Admiral’s Cup Yacht “Rodeo”: Für 4500 Euro bei ebay unter dem Hammer

"Platt machen"

Der ehemals stolze Frauen-Cupper "Rodeo" in Wedel.

Die Anzeige bei ebay mag sachlich gehalten sein. “Jetzt bieten wir die erste Damen Crew Admiral’s  Cup Yacht `Rodeo´ als Kasko ohne Rigg usw an.” Aber der Preis deutet auf eine traurige Geschichte hin. 4500 Euro. Erschreckend wenig für einen elf Meter langen und drei Meter breiten Eintonner, dessen Linien einmal als Symbol für schnellen Bootsbau galten.

In den 80er Jahren zu den Hochzeiten des Admiral’s Cups, als Deutschland noch in der ersten Liga des Hochsee-Segelsports spielte, war die “Rodeo” als erste nur mit Frauen besetzte Yacht gegen die Männer angetreten und bei den deutschen Ausscheidungen auf dem neunten Platz gelandet.

1988 gab es sogar einen Rodeo-Cup in Deutschland, zu dem 13 der besten Eintonner der Welt antraten. Skipperin der Frauenyacht war Kirsten Tamm, die danach Soling Olympiateilnehmer Peter Wrede heiratete. Rodeo hieß die Kinderbekleidungs-Linie des Sponsors C&A.

Das heruntergekommene Cockpit des Admiral's Cuppers.

“In so schlechtem Zustand ist das Schiff eigentlich nicht”, sagt der ebay-Verkäufer gegenüber SegelReporter. “Sehr undicht kann es nicht sein. Es stand noch Wasser drin”. Der Mann ist ein Verwerter. “Wenn es nicht weggeht, muss ich es platt machen und die Teile verkaufen.”

Wie schrecklich. Die arme “Rodeo” droht, bei einem Yacht-Abdecker zu landen. In der ebay Anzeige heißt es weiter: “Eine Besichtigung ist bis zum 11. Mai erwünscht, danach werden wir die Yacht in Einzelteilen verwerten, falls sich hier eben nicht flott ein kompetenter Käufer findet. Für diese Teile, die hier dann auftauchen, können Angebote gebracht werden .”

Grünspan auf dem Deck. Der Eintonner hat schon bessere Zeiten erlebt.

Aber das Angebot ist vorerst vom Netz. Der ebay Händler konnte das Schiff, das in der Nähe des Segel-Vereins Wedel-Schulau steht,  noch nicht erwerben. Es gebe Probleme mit dem Voreigner. Ein Gutachter habe den Preis höher angesetzt. Es dauere sicher einen Monat, bis der Deal stehe. Erst dann werde er es noch einmal bei ebay versuchen.

Tipp: SR-Leser Martin Dillmann

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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5 Kommentare zu „Admiral’s Cup Yacht “Rodeo”: Für 4500 Euro bei ebay unter dem Hammer“

  1. avatar Friedrich sagt:

    Sehr anrührend so ein Anblick und es tut irgendwie weh, die glorreiche deutcshe AC-Historie so gammeln zu sehen. Dafür gibts allerdings noch mehr, auch schwimmende beispiele. Aber sag mir einer EINEN Grund, warum man so eine Hulk wieder in fahrt bringen sollte. Das Teil ist gemessen an der Größe langsam, braucht trotzdem min. 10 Mann an Deck, fährt sich vor dem Wind lebensgefährlich geigend und alles was da drauf und dran ist, ist groß, teuer, aufwändig. Irrtum IOR (?). Und so richtig klassisch schön ist das auch nicht.

    Zudem war das Projekt Rodeo nicht wirklich ein Erfolgsknaller, was die Bedeutung in der Seefahrtshistorie angeht.

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  2. avatar Segelsportfan sagt:

    Ein verrotteter Leichtbau-Kunstoff-Rumpf mit über 20 Jahren auf dem Buckel. Zu seiner aktiven Zeit wahrscheinlich noch mit extremen Rigglasten gequält. Die Beschläge, Winschen, ebenso alt, ebenso verrottet. Innen wird die Hülle ja bis auf einen kleinen – im Zweifel – defekten Motor (?!) nicht viel enthalten – musste ja leicht sein.

    Vielleicht wird ja anders herum “ein Schuh draus” – was kostet denn die Verschrottung von sowas?

    VG

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  3. avatar Andreas Ju sagt:

    Überhaupt: Wie und wo verschrottet man eigentlich ein Boot??? Zum Glück musste ich mir rein praktisch darüber noch nie Gedanken machen

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    • Alles was Metall ist ab zum Schrotthändler (Kiel, Rigg etc.) den Rest mit der Kettensäge kleinmachen (Stihl MS460 mit der Rapid Duo R Kette damit kommt auch locker durch die Stringer) alles in den Container schmeissen und ab dafür… günstigere Alternative: Kernlochbohrer auf 54°04’N 10°58’O vorher aber Rigg runterholen (Die Stihl könnte das auch)

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  4. avatar hurghamann sagt:

    Abwracken?
    Alles abschrauben was noch was bringt, mit Flex oder Kettensäge in handliche Stücke sägen, in den Container werfen und entsorgen.
    Die alten Cupper hatten glaube ich so knapp 2,5 t Blei im Kiel das gibt knapp 1.800 € plus 100 € für das Alu Strongback (so hat man damals noch gebaut) und Edelstahl Reste. Titan kam bei der Rodeo noch nicht zur Anwendung wenn ich mich richtig erinnere.
    Davon kann man schon einen Container bestellen und einen Hiwi mit ner Flex der das Teil abträgt. Viel hängen bleibt da wohl nicht wenn man noch die Deponiekosten abzieht.

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