Abenteuer: Low-Tech-Tüftler im Katamaran um die Welt – Hauptsache autark

Salat mit gegrillten Käfern

Low Tech, Weltumseglung, schwimmendes Labor

Der “neue “Katamaran wird derzeit für die Reise präpariert und mit Low Tech aus- und umgerüstet © gold of bengal

Seine Leidenschaft: Das Meer. Seine Obsession: Low Tech. Sein Projekt: Um die Welt in drei Jahren – der Franzose Corentin De Chatelperron segelt Anfang 2016 los.

Er ist das, was man einen Charismatiker nennt. Mit kaum gebändigter Leidenschaft lebt er seine teils ziemlich spinnert anmutenden Ideen aus, bringt dabei Menschen unterschiedlichster Kulturen zusammen und begeistert jeden, der ihm über den Weg läuft, für seine gar nicht mal so exotischen Projekte.

Der 32-jährige Corentin De Chatelperron baute schon in Bangladesh klassische Fischerboote aus natürlichen Werkstoffen, segelte damit (meist) mutterseelenallein nach Frankreich, baute sich schließlich gemeinsam mit anderen Ingenieuren die „Gold of Bengal“ – nahezu nur mit dem Werkstoff Jute.

Mit ihr segelte Corentin De Chatelperron 16.000 Kilometer in zwei Expeditionen u.a.  im Golf von Bengalen, begeisterte mehr als fünf Millionen Menschen über soziale Netzwerke, Filme und das Internet für seine „Low Tech“-Ideen, erreichte hohe Medienaufmerksamkeit (auch oder vor allem in Europa) und konnte über 50 technische und finanzielle Partner von seinen Projekten überzeugen. (SR berichtete)

Low Tech, Weltumseglung, schwimmendes Labor

Noch ist alles Baustelle, Anfang nächsten Jahres soll die Reise losgehen © gold of bengal

Unabhängig sein… und bleiben

Derzeit nimmt seine bisher größte Expeditionsidee realistische Formen an. Der Franzose und sein „Low Tech“-Team wollen auf einem Katamaran „Nomade des Mers“, der bereits in den Achtziger-Jahren von dem berühmten VPLP-Designbüro als eine Studie entworfen wurde, um die Welt segeln.

Corentin wäre jedoch nicht Corentin, wenn er es bei einem normalen Törn belassen würde. „Natürlich geht es mir ums Segeln,“ behauptete er in einem Interview mit dem TV-Sender Arte, der den Törn filmisch begleiten will. „Segeln ist für mich die schönste, weil naturverbundenste Fortbewegungsart überhaupt. Wenn ich das nun mit meiner anderen Leidenschaft– dem Low Tech – verbinde, bin ich eigentlich genau dort angekommen, wohin ich wollte!“

Auf der „Nomade des Mers“ wollen Corentin De Chatelperron und wechselnde Begleiter den großen Rundum-Törn machen, dabei ausgiebige Etappenstopps hauptsächlich in Ländern der sogenannten Dritten Welt einlegen.

Low Tech, Weltumseglung, schwimmendes Labor

Essen ist fertig! Frischer Salat mit gegrillten Käfern und Maden © gold of bengal

Im Mittelpunkt der Reise steht eine Idee, die mittlerweile zumindest bei dem französischen Ingenieur bereits zu einer Weltanschauung gewachsen ist: Low Tech.

“Das muss sich ändern”

Ganz neu ist Low Tech nicht. Seit jeher interessieren sich bastel- und tüftelbegabte Menschen für technische Lösungen, die so einfach wie möglich sind, naturverbunden funktionieren und in der Herstellung kostengünstig, weil simpel sind.

Im „Low Tech Lab“ kamen nun junge Franzosen und eine erstaunlich lange Reihe unterstützender Firmen und Gesellschaften zusammen, um Ideen zu realisieren, die sich allesamt darauf konzentrieren, einfache Systeme zu entwickeln, die eine Versorgung mit Wasser, alternativen Energie-Produktionen, die Verwendung natürlicher Materialien als Werkstoff und vieles mehr beinhalten.

„90 Prozent aller Ingenieure, Techniker und Designer auf der Welt arbeiten für die Reichsten der Reichen,“ argumentiert Corentin. „Und das muss sich endlich ändern!“

Mit dem „Low Tech Lab“ unterstützt und fördert er derzeit Projekte aus Afrika, Indien und Asien. So stellt er beispielsweise eine solarbetriebene Mini-Wasserentsalzungsanlage auf seiner Website vor, die durchaus auch für Langfahrtsegler spannend sein könnte.

Und bei jedem Etappenstopp auf der kommenden Reise der „Nomade des Mers“ erhalten Tüftler, die von nah und fern anreisen, vor Ort die Gelegenheit, ihre Projekte vorzustellen.

Low Tech, Weltumseglung, schwimmendes Labor

So soll der Katamaran mit Low Tech ausgerüstet werden © gold of bengal

Autarke Reise

„Auch der Katamaran wird  im Sinne von Low Tech für ein autarkes Leben auf den Meeren ausgerüstet sein,“ erklärt Corentin De Chatelperron weiter. Ein Auszug aus der Ausrüstungs- und Transformationsliste, die an dem kürzlich gelieferten Schiff gerade vorgenommen werden:

  • Auffangbecken für Regenwasser • Solar-Panels • durch Menschenkraft erzeugte Energie (Fahrradprinzip) • Trockentoiletten • Hydrogenerator • selbstgebautes Energie-Windrad •

Weiterhin werden auf der „Nomade des Mers“ alternative Ernährungsformen auf See in gewissem Sinne re-kultiviert – denn manche Maßnahmen nutzten schon die alten Langstrecken-Seefahrer:

  • ein Hühnerstall für eine kleine Geflügelschar • ein Kräutergarten für die „natürliche Medizin unterwegs“ • eine spezielle Wasser-Entsalzungsanlage (solar, manuell) • auf einem kleinen „Bord-Acker“ wachsen Kartoffeln • Insektenaufzucht zur Ernährung der Crew • Algenkulturen (Nahrung, aber auch zur Abwasserreinigung) • Ofen, der mit Treibholz betrieben wird •

Anfang 2016 wollen die Meeresnomaden ablegen und mit ihrer „Low Tech“-Tour beginnen. Ein genaues Datum wird im Laufe der kommenden Wochen bekannt gegeben, eine Live-Webiste mit Tracker etc. geht in Kürze online.

Website Gold of Bengal

Website Nomade des Mers

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Gold of Bengal aus 100% Naturfaser gebaut © nomade des mers

Gold of Bengal aus 100% Naturfaser gebaut © nomade des mers

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Michael Kunst

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2 Kommentare zu „Abenteuer: Low-Tech-Tüftler im Katamaran um die Welt – Hauptsache autark“

  1. avatar pl_richter.altenh sagt:

    Wharram Katamaran. . . mehr Low-Tec geht nicht!
    muss man auch nicht erst neu erfinden

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  2. avatar Arwed sagt:

    Es gehen offensichtlich generell die Ideen und Möglichkeiten aus, sich noch einigermaßen in den Fokus von Sponsoren, Geldgebern und Verlagen rücken zu können. Öko kommt ja immer gut. Die Segelgemeinde betrauert derzeit zwei Hühner. Ich warte auf den Moment, an dem irgendein Spinner auf recycleten Jutewindeln nach Amerika kitet.

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