Abenteuer: Im größten Wikinger-Langschiff über den Atlantik surfen – Mitsegler gesucht

Auf den Spuren Leif Erikssons

Die “Harald” und ihre Crew in Aktion:

Im offenen Handels- und Kriegsschiff der See ausgesetzt: Von Norwegen in die USA, (fast) wie zu Zeiten des sagenhaften Seefahrervolks. Hardcore-Segeln für Abenteuerlustige.

Faxen dicke vom modernen Fahrtensegeln? Keinen Bock mehr auf wohlbehütetes Schippern im Hochsicherheitscruiser mit Küchenzeile, zwei Bädern und automatisch einrollbarem Groß? Ihr wollt der Motorwinsch eine Auszeit gönnen und endlich wieder Schwielen an den Händen haben vom Dichtholen armdicker Taue und Schoten? Wollt mit Dutzenden Gleichgesinnter unter einer Zeltplane auf dem Atlantik den Elementen trotzen und wie die Wikinger den Stürmen der Nordsee die Stirn bieten? Wir hätten da einen Tipp für Euch…

“Weil es ein Abenteuer wird”

Die „Draken Harald Hårfagre“ wird von April bis September 2016 von Norwegen nach Amerika segeln. Der Rekrutierungsprozess dauert von Dezember bis Februar. Auf den Spuren des berühmten Wikingers und Entdeckers Leif Eriksson sollen Häfen auf Island, Grönland, Neufundland und Kanada angelaufen werden – überall dort, wo Archäologen Spuren einer frühen Wikingerbesiedlung gefunden haben, soll die „Harald“ Flagge zeigen.

Später besucht das Langschiff die US-Ostküste. “Im Zeichen der Völkerverständigung”, heißt es offiziell. Und “weil es ein verdammt spannendes Abenteuer wird“, freuen sich die Initiatoren der Reise.

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Moderne Wikinger auf der Nordsee © dhh

Nun ist die „Harald Hårfagre“ nicht irgendein Boot, das mal eben über den Atlantik gesteuert werden soll. Das 115 Fuß (35 Meter) lange und acht Meter breite Langschiff wurde von 2010 bis 2012 in einer kleinen norwegischen Gemeinde von einer Gruppe enthusiastische Segler, Bootsbauer und Abenteurer geschaffen und wird seitdem, auch auf längeren Strecken, in der Nordsee gesegelt.

Die „Harald“ ist somit das größte Wikingerschiff, das in modernen Zeiten auf Kiel gelegt wurde. Dabei nimmt die „Draken Harald Hårfagre“ für sich nicht wie andere Wikinger-Bootsbau-Projekte in Anspruch, die exakte Replika eines historischen Schiffes zu sein, dessen Reste etwa in Sümpfen, Flüssen oder auf dem Meeresboden gefunden wurden.

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Trotz 115 Fuß Länge: Segeln nah am Wasser © DHH

Vielmehr versuchte man Bootsbautechniken in den Bau einfließen zu lassen, deren Ursprünge auf die damalige Zeit zurückzuführen sind und die bis heute (verbessert) praktiziert werden. So entstand ein Schiff, das weder exakter Nachbau, noch ein moderner Klassiker (mit HighTech-Materialien) ist.

Auf den Atlantik Wellen surfen

Die „Draken Harald Hårfagre“ wird als „Wikingerschiff der Neuzeit“ ihren Sprung über den Atlantik wagen: Vollständig aus Holz gebaut, proportional etwas breiter als ihre klassischen Vorbilder unter den Kriegs- und Handels-Langschiffen, völlig offen, also ohne Kajüten wird sie auf den Wellen des Atlantiks surfen.

Die Freiwache wird in einer Art „12-Mann/Frau-Zelt“, das an Deck aufgeschlagen wird, nur bedingt zur Ruhe kommen. Eine der wenigen Reminiszenzen an die Neuzeit: Es gibt eine Toilette für die dreißigköpfige Mannschaft.

Gesteuert wird das 35-Meter Schiff mit einem für Wikingerschiffe klassischen Steuerruder, das an Steuerbord angebracht ist. Welche Kräfte beim Steuern dabei auf die Pinne wirken, wird im Video deutlich.

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Nix für Weicheier © dhh

“14 Knoten Speed im Surf”

Die „Draken Harald Hårfagre“ wird von ihrer Mannschaft hart rangenommen und erreicht verblüffende Geschwindigkeiten. Bei manchen Ausfahrten soll sie bereits 14 Knoten Bootsspeed geschafft haben. Durchschnittswerte von sieben Knoten über mehrere Hundert Seemeilen Strecke sind offenbar keine Ausnahme.

Ähnlich wie auf den traditionellen Wikinger-Langschiffen sind auf der „Harald“ 25 Ruderpaare angebracht, mit deren Hilfe Landungen, Flußauffahrten aber auch Flautenstrecken bewältigt werden. Aus Sicherheits- und Versicherungs-relevanten Gründen wurde das Schiff zudem mit einer Einbaumaschine bestückt.

Was sich prompt schon ausgezahlt hat: Bei einer Reise von Norwegen nach England verlor die „Harald“ im letzten Jahr 24 Stunden vor der Ankunft bei einer Beinahe-Kenterung in hohem Seegang ihren Mast. Personen kamen nicht zu Schaden, doch waren alle Beteiligten höchst erfreut über die Maschine, denn 25 Ruderpaare reichen bei Weitem nicht aus, um ein Schiff mit 80 Tonnen Verdrängung über die See zu bewegen. Früher waren in solchen Kriegsschiffen mindestens 50 Paare vorgesehen… schließlich gab es genügend kräftige Krieger an Bord.

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Beim Segel setzen © dhh

Historisch nicht ganz korrekt

Auch wenn die anstehende Reise über den Atlantik auf den Spuren des legendären Leif Eriksson stattfinden soll, ist sie, zumindest was die Wahl des Bootstyps anbelangt, nicht ganz korrekt ausgelegt. Denn moderne Historiker und Archäologen sind sich mittlerweile sicher, dass die Entdeckungsfahrten der Wikinger in den ungleich kleineren „Knarr“-Booten stattfanden. Die waren eher als Handelsboote ausgelegt und nicht als Truppentransporter für die Eroberungszüge.

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In ruhigeren Gefilden © dhh

Wie auch immer, wer auf der „Draken Harald Hårfagre“ anheuert, wird den wahren Wikinger-Esprit erleben. Gesegelt wird zwar in moderner Segelbekleidung, aber sämtliche Arbeiten werden ohne Hilfe von Maschinen oder modernen Übersetzungstechniken ausgeführt. Sprich: Um das Segel zu setzen, hängt mindestens ein halbes Dutzend Segler am Fall, um das schwere Tuch zu hissen.

Auf den Geschmack gekommen? Das Team der „Draken Harald Hårfagre“ sucht tatsächlich noch ein paar „Verrückte“, die sich den garantiert anfallenden Strapazen stellen wollen. Zwei Monate Zeit müssen die zukünftigen Mitsegler mindestens opfern, eine gewisse Erfahrung auf See wird vorausgesetzt. Die einzelnen Etappenorte und die genaue Route werden in den nächsten Wochen bekannt gegeben.

Bewerbungen

Website „Expedition America“

Derzeit wird die “Harald” für ihre Amerika-Reise An Land präpariert und sogar im Kielbereich verstärkt

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Michael Kunst

Näheres zu miku findest Du hier
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