Abenteuer: Mateo Miceli und die Geschichte seines Schiffbruchs – Huhn La Mora blieb auf See

Öko Segler mit Huhn

Matteo Miceli war nach 145 Tagen einhand auf  See nach einem Kielbruch gerettet worden und hatte wider Erwarten sein Schiff finden können. Die Volvo Ocean Race Segler halfen. Er lässt die Geschehnisse seiner Roma Ocean World noch einmal Revue passieren.

Matteo Miceli

Huhn und Solarpanels. Symbole des enegieautarken Törns. © matteomiceli.com

Die Roma Ocean World begann am 19. Oktober 2014 und mit ihr wollte Matteo Miceli, Non-stop, Einhand und ohne technische Assistenz auf einem Segelboot der Class 40 um die Welt gesegelt. Start und Ziel war im Hafen von Riva di Traiano (Provinz Rom). Ein Abenteuer, dass der Öko-Segler aus Ostia an Bord seiner Eco40 erlebte und das ihn auf einen Kurs von rund 27.000 Seemeilen mit der Rundung der “Drei Meilensteine des Segelns” brachte: Kap der Guten Hoffnung, Kap Leeuwin und Kap Hoorn.

Matteo Miceli

Huhn an Bord. © matteomiceli.com

An Bord seines 40-Fußers hatte er einen Gemüsegarten und zwei besondere Mitseglerinnen, die beiden Legehennen, La Bionda (“Die Blonde”) und La Mora (“Die Brünette”) aus Livorno. Ausserdem das Beste der Technologie und Forschungsentwicklung, was Italien aktuell zu bieten hat. Sein Boot wurde mit speziellen Solarkollektoren ausgestattet, dazu kommen zwei Windkraft-Generatoren und zwei Wasserkraft-Turbinen.

Die dadurch erzeugte Energie wurde in Lithiumbatterien gespeichert und die Bordbeleuchtung besteht ausschließlich aus umweltfreundlichen LEDs. Ein 7 Kilo-Watt Elektromotor erlaubt Manöver im Hafen. Das Datenerfassungssystem und die Steuerungssoftware wurde von Ingenieuren der Universität “La Sapienza” in Rom entwickelt und realisiert.

Mateo Miceli

Miceli mit seiner “Ernte” © miceli

Die Ernährung von Matteo wurde mit angepflanzten Sojabohnen-, Linsen- und Weizenkeime aus dem bordeigenen Gemüsegarten gewährleistet, der künstlich beleuchtet und mit entsalztem Meerwasser bewässert wurde. Die für das Überleben notwendigen Proteine integrierte Matteo mit Fischfang und den Eiern der Hennen.

Am 145. Tag auf See, zwei Wochen vor der geplanten Ankunft und nach 25.000 zurückgelegten Seemeilen endete seine Weltumrundung auf dramatische Art, mitten im Atlantischen Ozean. Gerade zwei Tage vorher hatte er zum zweiten Mal den Äquator überquert. Was war passiert? Der Kiel war abgebrochen und dadurch kenterte sein Boot.

Matteo Miceli

Das Schiff nach Monate langer Treiberei im Meer. © matteomiceli.com

Genau am jenem Morgen des 13. März 2015 hatte Matteo noch über Satellitentelefon von seltsamen Problemen mit dem Seitenruder gesprochen und dass sein Boot kaum manövrierfähig sei. “Vielleicht ist es der Autopilot”, sagte er. Anschließend aktivierte er das EPIRB-Signal, der Notfall-Sender, der im Fall einer Gefahrensituation in Aktion tritt, um ein Boot orten zu können. Danach der SOS-Notruf.

Matteo Miceli

Der 40 Fußer ohne Kiel. © matteomiceli.com

Später sagte er zu diesen dramatischen Momenten im durchgekenterten Boot: “Ich öffnete sofort das Außen-Bullauge, um “La Mora” (das Huhn) aus dem Käfig zu holen. Ich stieg aus der Heckluke, um die aufblasbare Rettungsinsel zu öffnen, das Überlebens-Kit und andere Gegenstände einzusammeln. Durch das Hin-und-Her durch die Luke habe ich mir verschiedene Schnittwunden zugefügt. I

Reichlich Glück im Unglück: Micelli paddelt Richtung Frachter "Aramon" © aramon

Reichlich Glück im Unglück: Micelli paddelt Richtung Frachter “Aramon” © aramon

ch bin wieder an Bord, um “La Mora” zu holen, aber leider war sie nicht mehr da, aber ich habe großes Glück gehabt, denn ich bin tagsüber und bei guten Wetterbedingungen gekentert und ein Frachter war weniger als vierzig Meilen, zum Zeitpunkt des Unglücks, von mir entfernt.”

