem Fischer vor Ort, der Segler oder Nichtsegler in die Geheimnisse des „Ngalawa“-Handlings einweihen wird. Für Sicherheitstrainings wird offenbar nicht viel Zeit aufgewendet, die Teilnehmer sollen aber eine Auftriebshilfe und jeder ein Signalfeuer am Mann tragen.

Das Abenteuer wird jedoch nicht zum reinen Selbstzweck veranstaltet: Mehr als eine halbe Million britische Pfund sammelten die „Adventurists“ bereits mit ihren unterschiedlichen Abenteuern für Naturschutzprojekte.

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