Abenteuer: Liegt ein Fluch auf der „Apollonia“? Berühmte Mord-Yawl steht zum Verkauf

Die Schicksalsyacht

Apollonia, Mord, Kriminalfall, Yawl

Mit diesem Bild wirbt der Broker derzeit für die “Apollonia” © yachtworld

Auf ihr ereignete sich einer der spektakulärsten Kriminalfälle der Seefahrt. Doch die Geschichte der „Apollonia“ ist damit noch längst nicht zu Ende.

Sie ist eine echte Schönheit. Noch aus buchstäblich altem Holz geschnitzt, mit anmutigen Formen, wie man sie heutzutage nur noch selten trifft. Ihre Linien betören, ihr Charisma ist umwerfend. Die derzeit leicht bröckelnde Fassade lässt sie reif und gerade deshalb sexy erscheinen. Kurz: Die „Apollonia“ ist das, was man eine gute Partie nennt. Und sie ist zu haben…

Wenn da nur nicht der ausgesprochen fragwürdige Ruf der alten Dame wäre. Denn was auf den ersten Blick wie eine gute Gelegenheit wirkt, könnte sich – wie so oft im Leben – als schwerer Schicksalsschlag entpuppen.

Die „Apollonia“ ist eine klassische Yawl, wie sie im Buche steht.  Gebaut 1963 in der Bremer Werft John de Dood (Riss: Bill Tripp) fuhr sie zunächst als „Wappen von Bremen“ die Mitglieder der gleichnamigen Segelkameradschaft über die Meere – Jugendjahre einer Yacht, die im Rückblick wohl als die ruhigsten in ihrem (bisherigen) Leben bezeichnet werden können.

Doppelmord auf hoher See

Für 250.000 DM wurde die 16 Meter lange Schönheit aus Holz (Teak, Mahagoni, Zeder, Eiche) an einen 35-jährigen Geschäftsmann verkauft, der mit ihr den damals gerade in Mode gekommenen „Ausstieg“ aus dem Leben des Establishments zelebrieren wollte. Gemeinsam mit seiner Freundin plante er 1981, die „Apollonia“ in die Karibik zu überführen, wo die Yacht verchartert werden sollte.

Vorhang auf für einen der spektakulärsten Kriminalfälle zur See – dem Doppelmord auf der „Apollonia“, packend beschrieben in dem mittlerweile als Klassiker gehandelten Buch „Logbuch der Angst“ von Klaus Hympendahl.

Auf Gran Canaria, letzte Station vor dem Sprung über den Teich, sucht sich der offenbar völlig Hochsee-unerfahrene „Apollonia“-Eigner eine Crew aus einem vermeintlich „gestandenen“ Segler und dessen Freundin sowie zwei Chartergästen zusammen. Nach dem Ablegen zeigt sich die Yacht erstmals als Schicksalsschiff: Der Motor will nicht anspringen, der Anlasser muss kurzgeschlossen werden. Ganz so, als wollte sie diesen Törn lieber nicht antreten…

Der Rest ist tausendfach erzählte Geschichte. Der Gruppen- oder Kajütenkoller schlägt nach einsamen Tagen auf hoher See zu, der Segler und Navigator an Bord wird den anderen zu penibel und dominant, es wird gefoppt, geärgert, getriezt und irgendwann „meutert“ der „Segler“ gegen den „Eigner“, übernimmt dessen Pistole und das Kommando übers Schiff.

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So ungefähr sah die Yawl bei ihrem Schicksalstörn aus © yachtworld

Lebenslang – nach 17 Jahren entlassen

Der neue Boss an Bord lässt sich vom Eigner Blanko-Unterschriften für spätere Gehaltszahlungen ausstellen, was die Stimmung in der Crew nicht gerade bessert. Der selbsternannte Käpt’n kriegt schließlich den Pumpenschwengel über den Schädel gezogen, kann aber blutüberströmt noch zur Pistole greifen, erschießt Eigner, dessen Freundin und ballert einem der  Chartergäste in die Lunge, was der aber überlebt.

Die Leichen werden gleich auf hoher See entsorgt, die Überlebenden vom Mörder unter Druck gesetzt. Kurz vor Weihnachten lief die „Apollonia“ auf Barbados ein, wo den Behörden Lügengeschichten aufgetischt wurden. Erst als sich der Täter schließlich an die Hinterbliebenen der Mordopfer mit Geldforderungen wandte, wurde die deutsche Exekutive aufmerksam. Nach Geständnissen seiner Freundin und des verletzten Chartergastes wurde der Täter schließlich des Mordes überführt und zu lebenslanger Haft verurteilt. Aus der er 1999 nach 17 Jahren entlassen wurde.