Matteo wurde vom Frachter “Aramon” und seiner Besatzung unter dem Kommando des russischen Kapitäns Salovatov gerettet. Nur wenigen Wochen vorher hatte er das Kap Hoorn bewältigt und ist damit einer der sechs italienischen Einhandsegler, denen das gelungen ist. Nach vier Jahren Vorbereitung für diese Weltumseglung in seiner Roma Ocean World musste er nach 145 Tagen auf See sein Boot verlassen und es treibend auf dem Atlantik zurücklassen.

Matteo Miceli

Gemüsegarten an Bord. © matteomiceli.com

Diese zukunftsweisende Reise mit einem “umweltfreundlichen” und “autarkem” Boot hat dazu geführt, eine nachhaltige Botschaft zugunsten neuer Energielösungen zu vermitteln. Der Einhandsegler Matteo hat während seinen fünf Monate auf See, tausende junge und alte Menschen, informiert, begeistert, bewegt und unterhalten.

Matteo, sechs Monate nach deiner Havarie im Atlantik ist nun auch wieder dein Boot zurück in Italien. Wie ist die Bergung verlaufen? Hat das Boot viele Schäden erlitten?

Glücklicherweise ist mein Boot wieder im Heimathafen. Leider ist es stark beschädigt. Im Grunde genommen ist nur der Rumpf intakt geblieben, aber die gesamte elektronische Ausstattung, der Mast, die Segel und die Ausrüstung ist verloren gegangen. Und auch unter Deck ist alles verwüstet und nur sehr wenig des Equipments konnte gerettet werden.

Zu meinem großen Bedauern sind auch Solarkollektoren, Wasserkraftanlage (sprich die Idro-Turbinen) und Windkraftanlage verloren gegangen, nur wenige Solarkollektoren sind unversehrt geblieben, aber leider auch unbrauchbar. Das Boot ist mehrere Monate im Atlantik getrieben, bevor wir es bergen konnten.

Matteo Miceli

Miceli bei der Abfahrt © matteomiceli.com

Der erste Bergungsversuch verlief schlecht. Nur wenige Wochen nach der Havarie bin ich mit einem Team von Freunden nach Brasilien zurückgekehrt, aber etwas ist schief gelaufen, denn das Signal des Trackers sendete nicht mehr und somit waren wir nicht in der Lage, die Position des Bootes zu orten. Ich habe sofort gedacht, dass der Tracker während der Havarie verlorengegangen sei, aber später habe ich erfahren, dass nur die Website, die dieses Ortungs-System verwaltet, ausgeschaltet war.

Aber dann, weitere anderthalb Monate später, wurde mein Boot gefunden. Ein Hochseefischerboot hatte es gesichtet und im gleichen Zeitraum segelten die Boote, die am Volvo Ocean Race teilnahmen, in der Etappe von Itajai in Brasilien nach Newport in den USA, in diesem Gebiet des Atlantiks und das Boot MAPFRE wurde per Funk vom Hochseefischerboot kontaktiert, mit der Frage, ob sie wissen, wem diese Segelyacht gehören könnte. Sofort wurde diese Notiz an die Zentrale des Volvo Ocean Race gemeldet, diese Information wurde dann an die zuständigen Behörden weitergeleitet und nur somit erfuhr ich die Position meines Bootes.

Matteo Miceli

Die zerstörte Ausrüstung nach Monaten kopfüber im Ozean. © matteomiceli.com

Während der vielen Wochen, in denen die Eco40 auf dem Atlantik trieb, wurde sie von den starken Strömungen und Passatwinde, etwa 400 Seemeilen entfernt von der Küste von Brasilien, getrieben. Ich wollte der Mannschaft des Fischerbootes persönlich danken, aber bisher konnte ich sie noch nicht treffen.

