Anders leben: Deutsches Weltumseglerpaar betreibt Web-Agentur von Bord aus

Büro unter Segeln

Büro, Segeln, Weltumseglung

Macht doch einen entspannten Eindruck, dieser Büroalltag © wagener

Online Ads, Web-Development, Multimedia – zwei Hamburger wollen ihre Büro-Jobs nicht aufgeben und dennoch um die Welt segeln. Also verlegen sie einen Teilbereich ihrer Agentur auf die Yacht.  

Maren und Matthias Wagener segeln auf ihrer Boreal 47-Aluminium-Yacht „Vast“ um die Welt. Sie haben bereits den Ärmelkanal durchquert, sind die französische, spanische und portugiesische Atlantikküste abgesegelt, bogen vor dem großen Sprung über den Atlantik erstmal ins Mittelmeer ab und lassen es sich derzeit auf den Balearen ganz offensichtlich gut gehen.

Nun wäre diese Information, insbesondere hier bei SegelReporter, nicht unbedingt einen Artikel wert. Schließlich gibt es derzeit Hunderte Fahrtensegler unter deutscher Flagge mit gleicher Intention, die es schon deutlich weiter geschafft haben und Bücher oder Blogs mit ihren Abenteuern füllen.

Büro, Segeln, Weltumseglung

So ein ganz kleines bisschen sollte man es sich natürlich auch gutgehen lassen, bei all der vielen Arbeit an Bord © wagener

Den Job dabei

Was Maren und Matthias jedoch von den meisten Blauwasserseglern unterscheidet ist die Art und Weise, wie sie ihren Beruf und somit ganz offensichtlich auch ihr finanzielles Auskommen in ihre Weltumseglung integrieren. Denn im Gegensatz zu den wenig betuchten Fahrtenskippern, die sich mit Bootsmann- oder Werftjobs in den angelaufenen Häfen finanziell über Wasser halten oder zu den „Sabbatical-Seglern“, die sich dank angespartem Polster über so profane Dinge wie „Lebensunterhalt“ überhaupt keine Gedanken machen brauchen, haben die beiden ihren Arbeitsplatz direkt aufs Schiff verlegt.

Sie führen ihre Hamburger Digitalproduktionsagentur „vast forward“ vom Wasser aus und leben so dank digitaler Medien und Totalvernetzung eine berufliche Mobilität, die ihnen im wahrsten Sinne der Worte neue Horizonte eröffnet.

Die „Vast“ wurde mit entsprechender Kommunikations-Hard- und Software angereichert: Mehrfaches WLAN, NAS, Rasberry und und und…

Zudem haben Maren und Matthias etwas Essentielles zu bieten, das keineswegs selbstverständlich ist: Einen Plan!

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Mal ehrlich, da träumen wir doch alle von: Klasse segeln und noch ein paar Jobs davor, danach, dabei direkt von Bord aus erledigen © wagener

Neue Perspektiven

Deshalb ein Novum hier bei SR. Erstmals stellen wir Euch nicht Boot, Leute und Abenteuer der Langfahrtsegler vor, sondern deren Idee vom „Arbeiten von Bord aus“. Sie schreiben auf ihrem Blog:

„Von unterwegs arbeiten – das war und ist unsere Idee für unser Projekt Vast Floating. Und es schien, vor dem Hintergrund von Vast Forward als digitales, verteilt arbeitendes Netzwerk und nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre als ein Punkt, der in der Vorbereitung vor allem technische Hardware-Fragen mit sich bringen würde.

Seit März 2015 arbeiten wir nun fast ausschließlich von unterwegs – und diese neue Perspektive gibt dem Thema ein neues Gewicht.

Da sich, wenn alles nach Plan läuft, in den nächsten Jahren nichts ändern wird und wir ausschließlich dezentral arbeiten, sind wir entsprechend neugierig auf aktuelle Themen, die im Netz diskutiert werden: “Geographically distributed development”, “coordination mechanisms”, “collaborative work“ – you name it.

Das klingt auch alles sehr interessant – doch wie so oft helfen theoretische Ansätze im Alltag erst mal wenig.

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Das Schöne daran ist ja: die meisten Jobs passen heutzutage in die kleine Kiste © wagener

Also: wir sind auf der Suche nach sehr praktikablen und praktischen Ideen, um besser in verteilten Teams arbeiten zu können.

Wir haben uns gefragt, über welche fachlichen, kommunikativen und technischen Anforderungen wir stolpern, was uns ausbremst und was gut ist von den Helfern in unserem täglichen Job; wie wir unseren neuen Arbeitsalltag gestalten und welche Tools nicht nur uns, sondern auch der Programmierung/Entwicklung und dem Design/Konzept helfen, die Herausforderungen des “remote” Arbeitens besser zu bewältigen.

Wir konzentrieren uns auf vier Fragestellungen, die das Arbeiten auf Distanz im Vast Forward Alltag in den vergangenen Wochen gefühlt am stärksten beeinflussen:
1. Konnektivität: Wie bleibt der direkte Kontakt, das Netzwerk erhalten, auch auf große Distanzen?
2. Form der Kommunikation: Wie können auch komplexere Projekte koordiniert werden?
3. Frequenz: Wie gut geht das mit der Erreichbarkeit und Zusammenarbeit, wenn man selber nicht nur in einem anderen Land, sondern auf der See unterwegs ist?
4: Tools: welche Hilfsmittel helfen dem ganzen Team, ob unterwegs oder im Büro in Hamburg, bei den täglichen Aufgaben für die Kunden-, Projekt- und Prozess-Steuerung?

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Die Kommunikation muss nur ihren Weg finden © wagener

Die vier Themen kann man ganz fix abhandeln, oder ihnen etwas mehr Raum geben, wir wollen versuchen, etwas tiefer zu gehen und dabei die vorhandenen Schnittmengen entweder zu ignorieren oder genau da etwas genauer hinzusehen: Probleme der Konnektivität kann man ja mit Tools lösen… Wir haben diese Abgrenzung im ersten Schritt als richtig erachtet, vielleicht kommt am Ende aber auch eine andere “Ordnung” dabei heraus, wir werden sehen – und darüber schreiben.

Wer mehr über Maren, Matthias und die „Vast“ erfahren möchte, findet auf der Website und auf Facebook reichlich Lesestoff.

Tipp: Arndt Allmeling

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Vor Anker arbeitet es sich deutlich besser, weil ruhiger © wagener

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2 Kommentare zu „Anders leben: Deutsches Weltumseglerpaar betreibt Web-Agentur von Bord aus“

  1. avatar Addi sagt:

    Das gefällt mir. Ernst gemacht mit work-live-balance! Wünsche viel Glück mit dem Experiment!

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  2. avatar Zoo sagt:

    Probleme, mit denen sich täglich Millionen von Werktätigen umherschlagen müssen, diesmal “kreativ” verpackt in einer nicht so langweiligen Umgebung.
    Zumindestens der Arbeitsweg ist recht kurz.

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