Ein Drama, das jahrelang mediales Aufsehen erregte, im Buch, unzähligen Artikeln und sogar in einem Fernsehfilm rekonstruiert und mittlerweile „ad acta“ gelegt wurde. Wirklich?

Mit einem Fluch belegt?

Denn was ist eigentlich aus der reizenden „Apollonia“ geworden? Hatte das Schiff wirklich „Vorahnungen“ vor dem Auslaufen auf den Kanaren?

Segler wissen, dass ihr Schiff ein „Leben“ besitzt. Viele sprechen sogar von der Seele eines Bootes. Zudem sind die mit Abstand meisten Seeleute zumindest im Ansatz abergläubisch, woraus die Frage resultiert: Was hat die „Apollonia“ mit alledem zu tun? Ist sie vielleicht ein Schicksalsschiff für ihre Eigner und deren Mitsegler?

Jedenfalls erzählt man sich in der Yachtie-Szene der Karibik reichlich gruselige Geschichten über die „Yawl, auf der wohl ein Fluch lastet“.

Zunächst wurde die Yacht in der Karibik für Charterfahrten eingesetzt. Sie sank während eines Hurrikans, wurde kurz darauf gehoben. Ein Amerikaner namens Fred hat die Yawl in jahrelanger Arbeit in der Bucht von Grenada Marine wieder vollständig restauriert und auf „Vordermann“ gebracht. Fred war mit einer Hotel-Ressort-Besitzerin aus der Gegend liiert.

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Nur die Natur interessiert sich für die “Apollonia” © erbar

Angeblich nach den ersten Törns auf der fertiggestellten „Apollonia“ treibt der Vater der Hotelbesitzerin tot im Swimming Pool. Kurz darauf stirbt Fred im Krankenhaus an einer dubiosen Krankheit. Die Hotelbesitzerin (und neue Eignerin der „Apollonia“) erträgt diese Schicksalsschläge nicht und nimmt sich das Leben.

Was bleibt, ist die „Apollonia“. Sie liegt seit ein paar Jahren in der Karibik an der Mooring und… gibt keine Ruhe! So beschreibt etwa die Familie Hinrichs auf ihrer spannenden und sehr lesenswerten Website „hitch-hike-heidi“ ein seltsames Erlebnis während ihrer Weltumseglung 2012. Als sie in St. David’s Harbour vor Grenada liegen, sprechen sie abends mit Freunden über die „übliche Lektüre“ an Bord von Yachten. Die Hinrichs kennen noch nicht „Logbuch der Angst“, die Freunde leihen ihnen das Buch, die Hinrichs “verschlingen” es.

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Viel Unglück für 16 Meter Schiff © erbar

Kurz darauf werden die deutschen Weltumsegler magisch von einer Yacht angezogen, die da in der Bucht vor sich hinglänzt: Dreimal dürft ihr raten – genau, die Apollonia! Doch damit nicht genug. Abends erzählen sie in der Kneipe einheimischen Bekannten die Geschichte der Yacht, als plötzlich Alarm geschlagen wird: Ein Schiff habe sich von der Mooring losgerissen und treibe auf ein Riff zu! Die Hinrichs retten mit ihrem 2,5-PS-Dingi die Holzschönheit – eigentlich unnötig zu erwähnen, dass es sich um die „Apollonia“ handelte.

Yacht und Ressort verfallen

Womit die „Shogun“ und ihre Crew ins Spiel kommt. Knut Erbar (45) und seine Freundin Susi (43) sind auf ihrer Yacht (im letzten Twen-Jahr) vor gut einem Jahr in Hamburg gestartet und bislang auf den üblichen Pfaden via Englischen Kanal, Biskaya, Kanaren über den Atlantik in die Antillen gesegelt. „Aktuell bummeln wir die Hurricansaison hier im Süden ab, erledigen die üblichen Wartungsarbeiten. In Kürze geht das Schiff an Land, unser norddeutsches Antifouling wird von hiesigen Flora und Fauna bestenfalls als Sparringpartner ernst genommen.“ Im nächsten Jahr wollen die Drei über den Pazifik.

Knut entdeckte vor Kurzem bei einem Dinghi-Ausflug eine sehr schöne Holzyacht namens „Apollonia“, direkt neben einem verlassenen Hotel…

Knut:“ Das Schiff wartet jetzt ganz in der Nähe des Ressorts auf einen neuen Eigner. Das Ressort liegt im Wald, die tropische Vegetation hat sich die hübschen bunten Holzbungalows fast schon wieder einverleibt. Nach der Geschichte von Schiff und Ressort findet sich hier auf den Inseln niemand, der sich zumindest einem von beiden annehmen möchte.“

Knut Erbar hörte sich im „Buschfunk“ um, machte Fotografien vom „Ist-Zustand“ der Schicksalsyacht und erzählt uns die unglaubliche Geschichte eines Segelschiffs, das einfach nicht in Vergessenheit geraten will.

Derzeit wird die ehemalige „Wappen von Bremen“, die Yawl, auf der sich einer der spektakulärsten Kriminalfälle der modernen Seefahrt ereignete, für 75.000 US$ von einem Broker angeboten. Die Yacht sei in einem sehr guten Zustand, es müsse nur „kleines Geld“ für Ausbesserungsarbeiten in die Hand genommen werden, heißt es. „Unter der Hand“ scheint die „Apollonia“ sogar schon für 50.000 US$ gehandelt zu werden.

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Die Yacht wurde bei de Dood in Bremen gebaut © Apollonia

Jedenfalls will keiner der Einheimischen, keiner der zahlreichen Bootsbauer, die sich vor Ort angesiedelt haben und schon gar keine Langfahrtsegler auf der Durchreise die „Apollonia“ kaufen oder auch nur einen Fuß auf ihre schönen Formen setzen. Das Schiff sei mit einem Fluch belegt, tönt es aus den Tiefen des karibischen Buschs und wird hinter vorgehaltener Hand in den Hafenbars gemurmelt.

Aber vielleicht gibt es ja doch noch einen Interessenten. Es geht das Gerücht um, dass sich „der Mörder“ wieder öfters in den Häfen der Elbe blicken lasse und offenbar auf der Suche nach einem Schiff sei. Vielleicht wartet die „Apollonia“ ja nur auf ihn…

Tipp und Informationen vor Ort sowie Fotografien der heutigen “Apollonia” von Knut Erbar

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Michael Kunst

Näheres zu miku findest Du hier
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2 Kommentare zu „Abenteuer: Liegt ein Fluch auf der „Apollonia“? Berühmte Mord-Yawl steht zum Verkauf“

  1. avatar Svante Domizlaff sagt:

    Die Geschichte der “Apollonia” hat Michael Kunst wirklich sehr schön erzählt..Manche Schiffe haben eben ein eigenartiges Schicksal, oder soll ich sagen Karma? Die “A.” ist ein Schwesterschiff der “Hamburg VI” (die heute noch auf der Ostsee segelt) und wurde, wie “A” von der Segelkameradschaft in Bremen, für die Transatlantik-Regatta 1968 mit Ziel in Travemünde gebaut. Obwohl sich zumindest die “Hamburg” gegen brettharte US-Konkurrenz als Siegerin ihrer Klasse gut schlug, war sie ein sicheres, aber mit ihrem Formelbauch schwer zu segelndes, nicht sonderlich schnelles Schiff. Besonders vor dem Wind kaum zu halten.
    Die Gerichtsverhandlung in Bremen nach dem Amoklauf habe ich vom ersten bis zum letzten Tag im Gericht verfolgt, und darüber berichtet. Der Verurteilte ist übrigens einige Jahre später aus der JVA getürmt, konnte aber bald wieder eingefangen werden. Die Reise über den Atlantik, mit einem Eigner der nicht navigieren konnte und einem menschlich in sich gefangenen, höchst unsympathische Navigator, muss für jeden an Bord ein Albtraum gewesen sein. Es gab aber in dieser frühen Aussteiger-Zeit einige weitere ähnliche, nie ganz geklärte Fälle mit Toten an Bord (oder genauer gesagt “über Bord”.
    Das der inzwischen entlassene Navigator hier und da der Elbe gesichtet worden sein soll, liegt schon einige Jahre zurück. Habe ich aber auch gehört. Meiner Erinnerung wird er heute wohl in den Achtzigern sein, und damit nicht mehr auf große Seereisen gehen können.

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  2. avatar Tobias sagt:

    Hi,
    Ich habe im Herbst versucht, die Apollonia zu kaufen und wieder unter deutsche Flagge zu bringen.
    Das ist leider nicht gelungen – allem Anschein nach wurde sie Anfang Oktober verkauft.
    Ich bin gespannt, ob und wo sie in Zukunft in der Karibik auftauchen wird.
    Vielleicht kann ich ja dann – wenn auch nicht als Eigner – einen Törn mitmachen.

    Gruss aus Panama,
    Tobias

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