Vom Hafen Port de Suape wurde das Boot, dank der Unterstützung der Reederei MSC nach Livorno geschifft. Und im September konnte ich mein Boot dann endlich wieder in Empfang nehmen, um es dann selbst mit dem Tieflader in die Werft nach Riva di Traiano zu fahren, wo ich mit den ersten Reparaturen begonnen habe.

Welche kommenden Projekte planst Du mit der Eco40?

Mein Ziel ist es das Boot wieder in den autarken Originalzustand zu versetzen, das heißt neue Solarkollektoren, Wasserkraftanlage und Windkraftanlage einzubauen. Das ist eine immer noch sehr teure Aufgabe, aber ich möchte noch nicht aufgeben. Momentan warte ich auf Antworten von einigen technischen Sponsoren. Dieses Boot ist Tausende von Meilen im Atlantik, Indischen Ozean und im Pazifik gesegelt und es verdient wieder aufgebaut zu werden. Es gehört zu den wenigen Booten in seiner Kategorie, das das „Kap der Guten Hoffnung“, „Kap Leuuwin“ und „Kap Hoorn“ umsegelt hat und es soll weiterhin für ökologische Projekte, für die es konzipiert wurde, segeln und ein völlig autarkes Boot hinsichtlich seiner Energieversorgung sein.

Hat die Versicherung die Schäden übernommen?

Ja, die Versicherung Euro-American der Lloyd’s Gruppe hat mir die gesamte Summe der Police ausgezahlt. Ich hatte ein Versicherungsunternehmen an meiner Seite, das sehr hilfsbereit war, obwohl sie zu Beginn der Bergungsversuche besorgt über die Kosten dieser Operation waren. Selbstverständlich musste ich einen großen Teil der Rückerstattung einsetzen, um die hohen Kosten der Bergung zu decken.

Lass’ uns über die Zeichnungen auf dem Rumpf sprechen. Welche Bedeutung haben sie?

Matteo Miceli

Der Hai auf dem Rumpf soll das Bild der Selbstversorung darstellen. © matteomiceli.com

Matteo Miceli

Martialisches Bild. © matteomiceli.com

Ich bin mit diesen Serigrafien an den Seiten des Bootes gestartet, weil diese Idee den Sinn meiner Reise um die Welt mit einem energieautarken Segelboot verkörpert. Im dem Moment, als ich mich entschied, zwei Hennen mit an Bord zu nehmen, wollte ich gerne eine von ihnen auf einem Solarkollektor darstellen, um das Boot auf den Betrachter, wie ein Haus wirken zu lassen. Der Haifisch, der von der einen Seite des Bugs zur anderen springt, soll das Bild der Selbstversorgung darstellen, auch weil der von mir gefangene Fisch entscheidend für mein überleben war.

Welche nächsten Projekte warten auf Dich?

Ich habe die Idee, ein Round-the-World-Race mit anderen Booten der Class 40 zu organisieren … Einhand, Non-stop und ohne technische Unterstützung auf der gleichen Strecke, die ich in meiner Roma Ocean World gesegelt bin, also die gleiche Strecke der Vendée Globe, aber mit Start und Ziel an der Mittelmeerküste, in der Nähe von Rom. Der Start sollte im September 2018 sein, aber dieses Mal wird es ein Abenteuer in einem Wettbewerb sein, das mit anderen Seglerinnen und Seglern geteilt werden soll.

Kannst Du schon einige Namen nennen?

Mario Girelli, Gaetano Mura und einige französische Segler haben ihr Interesse bekundet. Es könnte auch Sergio Frattaruolo dazukommen. Ich glaube auch, dass die französische Klassenvereinigung der Class40 Interesse haben könnte, an dieser Regatta teilzunehmen. Leider habe ich die großen Namen der französischen Hochsee-Segelwelt persönlich noch nicht kennengelernt, weil ich bisher auch noch nie an einem Wettbewerb der Class40 teilgenommen habe. Seit Beginn meine Laufbahn gingen meine Projekte immer in eine andere Richtung. Mir gefällt diese Klasse sehr und ich kann es kaum erwarten, meine Eco40 wieder segeln zu sehen. In den vergangenen Jahren ist die Class40 sehr gewachsen und meiner Meinung nach fehlt es an einer Einhand-Regatta, Non-Stop, rund um die Welt in dieser Klasse.

Meinst Du um diesem Wettbewerb für energieautarke Boote realisieren zu können, wäre eine Partnerschaft – zum Beispiel – mit einem Unternehmen, das aktiv im Bereich der Erneuerbaren Energien ist, nützlich?

Das würde ungemein helfen, denn um ein energieautarkes Boot wie meine Eco40 zu bauen, erfordert es, nach dem aktuellen Stand der Dinge, noch ein hohes Budget, einfach weil die technische Ausstattung hohe Kosten verursacht. Persönlich gesehen, werde ich dieses Konzept weiter verfolgen, gerade weil ich es während meiner Roma Ocean World ausprobiert habe und es mich sehr zufrieden gemacht hat.

Sicherlich sind die Investitionskosten und der Einbau der speziellen Solarkollektoren, der Idro-Turbinen und der Rest der erneuerbaren Energieträger noch hoch, aber mit einem technischen Sponsor oder sogar einem Partner, wie im Falle einer Vendée Globe oder dem Volvo Ocean Race kann sich alles schnell ändern und realisierbar sein. Ich bin sicher, das großes Interesse besteht und bald möchte ich darüber mit den Vertretern der Class 40 sprechen.

In einer nächsten Reise wirst auch wieder Hühner mit an Bord nehmen?

Hühner zählen zu den geeigneten Tieren für einen Segeltörn. Das haben uns bereits die antiken Seefahrer gelehrt. Ein Huhn verbraucht wenig und produziert dafür sehr viel. “La Mora” (Die Brünette) und “La Bionda” (Die Blonde) hatten sich sehr gut eingewöhnt, bis zum Zeitpunkt, als wir in den Indischen Ozean kamen. Dort kamen wir von Temperaturen von 30 Grad Celsius in jene unter 10 Grad. Ich bin sicher, das “La Bionda” wegen der Kälte gestorben ist und “La Mora” ist leider bei der Havarie ertrunken.

Welche Momente waren während deines Abenteuers die bedeutendsten?

Kap Hoorn, das Kap der Guten Hoffnung und Kap Leeuwin zu runden sind der Traum jeden Seglers. Aber ich kann sicher den 24. Dezember 2014 nicht vergessen. Im Indischen Ozean hatte sich mein Boot in einem sehr dicken Seil verfangen, das wohlmöglich von Hochseefischern im Meer zurückgelassen wurde. Um das Boot davon zu befreien, musste ich versuchen dieses Seil zu kappen, aber die Umstände, in denen ich mich vorfand, waren alles andere als einfach … riesige Wellen und bis zu 60 Knoten Wind erschwerten die Aufgabe. Es war, als wäre mein Boot an die Leine genommen worden. Eine Panne, die sicherlich den Kiel der Eco40 zum ersten Mal sehr in Mitleidenschaft gebracht hatte. Aber jenseits dieser Momente war es eine wunderbare Reise und einzigartige Erfahrung.

Was hat sich nach dieser Segelreise, Einhand um die Welt, in Dir verändert?

Die Erfahrung der Havarie im Atlantik betrachte ich wie ein Zeichen des Schicksals. Es ist die Natur selbst, die uns lehrt, sie in all ihren Formen zu respektieren. Nach mehr als sechs Monaten, in den ich allein auf den Ozeanen gesegelt bin, liegt mir unser Ökosystem noch mehr am Herzen. Wir haben während dieser Reise sehr wichtige wissenschaftliche Daten gesammelt, die jetzt vom Forschungsinstitut der Universität Rom analysiert werden. Das Boot und ich waren wie eine ozeanographische Boje, die Daten im Südlichen Ozean sammelten, die zuvor noch nie untersucht worden sind, wie zum Beispiel die Höhe der Wellen.

Das Unternehmen LEICA hat das Boot mit drei GPS ausgestattet, die Wellenhöhe, neben den Wassertemperaturen und der Intensität und Richtung der Winde registriert haben. Diese Daten wurden dann täglich an die Wissenschaftler weitergeleitet. Die Italienische Raumfahrtbehörde (Agenzia Spaziale ItalianaA.S.I.) hat meine Route über einen Satelliten verfolgt und mein Boot wurde sozusagen als Anhaltspunkt eingesetzt, um die Position und Größe von Eisbergen im Südlichen Ozean zu messen.

von Andreas Ryll (www.bordreporter.com)

Spenden

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *